Ab ins Wasser!

Bei der derzeitigen Hitzewelle kann ich eigentlich nur eines tun: Ins Wasser springen und mich abkühlen. Damit ich weiss, welche Temperaturen mich erwarten, strecke ich entweder den Fuss ins Wasser, frage andere Schwimmer oder installiere eine App.

Die Website von aare.guru redet Berndeutsch.

Schwimmen in Bärn …

Wer in Bern wohnt und gerne in der Aare schwimmt, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit „aare.guru“ auf seinem Handy installiert. Die App und die dazugehörige Website sind äusserst liebevoll gestaltet. Die Infos sind – natürlich – in Berndeutsch verfasst: Derzeit ist die Wassermenge der Aare „ganz gäbig“, und die Frage „lohnt sech e Aareschwumm?“ kann bei den derzeit vorherrschenden 21.1 Grad Wassertemperatur locker mit „ja, eh!“ beantwortet werden. Die Infos sind aktuell, das letzte „Öpdeit“ gabs laut Website vor 15 Minuten. Die App ist für Android und iOS verfügbar.

… in Züri …

Etwas seriöser kommt die Züribad-App daher. Wie es der Name sagt, zeigt sie die Wassertemperaturen aller Freibäder sowie des Zürichsees und der Limmat an. Zu jeder Badi gibt es ein Bild, eine Wegbeschreibung und die Öffnungszeiten. Auf einer Übersichtsliste sieht man alle Wassertemperaturen auf einen Blick und kann dann entscheiden, ob man lieber ins geheizte Becken oder die kühlere Limmat springt. Die „kälteste“ Temperatur liegt derzeit bei 24 Grad Celsius. Diese App ist leider nur für Android erhältlich.

… oder anderswo

Wer weder in Bern noch in Zürich wohnt, kann Splash installieren. Die App ist sehr schön gestaltet und ermöglicht es dem Nutzer, mehrere eigene Favoriten zu setzen – beispielsweise die Badi vor der eigenen Haustür, den Lieblingssee und einen Fluss. Will man einen gesetzten Favoriten löschen, tippt man ihn auf der Übersichtsliste an und wischt nach links. Dann erscheint ein „Löschen“-Button. Die App ist sowohl für Android und iOS erhältlich, wird aber scheinbar nicht weiterentwickelt. Das letzte Update stammt von 2013 und iOS 10.3.2 meldet, dass die App mit neueren iOS-Versionen nicht mehr funktionieren wird, sofern der Entwickler sie nicht aktualisiert. Schade, aber brauchbar ist die App trotzdem (noch).

In dem Fall – guet Schwumm!

Emotionaler Sprachkurs

Seit ich einen Teil meiner Sommerferien in Spanien verbracht habe, bin ich motiviert, meine Spanischkenntnisse aufzufrischen. Jeden Tag investiere ich seither meine 10 bis 15 Minuten in die Sprachlern-App Duolingo, um mein selbst gestecktes Ziel zu erreichen.

Screenshot von de.duolingo.com

Bild: Screenshot von de.duolingo.com

Duolingo zählt dabei jeden Tag, den ich ohne Unterbruch übe. In der englischen Version heisst dieser Zähler „streak“. Nach einer Woche hat man also einen „7 day streak“ beisammen, nach einem Monat einen „30 days streak“ und so weiter. Übt man einen Tag lang nicht, beginnt der „streak“ wieder bei null. Auf die Funktionen der App hat dies keinen Einfluss.

Will man seinen „streak“-Wert dennoch erhalten und einen Tag Pause einlegen, kann man über den In-App-Store einen sogenannten „streak freeze“ für einen Tag kaufen – und zwar nicht mit Geld, sondern mit Punkten, die man sich durchs Üben verdient hat.

Das klingt alles soweit logisch und klar.

Emotional belastet

In Wahrheit aber ist das Thema hoch emotional belastet. Im Duolingo-Forum etwa weinen sich enttäuschte Duolingo-Nutzer gegenseitig ins Gilet, um sich zu beklagen, wie viele Tage sie verloren haben und wie wütend sie auf Duolingo sind (obwohl Duolingo ja letztlich nichts dafür kann, wenn es einen solchen Unterbruch gibt, auch wenn sie die App entwickelt haben). Da gibt es beispielsweise einen Nutzer, der ganze 140 Tage verloren hat. Ein anderer beklagt den Verlust von immerhin 76 Tagen. Ein Dritter verliess Duolingo „nach einer ähnlichen Erfahrung“ für einen ganzen Monat, bis er sich wieder dazu imstande fühlte, der App in die Augen bzw. den Bildschirm zu schauen.

Der Haken an der ganzen Sache ist nämlich der: Erstens muss man den „streak freeze“ zum Voraus kaufen. Man muss also damit rechnen, dass es einen Tag X geben wird, an dem man keine Zeit haben wird, 10-15 Minuten in „seine“ Sprache zu investieren. Das kann viele Gründe haben: Man wird krank, hat auf einmal keine funktionierende Datenverbindung mehr, weil man zwei Tage in den Bergen wandern geht. Oder man vergisst schlicht und einfach, die App zu starten. Zweitens kann man nur einen „streak freeze“ pro Mal kaufen, nicht mehrere. Zu sparen und dann zwei Wochen in die Ferien zu fahren funktioniert also nur im richtigen Leben, nicht aber in dieser App.

Und da natürlich viele Duolingo-Nutzer denken, sie benötigten keine vorausgekaufte Pause, ist das Drama entsprechend gross, wenn es doch passiert. Denn es fühlt sich an, also ob die ganze investierte Zeit für die Katz gewesen wäre. Alles ist weg. Der Zähler ist auf null. Da nützt es auch  nichts, wenn man am gleichen Punkt weiterfahren kann wie zuvor. Es fehlt einfach etwas. Und wer sein Profil mit anderen teilt, muss noch zusätzlich mit der Schmach leben, dass andere den schmerzlichen Verlust mitbekommen.

Tag zurückkaufen

Ich spreche aus eigener Erfahrung. Auch ich hatte einen hübschen, zweistelligen „streak“-Wert beisammen, übte brav jeden Tag meine Wörtli und war ziemlich stolz auf mich. Einen „streak freeze“ hatte ich keinen gekauft, weil ich (natürlich) dachte, das sei nicht nötig. Und eines Tages vergass ich Duolingo. Am nächsten Tag öffnete ich die App mit einem unguten Gefühl. Und da sah ich sie, die grosse Null. Gut fühlte sich das nicht an. Immerhin teile ich mein Profil nicht. Die MItleidsbekündigungen meiner Mitstreiter blieben mir also erspart.

Ich gebe zu, dass ich danach ein bisschen deprimiert war. Doch inzwischen habe ich mich recht gut davon erholt. Und seit es mir zum zweiten Mal passiert ist, habe ich sogar herausgefunden, dass man inzwischen seinen verlorenen Tag „zurückkaufen“ kann – mit richtigem Geld! Rund 3 Franken kostet der Spass. Mit Emotionen kann man halt schon gute Geschäfte machen.