FTC mit einem Schuss vor den Bug von D-Link

Jeder kennt diesen Moment, wenn man voller Bestätigung zu sich selbst sagt: „Endlich! War aber auch schon höchste Zeit!“. So einen angenehmen Moment durfte ich vor zwei Wochen erleben, als ich auf dem Weg ins Training war. In einem meiner Podcasts hörte ich, wie die Federal Trade Commission  (FTC) in den USA ihre eigene Subline „Protecting America’s Consumers“ auch mal in einem neuen Bereich der Konsumentenwelt ernst genommen hatte: Sie klagte den taiwanesischen Hersteller D-Link wegen mangelnder IT-Sicherheit bei mehreren seiner Produkte an.

Webkamera auf einem Flachbildschirm

D-Link ist hoffentlich nur der erste Hersteller, der von einer Klage betroffen sein wird.

Schludriger Umgang mit der Sicherheit
Unter den von der FTC aufgelisteten Verfehlungen fanden sich z.B. das „harte codieren“ von Passwörtern in Hardware, sodass die Passwörter nicht geändert werden können (so ist der Zugang von Fremden auf die Life-Feeds von Webcams im eigenen Haus möglich). Ausserdem speichern die Apps von D-Link die Login-Daten auf dem Smartphones unverschlüsselt. Dies ermöglicht es anderen Apps diese auszulesen und Fremden zur Verfügung zu stellen. Nicht zuletzt hatte der falsche Umgang mit dem geheimen Sicherheitsschlüssel von D-Link zur Folge, dass der Sicherheitsschlüssel sechs Monate lang online der Öffentlichkeit zugänglich war…

D-Link meiden
Gemäss diesen Erkenntnissen argumentiert die FTC in der Klage, dass D-Link irreführende (Sicherheits)-Versprechen gegenüber den Kunden gemacht und dadurch die Privatsphäre der Nutzer riskiert habe, indem minimale IT-Sicherheitsstandards nicht eingehalten worden seien. Diese Klage erstreckt sich über verschiedene Produkte und sollte allen Nutzern ernsthaft zu denken geben. Sogar ich, wahrlich kein Experte für IT-Sicherheit, weiss, dass es sich hier um Anfängerfehler handelt. Ich werde D-Link von meiner Einkaufsliste streichen.

Wo kein Schaden, da kein Kläger?
Interessant war dann noch die Reaktion des angeklagten Unternehmens. Gemäss eines Artikels von PCWorld reagierte D-Link mit dem Argument, dass die FTC keinen Schaden nachweisen könne. Es bleibt abzuwarten, ob die FTC noch mit Fällen von Geschädigten aufwarten kann. Auf jeden Fall lohnt es sich, diesen Fall weiter zu beobachten, denn hier wird indirekt über den Wert von Privatsphäre im digitalen Raum verhandelt.

Traraaaa! Die Schlacht ist eröffnet!
Wie auch immer dieser Gerichtsfall ausgeht: Ich sehe diese Anklage als ersten Wink mit dem Zaunpfahl an die Hersteller der Internet-of-Things-Produkte, sich in Sachen Sicherheit mehr anzustrengen. Endlich! War aber auch schon höchste Zeit!

Licht im Tunnel – Ausgang oder Gegenzug?

Eigentlich leben wir Menschen in der wohlbehüteten westlichen Welt in interessanten Zeiten. Überall geht die Post ab. Ein Umwälzungsprozess nach dem anderen kündigt sich an.  So türmen sich die Themen, die eigentlich einer ausführlichen Diskussion bedürfen würden, doch sie finden einfach zu selten statt. Das Resultat davon: Mit Sorge, berechtigterweise, blicken wir in die Zukunft, da sie so volatil wie noch nie scheint.

Zwei Strassen die um einen Berg führen treffen sich vor dem nächsten Berg.

Stehen wir schon am Scheideweg? Wäre schön und es gibt durchaus Gründe zur Hoffnung.

Mit Vollgas in den Untergang
Es sind auch schizophrene Zeiten. Die etablierten Medien versagen immer häufiger darin, uns die Welt zu erklären (zuletzt bei der Wahl von Donald Trump). Zudem müssen sie zusehen, dass ihr Geschäftsmodell ihnen wie Sand zwischen den Fingern verrinnt. Nun versuchen sie, mit täglichen Meldungen über neue Gerüchte und Vermutungen über Trump rauszuholen, was an Klicks noch zu holen ist. Das Orchester auf der Titanic hat die Lautstärke nochmals aufgedreht.

Aufrührerische Gedanken
Man kann über die Wahl von Trump denken, was man will. Er scheint mir ein hässliches Symptom unserer Zeit. Doch zum Glück gibt es auch Anzeichen der Hoffnung. Da und dort geistert der Gedanke umher, ob es angesichts der zukünftigen US-amerikanischen Regierung vielleicht doch angebracht wäre, sich in der Datensammelei zurückzuhalten oder mit Verschlüsselung besser die Privatsphäre zu schützen? Hört hört!

Am historischen Scheideweg?
Natürlich gefährden solche Ideen, die im Silicon Valley an Blasphemie grenzen, echte und imaginäre Geschäftsmodelle. Die (Möchtegern-)Goldgräber werden sich das nicht so einfach nehmen lassen. Wie auch immer: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ausserdem hege ich im Gegensatz zu manchen Untergangspropheten immer noch die Hoffnung, dass sich diese US-Wahl vielleicht noch als Beginn der Katharsis entpuppen wird. Denn das gesamte Ausmass unserer politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Probleme wird zunehmend sichtbar.

Nicht vordrängeln

Mein Internetradio spinnt und deshalb sehe ich mich gerade nach einem neuen um. Das sollte in unserer freien Marktwirtschaft kein Problem sein, möchte man meinen. Aber weit gefehlt – das Angebot ist mickrig. Mir jedenfalls scheint es heute eher kleiner als vor ein paar Jahren noch. Es gibt kaum mehr Geräte, die man nicht auf den ersten Blick als Ramsch abschreiben muss. Es wird gespart, wo es nur geht: am Material, an der Klangqualität, am Design. Offensichtlich ist diese Art von Radio mittlerweile zum Gadget einer geizgeilen Randgruppe verkommen. Dabei: Wie soll man heute bitteschön noch Radio hören, wenn nicht übers Internet? Über UKW ist ja nur dieser Formatradiobrei zu bekommen. Der lässt sich allenfalls zu Beschallung von Bahnhofklos verwenden, aber hören kann ich das pubertäre Gedudel schon lang nicht mehr.

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Daten gehören ins Kabel. (Bild: dhester via Morguefiles.com)

Doch zurück zum Thema. Da finde ich trotz allem ein Radio, das gut aussieht und auch sonst solide wirkt. Ich besuche also den Händler, drücke dran rum und höre hinein. Es klingt so gut, wie es aussieht und fühlt sich auch so an. Doch als ich es umdrehe, fehlt tatsächlich die Buchse für das Netzwerkkabel. Das, klärt mich der Verkäufer auf, brauche heute doch eh kein Mensch mehr. Kein Mensch? Gut, ich hatte schon öfter den Verdacht, ein Ausserirdischer zu sein. Aber auch die haben so Wünsche und Vorstellungen, oder?

Zu meinen gehört jedenfalls, dass Daten in ein Kabel gehören und nicht in die Luft. Dort sind sie sicher aufgehoben, wissen wo’s lang geht, werden nicht gestört und können keinen Schaden anrichten. Glauben Sie jetzt jetzt aber ja nicht, ich gehöre nicht zu den hypersensitiven Zeitgenossen, die schon beim Anblick einer Handyantenne Migräne kriegen. Ich behaupte auch nicht, dass funkende Geräte grundsätzlich des Teufels sind. Aber: Man weiss es einfach nicht, ob und was der Wellensalat in unseren Körpern anrichtet, der täglich auf uns einprasselt. Das werden wir erst in 10, 20 oder 30 Jahren erfahren. So lange dauert es halt, das gross angelegte Strahlenexperiment, an dem wir alle teilnehmen. Bis dahin will ich mich nicht vordrängeln, wenn es darum geht, wer jetzt die grösste Dosis abbekommt. Sie verstehen?

Quo vadis Apple: Cash oder Prinzipien?

Vielleicht haben Sie die Schlagzeile  „Apple soll iPhone hacken“ so oder ähnlich vor ein paar Tagen gelesen. Haben Sie den Artikel dazu ebenfalls gelesen? Nein? Dann ist ja gut. Denn das war wieder einmal ein wunderbares Beispiel, wie man mit vereinfachten Schlagzeilen vom eigentlichen Thema ablenken kann: Apple wurde nicht angewiesen, das besagte iPhone 5c zu hacken, sondern dabei zu helfen, es aufzubrechen. Was nach einer gewöhnlichen Hausdurchsuchung mit Hilfe des Schlüsseldienstes klingt, ist in Wahrheit ein Moment der Wahrheit für die grossen Technologie-Unternehmen aus dem Silicon Valley.

Falltür auf dem Gehweg

Mal schauen, ob aus der Hintertür in Apples Geräten eine Falltür wird.

Präzedenzfall für alle iPhones
Wie kam es dazu? Ein kalifornisches Bezirksgericht entschied letzte Woche, dass Apple mehrere Sicherheitsfunktionen eines iPhones 5c deaktivieren soll. Das war das Telefon eines der Attentäter von San Bernardino. Diese Entschärfungen sollen dem FBI ermöglichen einen Brute Force Angriff durchzuführen. Die ablehnende Reaktion von Tim Cook, CEO von Apple, kam postwendend: Dieses Urteil sei mit dem Einbau einer Hintertür in das Betriebsystem aller iPhones gleichzusetzen. Dieses eine Telefon zu manipulieren bedeute ein Risiko für alle Kunden von Apple.

Offene Fragen über ungesicherte Vermutungen
Ob er damit recht hat oder nicht, bleibt Gegenstand von Diskussionen. Diese kranken daran, dass die Details noch nicht bekannt sind: Wie würde die Software für die Deaktivierung gehandhabt, wer hätte wie darauf Zugriff? Auch über die Notwendigkeit/Nützlichkeit dieses offiziellen „Hacks“ kann nur hinlänglich spekuliert werden: Was bringt das Ganze? Welche Informationen glaubt das FBI überhaupt noch bekommen zu können? Das sind lauter offene Fragen. Da nützt es auch nichts, wenn sich Querschläger wie Michael Hayden, Ex-CIA und Ex-NSA-Chef, zu Wort melden, um ein eigenes Süppchen gegen das FBI zu kochen.

Apple als Beschützer der elektronisch Verfolgten
Cook hat sich die letzte Woche wahrscheinlich anders vorgestellt. Mit der Behauptung, die eigenen Geräte seien so  gut gesichert, dass auch Apple nichts bei der Entschlüsselung der Daten tun könne, wollte er wahrscheinlich das ständige Betteln der Sicherheitsbehörden um technische Hilfe abwürgen. Schliesslich versucht Apple seit einiger Zeit, sich als Hüter der Privatsphäre einen Namen zu machen. Vielleicht wurde gerade deswegen Apple mit dieser Klage bedacht. Schliesslich ist es immer von Vorteil das stärkste Tier im Rudel niederzuringen.

Kohle oder Prinzipien?
Apple wird das Urteil durch die Instanzen ziehen. Mal schauen, ob sich die Jungs aus Cupertino aus der Nummer wieder befreien können. Auf jeden Fall ist jetzt schon klar, dass das iPhone nicht so sicher ist, wie Apple immer wieder behauptet. Ausserdem scharren auch andere Regierungen voller Vorfreude schon mit den Hufen. Sie sind jetzt schon dabei, die gleichen Gerichtsurteile niederzuschreiben. Und letztlich wird der Moment der Entscheidung für Apple kommen: Der Schutz der Privatsphäre der Kunden vs. das Verbleiben in bestimmten Märkten.

Auch Kotzbrocken können die Wahrheit sagen

Als durchschnittlich normal erzogener Mensch wird man von den Eltern angehalten, seinen Mitmenschen positiv zu begegnen. Erst später merkt man dann, dass es einfach Leute gibt, denen man mit der Beschreibung Ohrfeigengesicht schlichtweg schmeichelt. Neulich begegnete ich einem solchen Kandidaten. Zum Glück nicht in Persona, nur virtuell, sodass ich mir nicht überlegen musste, ob ich mich jetzt strafbar mache…

Ein künstlicher Schneemann in einer englischen Telefonzelle.

Vielleicht waren die Hoffnungen auf Regulierung so deplaziert wie der Schneemann in der Telefonzelle.

That’s it? Cool!
Ich stolperte über folgendes Zitat (frei übersetzt): „Wenn mir jemand gesagt hätte, diese Snowden-Geschichte würde während zwei Jahren ein Alptraum sein, doch am Ende würde sich lediglich ändern, dass man für die Daten den Umweg über das Gericht gehen muss und die Daten würden dann von den Telefonanbietern gespeichert. Und das nach zwei Jahren. Dann hätte ich gesagt: Cool!

Dümmliches Lachen inklusive
Dieses an Arroganz und Respektlosigkeit gegenüber der Bevölkerung kaum zu überbietende Gelaber stammt von Michael Hayden, dem ehemaligen Direktor der NSA und später des CIA. In seinem hilflosen Versuch sich beim Publikum anzuwanzen hat nicht einmal das dümmliche Lachen gefehlt.  Während eines Interviews mit dem Wall Street Journal wähnte er sich wohl unter Seinesgleichen und glaubte sich nicht mehr verstecken zu müssen. (Die erwähnte Nummer dieses verhinderten Stand-up-Komikers gibt es hier zu sehen). Er hält übrigens Folter für eine „verschärfte Verhörmethode„, die wertvolle Erkenntnisse bringen kann.

Verpasste Chance
So unappetitlich Haydens verbaler Auswurf auch war, so hat er doch leider Recht. Zusammengefasst ist das die Quintessenz nach zwei Jahren Zeitungsmeldungen, Kommissionssitzungen und Skandalen. Gratulation: Der Berg hat eine Zwergmaus geboren! Und das ist besonders tragisch, da es sich bei diesem Teil unserer täglichen Bespitzelungsdosis, (der von Regierungen ausgeht) um den Teil handelt, der am einfachsten zu regulieren wäre.

Sammeln auf Teufel komm raus
Eigentlich gäbe es hierzu nichts mehr zu sagen. Trotzdem: noch zwei Kleinigkeiten mit auf den Weg. Viele Medien berichteten, das die NSA für ein paar Stunden die Aufzeichnung von Daten stoppen musste, weil der Patriot Act am 31. Mai 2015 nicht verlängert wurde. Leider ging völlig vergessen, dass mit dem Nachfolgegesetz (Freedom Act), der Patriot Act um sechs Monate verlängert wurde. Eine Übergangsmassnahme sozusagen. Ich würde wetten, dass die NSA in diesen sechs Monaten jetzt noch auf Teufel komm raus alles sammelt, was nicht niet- und nagelfest ist. Sofern noch mehr möglich ist.

Google und Verlage: Der Streit ums Leckerli spitzt sich zu

Die Filmkamera zeigt einen Ausschnitt aus einer Verfolgungsszene, der die Situation verzerrt.

Mediale Verzerrung? Google hat beschlossen, uns ein Stück weit davon zu befreien.

Seit  einigen Jahren wissen wir ja schon, dass es Google nicht so mit den Zeitungen hat. Insbesondere mit den deutschen Verlagshäusern liegt der Such- und Werbegigant im Streit (s. a. Stichwort Leistungsschutzrecht). Eigentlich ist das ja weniger ein Streit, sondern gleicht eher dem Versuch eines Pinschers am Hosenbein eines Hünen hochzuspringen um ein Leckerli zu ergattern. Der Grund für die Affäre: Man ist sich nicht einig, welches Geschäftsmodell Google den Verlagen in Zukunft zugestehen soll. Es ist ja klar, dass der Daten-Mogul da ein Wörtchen mitzudiskutieren hat, weil der ja nicht so einfach Geld aus der Tasche ziehen lässt…

Upgrade für Pressemitteilungen
Wir können uns also vorstellen, welchen Stellenwert Medienhäuser und ihre Erzeugnisse in der Google-Filterblase haben. Damit das auch allen klar wird, haben die Jungs und (weniger oft auch) Mädels aus Mountain View wieder einmal ein subtiles aber eindeutiges Zeichen gesetzt. Laut Reuters hat Google an seiner Suchmaschine so herumgedreht, dass auch Pressemitteilungen von Unternehmen zuoberst in der Suchkategorie News auftauchen können. Laut newsslasch.com, die sich auf Google bezieht, ist diese Änderung schon seit September 2014 aktiv. Doch wurde sie erst jetzt entdeckt.

Den Mittelsmann aus der Gleichung streichen
Da sieht man mal, was Google von der vierten Gewalt hält: Sie ist bloss die Überbringerin der eigentlichen Information. Und warum sollte man die nicht von ihrer Bürde befreien?

Frage:
Was ist Deine Meinung? Kann man sich den Umweg über die Medien sparen und gleich die Pressemitteilung lesen?

Künstliche Intelligenz – auf der Überholspur zur eigenen Obsoleszenz

Neben einer Walnuss liegt ein Zettel mit der Aufschrift Use your brain.

Haltung gesucht! Benutzen wir unseren Kopf, solange es ihn noch braucht.

Es hat nicht viel gebraucht. Der Aufruf von zahlreichen Wissenschaftlern, über die Zukunft und Sinnhaftigkeit von künstlicher Intelligenz nachzudenken, musste schnell dem nächsten seichten Trendthema weichen. Keine Ahnung was den Aufruf verdrängt hat, aber ich tippe mal auf irgendeine belanglose Unterhosen-Geschichte…

Es ist an uns, die Spielregeln zu setzen
Dabei sollten wir uns das Thema künstliche Intelligenz unbedingt mit einem fetten Edding 500 in die Agenda schreiben. Im Moment gleicht die Mehrheit der Bevölkerung dem Publikum eines Pferderennens. Auf der überdachten Tribüne stehend, schauen wir den Unternehmensgäulen zu, wie sie von Rendite-gesteuerten Investoren auf die Ziellinie zu gepeitscht werden. Problematisch an der Situationist ist, dass es keine Rolle spielen wird, auf welchen Gaul jeder von uns gesetzt hat, solange wir nicht die Position der Rennleitung übernehmen und eigene Spielregeln setzen.

Die Zeit läuft
Es geht nicht darum, das Terminator- oder Matrix-Szenario heraufzubeschwören. Auch liegt mir nicht daran, die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz in Abrede zu stellen. Das wäre auch aussichtslos, denn die PR-Durchlauferhitzer (aka. Medien) sind voll von den Segnungen dieser neuen Technik. Es wäre nur an der Zeit, sich, fernab von Hochglanzprospekten und netten Gadgets, langsam eine überlegte Haltung zuzulegen. Die Entwicklung schreitet rasend schnell voran.

Welche Rolle weisen wir Maschinen zu?
Wie wir Künstliche Intelligenz entwickeln können ohne uns damit selbst zu schaden kann ich nicht beurteilen. Ich stehe zuerst einmal noch vor der grundsätzlichen Frage: Kann ich Maschinen mit künstlicher Intelligenz als gleichberechtigten Partner in unserer Gesellschaft akzeptieren? Denn darauf läuft es grundsätzlich hinaus. Nein, mit dieser Frage übertreibe ich nicht. Was glauben Sie denn, wie lange sich Maschinen mit der Fähigkeit intelligent zu denken von uns Menschen noch rumschubsen lassen? Es gäbe so viele Fragen zu beantworten. Wenn wir das nicht bald schaffen, dann wird es jemand anderes gegen uns tun.

Zusätzliches Material (nicht so optimistische Stimmen):

Videogespräch mit James Barrat, Autor von „Our Final Invention: Artificial Intelligence and the End of the Human Era“

Videogespräch mit Nick Bostrom, Philosoph am St. Cross College, University of Oxford

So funktioniert Marktwirtschaft

uber-sydney

Taxi? Show me your Credit Card!

Achgott, achgott was können Twitterer doch naiv sein. Da hat Uber gestern im Tohuwabohu um die Geiselnahme bei Sprüngli in Sidney ein wenig an seinen Preisen geschraubt und schon schüttet die böse Twitter-Bande die gesammelte Scheisse der Welt über diesem sympathischen Jungunternehmen aus. Dabei hatte es nur Gutes im Sinn: „We are all concerned with events in CBD. Fares have increased to encourage more drivers to come online & pick up passengers in the area.”

Voilà! Das war richtig und wichtig, weil doch viele ganz schnell aus diesem Hochrisikogebiet raus wollten. Schliesslich weiss man ja: Geiselnehmer treten immer gleich in Rudeln und stets zur selben Zeit in derselben Stadt auf. Das hebt die Chance ungemein, selbst in die Fänge eines Irren zu geraten. (Im Fall von Sydney, bei 100 Irren und durchschnittlich 30 Geiseln beträgt die übrigens rasch mal 6,5 x 10-5 Prozent.)

Also bitte, liebe Leute, was regt ihr euch auf? So funktioniert Marktwirtschaft und Cyber-Ökonomie im Besonderen. Was knapp ist, wird teurer, und dies, wenn es digital bereitgestellt wird, innert Sekunden. Alles andere hiesse ja Regulation, staatlicher Eingriff und das ist eines Volkes wirklich nicht würdig, das gerade eine so fortschrittliche Regierung gewählt hat. Good morning Australia!

Wenn der Haifisch täglich springt

Kopf eines schwimmenden Haifisches im Meer.

Wenn der Haifisch beinahe täglich springt, ist es Zeit die Fernsehserie in Rente zu schicken.

Wie viele Male hab ich mir schon an den Kopf geschlagen, nachdem ich ein E-Mail verschickt habe. „Das hättest Du anders schreiben sollen!“ denke ich mir dann. Oder ich hab grad noch einen Schreibfehler beim Klick entdeckt. Kennen Sie das auch? Oder jedes Mal, wenn Frau Müller den neuesten Tratsch über Herrn Maier erzählt und sich darüber aufregt, die wievielte Sekretärin Herr Müller schon flach gelegt hat. Später überkommt sie dann das schlechte Gewissen. Sie denkt sich dann, dass die es mit ihrem weiten Dekolleté sowieso nicht anders verdient hat…

Kommt drauf an, wer fragt
Da wäre es doch nett, wenn man das Verschicken von E-Mails rückgängig machen könnte. Das kann man auch. Naja – zumindest theoretisch. Wenn Sie auf diesen Service zurückgreifen wollen, müssen sie einfach ein multinationales Unternehmen mit einem Umsatz von Zillionen US-Dollar sein und eine Bonus-hungrige Rechtsabteilung unterhalten. Ja, dann geht das schon.

Telenovela aus Mountain View
In dieser neuen Folge der tragischen Schmierenkomödie mit dem Titel „Du wirst nicht erraten, wem die Katzenbilder auf dem Server Deines E-Mail-Providers gehören“ (um es mit eine Buzzfeed-Schlagzeile zu sagen) waren die Protagonisten der Finanzdienstleister Goldmann Sachs und der übliche Verdächtige Google. Die Details, so weit bekannt, hat die Chicago Tribune veröffentlicht. Ein Mitarbeiter („outside contractor“ – was immer das auch heissen mag) hat per Gmail heikle Kundendaten an eine falsche Adresse verschickt. Goldmann Sachs hat dann Google gebeten das E-Mail zu löschen, ohne Zustimmung des Konto-Inhabers, damit die Bank keinen Bruch des Datenschutzes begeht. Google, so nett wie die Jungs halt sind, ist diesem Begehren in der Art nachgekommen, dass das betreffende Konto eingefrohren wurde, damit die Daten nicht weiterverbreitet werden können. Da sich der Besitzer des E-Mail-Kontos nicht gemeldet habe, liegt die Sache immer noch vor Gericht.

Ein weiterer „Jumping the shark“-Moment
Wie auch immer. Die Details sind irgendwie völlig belanglos. Ich hoffe nur, dass bald auch dem letzten unter uns langsam ein Licht aufgeht und er langsam anfängt, sich die richtigen Fragen zu stellen: Wem gehören eigentlich die Daten, die ich per E-Mail verschicke? Sowohl auf der eigenen, als auch auf der Empfänger-Seite. Mich erinnert die Situation jedenfalls an einen Ausdruck aus dem Fernseh-Business: „Jumping the shark“ Dabei geht es darum, dass eine Fernsehserie, die an Aufmerksamkeit verliert, mit ausgewöhnlichen oder absurden Aktionen versucht die Zuschauer vom Wegzappen abzuhalten. Nach mittlerweile einigen solchen Momenten wünschte ich mir auch, dass wir nun langsam diese Telenovela in den Ruhestand schicken. Der Deal Services mit Daten und Privatsphäre zu bezahlen hat die Schmerzgrenze erreicht.

„Netzneutralität als Innovationmotor – das glaub ich nicht Tim“

Wenn es um die Diskussion der Netzneutralität geht, wird gerne das Schlagmichtot-Argument Innovationskraft aufgetischt. Als Beispiel hier ein Text von der Website netzneutralität.ch:

Donald Pleasence als Ernst Stavro Blofeld in James Bond mit einer Katze auf dem Schoss.

ISPs warten nur darauf, dass sie die kleinen Startups vom Kunden fernhalten dürfen.

„Netzneutralität als Innovationsmotor
Was für die Konsumenten die Wahlfreiheit ist, das ist für die Anbieter neuer Internet-Dienste der Zugang zu den Konsumenten. Das Internet ist darum ein riesiger Innovationsmotor, weil die Marktzugangskosten für neue, kleine Anbieter extrem klein sind. Wenn die Access-Provider den Zugang einzelner Anbieter zu den Kunden dagegen vereinfachen oder verteuern oder gar blockieren können, dann setzt sich nicht mehr die innovativste Lösung durch. Provider versuchen vielmehr, die ganze Wertschöpfungskette vom Zugang bis zu den Inhalten zu kontrollieren. Ihre Monopolstellung gewährt ihnen dann höhere Profite, aber sie wird gleichzeitig zur Innovationsbremse für konkurrierende Dienstanbieter.“

Mantra der Silicon Valley-Lobbisten
Als erstes will ich schon mal dieser mystischen Überhöhung widersprechen, die in den Glaubensgrundsatz „Gutes bzw. neutrales Internet = viel Innovation“ mündet. Wirklich? Ist das so einfach? Ich halte das für Quatsch. In der Geschichte gibt es genug Beispiele dafür, dass sich nicht immer die innovativste Lösung durchgesetzt hat. Da spielen so viele Faktoren wie etwa Timing oder Geld mit hinein, dass ich dieses Fass gar nicht erst aufmachen will. Die in diesem Absatz transportierte simplifizierende Vorstellung ist ein Mantra, dass man sonst nur aus dem Silicon Valley kennt und mit der restlichen Welt nicht so viel zu tun hat.

Kein Streaming – kein Problem
Es ist möglich, dass durch die Kontrolle des Datenstroms zum Endverbraucher neue, kleinere Anbieter benachteiligt sein können. Das stimmt soweit. Aber wenn wir nur kurz das Bild von David gegen Goliath weglegen und das Ganze technisch betrachten, dann bleiben wir immer noch beim gleichen Problem: Bandbreite ist begrenzt. Umgekehrt heisst das: Solange die Start-ups nicht mit Streaming Geld verdienen wollen (oder mit grossen Daten hantieren), gibt es keine Probleme. Und mal ehrlich – wieviele Start-ups im Bereich Streaming wird’s in Zukunft noch geben?

Zahlen müssen die Start-ups sowieso
Und sollten sich dennoch welche auf dieses Terrain wagen, haben sie sowieso das Problem, dass sie irgendwie für einen schnellen Transport ihrer Daten sorgen müssen. (Die Leute haben ja schliesslich vergessen was Buffering ist…) Um das technisch hinzubekommen müssen sie auch heute schon bezahlen, weil schlicht die Knotenpunkte zwischen den Netzen der ISPs nicht immer gleich gut sind. Dafür gibt’s die Content Distribution Networks. Die sorgen mit ihren Servern in den relevanten Netzen für den schnellen Transport überall hin. Facebook nützt zum Beispiel die Dienste von Akamai, und um Facebook müssen wir uns wahrlich keine Sorgen machen.

Das Vorzeigebeispiel Netflix
Gerne wird Netflix als Beispiel für innovative und schützenswerte Start-ups hergenommen. (Was ist eigentlich so innovativ an Netflix?) Unabhängig davon, wie gut mir persönlich House of Cards gefällt, ist Netflix zwar der Auslöser für den ganzen Rummel um die Netzneutralität in den USA, aber längst ist kein Underdog mehr. Mit einem Drittel des us-amerikanischen Datenverkehrs (in der Hauptsendezeit) ist Netflix mittlerweile ein mittelgrosser Mitspieler im Feld der ganz Grossen. Und weil ihr Dienst gerade so beliebt ist, versucht die Firma nun, die Regeln für sich neu zu schreiben (und wenn nötig kleinen ISPs den Tarif durchzugeben – ab Minute 9 wird’s interessant).

Weil es schwer ist, sich beim Thema „Internet der verschiedenen Geschwindigkeiten“ kurz zu fassen, wird es auf den nächsten Post verschoben.