Ein paar Wochen im Voraus

Montagabend, Zeit für ein Schwätzchen mit dem anderen Ende der Welt, doch Skype spinnt grad auf meinem Handy. Ja, ich skype noch – nicht, weil ich finde, das sei jetzt die ultimative Art des Ferngesprächs, sondern, weil ich es für das kleinere Übel halte – wegen der Schindluderei mit meinen Daten, Sie wissen schon.

Hallo Microsoft: Bitte ernst nehmen.

Skype weigert sich, mich beim Server anzumelden. „Vorgang misslungen … versuchen Sie es später“ oder so ähnlich wird mir mitgeteilt. Doch später geht eben auch nichts. Nicht mal neu installieren hilft.

Ich befragte das Web und lande in einem Forum. (Ja, ich treibe mich noch in Foren rum – nicht, weil ich die für die coolsten Informationsquellen hielte, aber Sie wissen schon…) Jedenfalls erfahre ich dort, dass mein Betriebssystem, also Windows Phone (WP) 8.1, Skype nicht mehr unterstützt. (Und ja, ich nutzte noch Windows Phone, nicht, weil ich es für die angesagteste Plattform hielte – aber Sie wissen schon…)

Als wäre das nicht schon genug, muss ich auch zur Kenntnis nehmen, dass WP 8.1 gar selbst nicht mehr unterstützt wird, von Microsoft nämlich. Was für eine Kacke! Und überhaupt, warum muss ich das eigentlich in irgend so einem Forum erfahren? Microsoft hätte weissgott die Möglichkeit gehabt, mich beispielsweise über ihren eigenen Schnatterkanal („Mit Skype bleibt die Welt im Gespräch“) mal kurz anzuchatten.

Ein paar Wochen im Voraus wären nett gewesen und ein wenig Zerknirschtheit im Unterton auch. Man hätte mir ans Herz legen können, doch bitte auf WP 10 hochzurüsten. Selbiges, und das sei die gute Nachricht, laufe nämlich auf meinem Handy tipptopp. Bei der Gelegenheit hätte mir auch gleich gestanden werden können, dass das neue System nicht über die Update-Funktion des alten zu bekommen ist, sondern nur über erst zu installierende App.

Ich hätte sicher kurz geflucht, mich dann aber an die Arbeit gemacht. Vielleicht hätte ich mich gar aufs neue Betriebssystem gefreut. Aber so, wie das jetzt gelaufen ist? Da komme ich mir schon akut vergackeiert vor und dafür wünsche ich den Heinis in Redmond erstmal sämtliche sieben biblischen Plagen an den Hals und Schweissfüsse noch dazu.

Ab ins Wasser!

Bei der derzeitigen Hitzewelle kann ich eigentlich nur eines tun: Ins Wasser springen und mich abkühlen. Damit ich weiss, welche Temperaturen mich erwarten, strecke ich entweder den Fuss ins Wasser, frage andere Schwimmer oder installiere eine App.

Die Website von aare.guru redet Berndeutsch.

Schwimmen in Bärn …

Wer in Bern wohnt und gerne in der Aare schwimmt, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit „aare.guru“ auf seinem Handy installiert. Die App und die dazugehörige Website sind äusserst liebevoll gestaltet. Die Infos sind – natürlich – in Berndeutsch verfasst: Derzeit ist die Wassermenge der Aare „ganz gäbig“, und die Frage „lohnt sech e Aareschwumm?“ kann bei den derzeit vorherrschenden 21.1 Grad Wassertemperatur locker mit „ja, eh!“ beantwortet werden. Die Infos sind aktuell, das letzte „Öpdeit“ gabs laut Website vor 15 Minuten. Die App ist für Android und iOS verfügbar.

… in Züri …

Etwas seriöser kommt die Züribad-App daher. Wie es der Name sagt, zeigt sie die Wassertemperaturen aller Freibäder sowie des Zürichsees und der Limmat an. Zu jeder Badi gibt es ein Bild, eine Wegbeschreibung und die Öffnungszeiten. Auf einer Übersichtsliste sieht man alle Wassertemperaturen auf einen Blick und kann dann entscheiden, ob man lieber ins geheizte Becken oder die kühlere Limmat springt. Die „kälteste“ Temperatur liegt derzeit bei 24 Grad Celsius. Diese App ist leider nur für Android erhältlich.

… oder anderswo

Wer weder in Bern noch in Zürich wohnt, kann Splash installieren. Die App ist sehr schön gestaltet und ermöglicht es dem Nutzer, mehrere eigene Favoriten zu setzen – beispielsweise die Badi vor der eigenen Haustür, den Lieblingssee und einen Fluss. Will man einen gesetzten Favoriten löschen, tippt man ihn auf der Übersichtsliste an und wischt nach links. Dann erscheint ein „Löschen“-Button. Die App ist sowohl für Android und iOS erhältlich, wird aber scheinbar nicht weiterentwickelt. Das letzte Update stammt von 2013 und iOS 10.3.2 meldet, dass die App mit neueren iOS-Versionen nicht mehr funktionieren wird, sofern der Entwickler sie nicht aktualisiert. Schade, aber brauchbar ist die App trotzdem (noch).

In dem Fall – guet Schwumm!

Verschiedene Welten

pixabay.com // Rupert Kittinger-Sereinig

Ein Nerd und ein technikfremder Mensch unterhalten sich.

Du, ich habe ein Problem.

Ja, welches denn?

Ich habe mehrere Mailadressen und muss die immer einzeln aufrufen. Vor allem diejenigen meiner Arbeits-Mailadresse. Das nervt.

Verstehe ich. Das kannst du aber ganz einfach lösen.

Echt, wie denn?

Du kannst dir einfach alle Mails auf ein einziges Mailkonto umleiten lassen. Dann musst du sie nur auf einem Konto aufrufen.

Oh, das wäre genial.

Ok, auf welche Adresse möchstes du denn deine Mails umleiten lassen?

Auf meine private Adresse.

Bei welchem Anbieter ist die?

Es ist eine gmail.com-Adresse.

Also eine Google-Adresse.

Wie?

Gmail ist der Mailservice von Google.

Ah … ja. Genau.

Ich schicke dir einen Link für eine Anleitung, ok? Ist ganz einfach.

Hmm … ja … ok.

(Zwei Wochen später)

Und, hast du dein Mailproblem lösen können?

Mmm … ich muss deine Anleitung noch lesen. Bin noch nicht dazu gekommen.

Es wirklich ganz einfach, du wist sehen. Du musst nur den Instruktionen folgen.

Ok.

Und wenn es wirklich nicht geht, rufst du mich an. Dann machen wir es auf meinem Notebook.

Auf deinem Notebook?!

Ja. Gibt es damit ein Problem?

Dann hast du aber Zugriff auf meine Mails. Das will ich nicht.

Nein, nein, du loggst dich einfach ein, wir machen das zusammen auf deinem Gmail-Konto und dann loggst du dich wieder aus. Ich werde danach keinen Zugriff auf deine Mails haben, weil du dich ja ausgeloggt hast. Und wenn du ganz sicher sein willst, löschen wir noch alle Cookies und den Browserverlauf und die Sache ist gebongt.

Ich verstehe kein Wort.

(Seufzt) Ich mag dir das jetzt nicht im Detail erklären. Aber du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Ich werde keinen Zugriff auf dein Mailkonto haben.

Ok. Ich versuchs jetzt mal noch mit der Anleitung, sonst rufe ich dich an.

Wir könnten es sonst auch noch anders machen.

Wie denn?

Du kannst alle deine Mails auf deinem Handy einrichten.

Ich möchte aber mein Arbeitsmail nicht auf meinem Handy bekommen.

Aber deine Mails von Gmail bekommst du auf deinem Handy?

Ja, die natürlich schon.

Wenn du aber deine Arbeitsmails auf deine Gmail-Adresse umleitest, wirst du sie dann auch auf deinem Handy haben.

Das verstehe ich jetzt nicht.

(Atmet tief ein und aus). Ich zeichne es dir auf. (Zeichnet eine Skizze) Siehst du, deine Arbeitsmails werden auf deinem Handy landen.

Das möchte ich nicht.

Dann kannst du sie aber nicht auf deine Gmail-Adresse umleiten lassen.

Das möchte ich aber.

(Rauft sich die Haare) Also, nochmal von vorn: Du willst deine Arbeitsmails in deinem Gmail-Konto erhalten, willst aber nicht das Mail deines Arbeitgebers auf deinem Handy einrichten?

Ja, genau.

(Der Nerd murmelt etwas Unverständliches)

Was hast du gesagt?

Nichts Wichtiges. Du, ich muss jetzt los. Du versuchst das mit der Anleitung und wenn es nicht geht, rufst du mich an. Ok?

Perfekt.

(Drei Wochen später)

Und?

Es funktioniert nicht. Ich bekomme irgendwie gar keine Mails mehr seit ein paar Tagen.

Hast du alles genauso gemacht, wie es in der Anleitung steht?

Wort für Wort. Ich schwöre.

Ok, wir schauen uns das jetzt zusammen an.

(30 Minuten später)

Ich weiss nicht genau, was du gemacht hast. Aber jetzt funktioniert es auf jeden Fall. Wir machen jetzt einen Test. Ich schreibe dir auf deine Arbeitsadresse ein Mail und dann sehen wir, ob du sie auf deinem Handy auf deiner Gmail-Adresse bekommst.

(Schickt das Mail)

Und?

Ja. Es funktioniert!

Na siehst du.

Und wie hast du das jetzt genau gemacht?

Ich zeigs dir.

(Zeigt den Ablauf)

Das war so einfach? Das hätte ich ja selbst auch gekonnt.

Das sage ich dir ja die ganze Zeit!

Eingeschlossen

Vor kurzem habe ich einen Artikel über die Plagen des Alltags gelesen. Da ging es unter anderem um schreiende Kleinkinder, aggressive Autofahrer, Platznot und den Hochnebel. Das war ganz lustig zu lesen.

flickr.com // Wasile // CC BY-NC 2.0

Allerdings fehlte etwas in dieser Aufzählung. Eingeschlossene Handys. Genauer gesagt Handys, die in einem Spind, zum Beispiel in einem Hallenbad, eingeschlossen sind. Beziehungsweise: Handys, die dort eingeschlossen sind und Geräusche von sich geben. Einen Weckruf beispielsweise. Typ Atomreaktoralarm, Stufe 3. Und zwar im Endlosmodus. Falls Sie dummerweise Ihren Spind gleich daneben haben, sind Sie danach sicher wach. Nur leider ist das nicht der Zweck der Übung.

Endlosanrufe

Es gibt natürlich auch immer wieder Handys, die im Spind klingeln. Das ist ja normalerweise auch kein Problem. Normalerweise. Eine Weile lang habe ich jeden Morgen um die gleiche Zeit das Handy einer Frau gehört. Vermutlich hatte sie mit ihrem Freund Schluss gemacht und der Arme hatte riesigen Liebeskummer. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass das immer gleiche Handy mit dem immer gleichen Klingelton jeden Morgen um ca. 6:30h im immer gleichen Spind in meinem Hallenbad endlos klingelte. Und sobald der Klingelton abriss, ein paar Sekunden verstummte, um dann wieder von vorne zu beginnen.
Ich meine, wenn die beiden damals wirklich miteinander geredet hätten – also die Besitzerin des Handys und der Anrufer – hätten sie schnell herausgefunden, dass Anrufe zwischen 6h und 7h morgens vermutlich ins Leere laufen, weil die Besitzerin des Handys dann im Bassin ihre Runden dreht. Inzwischen hat sich der Mann vermutlich von seinem Liebeskummer erholt. Oder die Frau kommt nicht mehr schwimmen. Zumindest ihr Handy ist verstummt.

Alltagsgeräusch – und doch …

Ich weiss. Handys klingeln überall. Im Kino, im Tram, im Zug oder bei der Arbeit. Auf die verschiedenen Melodien, die man dabei zu hören bekommt, will ich gar nicht eingehen. Aber normalerweise klingeln sie nicht lange. Andernfalls, wenn der Arbeitskollege mit der telefonsüchtigen Freundin mal wieder sein Handy auf dem Tisch liegengelassen hat, kann man es unter ein Kleidungsstück stecken, dann ist der Ton wenigstens gedämpft (man darf einfach nicht vergessen, ihm hinterher Bescheid zu sagen). Oder man kann den Handybesitzer auch direkt ansprechen und ihn freundlich darauf hinweisen, dass sein Handygeklingel nervt. Bei eingeschlossenen Handys hingegen kann man nichts machen. Ausser zu verschwinden oder den Ton schlichtweg zu ignorieren.
Dabei wäre es so einfach: Der Vibrationsmodus funktioniert im Alltag perfekt. Das surrende Geräusch stört kaum jemanden. Und ein Alarm, der ins Leere klingelt, ist nun mal ein schlechter Alarm. Besonders dann, wenn er aus einem geschlossenen Spind kommt.

Passwörter: den eigenen Schweinehund überwinden

Aufgrund meiner Interessen und meiner Arbeit gehöre ich zu dem Teil der Bevölkerung, die gelegentlich dem anderen Teil der Bevölkerung Fragen zu Computern, dem Internet und zur Informatik im Allgemeinen beantwortet. Ausserdem biete ich, wie wohl auch viele unserer Leser, erweiterten Supportdienst in meinem sozialen Netzwerk (nein ich meine nicht Facebook). Deswegen erreichen mich zuweilen auch unterhaltsame Anfragen wie die im Bild an Sonntag-Abenden um 21 Uhr.

Screenshot von Handy

Informatik-Support kann eine unterhaltsame, aber auch hoffnungslose Angelgenheit sein…

Zeitverzögertes Verantwortungsbewusstsein
Unter diese Anfragen fallen auch solche zur Sicherheit im Netz – und diesbezüglich bin ich Skeptiker. Regelmässig berichten kleine und grosse Unternehmen, dass die Daten ihrer Nutzer gestohlen wurden. Zuletzt wurde das Riesenunternehmen Yahoo mit dem Verlust von sicherheitsrelevanten Daten von 500 Millionen Nutzern (über 70% aller Nutzer) durch die Schlagzeilen gezogen. Obwohl der Diebstahl schon 2014 stattfand, fühlte sich das Unternehmen erst jetzt genötigt, vor dem Kauf durch Verizon die Sache öffentlich zu machen. Dieses Versagen auf multiplen Ebenen ist ein heisser Kandidat fürs Lehrbuch im Kapitel „Wie bescheuert kann man sein?“

Regelmässige Erneuerung
Wie auch immer. Sicherheit ist ein stetiger Prozess – kein Zustand. Sozusagen ein andauerndes Katz und Maus-Spiel mit den bösen Buben. Und da müssen auch wir als Nutzer unseren wichtigen Teil dazu beitragen und gegen unsere Faulheit ankämpfen: Die Faulheit bezüglich der eigenen Passwörter. Was uns die Datenlecks nämlich lehren, ist die elementare Bedeutung des regelmässig geänderten Passwortes. Tut man das nicht, dann ist es völlig sinnlos, sich über die Liste der beliebtesten Passwörter des Jahres zu amüsieren. Mit regelmässig geänderten Passwörtern reduziert sich auch das Risiko wie im Fall Yahoo.

Passwort-Software eine gute Idee?
Über die Nützlichkeit von Programmen und Apps die Passwörter verwalten kann man sich streiten. Sie ermöglichen zwar die Verwendung von langen und sicheren Passwörtern, aber nützen auch nichts, wenn diese gestohlen werden. Andererseits gibt es mit einem Masterpasswort einen Single Point of Failure und das Sicherheitsproblem bei Lastpass zeigte, dass auch diese Software nicht von Lücken verschont bleibt. Ich persönlich empfehle auch die Sicherheitsfragen, so weit es geht, zu vermeiden. Und wenn das nicht geht, dann eine völlig falsche Antwort zu geben und diese wie ein Passwort gut zu verwahren. Die gleichen Sicherheitsfragen werden an verschiedenen Orten verwendet und ein Leck auf Plattform A kann das Konto auf Plattform B gefährden.

Gebrochen und gewaschen

Meine Smartphone-Statistik der letzten Monate sieht übel aus. Dreimal habe ich in den letzten zwölf Monaten das Handy gewechselt. Aber nicht, weil ich jedes Mal das neueste Gerät ergattern wollte. Sondern weil die drei Geräte Schaden erlitten.

Quelle: flickr.com //  Willi Heidelbach // CC BY 2.0

Quelle: flickr.com // Willi Heidelbach // CC BY 2.0

Angefangen hat es letzten Frühling, als ich mein damaliges Smartphone zum wiederholten Male fallen liess. Wie es sich herausstellte, war das einmal zu viel. Der Bildschirm brach innerlich und färbte sich innerhalb weniger Stunden pink – Flüssigkristalle ade. Glücklicherweise war das Gerät schon mehr als zwei Jahre alt, sodass ich nur meinen Vertrag verlängern musste, um gratis ein neues und erst noch gutes Smartphone zu bekommen.

Zu viel Wasser

Dieses hielt immerhin fast ein Jahr und überlebte wie schon sein Vorgänger etliche Stürze schadlos. Bis zum ersten schönen Tag des Jahres, als ich es auf eine Rennvelotour mitnahm und es danach mit den Velohosen in die Waschmaschine steckte. Alle Notfallmassnahmen wie Trocknen und In-Reis-Einlegen brachten nichts. Das arme Ding war nicht mehr zu retten (an dieser Stelle möchte ich allerdings noch erwähnen, dass der Akku mit dem Restmaterial verklebt war, weswegen ich das Gerät nicht in seine Einzelteile zerlegen konnte. Auch wenn dies vermutlich nicht viel geholfen hätte.)

Den Handyvertrag konnte ich nicht schon wieder erneuern, musste mir also ein neues Gerät kaufen. Ich entschied mich für eine günstige Variante – leider eine schlechte Wahl. Dieses Gerät überlebte gerade einmal drei Tage schadlos. Danach rutschte es mir aus der Hand und landete unsanft auf der Strasse. Seither ist sein Display zwar noch brauchbar, aber zersplittert. Reparieren kann ich es bei den üblichen Smartphone-Doktoren leider nicht, weil diese nicht über die nötigen Ersatzteile verfügen (das Handy ist französischen Fabrikats und noch nicht so etabliert am Markt). Ich müsste es nach Frankreich schicken. Und eine Reparatur würde in etwa gleich viel kosten wie das Handy selbst.

Robust und stark muss es sein

Die Suche nach einem Nachfolger läuft. Eins steht zumindest fest: Mein künftiges Gerät muss Stürze aushalten können. Ein Rugged Smartphone wäre sicher nicht schlecht. Oder ein Fairphone. Dann könnte ich zumindest das Display eigenhändig auswechseln. Und zusammengeklebt wäre es erst recht nicht.

Quo vadis Apple: Cash oder Prinzipien?

Vielleicht haben Sie die Schlagzeile  „Apple soll iPhone hacken“ so oder ähnlich vor ein paar Tagen gelesen. Haben Sie den Artikel dazu ebenfalls gelesen? Nein? Dann ist ja gut. Denn das war wieder einmal ein wunderbares Beispiel, wie man mit vereinfachten Schlagzeilen vom eigentlichen Thema ablenken kann: Apple wurde nicht angewiesen, das besagte iPhone 5c zu hacken, sondern dabei zu helfen, es aufzubrechen. Was nach einer gewöhnlichen Hausdurchsuchung mit Hilfe des Schlüsseldienstes klingt, ist in Wahrheit ein Moment der Wahrheit für die grossen Technologie-Unternehmen aus dem Silicon Valley.

Falltür auf dem Gehweg

Mal schauen, ob aus der Hintertür in Apples Geräten eine Falltür wird.

Präzedenzfall für alle iPhones
Wie kam es dazu? Ein kalifornisches Bezirksgericht entschied letzte Woche, dass Apple mehrere Sicherheitsfunktionen eines iPhones 5c deaktivieren soll. Das war das Telefon eines der Attentäter von San Bernardino. Diese Entschärfungen sollen dem FBI ermöglichen einen Brute Force Angriff durchzuführen. Die ablehnende Reaktion von Tim Cook, CEO von Apple, kam postwendend: Dieses Urteil sei mit dem Einbau einer Hintertür in das Betriebsystem aller iPhones gleichzusetzen. Dieses eine Telefon zu manipulieren bedeute ein Risiko für alle Kunden von Apple.

Offene Fragen über ungesicherte Vermutungen
Ob er damit recht hat oder nicht, bleibt Gegenstand von Diskussionen. Diese kranken daran, dass die Details noch nicht bekannt sind: Wie würde die Software für die Deaktivierung gehandhabt, wer hätte wie darauf Zugriff? Auch über die Notwendigkeit/Nützlichkeit dieses offiziellen „Hacks“ kann nur hinlänglich spekuliert werden: Was bringt das Ganze? Welche Informationen glaubt das FBI überhaupt noch bekommen zu können? Das sind lauter offene Fragen. Da nützt es auch nichts, wenn sich Querschläger wie Michael Hayden, Ex-CIA und Ex-NSA-Chef, zu Wort melden, um ein eigenes Süppchen gegen das FBI zu kochen.

Apple als Beschützer der elektronisch Verfolgten
Cook hat sich die letzte Woche wahrscheinlich anders vorgestellt. Mit der Behauptung, die eigenen Geräte seien so  gut gesichert, dass auch Apple nichts bei der Entschlüsselung der Daten tun könne, wollte er wahrscheinlich das ständige Betteln der Sicherheitsbehörden um technische Hilfe abwürgen. Schliesslich versucht Apple seit einiger Zeit, sich als Hüter der Privatsphäre einen Namen zu machen. Vielleicht wurde gerade deswegen Apple mit dieser Klage bedacht. Schliesslich ist es immer von Vorteil das stärkste Tier im Rudel niederzuringen.

Kohle oder Prinzipien?
Apple wird das Urteil durch die Instanzen ziehen. Mal schauen, ob sich die Jungs aus Cupertino aus der Nummer wieder befreien können. Auf jeden Fall ist jetzt schon klar, dass das iPhone nicht so sicher ist, wie Apple immer wieder behauptet. Ausserdem scharren auch andere Regierungen voller Vorfreude schon mit den Hufen. Sie sind jetzt schon dabei, die gleichen Gerichtsurteile niederzuschreiben. Und letztlich wird der Moment der Entscheidung für Apple kommen: Der Schutz der Privatsphäre der Kunden vs. das Verbleiben in bestimmten Märkten.

Hassparolen im Web: Enttäuschung vorprogrammiert

Die deutsche Regierung hat so lange gedrängelt, bis Facebook ihr einen Gefallen erwiesen hat: Das soziale Netzwerk wird sich am deutschen Recht orientieren, wenn es um Hassparolen geht. Um der Verbreitung von fremdenfeindlichen und rassistischen Botschaften im Web zu begegnen, werden rechtswidrige Inhalte innert 24 Stunden gelöscht. Klingt doch super: Endlich wird etwas gegen diese Hassparolen (engl. hatespeech) gemacht.

Eric Schmidt (rechts) im Interview mit Nik Gowing

Offenes Web mit Mauern drum herum. Quo vadis „Ausbilder“ Eric Schmidt? Bild: Chatham House [CC BY 2.0] via Wiki Commons

Mit der Technik-Krücke gegen menschliches Versagen
Erfreut von diesem Schritt will der deutsche Justizminister Maas dem Unternehmen trotzdem auf die Finger kucken, um zu sehen, ob es sein Versprechen einhalten wird. Das wird es nicht. Darauf würde ich eine Wette abschliessen. Wenn Facebook nicht gerade eine Armee von trainierten Zensuräffchen im Wandschrank sitzen hat – das neue Hauptquartier wäre dafür gross genug – ist eine Säuberung von Facebook kaum möglich … ausser das Netzwerk setzt hierbei auf Algorithmen.

Automatisierte Prüfung auf Hassparolen
Genauso wie Eric Schmidt (Vorstandsvorsitzender von Google) in seinem Beitrag auf der New York Times-Website. Er macht sich üble Sorgen um das offene Web und was damit passiert, wenn es denjenigen überlassen wird, die Hassparolen verbreiten. Wir alle seien gefordert, dies zu verhindern, sagt er. Auch die schlauen Köpfe aus dem Silicon Valley. Schmidt könnte sich eine Art automatische Sprachkorrektur vorstellen: „We should build tools to help de-escalate tensions on social media – sort of like spell-checkers, but for hate and harassment.“

Nutzlos und gefährlich
Man muss nicht Gandalf der Graue sein, um zu erkennen, dass es sich hier um ein nutzloses, ja sogar gefährliches Unterfangen handelt. Nutzlos, weil wir keine Meinungen ändern, indem wir kommunikative Ausscheidungen löschen. Gefährlich, weil das offene Web mit Zensurmaschinen übersäht wird. Beides ist auch Eric Schmidt bewusst. Leider zieht er es wieder einmal vor, den Ausbilder Schmidt rauszuhängen und die Richtung vorzugeben. Nur: Wo soll das Ganze hinführen?

Meist ist sie ja dunkel

Jetzt wird seit einem halben Jahr ein unglaublicher Wirbel um diese Apple Watch gemacht – aber kennen Sie eigentlich jemanden, der eine hat? Ich jedenfalls komme in meinem weiteren Bekanntenkreis genau eine einzige bekennende Trägerin. Oder haben Sie schon je jemanden gesehen, der irgendwas mit diesem Teil anstellt – eine seiner unglaublich coolen Funktionen nutzt? Meist ist sie ja dunkel, die Watch, weil ihr sonst noch vor dem Mittagessen der Saft ausgeht. Sicher, gelegentlich hebt einer in der S-Bahn seltsam ungelenk seinen Arm in Richtung Kopf, um kurz die Zeit zu prüfen. Aber Nachrichten beantworten auf der zweimal daumennagelgrossen Anzeige? Oder in die Uhr reinquasseln zum Telefonieren?   Navigieren? Mit Siri plaudern? Nöö, ist alles offensichtlich zu unpraktisch, oder zu peinlich in der Öffentlichkeit.

Apple Watch mit der Uhrzeit auf der Anzeige

Selten in freier Wildbahn anzutreffen: Eine Apple Watch und erst noch was drauf. (Quelle: Justin14 – Eigenes Werk. über Wikimedia Commons)

Überhaupt scheint mir, als fühlten sich viele Halter einer Apple Watch ein wenig schikaniert. Das bestätigt etwa BranBern, indem er auf Giga.de beichtet: „… ich ertappe mich dabei, wenn ich vom Büro in allgemeine Räume gehe (Raucherzimmer, Küche), dass ich meine hochgekrempelten Ärmel runterlasse (und somit die Uhr überdecke)“ – und dies nur, um ja nicht in den Verdacht zu kommen, dass er damit angeben will. Sowas ist natürlich schlimm und sollte dringend stärker thematisiert werden in unserer Gesellschaft.

Kein Wunder also, wenn sich die derart Geschubsten am liebsten nur in der Abgeschiedenheit ihrer eigenen vier Wände diesem Wunder modernster Technik widmen. Neuerdings sollen auch die Treffen der Anonymen Apple-Watch-User (AAWU) grossen Zulauf erhalten. Dort können sie sich in solidarischer Umgebung ihrer Leidenschaft hingeben. Dort wird dann gemeinschaftlich der Force Touch geübt. Man eignet sich in moderierten Zweiergruppen die Bedeutung der verschiedenen Vibrationssignale an und verfasst Petitionen an Tim  für grössere Akkus. Das Wichtigste aber sei, sagt meine Informantin, dass man sich gegenseitig aufbaue, gegen die Tyrannei einer missgünstigen Welt stütze und veganen Grüntee trinke. Am besten gefällt ihr jeweils, wenn sich am Ende des Abends alle im Kreis versammeln und den eigenen Herzschlag mit ihren Nächsten teilen.

Offline

Neulich war ich an ein Fest auf dem Land eingeladen. Zwar nur knapp eine halbe Stunde von Zürich entfernt, aber es fühlte sich an, als wäre ich auf einem anderen Planeten. Inmitten von Hühnern und Schafen spielten Bands aus der ganzen Schweiz, mit Kontrabass, Akkordeon und Geige inklusive. Ein Mini-Musik-Festival. Um mich herum wuselte eine bunte Mischung aus geschminkten und verkleideten Hippies, Veganern und Kindern. Menschen, denen gelebtes Glück wichtiger ist als eine dicke Geldbörse.

Baum

Es kann nicht schaden, zwischendurch eine andere Perspektive einzunehmen. (Quelle: flickr.com // CC BY-NC-ND 2.0 // Philipp Zieger)

Das an und für sich war schon speziell genug. Aber etwas anderes fiel mir auf: Niemand hatte ein Handy in der Hand. Niemand starrte auf einen Bildschirm. Niemand schrieb Mails. Niemand smste. Niemand telefonierte. Wobei, ein paar wenige Handys blitzten schon ab und zu auf. Aber die durften lediglich als digitales Fotoalbum herhalten oder als Kamera für ein Gruppenbild. Keine Selfies weit und breit.

Ein einziges Mal linste ich an diesem Abend auf mein Handy und fühlte mich dabei abgrundtief schlecht. Zwar beobachtete mich niemand dabei, aber es fühlte sich einfach falsch an. Schliesslich gab es gute Musik, schöne und bunte Kostüme und veganes Essen in Hülle und Fülle. Die Desserts waren zwar nicht gerade der Hammer –  kein Wunder, wenn man weder Rahm noch Milchschokolade noch Eier nutzen kann, aber trotzdem Schoggikuchen anbieten will. Aber das ist eine andere Geschichte.

Daher mein Vorschlag: Schlüpfen Sie mal einen Tag lang in die Rolle eines Hippies und finden Sie heraus, wie sich das anfühlt. Am besten zusammen mit einer Gruppe von Gleichgesinnten. Die Kleider müssen Sie dafür nicht wechseln. Es reicht, wenn Sie Ihr Handy in der Ecke liegen lassen und sich Ihren Pflanzen widmen. Oder etwas Feines kochen – es muss ja nicht gerade vegan sein (und wenn doch, lassen Sie Ihren Gästen zuliebe den Schoggikuchen vielleicht besser weg). Gehen Sie ganz einfach offline. Und nehmen Sie die Welt um sich herum wieder mal mit Ihren eigenen Augen wahr.