UNO: Bis 2030 biometrische Daten für alle

Die im Jahre 2015 von der UNO verabschiedeten nachhaltigen Entwicklungsziele (engl. Sustainable Development Goals oder SDGs) waren in der Welt der Entwicklungshilfe ein grosser Erfolg im Kampf gegen Armut, Benachteiligung von spezifischen Menschengruppen und viele andere weltweite Probleme. Sie wurden als Durchbruch gefeiert. Eines der Ziele, Nummer 16.9, beinhaltet die Vorgabe, dass bis 2030 alle Menschen eine legale Identität (sprich einen Ausweis) haben.

Frau mit roten Fingernägeln blättert in Reisepass mit vielen Stempeln.

Die Tage des alten Reisepasses sind gezählt. Zuerst gibt es die elektronische ID für Flüchtlinge und dann später für uns alle.

Gültige Ausweispapiere für alle – mit einem Haken
Das klingt vernünftig und dagegen ist an sich nichts auszusetzen. Hängt doch ein grosser Teil unseres modernen Lebens von Ausweispapieren ab. Nur leider höre ich schrille Glocken, wenn ich lese, wie das erreicht werden soll. Anstatt die einzelnen Länder dabei zu unterstützen, gültige und sichere Ausweispapiere für alle auszustellen, soll hierzu ein Netzwerk von bestehenden Datenbanken mit biometrischen Angaben aufgebaut werden, die alle in eine Datenbank in Genf Rückmeldung erstatten. Ausserdem läuft die Erhebung von biometrischen Daten und deren Verwaltung durch das UNHCR in verschiedenen Flüchtlingslagern (Tschad, Südsudan und Thailand) schon auf diese Weise. Die so gewonnenen Erfahrungen sollen jetzt auf „Nicht“-Flüchtlinge ausgeweitet werden.

Ein lukrativer Fang für Accenture und Microsoft
Das Informatik-Magazin inside-it verrät uns, wer diese mit allen Ländern vernetzte Datenbank aufbauen soll: Accenture und Microsoft. Sie haben vor wenigen Tagen in New York einen Prototypen dieses Netzwerkes vorgestellt. Bei geschätzten 1,1 Milliarden Menschen ohne gültige Ausweispapiere kann man diesen beiden Unternehmen schon mal zu diesem Fang gratulieren. Die UNO bzw. die beiden Unternehmen haben damit faktisch einen weltweiten Standard geschaffen, der gute Chancen hat, sich gänzlich durchzusetzen.

Effizient und kostengünstig – Datenschutz hat keinen Stellenwert
Die UNO hält dieses System für effizient und kostengünstig. Es ermöglicht das bessere Management von Flüchtlingen. Das mag ja stimmen, doch es ist auch beunruhigend: Je mehr Daten erfasst werden, desto grösser ist der Schaden, wenn sie gestohlen werden. Und man stelle sich vor: Datendiebe machen sich mit den Identitätsdaten von 1,1 Milliarden Menschen (bei sieben Milliarden Erdbewohnern)  aus dem Staub (Name, Geburtsdatum, Fingerabdrücke, Irisscan usw.) Die weltweite Vernetzung von Datenbanken ist ein schwer einzuschätzendes zusätzliches Risiko und die Datenbank in Genf wird zu einem attraktiven Einfallstor.

Totenstille im Medienwald
Was mich aber überrascht, ist, dass ich keine ernstzunehmende Zeitung oder ernstzunehmendes Newsportal über die volle Tragweite einen weltweiten biometrischen Erfassung berichten sehe (Stand 5.7.2017).  Selbst bei srf.ch finde ich keine Meldung darüber, obwohl ich durch SRF 4 News darüber erfahren habe. Ist die zukünftige weltweit grösste Datenbank mit Identitätsdaten so gar keine Meldung wert?

P.S. In der Schweiz werden die (biometrischen) Passdaten, auf telefonische Anfrage beim Passbüros Zürich und dem Bundesamt für Polizei, in einer zentralen Datenbank während 20 Jahren vorgehalten und dann vernichtet. Diese Datenbank untersteht dem Bundesamt für Polizei und wird vom Bundesamt für Informatik und Telekommunikation betreut.

Windows 10 Upgrade – für mieseste Tricks nicht zu schade

Vor einem Jahr hat sich Microsoft entschieden, das neue Windows 10 mit einem Sonderangebot auf den Markt zu bringen: Bisherige Nutzer von Windows 7 und 8/8.1 bekamen, sofern die Hardware gut genug war, ein kostenloses Upgrade auf die neueste Version angeboten. Damit erhoffte sich das Unternehmen einen schwungwollen Start, um das längerfristige Ziel von einer Milliarde Installationen in zwei bis drei Jahren zu erreichen. Betrachtet man die Praktiken von Microsoft, dann nehmen die Damen und Herren aus Redmond ihre Ansage verdammt ernst.

Windows Upgrade Fenster mit trickreichen Beschriftungen.

Das X oben rechts bedeutet Zustimmung. Nur mit dem Klick auf das blaue „here“ kann man das Upgrade verhindern.

Schleimige Tricks, die wir schon von Gratis-Software kennen
Ob Microsoft sein gestecktes Ziel erreichen wird, ist noch offen. So verzeichnete das Unternehmen Anfang Mai 2016 immerhin schon 300 Millionen Installationen. Ende Juli 2016 endet das Gratis-Angebot. Mal sehen, was passiert, wenn der Software-Konzern aufhört, die bisherigen Windows-User mit schleimigen Tricks, die wir schon von Gratis-Software her kennen, in die Installation von Windows 10 zu locken.

Schlinge zieht sich nach und nach zu
Je näher die Deadline für das Gratis-Update rückt, desto mehr zieht sich die Schlinge für den User zu: Zuerst gab es einen Hinweis, der nicht entfernt werden konnte. Später wurde das Upgrade dem optionalen Update hinzugefügt. Anschliessend wurde aus dem optionalen ein wichtiges Update.

Aus der untersten Schublade
Vor zwei Wochen haben sich die Jungs und Mädels von Microsoft nun entschieden, einen weiteren erbärmlichen Trick aus dem Hut zu zaubern: Nach vielen Jahren sind wir es als Windows-Nutzer gewohnt, die lästigen Fenster rechts oben mit einem Klick auf das X schadlos zu entfernen. Vorsicht! Das gilt in diesem Fall nicht mehr. Drückt jemand beim falschen Fenster auf das X, wertet dies Windows als Zustimmung zum vorher terminierten automatischen Upgrade! (siehe Bild)

Hey! Microsoft! Seid ihr so verzweifelt? Das ist nur noch peinlich und hinterhältig. Ist das die Art, wie die Kunden euer neues Produkt kennenlernen sollen?

P.S. Ein Tipp für alle, die das Upgrade noch nicht haben oder überhaupt nicht haben wollen: 1. Mit dem Tool „Never 10“ ist das Problem erledigt. Dahinter verbirgt sich die offiziell von Microsoft empfohlene Prozedur, um das Upgrade von Business-Geräten verschwinden zu lassen. Man kann das Upgrade auch wieder aktivieren. Ausserdem löscht es die mehreren Gigabyte an Installation-Daten, die das System schon im Voraus heruntergeladen hat.

Datenexzess

Gib‘ jemanden den kleinen Finger und er nimmt die ganze Hand. Dieses Sprichwort hat sich in den letzten Monaten für Microsoft schmerzlich bewahrheitet. Das Angebot für unlimiertem Speicherplatz bei Onedrive haben manche User etwas gar zu ernst genommen: Bis zu 75 TB an Daten haben sie auf dem Cloud-Speicher hinterlegt, wie Microsoft im Unternehmensblog schreibt. Man stelle sich das mal vor: Das ist die gesamte Musik-, Video- und Bildersammlung von mir, von Ihnen und unseren engsten Freunden zusammen. Und das mal zehn. Oder so ungefähr. Wie kann man so viele Daten akkumulieren?

Tablet

Je mehr desto besser? (Quelle: flickr.com // CC BY-NC-ND 2.0 // Gregor Gruber)

Ein Jahr Zeit

Dieser Daten-Exzess hat nun ein Ende: Alle Nutzer, bei denen sich mehr als 1 TB häuft, haben ein Jahr Zeit, ihre Daten anderswo unterzubringen. Wer nur ein paar TB gespeichert hat (was ja auch schon viel ist), dürfte damit kein allzu grosses Problem haben – mal abgesehen davon, dass ein Umzug, egal welcher Art, immer mit Aufwand verbunden ist.

Aber man versetze sich mal in die erwähnten Datenhamsterer: Um 75 TB innerhalb eines Jahres umzuziehen, müssten sie jeden Tag durchschnittlich 210 GB an Daten downloaden. Und sie natürlich sonstwo unterbringen. Das dürfte teuer und sehr aufwendig werden.

Abgespeckte Angebote

Das ist aber noch nicht alles: Microsoft limitiert auch die bisherigen Speicherangebote von Onedrive. Das neue Datenlimit liegt bei 1TB. Künftig wird der kostenlose Speicher für neue und bisherige Nutzer von 15 GB auf 5 GB reduziert, ab 2016 kosten 50 GB knapp zwei US-Dollar pro Monat. Die bisherigen 100-GB- und 200-GB-Angebote wird es für neue Nutzer nicht mehr geben.

Mit dieser Aktion dürfte sich das Unternehmen arg in die Nesseln gesetzt haben, wie die Nutzerkommentare auf dem Unternehmensblog zeigen. Von „Microsoft hat mein Vertrauen missbraucht“ über „Ich ziehe zu Google Drive um“ bis hin zu „Onedrive is für mich tot“, kann man alles finden.

Nun, Google, Dropbox und Co. wirds freuen. Zumindest solange sie sich nicht erfrechen, ihre Datenspeicher-Angebote ebenfalls zu reduzieren.