Der neue Tech-Jesus wird uns alle retten

Das Tech-Business ist, so wie jede andere Religion auch, angewiesen auf Propheten und Heilsbringer. Durch den Tod von Steve Jobs, das Internet hab ihn selig, ist eine Lücke entstanden, die bis jetzt nicht gefüllt werden konnte. Wenn man so darüber nachdenkt, ist das eine traurige Angelegenheit. Orientierungs- und Führerlos irren Millionen von bärtigen Lemmingen durch den Tag und träumen in ihren ruhelosen Nächten von dem Einen, der ihnen wieder Halt geben kann.  Und wenn sie dann am Morgen verschwitzt aufwachen, starrt ihnen ihre eigene innere Leere wieder ins Gesicht.

Portraitbild von Elon Musk

Elon Musk: Er sieht nicht nur gut aus, sondern er könnte auch jedermanns Nachbar sein. Der perfekte Kandidat für den Tech-Jesus des Jahrzehnts. Bild: Brian Solis – WikiCommons

Der neue Messias ist im Anmarsch
Nicht, dass es an Kandidaten gemangelt hätte. Leider hatte keiner das wirkliche Potenzial für den Tech-Jesus. Aber Achtung – wer Ohren hat, zu hören, der höre – die Zeit des unruhigen Schlafes ist vorbei.  Der nächste Messias wird gerade gecastet. Der Favorit für diesen Job ist Elon Musk. Er hat alles, was man als Tech-Jesus braucht: Er ist ein Sohn des Internets, genauer gesagt ist er das Produkt einer Affäre des Internets mit dem Finanzwesen, hat sich durch den Einkauf in PayPal selbst reich gemacht und kann mit seinen Marketingfähigkeiten, um es mit den Worten der Blues Brothers zu sagen, Ziegenpisse in Benzin verwandeln. Die perfekte DNS also.

Sympathische Ideen, aber nichts Weltbewegendes
Man möge mich nicht falsch verstehen. Musks Ideen sind mir durchaus sympathisch. Nur hab ich bis jetzt nichts Revolutionäres von ihm gehört. Am bekanntesten sind seine Elektroautos. Diese Luxus-Elektromobile mit eingebauten Tablet zielen auf eine Nischenpublikum, werden mit Staatsgeldern gefördert und haben für die Zukunft des Individualverkehrs keine Bedeutung. Seine neueste „Erfindung“ – eine grosse Batterie fürs Eigenheim, die man an die Wand schrauben und in 30 Jahren abzahlen kann – hat ihm jetzt definitiv den Übernahmen Tony Stark (alias Iron Man) beschert…

Zum Glück haben, so wie alles andere von Menschenhand, auch Heilsbringer eine kurze Halbwertszeit.

Das vergiftete Informationshäppchen für Zwischendurch

Vier gefaltete Zeitungen liegen übereinander. Auf einer steht Dont't Miss! in roten Buchstaben.

„News are bad for you – and giving up reading it will make you happier“ – die Argumentation von Rolf Dobelli ist es wert, darüber nachzudenken.

War es Absicht? Stand er unter Einfluss von Medikamenten? War er depressiv? Was wussten seine Vorgesetzten? Und löst die neue Vorschrift, Piloten im Cockpit nicht mehr alleine zu lassen, das Problem? Mit vielen Fragen konfrontiert, die wir nicht beantworten können, vielleicht nie beantworten werden können,  wurde uns die Tragödie um den abgestürzten Germanwings-Flug aufgetischt. Verpackt in vielen kleinen Häppchen, von Bildstrecken bis zu Live-Tickern, die alle auch noch mit denselben Bildern dekoriert waren, verkauften uns vor allem die Online-Medien die immer gleichen inhaltsleeren „News“.

Vermittlung von Information ist nicht nur Dienstleistung
Und was bleibt nach der medialen Hysterie? Wenig. Zwar können wir immer noch nicht genau sagen was passiert ist, doch mit dem hilflosen Platttreten der Psyche des Co-Piloten ist der Zweifel gesät: Auch Flugzeugpiloten ist nicht mehr zu trauen. Ob dieser Zweifel berechtigt ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber das ist den Medien egal. Bei der Jagd nach der Sensation berufen sie sich immer gerne auf den Wettbewerb. Da ist dann nur noch wenig Platz für die Verantwortung, die sie als Informationsvermittler gleichzeitig tragen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Wie wirken die Informationshäppchen auf uns?
Was wir hier beobachten konnten, ist nur ein aktuelles und offensichtliches Beispiel für ein wiederkehrendes Muster. Die Frage, die ich mir dabei stelle: Welche Wirkung hat unser Konsum von Informationshäppchen auf uns? Rolf Dobelli, Schriftsteller und Unternehmer, hat da eine unmissverständliche Meinung dazu: „News are bad for you – and giving up reading it will make you happier“.

Abschied vom Informationshäppchen
Was er vor zwei Jahren in seinem Guardian-Artikel geschrieben hat klingt im ersten Moment provokant. Trotzdem sind seine Argumente nicht einfach so von der Hand zu weisen und sie sind es wert, darüber nachzudenken. Er stellt neun Behauptungen auf, die ihn am Schluss dazu führen, dass es gesünder ist, sich vom Konsum von Informationshäppchen zu verabschieden:

  1. News (bzw. deren Konsum) sind für die Beurteilung von wichtigen Belangen irrelevant.
  2. News haben bieten keine oder kaum Erklärung.
  3. News sind Gift, weil sie ständig Körperreaktionen auslösen, die das Immunsystem des Menschen stören.
  4. News fördern kognitive Fehlschlüsse.
  5. News behindern das Denken.
  6. News wirken wie Drogen und schaden dem konzentrierten Denken.
  7. News sind Zeitverschwendung und lenken ab.
  8. News machen uns passiv.
  9. News zerstören die Kreativität.

Totalitäre Gefahren? WTF?
Um seine Argumentation besser zu verstehen, empfehle ich den ganzen Artikel zu lesen. Keine Sorge, er ist nicht so lang. Aber immer noch länger, als der Kommentar der Guardian-Redaktorin: „Rolf Dobelli’s ideas about not needing news are dangerous.“ Sie faselt in der langen Fassung ihres Kommentars von irgendwelchen totalitären Gefahren. Ja, da stimme ich ihr zu, seine Gedanken sind gefährlich. Sie sind aber nicht gefährlich für unsere Gesellschaft, sondern für bestimmte Geschäftsmodelle der Medienhäuser.

Lasst uns jetzt Rindviecher sein

Fussballfans

Verschwörung, Aufstand, Rinderherde oder was? Quelle: Wiki Commons

Zurzeit scheint die Welt um eine popelige Kugel zu tanzen. Sie ist klein und ziemlich hässlich – was wohl der Grund dafür sein wird, dass ihr ständig eine Meute von Männern hinterher rennt und sie mit Füssen malträtiert. Generell sind das recht ruppige Gesellen, die auch mal gegen die Schienbeine Anderer treten, wenn die Kugel gerade nicht disponibel ist. Gelegentlich geben sie sich aber auch recht schmusig, lecken sich ab und tätscheln sich die Wangen oder andere Körperteile.

Fussball nennt sich das, und es wird erzählt, dass gerade Abermillionen, eigentlich zurechnungsfähiger Zeitgenossen ihre Zeit damit vertun, dem seltsamen Treiben zuzusehen. Manche sollen darob gar ihr Tageswerk vergessen, ihre Bürgerpflichten vernachlässigt, Zimmerpflanzen und Kinder verdursten oder Haustiere verhungern gelassen haben. Gut, vielleicht wollen uns angelsächsische Geheimdienste bloss wieder eine grosse Verschwörung vorgaukeln, wo keine ist. Wer weiss das denn heutzutage schon noch genau, gell?

So oder so: Die nächsten Wochen sieht es für ernsthaftere Dinge wie unseren Blog hier eher düster aus. Eigentlich könnten wir bis Mitte Juli dichtmachen. Doch weil Defätismus nicht zu unseren Stärken gehört, wollen wir die Herausforderung annehmen und etwas Suchmaschinenoptimierung betreiben. Wenn ich das Konzept richtig verstehe, geht es da ja bloss darum, irgendwelchen in Amerika vor sich her rödelnden Rechnern klar zu machen, dass auch in Europa etwas Relevantes geschieht.

Also: Tun wir einfach mal so, als ginge es hier um … Fussball! Dabei kommt uns gelegen, dass selbst die Kostspieligsten aller Rechner noch immer etwa so dumm wie Dasselfliegen sind. Letztere düsen bekanntlich durch die Gegend und beurteilen die Relevanz einer Landschaft nach ihrem Gehalt an Rindviechern. So im Sinne von: „Wo man muht, da lass dich ruhig nieder!“

Gut, dann lasst uns jetzt Rindviecher sein und fröhlich muhen:Fussball, Fussball über alles!“. Lasst uns die Stadien preisen als Horte von Freiheit und Völkerverständigung. Lasst uns der Fifa huldigen, und ihrer unbezahlbaren Weitsicht. Lasst uns vor allem nicht vergessen, Herrn Blatter zu loben für seine gottgütige Selbstlosigkeit.

Also, wenn das jetzt nicht hilft …