Video-Player: Feindliche Übernahme durch Untertitel

Wie schon mal hier festgehalten, handelt es sich bei der Sicherheit in der Informatik um ein Katz und Maus Spiel. Wird ein Loch in der Software geschlossen, findet sich über Kurz oder Lang ein Weiteres an einem anderen Ort. Software ist so lange sicher, bis sie von der Öffentlichkeit verwendet wird. In dem Moment fangen die Bösewichte die Suche nach dem schwächsten Glied an. Und, da muss man jede Hoffnung fahren lassen, sie werden sie finden. Solange es sich nur irgendwie lohnt. So auch zuletzt bei einigen Videoplayern.

Screenshot des "Über"-Fensters des VLC-Players.

Erst mit der Version 2.2.6 Umbrelle ist die Sicherheitslücke bei den Untertiteln behoben. Falls das Update noch nicht von selbst gekommen ist, muss in der Rubrik Hilfe manuell nach Updates gesucht werden.

Unbegrenzte Kreativität der Bösewichte
Seit ich die Neuigkeiten im Bereich der Informatik-Sicherheit verfolge, bin ich immer wieder überrascht und beeindruckt, auf welche Ideen Hacker kommen, um sich in unsere Computer einzuschleichen. Aber das ist auch ihr Job. Das bekannte IT-Sicherheitsunternehmen Checkpoint Security Research hingegen gab vor kurzem bekannt, dass nun sogar einige Videoplayer bzw. die für die Untertitel verantwortlichen Teile eine Sicherheitslücke aufweisen. Durch einen Fehler im Code könnten mit Schadsoftware infizierte Untertiteldateien geladen werden. Die Folge wäre dann der Verlust der Kontrolle über den Computer.

Drei Monate Reaktionszeit üblich
Unter den betroffenen Playern sind auch sehr bekannte Namen wie VLC und Kodi. Alles in allem wären damit 200 Millionen Computer in Gefahr. So wie es die Gepflogenheiten in diesen Fällen verlangen, benachrichtigten die Entdecker die betroffenen Unternehmen und geben ihnen drei Monate Zeit auf das Problem zu reagieren. Reagieren die Schöpfer dieser Software nicht wird das Sicherheitsloch nach Ablauf dieser Frist veröffentlicht. Mit dem Schritt in die Öffentlichkeit wird die Sicherheitslücke zum allgemein verwertbaren Gut für Bösewichte.

VLC-Update schon bereit
Zum Glück reagierten in diesem Fall mindestens ein Hersteller schon auf die erste Benachrichtigung. So war zur Zeit der Veröffentlichung beim VLC Mediaplayer (170 Millionen Downloads!)  auch ein Update vorhanden. Das heisst: Alle die VLC oder andere betroffene Player verwenden, müssen nach einem Update Ausschau halten. Und diejenigen Hersteller, die kein Update anbieten, sollten gemieden werden.  Nicht zuletzt damit haben die Macher des VLC-Players wieder einmal ihre Klasse bewiesen. Das ist ein Stück Software, dass ich nur empfehlen kann. Das Ding kommt wohl mit fast jedem frei verfügbaren Format zurecht und kann selbst Videos abspielen, die als Dateien nicht komplett sind (z.B. beim Abbruch des Downloads).

Abbruchstimmung

Noch vor einem Monat schien die Welt des journalistischen Online-Magazins Coup zumindest äusserlich gesehen mehr oder weniger in Ordnung. Jetzt ist die Schweizer Publikation, die sich nur durch ihre Leser finanziert und keine Werbung schaltet, finanziell am Ende.

Coup steht kurz vor dem Abbruch des Projekts. Bild: Screenshot von http://www.coup-magazin.ch/rette-coup

Man kann dem Magazin nicht vorwerfen, dass seine Geschichten schlecht sind. Denn das sind sie nicht, im Gegenteil. Einmal im Monat findet man dort eine gut geschriebene und gut recherchierte Geschichte über ein bestimmtes Thema. Das Credo des Magazins lautet weniger, aber dafür sorgfältiger recherchierte Geschichten zu publizieren. Das ist an und für sich ein guter Ansatz. Aber das Team hinter Coup vermarktet sich schlecht. Das hat es inzwischen selbst erkann, wie es auf der eigenen Website schreibt:

„Man kann Millionen von Zeichen schreiben, ohne damit einen Franken zu verdienen. Umgekehrt kann man Millionen Franken einnehmen, ohne auch nur ein einziges Zeichen geschrieben zu haben. Um dereinst selbsttragend zu sein, braucht es dieselbe Akribie nicht nur im Journalismus, sondern auch in allen anderen Bereichen. Wir müssen ebenso seriös Mitglieder werben, eine Community aufbauen, Events veranstalten oder Budgetanträge schreiben.“

40’000 Franken fehlen

Nun haben die fünf Initianten von Coup, Joel Bedetti, Pascal Sigg, Andres Eberhard, Konrad Mazanowski und Anna Miller, einen Aufruf gestartet. Dieser läuft bis Ende Juni. Wer das Magazin unterstützen will, kann ein Versprechen abgeben, bis im Juli entweder Abonnent, Mitglied oder Investor zu werden. Je nachdem zahlt man 50, 150 oder 3’000 Franken. Oder man kann auch einfach Geld spenden. Falls es den fünf Initianten gelingt, mindestens 40’000 Franken zu beschaffen, wird die Stiftung für Medienvielfalt weitere 40‘000 Franken beisteuern.

Auf Twitter finden sich unter dem Hashtag #RetteCoup erst fünf Beiträge. Hoffen wir, das sich das noch ändert. Unter anderem mit diesem Beitrag hier.

P.S. Das geplante Food-Magazin „gut“, das sich ebenfalls über ein Crowdfunding vorfinanzieren wollte, hat sein finanzielles Ziel von 360’000 Franken nicht erreicht. Die Frist für das Crowdfunding ist am 1. Juni abgelaufen.

Phishing – Katze und Maus im Aufrüstungswettlauf

Viele Hackerangriffe, die in den Medien bekannt werden, beginnen mit einem Vorgang, der in der Informatik Phishing heisst. Bei Phishing versucht der Angreifer mit einer scheinbar echten, aber gefälschten Website an persönliche Daten wie z.B. Anmeldedaten usw. zu kommen. Jeder von uns hat schon mal ein solches E-Mail im Posteingang gehabt. Viele Menschen fallen immer noch auf diesen Trick rein. Blöd nur, wenn man so heikle Inhalte preisgibt. So zum Beispiel auch John Podesta, Wahlkampfleiter der US-demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton wurde Opfer einer Spear-Phishing-Attacke (gezielte Methode mit mehr spezifischen Informationen über das Opfer).

Screenshot aus dem eigenen Postfach

Hier ist eindeutig nicht die Eidgenössische Steuerverwaltung der Absender: Die E-Mail-Absenderadresse stimmt nicht, es gibt keinen Text, der irgendetwas erklärt und das E-Mail enthält eine unbekannte ZIP-Datei. Alles zusammen ein klarer Fall!

Ruhe und kühlen Kopf bewahren
Um solche (Spear)-Phishing-Angriffe zu erkennen braucht es eigentlich nicht viel. Das Wichtigste ist ein gesundes Mass an Misstrauen und ein wenig Geduld. Man muss sich die Zeit nehmen, das erhaltene E-Mail zu begutachten und die wichtigsten Erkennungsmerkmale abzuklappern. Manchmal ist es aber auch klar: Banken werden ihre Kunden nie zur Eingabe der Anmeldedaten auffordern. Ebenso schickt einem die Steuerverwaltung keine unaufgeforderte E-Mail mit Anhängen …

Innerlich mit ein paar Vorstellungen aufräumen
Nicht zuletzt sollte man sich klar machen: Es gibt keine Geschenke, die man einfach so aus dem Internet erhält und man erhält keine Post von Fremden, die einem einfach so helfen wollen. Für die Sicherheit des eigenen Computers interessiert sich niemand ausserhalb des eigenen Freundeskreises.

Sichere Hinweise und Verhaltensweisen
Abgesehen von diesen Verdachtsmomenten gibt es verschiedene sichere Anzeichen für einen Betrug: Die Sprache in den E-Mails ist meist schlecht und die Ziel-URL stimmt nicht mit dem Absender überein (eine gute Übersicht hier). Wann immer ich ein E-Mail mit unbekanntem Absender erhalte, lösche ich es, ohne auf etwas zu klicken oder den Anhang zu öffnen. Sollte es ein wichtiges E-Mail gewesen sein, wird mich die andere Person mit Sicherheit nochmals kontaktieren. Und sollte mich mal eine Anfrage halbwegs überzeugen, dann folge ich nie dem mitgeschicktem Link zu einer scheinbaren Anmeldeseite, sondern öffne den Browser und gehe von selbst auf die betreffende Anmeldeseite.

Es ist ein Katz- und Maus-Spiel
In der Zwischenzeit versuchen die Betrüger, uns Stück für Stück die Erkennungsmerkmale wegzunehmen. Das zeigte letzthin das Google-Drive-Phishing mit einer echten Google-Anmeldeseite. In diesem Fall konnte man den Betrug nur noch anhand eines seltsamen E-Mail-Namens erkennen. Mittlerweile ist auch auf die URL im Browserfenster nicht mehr auf den ersten Blick Verlass. Verwendet der Angreifer bei der Registrierung der falschen Website einen anderen Schriftsatz, kann aus www.xn--80ak6aa92e.com einfach www.apple.com werden (erst wenn man es ausprobiert, kann man es glauben). Nur wenn man sich das Verschlüsselungszertifikat genauer ansieht, kann man feststellen, dass es auf www.xn--80ak6aa92e.com ausgestellt wurde.

Firefox kann helfen, auf die anderen Browser kann man nur hoffen
Auf dieses Phänomen machte vor ein paar Tagen Xudong Zheng einem Blogpost aufmerksam. Was dagegen tun? In erster Linie hoffen, dass man nie davon überrumpelt wird und dass die Browser-Hersteller möglichst schnell etwas dagegen unternehmen. Bis dahin können Nutzer des Firefox-Browsers eine Änderung an den Einstellungen machen, um den richtigen Domain-Namen angezeigt zu bekommen. Die Anleitung dazu findet sich im unteren Drittel von Xudong Zhengs Blogpost.

Aufbruchstimmung

Die Schweizer Medienszene bewegt sich. Zwar nur ein bisschen, aber das reicht für einen Anfang: Ab 2018 soll das digitale Magazin „Republik“ qualitativ hochwertigen Online-Journalismus ohne Werbung anbieten. Hinter dem Projekt, das derzeit erst in den Köpfen seiner Macher existiert, stehen die beiden Journalisten Constantin Seibt und Christof Moser sowie derzeit acht weitere Mitarbeiter.

Bild: www.republik.ch

Um das nötige Geld für das Magazin aufzubringen, hat die Crew ein Crowdfunding gestartet, mit dem Ziel, mindestens 3’000 neue Mitglieder zu gewinnen. Dieses Ziel hat sie am 26. April geknackt, dem ersten Tag des Crowdfundings. Das wiederum bedeutet, dass die versprochenen Investorengelder von 3,5 Millionen fliessen werden. 22’000 Abonnenten muss das Magazin gemäss eigenen Aussagen in den nächsten fünf Jahren erreichen, um selbsttragend zu sein. Den zehntausendsten Leser hat die Republik am vierten Tag des Crowdfundings gewonnen.

Wer die Republik mit 240 Franken unterstützt, erhält dafür ein Jahresabo für das digitale Magazin. Zudem wird man damit Mitglied der Project-R-Genossenschaft und zu einem kleinen Teil auch Verleger des Online-Magazins. Seibt und seine Crew wollen mit diesem Projekt ein Geschäftsmodell für den Journalismus des 21. jahrhunderts schaffen – unabhängig von Grossverlagen und von Werbung. Dafür nutzen sie unter anderem das Internet als Plattform und Social Media als Beschleuniger.

Kritik lässt nicht auf sich warten

Nicht alle finden diese Idee gut. Michael Furger von der NZZ am Sonntag beispielsweise spricht von einer Werbelüge: Erstens werde in der Schweiz schon heute hervorragender Journalismus gemacht. Zweitens sei eine Bezahlzeitung heute im Gegensatz zu früher weniger abhängig von Werbung, da sie sich bereits zu zwei Dritteln durch Abonnenten finanziere. Und: Dieser Anteil werde weiter wachsen. Woher Furger diese Gewissheit nimmt, weiss vermutlich nur er selbst. Zudem wirft er mit „Bezahlzeitung“ alle Nicht-Gratiszeitungen in einen Topf – von der kleinen Lokalzeitung wie dem Reussboten bis hin zu grossen Zeitungen wie der NZZ.

Fest steht: Wer Werbung schaltet, ist letztlich auf die eine oder andere Weise erpressbar. Oder zumindest abhängig von Geldgebern, die nicht an den journalistischen Inhalten selbst, sondern nur an deren Lesern interessiert sind. Und selbst wenn eine Zeitung „nur“ zu einem Drittel durch Werbung finanziert ist, ist das eigentlich immer noch zu viel.

Die Republik hat zudem nie behauptet, dass es heute keinen guten Journalismus mehr gebe. Sie hat lediglich darauf hingeweisen, dass das Geschäftsmodell der traditionellen Medien heute nicht mehr existiert. Also das klassische Zusammenspiel zwischen journalistischen Inhalten, den Werbeinseraten und den Lesern, die die Inhalte und somit auch die Werbung lesen sollen. Stattdessen hätten Google und Co. übernommen, erklärt die Republik. Der Versuch der Verlage, ebenfalls ein Stück vom Onlinegeschäft zu ergattern, führe letztlich dazu, dass die Schweizer Medienlandschaft aus Spargründen immer mehr fusioniere und so tendenziell zu einem grossen Ganzen verschmelze, in dem der Einzelne untergehe. Anders gesagt: Das Eis für guten Journalismus ist dünner geworden.

Furgers an den Haaren herbeigezogene Kritik lässt nur einen Schluss zu: Er ist neidisch. Dabei sollte er sich eigentlich für die Republik freuen: Die Crew hat bewiesen, dass in einer Branche, die sich seit Jahren auf dem absteigenden Ast befindet, neue Ideen eine Chance haben. Und dass man als reines Online-Medienunternehmen auch ohne Werbung Geld verdienen kann. Denn es gibt nach wie vor Menschen, die für gut recherchierte Geschichten und Informationen gerne etwas zahlen, grössere Zusammenhänge verstehen und sich eine eigene Meinung bilden wollen.

Andere versuchen es auch

Die Republik ist nicht das erste Magazin, das nur von seinen Abonnenten finanziert werden will. Auch das digitale Coup-Magazin bietet werbefreie und gut recherchierte Geschichten an. Es ist ist vor einem Jahr ebenfalls mit einem Crowdfunding gestartet. 50’000 Franken sammelte die Redaktion damals. Nun liefert sie einmal im Monat eine grosse Geschichte aus der Schweiz. 20’000 bis 40’000 Zeichen sind die Artikel lang, wie Mitinitiant Joel Bedetti kürzlich gegenüber der Quartierzeitung „Quartierecho“ sagte. Je nach Layout entspräche das etwa 6 bis 8 Seiten Text mit Bildern in einem Printmagazin. Ein Abo kostet 5 Franken im Monat oder 50 Franken im Jahr. Die Redaktion richtet sich explizit an Leser, „die sich lieber tiefgründig und umfassend als oberflächlich und beschränkt informieren“.

Das Ergebnis kann sich zwar sehen lassen, selbsttragend ist das Magazin damit aber noch lange nicht. Derzeit haben rund 500 Leser das Magazin abonniert, zudem wird das Start-up noch von der Stiftung für Medienvielfalt unterstützt. 1000 oder gar 2000 zahlende Leser wären laut Bedetti anzustreben. Er selbst arbeitet nebenbei als freier Journalist und verdient nach eigenen Angaben rund 3’000 bis 4’000 Franken pro Monat. Damit komme er im Moment klar, weil er ein Studentenleben führe.

Hintergründe und Zusammenhänge

In Deutschland bietet Krautreporter Zugang zu Reportagen, Recherchen und Analysen. Krautreporter schreibt auf seiner Website: „Du verstehst besser, wie alles zusammenhängt, und vielleicht am wichtigsten: Du zeigst deine Unterstützung für unabhängigen, werbefreien Journalismus.“ Um Zugang zu den Online-Artikeln zu erhalten, zahlt man 60 Euro im Jahr und kann dafür täglich einen Artikel zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft lesen. Weiter kann man der Genossenschaft beitreten und in das Unternehmen investieren. Die Genossenschaft zählt derzeit 371 Mitglieder.

Noch nicht gestartet hingegen ist das Food-Magazin namens „gut“, das derzeit auf wemakeit.com Geld sammelt. Auch hier gilt: „Keine Publireportagen, kein Native Advertisement: ‚gut‘ ist unabhängig und werbefrei.“

Ich wünsche allen Menschen, die hinter diesen Projekten stehen, viel Erfolg und vor allem viel Mut.

P.S. Dank der neuen Idee von Hansi Voigt könnte es für Online-Journalismus-Plattformen in Zukunft einfacher werden, ihre Inhalte anzubieten. Voigt will sicherstellen, dass den entsprechenden Redaktionen die nötige Infrastruktur zur Verfügung steht und dass sie selbst bestimmen können, wie sie sich finanzieren wollen. Wer allerdings diese Infrastruktur zahlen soll, steht derzeit noch nicht fest. Wir dürfen aber gespannt sein.

Eine Plattform für Neugierige

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es ist, bei Google zu arbeiten? Oder wie man das beste Rührei zubereitet? Oder warum manche Menschen nicht für monogame Beziehungen geschaffen sind?

Es gibt viele Menschen, die solche und noch viele andere Fragen beantworten können. Doch wo findet man diese Menschen? Auf der Wissensplattform Quora. Sie liefert Antworten zu Fragen jeglicher Art.

Quelle: quora.com

Der Autor Evan Bailyn ist der Meinung, dass Facebook der grösste Konkurrent von Google ist. Quelle: quora.com

Wer die Plattform nutzen will, muss sich registrieren. Die Community von Quora erwartet dabei, dass sich jeder mit seinem richtigen Namen registriert. Wer eine Frage beantwortet, sollte sich selbst kurz beschreiben oder begründen, warum er auf die Frage antworten will. Verpflichtet ist dazu aber niemand. Jeder Nutzer kann auch anonym fragen oder antworten, was vor allem bei schwierigen oder sensiblen Themen passiert.

Bewertete Antworten

Nutzer können Antworten als gut oder schlecht bewerten und sorgen so dafür, dass gute Antworten prominenter angezeigt werden als schlechte. Nutzer können auch Fragen melden, die beleidigend oder rassistisch sind.

Auf Quora antworten oft Menschen, die Ahnung haben, wovon sie sprechen. Auf die Frage „Who’s Google’s main competitor?“ schrieb beispielsweise ein Autor, der zwei Bücher über Google und Facebook veröffentlich hat, dass Facebook der grösste Konkurrent von Google sei. Er erklärt es damit, dass Facebook sehr viele persönliche Informationen von seinen Nutzern hat, über die Google nicht (unbedingt) verfügt – wie der Freundeskreis oder das eigene Geburtstagsdatum.

Keine doppelten Fragen

Gibt man eine Frage ein, sieht man anhand eines Drop-Down-Menüs sofort, ob diese ein anderer Nutzer bereits gestellt hat. Findet man seine Frage nicht, kann man sie der Community stellen.

Jeder Nutzer kann bestimmten Themen folgen. Die Funktion „Daily Digest“ versorgt ihn dann täglich mit den am besten bewerteten Antworten zu den ausgewählten Themen.

Quora wurde gemäss Wikipedia 2009 von zwei ehemaligen Facebook-Mitarbeitern gegründet, weil sie eine gute Frage-und-Antwort-Plattform bauen wollten. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Kalifornien.

Ein Klick und der Russe vor der Tür ist weg

Wer die letzten eineinhalb Jahre nicht in einem Loch in der Erde verbracht hat, wird wohl davon gehört haben, dass die Russen wieder kurz davor stehen, den Weltfrieden zu vernichten. Sie expandieren an allen Ecken und Enden (Ukraine), klüngeln mit widerlichen Diktatoren (Syrien) und verwandeln mit Fake-News bzw. Cyber-Attacken gestandene Demokratien in Bananenrepubliken (USA). So plärrt es zumindest aus den (Medien)-Lautsprechern.

Zwei Screenshot zur Google Suche mit den Begriffen BND Russland und Wahlen.

Mit einem Klick auf die Rubrik News verändert sich der Blick auf die Realität drastisch. Wer von uns macht diesen Klick? (Stand 13.02.2017)

Der rote Bär geht um
Und welches Land wird das nächste sein? Welches Land wird als nächstes von den mächtigen Fängen des russischen Bären aus seiner liberalen, demokratischen Umlaufbahn geworfen? Man munkelt, er werde dieses Jahr seine Pranken in die Bundestagswahlen von Deutschland schlagen. Seit Monaten warnen deutsche Politiker, unter anderem angestachelt vom Chef des Bundesnachrichtedienst (BND), vor den Einmischungsversuchen der Russen. Uns wurde ein heisser Wahlherbst angekündigt…

Ничего (nichts)
Mit Enttäuschung muss ich jetzt feststellen, dass die Versprechungen wohl ein wenig zu hoch gegriffen waren. Die deutschen Wahlen könnten doch langweiliger werden als versprochen. Die Zeit.de titelt nämlich: „Keine Beweise für russische Desinformationskampagne“. Nach einer einjährigen Untersuchung fand der BND keine Belege dafür, dass Russland die deutsche Öffentlichkeit zu manipulieren versucht.

Das Gesicht wahren?
Trotz des eindeutigen Ergebnisses lassen sich sowohl die Zeit.de als auch der BND eine Hintertür offen. Es gäbe Grund zur Sorge, denn Russland sei (hört, hört!) auf einem „konfrontativen“ Kurs gegenüber Deutschland, sagen sie. Ausserdem bedeutet die Formulierung „keine Belege“ etwas anderes, als zu schreiben, sie hätten nichts gemacht.

Mit einem Klick die Welt verändern
Die Spitze dieser Realsatire ist aber der eigentliche Auslöser für diesen Post: Meine neueste Google-Suche zum Thema (s. Bild). Links sind die Resultate der allgemeinen Suche zu sehen und rechts diejenigen in der Rubrik News (13.02.2017). Mit nur einem Klick löst sich das russische Schreckgespenst in Luft auf und die Demokratie ist gerettet. Endlich können wir alle wieder beruhigt schlafen.

FTC mit einem Schuss vor den Bug von D-Link

Jeder kennt diesen Moment, wenn man voller Bestätigung zu sich selbst sagt: „Endlich! War aber auch schon höchste Zeit!“. So einen angenehmen Moment durfte ich vor zwei Wochen erleben, als ich auf dem Weg ins Training war. In einem meiner Podcasts hörte ich, wie die Federal Trade Commission  (FTC) in den USA ihre eigene Subline „Protecting America’s Consumers“ auch mal in einem neuen Bereich der Konsumentenwelt ernst genommen hatte: Sie klagte den taiwanesischen Hersteller D-Link wegen mangelnder IT-Sicherheit bei mehreren seiner Produkte an.

Webkamera auf einem Flachbildschirm

D-Link ist hoffentlich nur der erste Hersteller, der von einer Klage betroffen sein wird.

Schludriger Umgang mit der Sicherheit
Unter den von der FTC aufgelisteten Verfehlungen fanden sich z.B. das „harte codieren“ von Passwörtern in Hardware, sodass die Passwörter nicht geändert werden können (so ist der Zugang von Fremden auf die Life-Feeds von Webcams im eigenen Haus möglich). Ausserdem speichern die Apps von D-Link die Login-Daten auf dem Smartphones unverschlüsselt. Dies ermöglicht es anderen Apps diese auszulesen und Fremden zur Verfügung zu stellen. Nicht zuletzt hatte der falsche Umgang mit dem geheimen Sicherheitsschlüssel von D-Link zur Folge, dass der Sicherheitsschlüssel sechs Monate lang online der Öffentlichkeit zugänglich war…

D-Link meiden
Gemäss diesen Erkenntnissen argumentiert die FTC in der Klage, dass D-Link irreführende (Sicherheits)-Versprechen gegenüber den Kunden gemacht und dadurch die Privatsphäre der Nutzer riskiert habe, indem minimale IT-Sicherheitsstandards nicht eingehalten worden seien. Diese Klage erstreckt sich über verschiedene Produkte und sollte allen Nutzern ernsthaft zu denken geben. Sogar ich, wahrlich kein Experte für IT-Sicherheit, weiss, dass es sich hier um Anfängerfehler handelt. Ich werde D-Link von meiner Einkaufsliste streichen.

Wo kein Schaden, da kein Kläger?
Interessant war dann noch die Reaktion des angeklagten Unternehmens. Gemäss eines Artikels von PCWorld reagierte D-Link mit dem Argument, dass die FTC keinen Schaden nachweisen könne. Es bleibt abzuwarten, ob die FTC noch mit Fällen von Geschädigten aufwarten kann. Auf jeden Fall lohnt es sich, diesen Fall weiter zu beobachten, denn hier wird indirekt über den Wert von Privatsphäre im digitalen Raum verhandelt.

Traraaaa! Die Schlacht ist eröffnet!
Wie auch immer dieser Gerichtsfall ausgeht: Ich sehe diese Anklage als ersten Wink mit dem Zaunpfahl an die Hersteller der Internet-of-Things-Produkte, sich in Sachen Sicherheit mehr anzustrengen. Endlich! War aber auch schon höchste Zeit!

„Fake News“: Ein Sündenbock à la carte

Mal schauen, ob es der Ausdruck „Fake News“ zum Wort des Jahres 2017 schafft. Das Zeug dazu hätte er jedenfalls. Er bringt einen Missstand zum Ausdruck und ist herrlich ungenau, sodass jeder ihn verwenden kann, ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen, was es damit wirklich auf sich hat. Der aktuelle Sprachgebrauch dieses Ausdruckes allerdings zielt darauf ab, falsche und stark überdehnte Darstellungen der Geschehnisse aus dem Sichtfeld der Menschen zu filtern. Und wenn von „Fake News“ die Rede ist, dann sind die grossen Medienorganisationen nie gemeint. Obwohl man ihnen genauso vorwerfen kann, „Fake News“ zu produzieren.

Auch bei den etablierten Medien findet man Fake-News.

Pure Angstmacherei mit erfundenen Quellen?
Ein Beispiel ist der Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit dem Titel „Berlin fürchtet Cyber-Angriffe und Propaganda aus Russland„. Über den Inhalt muss man nichts sagen, denn der Titel ist klar. Der kurze Text verweist dann auf ungenannte Quellen aus dem Kanzleramt, dem Innenministerium und den Sicherheitsbehörden.

Auf den Artikel angesprochen, verweist der Regierungssprecher Steffen Seibert den Artikel ins Land der Märchen (Bundespressekonferenz vom 9.12.16). Das sind „Fake News“  und reine Angstpropaganda eines renommierten Blattes. Natürlich, Seibert könnte auch lügen, aber wenn er nicht dazu befragt wurde und wir nicht wissen, was er dazu gesagt hätte, dann sind das reine Meldungen aus der Gerüchteküche.

Wahrheitssucher Opfer eigener Scheuklappen
Politifact.com, ein in der linken Szene angesehenes Portal, prüft als Faktenkontrolleur Aussagen von Politikern auf deren Wahrheitsgehalt.  Bis vor Kurzem taxierte einer der Redakteure die Behauptung eines US-amerikanischen Politikers, dass der zukünftige Vize-Präsident Mike Pence Geld von der AIDS-Prävention zur Conversion-Therapy umleiten wolle, als wahr. Als Beleg wurde eine alte Website von Pence auf archive.org  ausgegraben, auf der rein gar nichts davon stand. Es dauerte rund vier Monate bis zum 02. Dezember 2016, bis sich der Autor der Realität stellte und seine Einschätzung teilweise revidierte. Und das auch nur aufgrund Hinweisen von Dritten. Wenn das mal keine „Fake News“ sind.

Nur wir machen die richtigen News
Der Ausdruck „Fake News“ wird uns wohl noch eine Weile erhalten bleiben. Nicht nur aus oben genannten Gründen, sondern auch, weil er sehr nützlich ist. Deswegen, weil der Ausdruck unter dem Deckmantel der Aufklärungen zielgerichtet und brandmarkend eingesetzt werden kann. Damit versuchen die etablierten Medien, die zunehmend funktional und wirtschaflich versagen, die Deutungshoheit über die Interpretation der Geschehnisse zurück zu gewinnen. Ausserdem nützen „Fake-News“ den Verlagshäusern im Verhandlungspoker gegen die sozialen Netzwerke. „Fake News“ ist sozusagen ein Kampfbegriff der etablierten Medien, um ihr darbendes Geschäftsmodell noch ein wenig länger zu erhalten.

Idealismus allein reicht nicht

Die Schweizer Suchmaschine Swisscows braucht Geld. Denn anders als Google finanziert sie sich nicht mit Nutzerdaten und personalisierter Werbung, sondern verspricht eine anonyme Suche. Weder IP-Adressen noch Suchbegriffe der Nutzer würden gespeichert, zudem würden die Nutzer nicht getrackt, heisst es auf der firmeneigenen Website.

„Gemeinsam für mehr Datenschutz und ein sicheres Internet: Es klingt schon fast unrealistisch, aber wir glauben daran und folgen dieser Vision.“ (Bild: Screenshot von swisscows.ch)

Im Rahmen einer Spendenaktion sind bisher erst 170’000 der erforderlichen 500’00 Franken zusammengekommen. Andreas Wiebe, CEO von Hulbee, dem Unternehmen, das hinter Swisscows steht, lässt sich davon nicht beirren: Der Spendenaufruf verlaufe positiv, zwar nicht wie bei Wikipedia oder Mozilla, „aber wir sind zufrieden“. Allerdings wird er mit dem Erlös nicht alle Kosten für Technik, Infrastruktur und Entwicklung decken können, wie er sagt.

Immerhin erhält er nach eigenen Aussagen „Tausende Briefe von Nutzern, die sich bei uns bedanken und uns weiterhin Ausdauer und Glück wünschen.“ Sie wüssten, dass man eine Suchmaschine „nicht aus purem Eifer am Leben erhalten kann“.

Lösung für Unternehmen

Neben Einnahmen aus Spenden finanziert sich Swisscows unter anderem mit einer semantischen Suchlösung für Unternehmen, mit der man unstrukturierte Daten finden kann. Beispielsweise Office-Dateien, die unter Umständen neu erstellt werden müssten, weil man sie nicht mehr findet. Die Lösung namens „Hulbee Entreprise Search“ besteht entweder aus der Suchsoftware allein oder einem Paket bestehend aus Software- und Hardware (Server). Google hatte ein ähnliches Produkt, Google Search Appliance, im Februar dieses Jahres nach 14 Jahren Laufzeit beerdigt. Bleibt also zu hoffen, dass Swisscows mit der eigenen Lösung erfolgreicher sein wird.

Natürlich können Unternehmen bei Swisscows auch Werbung schalten, müssen aber akzeptieren, dass die Suchmaschine nicht die gleiche Reichweite bietet wie Google und keine auf den Nutzer zugeschnittene Werbung möglich ist.

Umkämpfter Markt

Die Zeit wird zeigen, ob sich Wiebes Unternehmen am Markt behaupten kann. Derzeit verarbeitet Swisscows 17 Millionen Suchanfragen pro Monat. Das klingt nicht schlecht. Nur: Google verarbeitet 3,5 Milliarden Suchanfragen pro Tag. Auch sind die Suchergebnisse von Swisscows nicht so gut wie bei Google. Das liegt allerdings auch daran, dass Swisscows erst seit 2,5 Jahren existiert und noch am eigenen Index arbeitet. Ursprünglich setzte das Unternehmen überall den Index von Bing ein, inzwischen kommt dieser laut Wiebe nur noch in den USA und anderen weit entfernten Ländern zum Einsatz.

Letztlich ist Wiebe darauf angewiesen, dass Menschen sein Unternehmen unterstützen, weil sie dessen Konzept gut finden und mithelfen wollen, eine Alternative zum Datensammler Google zu entwickeln. Wer so etwas durchziehen will, braucht eine gehörige Portion Idealismus. Wiebe scheint diese zu haben: Er hofft, Swisscows zur „datensichersten Suchmaschine der Welt“ aufzubauen und es in den nächsten fünf Jahren auf den dritten Platz hinter Google und Bing zu schaffen. Zudem will Wiebe seine Suchmaschine in eine Stiftung integrieren. Auch dafür braucht er Menschen, die bereit sind, in seine Geschäftsidee zu investieren.

Weiter will er künftig eine sichere E-Mail- und Messaginglösung anbieten und sich vermehrt im Bildungssektor und in Schulen engagieren. Schon heute bietet Swisscows einen Ratgeber für digitale Medienerziehung an. Dazu passt auch, dass pornographische und gewaltorientierte Inhalte gesperrt werden, um Kinder zu schützen. Damit kann sich die Suchmaschine „familienfreundlich“ nennen. Dies erhöht vermutlich ihren Sympathiebonus und somit ihre Lebenschancen.

Licht im Tunnel – Ausgang oder Gegenzug?

Eigentlich leben wir Menschen in der wohlbehüteten westlichen Welt in interessanten Zeiten. Überall geht die Post ab. Ein Umwälzungsprozess nach dem anderen kündigt sich an.  So türmen sich die Themen, die eigentlich einer ausführlichen Diskussion bedürfen würden, doch sie finden einfach zu selten statt. Das Resultat davon: Mit Sorge, berechtigterweise, blicken wir in die Zukunft, da sie so volatil wie noch nie scheint.

Zwei Strassen die um einen Berg führen treffen sich vor dem nächsten Berg.

Stehen wir schon am Scheideweg? Wäre schön und es gibt durchaus Gründe zur Hoffnung.

Mit Vollgas in den Untergang
Es sind auch schizophrene Zeiten. Die etablierten Medien versagen immer häufiger darin, uns die Welt zu erklären (zuletzt bei der Wahl von Donald Trump). Zudem müssen sie zusehen, dass ihr Geschäftsmodell ihnen wie Sand zwischen den Fingern verrinnt. Nun versuchen sie, mit täglichen Meldungen über neue Gerüchte und Vermutungen über Trump rauszuholen, was an Klicks noch zu holen ist. Das Orchester auf der Titanic hat die Lautstärke nochmals aufgedreht.

Aufrührerische Gedanken
Man kann über die Wahl von Trump denken, was man will. Er scheint mir ein hässliches Symptom unserer Zeit. Doch zum Glück gibt es auch Anzeichen der Hoffnung. Da und dort geistert der Gedanke umher, ob es angesichts der zukünftigen US-amerikanischen Regierung vielleicht doch angebracht wäre, sich in der Datensammelei zurückzuhalten oder mit Verschlüsselung besser die Privatsphäre zu schützen? Hört hört!

Am historischen Scheideweg?
Natürlich gefährden solche Ideen, die im Silicon Valley an Blasphemie grenzen, echte und imaginäre Geschäftsmodelle. Die (Möchtegern-)Goldgräber werden sich das nicht so einfach nehmen lassen. Wie auch immer: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ausserdem hege ich im Gegensatz zu manchen Untergangspropheten immer noch die Hoffnung, dass sich diese US-Wahl vielleicht noch als Beginn der Katharsis entpuppen wird. Denn das gesamte Ausmass unserer politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Probleme wird zunehmend sichtbar.