UNO: Bis 2030 biometrische Daten für alle

Die im Jahre 2015 von der UNO verabschiedeten nachhaltigen Entwicklungsziele (engl. Sustainable Development Goals oder SDGs) waren in der Welt der Entwicklungshilfe ein grosser Erfolg im Kampf gegen Armut, Benachteiligung von spezifischen Menschengruppen und viele andere weltweite Probleme. Sie wurden als Durchbruch gefeiert. Eines der Ziele, Nummer 16.9, beinhaltet die Vorgabe, dass bis 2030 alle Menschen eine legale Identität (sprich einen Ausweis) haben.

Frau mit roten Fingernägeln blättert in Reisepass mit vielen Stempeln.

Die Tage des alten Reisepasses sind gezählt. Zuerst gibt es die elektronische ID für Flüchtlinge und dann später für uns alle.

Gültige Ausweispapiere für alle – mit einem Haken
Das klingt vernünftig und dagegen ist an sich nichts auszusetzen. Hängt doch ein grosser Teil unseres modernen Lebens von Ausweispapieren ab. Nur leider höre ich schrille Glocken, wenn ich lese, wie das erreicht werden soll. Anstatt die einzelnen Länder dabei zu unterstützen, gültige und sichere Ausweispapiere für alle auszustellen, soll hierzu ein Netzwerk von bestehenden Datenbanken mit biometrischen Angaben aufgebaut werden, die alle in eine Datenbank in Genf Rückmeldung erstatten. Ausserdem läuft die Erhebung von biometrischen Daten und deren Verwaltung durch das UNHCR in verschiedenen Flüchtlingslagern (Tschad, Südsudan und Thailand) schon auf diese Weise. Die so gewonnenen Erfahrungen sollen jetzt auf „Nicht“-Flüchtlinge ausgeweitet werden.

Ein lukrativer Fang für Accenture und Microsoft
Das Informatik-Magazin inside-it verrät uns, wer diese mit allen Ländern vernetzte Datenbank aufbauen soll: Accenture und Microsoft. Sie haben vor wenigen Tagen in New York einen Prototypen dieses Netzwerkes vorgestellt. Bei geschätzten 1,1 Milliarden Menschen ohne gültige Ausweispapiere kann man diesen beiden Unternehmen schon mal zu diesem Fang gratulieren. Die UNO bzw. die beiden Unternehmen haben damit faktisch einen weltweiten Standard geschaffen, der gute Chancen hat, sich gänzlich durchzusetzen.

Effizient und kostengünstig – Datenschutz hat keinen Stellenwert
Die UNO hält dieses System für effizient und kostengünstig. Es ermöglicht das bessere Management von Flüchtlingen. Das mag ja stimmen, doch es ist auch beunruhigend: Je mehr Daten erfasst werden, desto grösser ist der Schaden, wenn sie gestohlen werden. Und man stelle sich vor: Datendiebe machen sich mit den Identitätsdaten von 1,1 Milliarden Menschen (bei sieben Milliarden Erdbewohnern)  aus dem Staub (Name, Geburtsdatum, Fingerabdrücke, Irisscan usw.) Die weltweite Vernetzung von Datenbanken ist ein schwer einzuschätzendes zusätzliches Risiko und die Datenbank in Genf wird zu einem attraktiven Einfallstor.

Totenstille im Medienwald
Was mich aber überrascht, ist, dass ich keine ernstzunehmende Zeitung oder ernstzunehmendes Newsportal über die volle Tragweite einen weltweiten biometrischen Erfassung berichten sehe (Stand 5.7.2017).  Selbst bei srf.ch finde ich keine Meldung darüber, obwohl ich durch SRF 4 News darüber erfahren habe. Ist die zukünftige weltweit grösste Datenbank mit Identitätsdaten so gar keine Meldung wert?

P.S. In der Schweiz werden die (biometrischen) Passdaten, auf telefonische Anfrage beim Passbüros Zürich und dem Bundesamt für Polizei, in einer zentralen Datenbank während 20 Jahren vorgehalten und dann vernichtet. Diese Datenbank untersteht dem Bundesamt für Polizei und wird vom Bundesamt für Informatik und Telekommunikation betreut.

Das Gesundheitskartell hat neue Partner

Man lernt jeden Tag was Neues. Die Erkenntnis von letztem Samstag war: Die „Quantified Self“-Bewegung  ist nun definitiv dem Kommerz anheim gefallen. Nachdem zuerst die Elektronikhersteller abkassiert haben, treten nicht überraschend neue Player auf die Bühne. Die Krankenkasse im Plakat verspricht Prämiensenkungen für alle, die die Anzahl der eigenen Schritte durch eine App und das Smartphone überwachen  lassen.

Foto eines Plakates der Krankenkasse CSS.

Die Zukunft ist schon da. Mit jedem Schritt zur kostengünstigen Gesundheit.

Die freundliche Interpretation
Es wäre zwar interessant zu sehen, wie sich die Krankenkasse das so vorgestellt hat, doch die Abscheu ist in diesem Fall grösser als die Neugierde. Ja, natürlich, es gibt verschiedene Sichtweisen: Man kann das als Versuch verstehen, die Prävention attraktiver zu gestalten. Nebenbei versucht die Krankenkasse eine neue, spezifische Zielgruppe (wohl gute Risiken aka gesunde Versicherte) anzuziehen. So weit, so nett.

Mehr Daten. MEHR!!!
Ich sehe das hingegen als den Versuch, so viel Informationen/Daten aus dem Leben der Kunden zu quetschen, damit man sie dann für vermeintlich gutes oder schlechtes Verhalten belohnen oder bestrafen kann. Es geht selbstverständlich auch darum, den Kunden komplett die Verantwortung für die eigenen Krankheiten anzuhängen und so letztlich Geld zu sparen. Über kurz oder lang werden die Krankenkassen bestimmen, welches eine gesunde Lebensweise ist (X Schritte, Y Lebensmittel, Z Stunden Schlaf) und alles andere wird dann zum selbst gewählten Gesundheitsrisiko, welches man mit höheren Prämien bezahlen muss.

Zukunft absehbar – keine Sache für Erbsenzähler
Wer eins und eins zusammenzählen kann, der kann in die Zukunft sehen. Als nächster Schritt steht schon die Gamifizierung dieser App ins Haus. Wettbewerbe um die Anzahl Schritte, die Zahl der Schlafstunden oder den maximalen Ruhepuls ist die logische Weiterentwicklung dieses Konzeptes. Mir ist jeder letzte Rest an Neugier an dieser Art der Motivation zur Bewegung vergangen. Die Gesundheit ist mir zu wichtig, um sie den Erbsenzählern zu überlassen.

Licht im Tunnel – Ausgang oder Gegenzug?

Eigentlich leben wir Menschen in der wohlbehüteten westlichen Welt in interessanten Zeiten. Überall geht die Post ab. Ein Umwälzungsprozess nach dem anderen kündigt sich an.  So türmen sich die Themen, die eigentlich einer ausführlichen Diskussion bedürfen würden, doch sie finden einfach zu selten statt. Das Resultat davon: Mit Sorge, berechtigterweise, blicken wir in die Zukunft, da sie so volatil wie noch nie scheint.

Zwei Strassen die um einen Berg führen treffen sich vor dem nächsten Berg.

Stehen wir schon am Scheideweg? Wäre schön und es gibt durchaus Gründe zur Hoffnung.

Mit Vollgas in den Untergang
Es sind auch schizophrene Zeiten. Die etablierten Medien versagen immer häufiger darin, uns die Welt zu erklären (zuletzt bei der Wahl von Donald Trump). Zudem müssen sie zusehen, dass ihr Geschäftsmodell ihnen wie Sand zwischen den Fingern verrinnt. Nun versuchen sie, mit täglichen Meldungen über neue Gerüchte und Vermutungen über Trump rauszuholen, was an Klicks noch zu holen ist. Das Orchester auf der Titanic hat die Lautstärke nochmals aufgedreht.

Aufrührerische Gedanken
Man kann über die Wahl von Trump denken, was man will. Er scheint mir ein hässliches Symptom unserer Zeit. Doch zum Glück gibt es auch Anzeichen der Hoffnung. Da und dort geistert der Gedanke umher, ob es angesichts der zukünftigen US-amerikanischen Regierung vielleicht doch angebracht wäre, sich in der Datensammelei zurückzuhalten oder mit Verschlüsselung besser die Privatsphäre zu schützen? Hört hört!

Am historischen Scheideweg?
Natürlich gefährden solche Ideen, die im Silicon Valley an Blasphemie grenzen, echte und imaginäre Geschäftsmodelle. Die (Möchtegern-)Goldgräber werden sich das nicht so einfach nehmen lassen. Wie auch immer: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ausserdem hege ich im Gegensatz zu manchen Untergangspropheten immer noch die Hoffnung, dass sich diese US-Wahl vielleicht noch als Beginn der Katharsis entpuppen wird. Denn das gesamte Ausmass unserer politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Probleme wird zunehmend sichtbar.

Hysterie oder Tatsache?

Europa ist ein Pulverfass. Zumindest entsteht dieser Eindruck angesichts der jüngsten Anschläge in Paris und Brüssel. Und wenn man den Drohungen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) Glauben schenkt, werden noch weitere Anschläge folgen. Ob die Schweiz einst auch ein Ziel von Terroranschlägen sein wird, steht in den Sternen. Unser Staat kann versuchen, dies mithilfe moderner Technologien zu verhindern. Er kann den Datenverkehr überwachen, Daten daraus sammeln und diese auswerten. Nur: Wie weit darf er dabei gehen?

Schützt uns eine Überwachungskamera mehr als dass sie unsere Privatsphäre stört? (Quelle: flickr.com // Martin Abegglen // CC BY-SA 2.0)

Schützt uns eine Überwachungskamera mehr als dass sie unsere Privatsphäre stört? (Quelle: flickr.com // Martin Abegglen // CC BY-SA 2.0)

Im letzten halben Jahr haben der National- und der Ständerat zwei revidierte Gesetzesvorlagen verabschiedet: Letzten September die Vorlage zum revidierten Nachrichtendienstgesetz, das dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) bessere Möglichkeiten zur Früherkennung von Verbrechen bieten soll. Und im März die Vorlage zum revidierten Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (BÜPF).

Neue Kompetenzen und Möglichkeiten

Neu darf der NDB Telefone abhören, Räume verwanzen und in Computersysteme oder Netzwerke eindringen, also sogenannte Staatstrojaner einsetzen. Nach Aussagen verschiedener Politiker verfügt der NDB über zu wenige Kompetenzen, was es ihm scheinbar stark erschwert, Informationen mit den Nachrichtendiensten anderer Länder auszutauschen und somit an Informationen zu gelangen, die für die Schweiz wertvoll sein könnten.

Die Revision des BÜPF wiederum soll das Gesetz an die neuen technischen Entwicklungen anpassen. Damit will der Bund nicht mehr, sondern besser überwachen können, wie Simonetta Sommaruga immer wieder betont.

Widerstand gegen mehr Überwachung

Politische Gruppierungen, darunter die Digitale Gesellschaft Schweiz und die Piratenpartei Schweiz, haben gegen die beiden Gesetzesrevisionen das Referendum ergriffen. Sie sprechen von einer Massenüberwachung und einem unverhältnismässigen Eingriff in die Privatsphäre der Bürger. Das Referendum gegen das neue Nachrichtendienstgesetz ist bereits zustande gekommen. Das Volk wird also über die Gesetzesvorlage abstimmen können. Die Unterschriftensammlung gegen das BÜPF läuft hingegen erst seit ein paar Tagen.

Stellt sich die Frage, welche der beiden Seiten recht hat. Malen diese Gegner den Teufel an die Wand? Oder wollen uns der Bundesrat und das Parlament etwas unterjubeln, das uns zu Marionetten des Staats machen wird? Wird unser Leben künftig zu einem Spiessrutenlauf und zu einem Kampf um unsere Privatsphäre? Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Nur die Zukunt wird uns zeigen, was wirklich passieren kann, sollten diese beiden Gesetzesrevisionen einst gültig sein.

Neue Möglichkeiten, neue Gefahren

Neue Technologien bieten neue Möglichkeiten, aber auch neue Gefahren. Letztlich wird immer wird immer wieder Menschen geben, die versuchen, unrechtmässig an sensible Daten zu gelangen. Regeln können gebrochen, Gesetze und Bestimmungen umgangen werden. Menschen machen Fehler, sei es absichtlich oder unabsichtlich. Und selbst das beste System kann nicht verhindern, dass diese Fehler passieren.

Eine hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben. Insofern müssen wir wohl damit leben, dass die Sicherheit unserer privaten oder sensiblen Daten in der heutigen Zeit eine Illusion ist – und es vermutlich auch bleiben wird. Schützen können wir uns letztlich nur selbst – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Es sei denn, wir gehen komplett offline.

Quo vadis Apple: Cash oder Prinzipien?

Vielleicht haben Sie die Schlagzeile  „Apple soll iPhone hacken“ so oder ähnlich vor ein paar Tagen gelesen. Haben Sie den Artikel dazu ebenfalls gelesen? Nein? Dann ist ja gut. Denn das war wieder einmal ein wunderbares Beispiel, wie man mit vereinfachten Schlagzeilen vom eigentlichen Thema ablenken kann: Apple wurde nicht angewiesen, das besagte iPhone 5c zu hacken, sondern dabei zu helfen, es aufzubrechen. Was nach einer gewöhnlichen Hausdurchsuchung mit Hilfe des Schlüsseldienstes klingt, ist in Wahrheit ein Moment der Wahrheit für die grossen Technologie-Unternehmen aus dem Silicon Valley.

Falltür auf dem Gehweg

Mal schauen, ob aus der Hintertür in Apples Geräten eine Falltür wird.

Präzedenzfall für alle iPhones
Wie kam es dazu? Ein kalifornisches Bezirksgericht entschied letzte Woche, dass Apple mehrere Sicherheitsfunktionen eines iPhones 5c deaktivieren soll. Das war das Telefon eines der Attentäter von San Bernardino. Diese Entschärfungen sollen dem FBI ermöglichen einen Brute Force Angriff durchzuführen. Die ablehnende Reaktion von Tim Cook, CEO von Apple, kam postwendend: Dieses Urteil sei mit dem Einbau einer Hintertür in das Betriebsystem aller iPhones gleichzusetzen. Dieses eine Telefon zu manipulieren bedeute ein Risiko für alle Kunden von Apple.

Offene Fragen über ungesicherte Vermutungen
Ob er damit recht hat oder nicht, bleibt Gegenstand von Diskussionen. Diese kranken daran, dass die Details noch nicht bekannt sind: Wie würde die Software für die Deaktivierung gehandhabt, wer hätte wie darauf Zugriff? Auch über die Notwendigkeit/Nützlichkeit dieses offiziellen „Hacks“ kann nur hinlänglich spekuliert werden: Was bringt das Ganze? Welche Informationen glaubt das FBI überhaupt noch bekommen zu können? Das sind lauter offene Fragen. Da nützt es auch nichts, wenn sich Querschläger wie Michael Hayden, Ex-CIA und Ex-NSA-Chef, zu Wort melden, um ein eigenes Süppchen gegen das FBI zu kochen.

Apple als Beschützer der elektronisch Verfolgten
Cook hat sich die letzte Woche wahrscheinlich anders vorgestellt. Mit der Behauptung, die eigenen Geräte seien so  gut gesichert, dass auch Apple nichts bei der Entschlüsselung der Daten tun könne, wollte er wahrscheinlich das ständige Betteln der Sicherheitsbehörden um technische Hilfe abwürgen. Schliesslich versucht Apple seit einiger Zeit, sich als Hüter der Privatsphäre einen Namen zu machen. Vielleicht wurde gerade deswegen Apple mit dieser Klage bedacht. Schliesslich ist es immer von Vorteil das stärkste Tier im Rudel niederzuringen.

Kohle oder Prinzipien?
Apple wird das Urteil durch die Instanzen ziehen. Mal schauen, ob sich die Jungs aus Cupertino aus der Nummer wieder befreien können. Auf jeden Fall ist jetzt schon klar, dass das iPhone nicht so sicher ist, wie Apple immer wieder behauptet. Ausserdem scharren auch andere Regierungen voller Vorfreude schon mit den Hufen. Sie sind jetzt schon dabei, die gleichen Gerichtsurteile niederzuschreiben. Und letztlich wird der Moment der Entscheidung für Apple kommen: Der Schutz der Privatsphäre der Kunden vs. das Verbleiben in bestimmten Märkten.

Drohnen: die sprichwörtliche Katze im Sack

Drohnen, Drohnen und immer wieder Drohnen. Auf Weihnachten hin konnte man fast keinen Kaugummi am Kiosk kaufen, ohne eine Drohne nachgeschmissen zu bekommen. Ich wurde förmlich bombardiert mit Angeboten für diese surrenden Nervtöter. Na ja, vielleicht sollte ich mit diesem Wortspiel vorsichtig sein. In anderen Gegenden dieses Planeten stehen Drohnen für den plötzlichen und unvorhersehbaren Kollateralschaden aus der Hand von Jugendlichen, die den Tod nur vom Bildschirm kennen.

Weisse Drohne mit Frenbedienung

Haben Sie auch schon ihr ganzes Leben lang darauf gewartet Bilder aus der Luft machen zu können?

Neue egozentrische Höchststände
Ganz im Gegensatz dazu in der westlichen Welt: Hierzulande stehen Drohnen im völlig unbegründeten Verdacht, die neuen Heilsbringer des Elektrowarenhandels zu sein. Es gibt sie in allen Grössen, Farben und Gewichtsklassen. Als hätte die westliche Zivilisation nur darauf gewartet, den Luftraum mit diesen überdimensionierten Insekten zu füllen. Natürlich auch mit eingebauter Kamera. Wir sind ja auch alle Martin Scorsese. Und das gefilmte Objekt ist man am besten selbst. Dafür gibt’s die Selfie-Drohne. Geht es noch ein wenig egozentrischer?

Ungeahnte Möglichkeiten und endlose Probleme
Welche Gefahren entstehen können, wenn man diese Dinger auf die Menschheit loslässt, hat niemand bedacht. Dazu muss man nicht einmal so weit ausholen wie Michael Crichton in seinem Roman „Beute„. Ein Blick ins Ausland genügt: Einmal mehr hat uns die Rüstungsindustrie eine Segnung verpasst, von der wir uns erst wieder erholen müssen. Die Warenhändler und Logistiker sehen darin die neue Transportmöglichkeit und die Schlapphüte/Rüstungsschmieden reiben sich ihre Hände.

Der Rubel rollt. Ist das nicht alles, was zählt? Da kann man auch locker darüber hinwegsehen, wenn sich Friedensnobelpreisträger Barak Obama, der Drohnenmeister persönlich, wie am Korrespondenten-Dinner 2010 im Ton vergreift.

Cookies: die süssen kleinen Verräter

Während man sich andernorts fast in die Hose machte, weil der Twitter-CEO Jack Dorsey einen Testballon stiegen liess (Aufhebung der Zeichenbegrenzung pro Tweet), blieb eine Erkenntnis fast gänzlich unbeachtet. In einer von techscience.org vorgestellten vergleichenden Studie ging es um die Cookies auf unseren Computern. Die Essenz der Studie: Diese süssen kleinen Verräter grassieren im Internet wie die Pest.

Eine Dreierreihe Kekse auf einem Backblech.

Neun von zehn Internet-Cookies gehören nicht dem Website-Betreiber. In gleichem Mass findet auch Google Analytics Verbreitung.

Im Schnitt 134 Cookies pro Website
Die Autoren der Studie haben sich jeweils die 100 und 1000 meistbesuchten Websites angesehen und den Zählrahmen hervorgekramt. Besucht jemand die Top 1000 Websites, schleppt er am Ende 134 769 blinde Passagiere in seinem Browser mit herum (Top 100: 6000). Im Vergleich zum Jahr 2012 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt (65 381). 130 der Top 1000 Seiten hinterliessen sogar 300 und mehr Cookies auf dem Computer der Website-Besucher!

Neun von zehn von Plätzchen gehen fremd
Fast alle diese Cookies warten nur darauf, der nächsten besuchten Website zu verraten, wo du vorher warst. Die harmlosen Zeiten, als Cookies verteilt wurden, um sich auf wiederholt besuchten Websites zu identifizieren, sind vorbei: 92 Prozent aller Kekse kommen nämlich von fremden Bäckern (Top 100: 90 Prozent). Das sind Cookies von Werbenetzwerken und Systemen, die das Besucherverhalten auf Websites auswerten. Ein Unternehmen, in dem Werbung und Auswertung praktischerweise zusammenkommen, ist unser aller ständiger Begleiter. Bitte einen Trommelwirbel für: Google.  Von den Top 1000 Websites verwenden 923 Google Analytics. Da soll mal einer sagen, das Web sei so eine anonyme Sache.

Digitale Spuren wo man hinsieht
Und zum Schluss noch ein kleines Gedankenexperiment, um die Gefährlichkeit und Absurdität der Situation zu zeigen. Man stelle sich vor, bei jedem ersten Besuch eines Warenhauses würden den Kunden jeweils 134 kleine reflektierende Aufkleber mit ein paar Buchstaben auf die Jacke geklebt. Bei jedem erneuten Besuch im Laden würden diese dann mit einem Scanner ausgelesen. Die freiwilligen Kundenkarte kommt noch oben drauf. Ach ja, unsere Kreditkarten hinterlassen auch noch digitale Spuren …

Ist es nicht schön, dass sich so viele Menschen dafür interessieren, was uns gefällt und was wir so machen?

Pseudo-Verschlüsselung: Die Hintertür zu deiner digitalen Privatsphäre

David Cameron hat es im Januar dieses Jahres als erster Politiker für europäische Ohren öffentlich thematisiert: Es darf keine toten Winkel im Kampf gegen den Terrorismus geben. Konkret darf in Grossbritannien die digitale Kommunikation nicht mehr so gut verschlüsselt werden, dass die Behörden nicht einsehen können. Er fragte damals rhetorisch in einer Rede: „[I]n our country, do we want to allow a means of communication between people which we cannot read?“ Ob er sich bewusst war, wie totalitär seine Forderung ist, kann ich nicht beurteilen. Er forderte damit schliesslich nur das Ende der sicheren Verschlüsselung und damit das Ende des letzten bisschen Privatsphäre, dass uns im Internet geblieben ist. Alles andere ist schon verloren.

Ein rostendes Schlüsselloch in einer Holztür.

Jede Hintertür hat auch einen Schlüssel um sie zu öffnen. Gibt es diesen, dann wird er zum ultimativen Ziel.

Dreiste und gefährliche Forderung
Cameron erntete für seine Aussagen in Expertenkreisen viel Kopfschütteln. Und dies aus zwei Gründen: Erstens verwenden Bösewichte keine Tools, die kompromittiert sind und zweitens würde es bedeuten, dass jegliche Verschlüsselungssoftware für Normalbürger unsicher wird.

Das wissen auch die Sicherheitsbehörden. Sie stellen sich einfach auf den Standpunkt, dass die Sicherheitsbranche schon ein Verfahren erfinden wird, mit dem die Schlüssel zu diesen Hintertüren sicher verwahrt werden können, ohne sie in einem Hochsicherheitstrakt verstecken zu müssen.  Da es diese Zauberlösung nicht gibt, haben 140 Tech-Unternehmen, Spezialisten und zivilgesellschaftliche Organisation einen offenen Brief an Präsident Obama geschrieben. Sie fordern von ihm, auf Hintertüren zu verzichten.

UNO meldet sich zu Wort
Obwohl selbst den Sicherheitsbehörden keine Lösung für das Schlüsselproblem bekannt ist, hat die Diskussion trotzdem Fahrt aufgenommen. In den USA sind sich die Sicherheitsbehörden einig: Wir brauchen das einfach. Die Sicherheit aller US-Amerikaner wäre sonst gefährdet! (Und mit Sicherheit kann man schliesslich alles begründen…).

Die ganze absurde Diskussion hat nun sogar die Uno auf den Plan gerufen. Sie hat vor wenigen Tagen in einem 18 Seiten starken Spezialbericht erklärt, dass Verschlüsselung und Anonymität Eckpfeiler des Rechts auf freie Meinungsäusserung im digitalen Zeitalter sind.

Es geht wahrscheinlich wieder einmal um Geld und Macht
Sind die Sicherheitsbehörden frech oder einfach nur dummdreist? Ich denke weder noch. In Wahrheit geht es ihnen wahrscheinlich eher darum, die Überwachung der Menschheit in den eigenen Händen zu behalten, denn in den USA wird zur Zeit im Parlament der Freedom Act verhandelt. Pikanterweise läuft der darauf hinaus, die Kompetenzen der Sicherheitsbehörden einzuschränken und die Erhebung der Daten teilweise in die Hände der Privatfirmen zu legen. Mit anderen Worten: Die Milliarden-Budgets der Behörden und Zehntausende von Arbeitsplätzen sind in Gefahr.

Tipp: Es lohnt sich, diese Anhörung des „Committee on Oversight & Government Reform anzusehen. Das ist schon nur deshalb faszinierend, weil man miterleben kann, wie die Sicherheitsbehörden versuchen sichere Verschlüsselung, etwa durch Apple, zur Kolaboration mit Gesetzesbrechern hochzustilisieren. Erschreckend ist auch die argumentative Hilflosigkeit der FBI-Vertreterin. Ausserdem erklärt ein Experte, warum Hintertüren gefährlich sind.

Die Ohren des FBI fliegen immer mit

Ja, eigentlich wollte ich heute ein paar Zeilen über Orange loswerden und der Firma beim Neustart alles Gute wünschen. Sie hat es auch nötig. Der Ruf ist freundlich gesagt durchzogen und wenn sie mir als Kunden ein SMS mit einem Link schickt, der auf die bevorstehende tolle Veränderung aufmerksam macht, dann bringt es diese Klitsche fertig, dass sich ihre Werbevideos von meinem Smartphone nicht abspielen lassen. Also business as usual bei Orange. Immerhin bleibt sich dieses Unternehmen bis zum Schluss treu…

Foto eines Warteraums vor einem Flugzeug-Terminal.

Das FBI hat seine Augen und Ohren überall. Wir können gespannt sein, wer das nächste Sicherheitsrisiko wird.

Grenzwertiger, schlechter Scherz
Es gibt aber Wichtigeres zu berichten. Vor ein paar Tagen musste Chris Roberts, ein Experte für Sicherheitsfragen in modernen Flugzeugen, feststellen, dass das FBI keinen Spass versteht. In einer Mitteilung in Twitter erlaubte er sich einen Scherz, der die Bundespolizei veranlasste, ihm während zwei Stunden Fragen zu stellen. Er schrieb in diesem Tweet, er wolle jetzt mal ein wenig mit der Software der Passagiermaschine rumspielen, in der er gerade selbst sass.

„Nein, lassen sie uns doch ihren Laptop tragen“
Diesen Tweet hatte man bei den Sicherheitsbehörden offensichtlich abgefangen. Die freundlichen Polizisten in Anzügen hielten es sodann für nötig, Rogers bei seiner Ankunft gleich am Terminal abzuholen und ihm eine kostenlose Fahrt in die Zentrale zu offerieren.  Es blieb aber nicht bei dieser Höflichkeit. Das FBI erlöste ihn von seinem Gepäck und nahm ihm bis auf sein Telefon alle elektronischen Geräte ab. Bis heute hat er sie nicht zurückbekommen.

Motiv unbekannt
Rogers dürfte seine eigenen Vermutungen haben, wieso er diese Vorzugsbehandlung bekommen hatte. Er sei nach eigenen Angaben vor zwei Monaten vom FBI aufgefordert worden, über gewisse Sicherheitslücken in Flugzeugen nicht mehr zu berichten. Er hingegen ging damit an die Presse und bekam Sendezeit bei CNN und Fox. Die gleiche Fluggesellschaft, mit der er vorher flog, verweigerte Rogers später den Zutritt zum Flugzeug. Na klar, aus Sicherheitsgründen.

Was war die Botschaft?
Es lässt sich nur schwer beurteilen, ob es sich hier um eine Retourkutsche, einen Wink mit dem Zaunpfahl oder Alarmismus handelt. Offensichtlich ist hingegen, dass Sicherheitsbehörden ihre offenen Ohren auf jedes Gleis legen und in kurzer Zeit den Standort ermitteln können. Es ist nur eine Frage des Willens und des Geldes. Und nicht zu vergessen: Das FBI ist in solchen Fragen so humorlos wie ein Partyclown auf Alkoholentzug.

Die Rettung naht – Anonymous spielt mit ISIS Whack A Mole

Ein Mann spielt Whack A Mole und trägt eine Anonymous-Maske

Whack A Mole – Schlag den Maulwurf: Mit den Propaganda-Konten der ISIS zu spielen kann zwar Spass machen, ist aber nur ein netter Zeitvertreib.

„We, Anonymous around the world, have decided to declare war on you the terrorists“ offenbarte das Hackerkollektiv Anonymous im Januar 2015 in seiner eigenen, leicht martialischen, Art. Dieser Ankündigung hat die lose Gruppe von Informatik-Experten jetzt taten Folgen lassen. Gemäss eigenen Angaben hat sie 800 Twitter-Konten entführt, gelöscht oder aufgedeckt, über die Propaganda für den ISIS verteilt wurde. Ausserdem hat die Gruppe weitere dubiose Twitter-Konten identifiziert, die nach dem Löschen von 1500 Konten (durch das Unternehmen Twitter selbst) neu angelegt wurden.

Schlag den Maulwurf
Anonymous wollte gemäss eigener Aussage mit diesen Aktionen nicht die Arbeit der Regierungen erledigen, sondern nur zeigen, dass es einfach wäre, dies zu tun. Und man fragt sich, warum also die Behörden so wenig unternehmen. „Sie können oder wollen nicht“, vermutet das Hackerkolektiv. Mit zweiterem dürfte es wohl recht haben: Es ist nicht schwer Social Media-Konten zu identifizieren und zu löschen. Was diese Aktionen  aber auch zeigt: Es ist auch nicht schwer, einfach wieder neue Konten zu eröffnen… Das erinnert mich an Whack A Mole. Kennen Sie das Spiel?

Gegen Ideologien helfen keine Exekutionen
Ich unterstelle Anonymous vorläufig guten Willen. Nur: Auf die Propaganda einfach den Deckel drauf zu halten ist nutzlos, denn das wäre reine Symptombekämpfung. ISIS ist weniger eine terroristische Organisation, als eine Bewegung oder Ideologie. Und Ideologien können nicht erschossen werden (frei nach Hermann Jelinek). Löschen nützt aber auch nichts.