Eine Plattform für Neugierige

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es ist, bei Google zu arbeiten? Oder wie man das beste Rührei zubereitet? Oder warum manche Menschen nicht für monogame Beziehungen geschaffen sind?

Es gibt viele Menschen, die solche und noch viele andere Fragen beantworten können. Doch wo findet man diese Menschen? Auf der Wissensplattform Quora. Sie liefert Antworten zu Fragen jeglicher Art.

Quelle: quora.com

Der Autor Evan Bailyn ist der Meinung, dass Facebook der grösste Konkurrent von Google ist. Quelle: quora.com

Wer die Plattform nutzen will, muss sich registrieren. Die Community von Quora erwartet dabei, dass sich jeder mit seinem richtigen Namen registriert. Wer eine Frage beantwortet, sollte sich selbst kurz beschreiben oder begründen, warum er auf die Frage antworten will. Verpflichtet ist dazu aber niemand. Jeder Nutzer kann auch anonym fragen oder antworten, was vor allem bei schwierigen oder sensiblen Themen passiert.

Bewertete Antworten

Nutzer können Antworten als gut oder schlecht bewerten und sorgen so dafür, dass gute Antworten prominenter angezeigt werden als schlechte. Nutzer können auch Fragen melden, die beleidigend oder rassistisch sind.

Auf Quora antworten oft Menschen, die Ahnung haben, wovon sie sprechen. Auf die Frage „Who’s Google’s main competitor?“ schrieb beispielsweise ein Autor, der zwei Bücher über Google und Facebook veröffentlich hat, dass Facebook der grösste Konkurrent von Google sei. Er erklärt es damit, dass Facebook sehr viele persönliche Informationen von seinen Nutzern hat, über die Google nicht (unbedingt) verfügt – wie der Freundeskreis oder das eigene Geburtstagsdatum.

Keine doppelten Fragen

Gibt man eine Frage ein, sieht man anhand eines Drop-Down-Menüs sofort, ob diese ein anderer Nutzer bereits gestellt hat. Findet man seine Frage nicht, kann man sie der Community stellen.

Jeder Nutzer kann bestimmten Themen folgen. Die Funktion „Daily Digest“ versorgt ihn dann täglich mit den am besten bewerteten Antworten zu den ausgewählten Themen.

Quora wurde gemäss Wikipedia 2009 von zwei ehemaligen Facebook-Mitarbeitern gegründet, weil sie eine gute Frage-und-Antwort-Plattform bauen wollten. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Kalifornien.

Mit Googles Chromecast einfach auf Sendung

Seit das lichtschnelle Internet in Form einer kleinen, unscheinbaren Steckdose an der Wand in unserem Heim Einzug gehalten hat, stellen sich plötzlich neue Fragen. Das gewohnte Setup von Internet, Telefon und TV/Radio steht auf einmal zur Disposition. Ausserdem gehöre ich bei Glasfasern zur Risikogruppe derer, die alleine nur deswegen schon alles umstellen, damit sie die OTO-Box in Betrieb nehmen können.

Screenshot SRF-Play-App

Auch in der SRF-Play-App erscheint nach der Installation von Chromecast das Chromecast-Symbol in der rechten oberen Ecke. Damit wird das Streaming ausgelöst.

Bis jetzt konnte ich dieser Versuchung widerstehen, aber das wird sich ändern. Im Verlaufe des Planungsprozesses zum neuen Setup stellt sich die Frage, wie man die Bewegtbilder auf den noch nicht smarten Zweitfernseher bringen kann.  Minicomputer hinten am Bildschirm anschrauben, Streaming Box einstöpseln oder gleich einen Receiver von einem TV-Streaming-Service anschliessen?

Es braucht nur einen HDMI-Anschluss
Eine in der Schweiz weniger bekannte Variante ist ein kleines Gerät von Google mit dem Namen Chromecast.  Damit lassen sich Inhalte vom Android Smartphone oder aus jeglichem Chrome-Browser-Fenster auf einen Fernseher/Beamer streamen. Voraussetzung ist: Das Gerät muss einen HDMI-Anschluss haben und das Smartphone  bzw. das Gerät auf dem der Chrome-Browser läuft, muss sich im gleichen Netz befinden. So weit so einfach.

Hardware und Software sehr einfach zu installieren
Die etwa 8 Millimeter dicke, runde Scheibe hat zwei Anschlüsse: Einen HDMI- und einen USB-Anschluss. Der HDMI-Anschluss wird im Fernseher eingesteckt und der USB-Anschluss dient der Stromzufuhr. Dies kann entweder durchs Einstecken in einen USB-Anschluss am Fernseher oder mit einem Stromadapter erledigt werden.  Hardwareseitig ist die Installation dann auch schon beendet.

Auch die Installation der Software mit einem Android-Smartphone ist einfach. Die Installation nur mit dem Chrome-Browser habe ich nicht durchgeführt.  Folgt man den Anweisungen genau, ist die Einrichtung inkl. automatischem Update in maximal fünf Minuten beendet. Was den Datenschutz betrifft: Die dafür nötige Google Home App verlangt zwei Berechtigungen: Kontakte (keine Ahnung wieso?) und Standort. Die Kontakte sind weder für die Installation, noch für den Betrieb nötig. Der Standort ist zumindest für die Installation von Chromecast nötig. Für die Verwendung nicht.

Praktisch und kaum merkliche Verzögerung
Chromecast ist alles in allem ein praktisches Gadget. Es ist günstig (um die 40 SFr.), funktioniert zuverlässig, reagiert auf Eingaben auf dem Smartphone ohne merkliche Verzögerung und wird von Streaming-Apps unterstützt. In der TV-Streaming-App Zattoo, in der Youtube- oder SRF-Play-App erscheint nach Installation des Chromecast das Chromecast-Symbol (siehe Beitragsbild), dass das Streaming auf den Chromecast auslöst. Auch das funktioniert reibungslos und innerhalb weniger Sekunden.

Chromecast überzeugt vollständig

So kann man im Endeffekt mit einem Android-Smartphone und dem Chromecast jeden HDMI-fähigen Fernseher zu einem Wireless-Streaming-Gerät aufrüsten. Innerhalb weniger Tage habe ich Chromecast auch auf dem Hauptfernseher schätzen gelernt. Die Youtube-App auf dem Samsung-TV ist in der Handhabung so mühsam und unzuverlässig, dass ich fast immer das Streaming mit Chromecast bevorzuge. Ausserdem denke ich schon darüber nach, ob ich Chromecast Audio ausprobieren soll…

Mit Karton in die virtuelle Unterhaltung

Jetzt ist es schon bald drei Jahre her, dass Jungs von Google an der jährlichen Entwicklerkonferenz I/O ihr Google Cardboard vorgestellt haben. Zu Recht erregten sie damit einiges Aufsehen. Ziel von Google Cardboard war es, für wenig Geld den Menschen (und Entwicklern) einen Einblick in die virtuelle 3D-Welt zu ermöglichen. Und das mit Erfolg.

Mit dieses Video zeigt die Gipfelbesteigung des Eiger. Mit einem Klick auf das Cardboard-Symbol unten rechts teilt sich der Bildschirm in zwei Teile.

Restliche Welt ausblenden
Google Cardboard ist ein Karton-Gestell, in das man sein Smartphone einspannen und mit einem Gummiband am Kopf befestigen kann. Die zwei darin enthaltenen Linsen ermöglichen dem Benutzer stereoskopisches Sehen und blenden mit den seitlichen Wänden die restliche Umwelt aus. Es ist das, was man als Virtual-Reality-Brille bezeichnet. Recht rudimentär und nicht besonders bequem, aber dafür auch für nur schlappe 20 Franken erhältlich.

Inhalte vervielfacht
Obwohl Cardboard nicht neu ist, lohnt sich ein Kauf jetzt immer noch. Denn inzwischen haben sich die konsumierbaren Inhalte vervielfacht. Man findet auf Youtube eine Menge davon. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass die für die Aufnahme nötigen speziellen Kameras deutlich günstiger geworden sind. Ausserdem haben sich endgültig die Smartphones mit der nötigen Bildschirmgrösse etabliert. Nicht zuletzt ist Cardboard jetzt sehr einfach zu kaufen.

Gipfelbesteigung im Wohnzimmer
Für den Einstieg lohnt es sich, die Google Cardboard App zu installieren. Damit bekommt man ein paar einfache Anwendungen vorgeführt wie beispielsweise Flüge durch virtuelle Welten oder Google Earth. Daneben kann ich nur empfehlen, in Youtube nach „Cardboard video 360“ zu suchen. Da sind ein paar interessante Filme zu finden. Unter anderem auch eine spektakuläre Gipfelbesteigung des Eigers, bei der man sich in alle Richtungen umsehen kann.

Erstaunlicher Erstkontakt
Es ist ziemlich erstaunlich, wie weit man mit einem Stück Karton und zwei Linsen in die virtuelle Realität eintauchen kann. Wenn man ein Smartphone mit der Bildschirmgrösse von fünf bis sechs Zoll hat und sich noch wenig mit den Möglichkeiten der virtuellen Realität beschäftigt hat, lohnt sich der Kauf auf jeden Fall.

Checkst Du schon oder rätselst Du noch?

Google, der Filterblasen-Lieferant unseres Vertrauens, hat sich letzte Woche entschieden, in der U.S.-Version seines News-Services eine weitere „Info“-Rubrik einzufügen: Fact Check. Wenn eine News zu einem bestimmten Thema auftaucht, wird (sofern vorhanden) auch ein Artikel hinzugefügt, der die in der News beschriebenen Fakten überprüft.

Screenshot aus Google News

Fact Check: Das Einfallstor in die neue Wahrheit. Nur eine Rubrik von vielen. Das kann sich aber auch jederzeit ändern.

Die Qualität wird von Google beurteilt
Welche Texte als Fakten-Checker-Texte taugen, entscheidet Google anhand des Inhalts und anhand von Kennzeichnungen im Quelltext der Seite. Google nennt als gutes Beispiel das International Fact-Checking Network. Gemäss NZZ behält sich Google auch das Recht vor, Inhalte von Websites in News und der Suche herabzustufen, wenn missbräuchlich behauptet wird, auf Fact Checking zu setzen. Dies wird aber im Blogpost von Richard Gingras, Head von Google News, nicht erwähnt.

Mit Faktenkontrolle gegen den Beelzebub-Kandidaten im Wahlkampf
Fact Checking ist das Hysterie-Wort des Jahres in den USA. Ausgelöst durch die zahlreichen falschen und bis zur Unkenntlichkeit übertriebenen Behauptungen im U.S.-amerikanischen Wahlkampf schreien die Demokraten danach, um Donald Trump den Saft abzudrehen. Und die Medienhäuser versuchen damit wieder zu kitten, dass sie Donald Trump so viel Sendezeit gegeben und zu diesem Schlamassel beigetragen haben.

Wieder mal eine technische Lösung für ein gesellschaftliches Problem
Nun ging Google, noch vor den Wahlen, noch einen Schritt weiter. Was wie eine hilfreiche Funktion im Dickicht des Internet-Dschungels klingt, stellt eher eine potenzielle Gefahr für die Demokratie dar. Und das gleich aus mehreren Gründen:

  • Nur einfache Behauptungen (z.B. „die meisten Ausländer sind kriminell“) können eindeutig widerlegt werden. Alles andere sind Interpretationen von Informationen. Und Menschen interpretieren nie ausgewogen.
  • Wer entscheidet, wann ein Fakt in den Texten geklärt ist? Und wie gründlich hat dies zu geschehen? Google hat darauf zwar keinen Einfluss, aber wählt die Kontrollorgane aus. Diese erhalten damit sehr viel Macht.
  • Google entscheidet nun nicht nur, was wir sehen (Filterblase), sondern auch noch, was wahr ist. Google bestimmt, welche Organisationen vertrauenswürdig sind und verleiht ihnen somit zusätzliche Glaubwürdigkeit.
  • Wenn uns ständig jemand vorgibt, was stimmt und was nicht, wird unsere Medienkompetenz noch weiter sinken.

Man kann mir gerne vorwerfen hier „Technopanik“ zu verbreiten. Das mag zwar sein, doch ist bei Google immer grosse Vorsicht geboten. Nicht nur, weil die Jungs aus dem Silicon Valley in einem Verzerrungsfeld leben, sondern weil sie auch noch verdammt viel Macht haben.

Zu fehleranfällig

Nun gut, seit letzter Woche ist es amtlich: Die Briten sind schwach im Rechnen. Ein Fünftel der Erwachsenen dort kann weder Bruch- noch Prozentrechnen. Ein gutes Viertel ist ausserstande, die Fläche eines Kreises oder einen Durchschnitt zu berechnen, von Trigonometrie oder Statistik ganz zu schweigen.

Rechnen-mit-Briten

Schöner rechnen mit Briten (Bild: Dree’Ja via Wikicommons)

Überraschen sollte uns das eigentlich nicht. Wer wollte, konnte ja schon Ende der 1970er-Jahre vermuten, dass man auf der Insel 1 und 1 nicht zusammenzählen kann. Wie sonst liess sich erklären, dass man ein gewisse Frau Thatcher zur Premierministerin wählte und so ein ganzes Königreich dem neoliberalen Mob zum Frass vorwarf?

Das war in der Tat fatal. Aber heute? Mal ehrlich, ist Rechnen gesellschaftlich überhaupt noch relevant? Mittlerweile trägt doch jeder Brite rund 1,23 Smartphones herum, auf denen eine bestens ausgestattete Rechner-App nur darauf wartet, genutzt zu werden. Kommt dazu, dass heute jeder ein paar Hundert Facebook-Freunde hat, die ihm allzeit bei kleinen Rechenproblemen gerne aus der Patsche helfen. Also nochmal: Spielt Rechenschwäche noch irgendeine Rolle?

Aber sicher! Doch anders als Sie nun denken mögen: Wer nicht rechnen kann, wird im Pub beschissen. Das ist gerade bei den Briten, mit ihrer Vorliebe für vergorene Getreideprodukte besonders heikel. Und weil die Rechenleistung menschlicher Gehirne mit steigendem Alkoholspiegel noch weiter sinkt, wird der Anteil an Beschissenen bald die kritische Grenze von 50 Prozent überschreiten. Dann wird sich also die Mehrheit der Briten beschissen vorkommen – entweder vom Pub oder vom Alkohol. Das Resultat davon dürften allerlei Facebook-Initiativen für die Schliessung der Pubs und das Verbot von Alkohol sein. Und wie man die Angelsachsen so kennt, werden sie auf die eine oder andere Art Erfolg haben.

Was dann folgt, lässt sich in Geschichtsbüchern nachlesen: Prohibition, Mafia, Mord und Totschlag. In Nordirland werden sich Katholiken und Protestanten mit alter Verve und neuem Elan die Birnen einhauen. Die Schotten werden die Gelegenheit nutzen und sich aus dem Reich verdrücken. Das wird gewiss den Geheimdienst auf den Plan rufen. Der wird das Volk dank umfassender Schnüffellizenz nach allen Regeln der Kunst schikanieren. Letzteres wird sich endlich auch vom Staat beschissen fühlen. Ein Shitstorm biblischen Ausmasses wird sich übers Land ergiessen, ein Aufstand wird folgen, dann eine Revolution. Die wird gelingen und es der dannzumal meistgeliketen Community ermöglichen, die Regierungsarbeit durch Menschen zu verbieten (zu fehleranfällig, zu korrumpierbar). Daraufhin wird sie die Geschäfte der Exekutive einer gigantischen Cloud übertragen. Die wird von drei autonomen Megarechnern bestellt, die auf die Namen Peace, Happiness und Pancake hören. Der erste steht bei Google, der zweite bei Facebook und der dritte bei Amazon. Well, well, well: wilkommen im Staat 3.0!

Cookies: die süssen kleinen Verräter

Während man sich andernorts fast in die Hose machte, weil der Twitter-CEO Jack Dorsey einen Testballon stiegen liess (Aufhebung der Zeichenbegrenzung pro Tweet), blieb eine Erkenntnis fast gänzlich unbeachtet. In einer von techscience.org vorgestellten vergleichenden Studie ging es um die Cookies auf unseren Computern. Die Essenz der Studie: Diese süssen kleinen Verräter grassieren im Internet wie die Pest.

Eine Dreierreihe Kekse auf einem Backblech.

Neun von zehn Internet-Cookies gehören nicht dem Website-Betreiber. In gleichem Mass findet auch Google Analytics Verbreitung.

Im Schnitt 134 Cookies pro Website
Die Autoren der Studie haben sich jeweils die 100 und 1000 meistbesuchten Websites angesehen und den Zählrahmen hervorgekramt. Besucht jemand die Top 1000 Websites, schleppt er am Ende 134 769 blinde Passagiere in seinem Browser mit herum (Top 100: 6000). Im Vergleich zum Jahr 2012 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt (65 381). 130 der Top 1000 Seiten hinterliessen sogar 300 und mehr Cookies auf dem Computer der Website-Besucher!

Neun von zehn von Plätzchen gehen fremd
Fast alle diese Cookies warten nur darauf, der nächsten besuchten Website zu verraten, wo du vorher warst. Die harmlosen Zeiten, als Cookies verteilt wurden, um sich auf wiederholt besuchten Websites zu identifizieren, sind vorbei: 92 Prozent aller Kekse kommen nämlich von fremden Bäckern (Top 100: 90 Prozent). Das sind Cookies von Werbenetzwerken und Systemen, die das Besucherverhalten auf Websites auswerten. Ein Unternehmen, in dem Werbung und Auswertung praktischerweise zusammenkommen, ist unser aller ständiger Begleiter. Bitte einen Trommelwirbel für: Google.  Von den Top 1000 Websites verwenden 923 Google Analytics. Da soll mal einer sagen, das Web sei so eine anonyme Sache.

Digitale Spuren wo man hinsieht
Und zum Schluss noch ein kleines Gedankenexperiment, um die Gefährlichkeit und Absurdität der Situation zu zeigen. Man stelle sich vor, bei jedem ersten Besuch eines Warenhauses würden den Kunden jeweils 134 kleine reflektierende Aufkleber mit ein paar Buchstaben auf die Jacke geklebt. Bei jedem erneuten Besuch im Laden würden diese dann mit einem Scanner ausgelesen. Die freiwilligen Kundenkarte kommt noch oben drauf. Ach ja, unsere Kreditkarten hinterlassen auch noch digitale Spuren …

Ist es nicht schön, dass sich so viele Menschen dafür interessieren, was uns gefällt und was wir so machen?

Hassparolen im Web: Enttäuschung vorprogrammiert

Die deutsche Regierung hat so lange gedrängelt, bis Facebook ihr einen Gefallen erwiesen hat: Das soziale Netzwerk wird sich am deutschen Recht orientieren, wenn es um Hassparolen geht. Um der Verbreitung von fremdenfeindlichen und rassistischen Botschaften im Web zu begegnen, werden rechtswidrige Inhalte innert 24 Stunden gelöscht. Klingt doch super: Endlich wird etwas gegen diese Hassparolen (engl. hatespeech) gemacht.

Eric Schmidt (rechts) im Interview mit Nik Gowing

Offenes Web mit Mauern drum herum. Quo vadis „Ausbilder“ Eric Schmidt? Bild: Chatham House [CC BY 2.0] via Wiki Commons

Mit der Technik-Krücke gegen menschliches Versagen
Erfreut von diesem Schritt will der deutsche Justizminister Maas dem Unternehmen trotzdem auf die Finger kucken, um zu sehen, ob es sein Versprechen einhalten wird. Das wird es nicht. Darauf würde ich eine Wette abschliessen. Wenn Facebook nicht gerade eine Armee von trainierten Zensuräffchen im Wandschrank sitzen hat – das neue Hauptquartier wäre dafür gross genug – ist eine Säuberung von Facebook kaum möglich … ausser das Netzwerk setzt hierbei auf Algorithmen.

Automatisierte Prüfung auf Hassparolen
Genauso wie Eric Schmidt (Vorstandsvorsitzender von Google) in seinem Beitrag auf der New York Times-Website. Er macht sich üble Sorgen um das offene Web und was damit passiert, wenn es denjenigen überlassen wird, die Hassparolen verbreiten. Wir alle seien gefordert, dies zu verhindern, sagt er. Auch die schlauen Köpfe aus dem Silicon Valley. Schmidt könnte sich eine Art automatische Sprachkorrektur vorstellen: „We should build tools to help de-escalate tensions on social media – sort of like spell-checkers, but for hate and harassment.“

Nutzlos und gefährlich
Man muss nicht Gandalf der Graue sein, um zu erkennen, dass es sich hier um ein nutzloses, ja sogar gefährliches Unterfangen handelt. Nutzlos, weil wir keine Meinungen ändern, indem wir kommunikative Ausscheidungen löschen. Gefährlich, weil das offene Web mit Zensurmaschinen übersäht wird. Beides ist auch Eric Schmidt bewusst. Leider zieht er es wieder einmal vor, den Ausbilder Schmidt rauszuhängen und die Richtung vorzugeben. Nur: Wo soll das Ganze hinführen?

Google und Verlage: Der Streit ums Leckerli spitzt sich zu

Die Filmkamera zeigt einen Ausschnitt aus einer Verfolgungsszene, der die Situation verzerrt.

Mediale Verzerrung? Google hat beschlossen, uns ein Stück weit davon zu befreien.

Seit  einigen Jahren wissen wir ja schon, dass es Google nicht so mit den Zeitungen hat. Insbesondere mit den deutschen Verlagshäusern liegt der Such- und Werbegigant im Streit (s. a. Stichwort Leistungsschutzrecht). Eigentlich ist das ja weniger ein Streit, sondern gleicht eher dem Versuch eines Pinschers am Hosenbein eines Hünen hochzuspringen um ein Leckerli zu ergattern. Der Grund für die Affäre: Man ist sich nicht einig, welches Geschäftsmodell Google den Verlagen in Zukunft zugestehen soll. Es ist ja klar, dass der Daten-Mogul da ein Wörtchen mitzudiskutieren hat, weil der ja nicht so einfach Geld aus der Tasche ziehen lässt…

Upgrade für Pressemitteilungen
Wir können uns also vorstellen, welchen Stellenwert Medienhäuser und ihre Erzeugnisse in der Google-Filterblase haben. Damit das auch allen klar wird, haben die Jungs und (weniger oft auch) Mädels aus Mountain View wieder einmal ein subtiles aber eindeutiges Zeichen gesetzt. Laut Reuters hat Google an seiner Suchmaschine so herumgedreht, dass auch Pressemitteilungen von Unternehmen zuoberst in der Suchkategorie News auftauchen können. Laut newsslasch.com, die sich auf Google bezieht, ist diese Änderung schon seit September 2014 aktiv. Doch wurde sie erst jetzt entdeckt.

Den Mittelsmann aus der Gleichung streichen
Da sieht man mal, was Google von der vierten Gewalt hält: Sie ist bloss die Überbringerin der eigentlichen Information. Und warum sollte man die nicht von ihrer Bürde befreien?

Frage:
Was ist Deine Meinung? Kann man sich den Umweg über die Medien sparen und gleich die Pressemitteilung lesen?

Google’s Zweifel an den eigenen Produkten

Screenshot eines Gmail-Setup-Menus

Man kann die im Gmail-Portal angezeigte Werbung auch beeinflussen. Nur wer weiss das schon…

Sind sie mit ihrem Gehalt unzufrieden und würden gerne in nächster Zeit mit ihrem/ihrer Vorgesetzen darüber sprechen? Gut, machen sie das. Es kann nicht schaden Flagge zu zeigen. Es kann auch nützlich sein, sich eine Erinnerung in den Kalender einzutragen, dass man über das Thema sprechen möchte. Das erhöht den inneren Druck es auch zu tun. Schreiben sie aber nicht die E-Mail-Adresse des Vorgesetzten in die Betreffzeile des Kalendereintrags. Es könnte nämlich passieren, sofern sie im Unternehmen Google Calendar verwenden, das eine Benachrichtigung im Kalender des Chefs landet. Wie so etwas passieren kann, können sie auf theverge.com nachlesen.

„Keine Angst, der will nur spielen“

Ich weiss, die Jungs von Google haben es gut gemeint. Alles was automatisch erledigt werden kann ist gemäss der Ideologie dieser Spezies Mensch grundsätzlich gut. Die Menschen mit dem Töggelikasten und der Rutschbahn im Büro wollen nur unser Leben vereinfachen. Und abgesehen davon: Wie kann man ihnen einen Vorwurf machen? Privatsphäre kennen sie nur aus Märchen und Gehaltserhöhungen sind bei denen einfach kein Thema…

Opt-out: ein Zeichen von Schwäche

Was sich diese selbsternannten Weltverbesserer aber endlich einmal abschminken könnten, wäre ihr stures Opt-out-Prinzip. Für mich ist das Festhalten von Google am Opt-out nicht nur fies gegenüber seinen Kunden, sondern auch ein Zeichen von Schwäche: Wenn ein Unternehmen an die Qualität seiner Produkte glaubt, dann hat es nicht nötig, die Trägheit seiner Kunden auszunützen. Das gilt insbesondere für Google, denn mit dessen Marktmacht kriegt man alle guten Produkte an die Kundschaft. Oder wollen die Kunden den ganzen Ramsch vielleicht gar nicht?

Was meinst Du?

Weder klein noch sympathisch

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Taxi? Very cheap! („KolkataRickshaw“ von Arne Hückelheim, über Wikimedia Commons)

Deutschland hat es gerade wieder schwer. Östlich von Hameln sammelt die gut getarnte Filiale einer bekannten Schweizer Spiesserpartei Wähler engros und besetzt mit den falschen Absichten die richtigen Themen. Westlich von Hameln betätigen sich kostümierte Ratten als Menschenfänger, und bundesweit muss man nun feststellen, dass Geiz nicht immer geil und Start-ups nicht immer lustig sind. Das ist eine harte Lektion für ein Volk, das hippe Jungunternehmen stets mit Internet und Internet immer mit gratis oder mindestens billig gleichsetzt.

Angestossen hat den Lernprozess Uber, diese Pseudotaxizentrale aus dem sonnigen Kalifornien. Sie gehört zu den Klitschen, die fröhlich „Nutzen ist besser als besitzen!“ singen und sich damit eine rasch wachsende Gemeinde auf den einschlägigen sozialen Rummelplätzen geschaffen haben. Sie hat sich der Share-Ökonomie verschrieben, was nach öko klingt und gerade ungemein zieht. Ihr Produkt ist eine App, über die sich Privatwagen bestellen lassen, die einen um rund ein Drittel billiger von hier nach dort karren als ein Taxi.

Sowas gefällt natürlich Schnäppchenjägern genauso wie Schwarzarbeitern und Steueroptimierern. Nur die Taxifahrer fingen an zu nörgeln. „Warum brauchen die keine Genehmigung und wir schon? Wieso dürfen die ohne Taxiprüfung? Wie sieht es mit Gesundheitschecks aus, mit Fahrzeugkontrollen? Versicherungen?“ Da haben sie allerdings recht, all das soll ja dem Wohl des Passagiers dienen, ist aber nicht gratis zu haben. So sah es dann auch das Landgericht Frankfurt. Es verbot Uber bis auf Weiteres die Vermittlung von Fahrten, und zwar bundesweit. Die Taxeler nahmen das Urteil dankend entgegen. Uber hingegen liess umgehend ausrichten, man scheisse auf den deutschen Rechtsstaat und werde „seine Tätigkeit in ganz Deutschland fortführen. Der Fortschritt lässt sich nicht ausbremsen.“

Und warum meint sich ein Start-up so etwas leisten zu können? Weil es eben weder klein noch sympathisch ist und dazu noch ein paar finstere Mächte samt zugehörigen Milliarden im Rücken hat. Dabei sind etwa Goldmann Sachs, Jeff Bezos (Amazon) und – Sie erraten es nicht! – mein immerwährender Liebling Google natürlich. Den Freunden von Verschwörungstheorien sei hier auch noch verraten, dass Uber ein Liebling der amerikanischen Tea Party ist. Grover Norquist, eines ihrer übelsten Mitglieder, soll letzthin gesagt haben: „Heute gibt es zwei politische Bewegungen in Amerika. Die eine steht auf der Seite von Uber, die andere auf der Seite der Steuerbehörden. Entscheide dich.“

Also, Deutschland, so schwer kann diese Entscheidung ja nicht sein, nicht wahr?