Gebrochen und gewaschen

Meine Smartphone-Statistik der letzten Monate sieht übel aus. Dreimal habe ich in den letzten zwölf Monaten das Handy gewechselt. Aber nicht, weil ich jedes Mal das neueste Gerät ergattern wollte. Sondern weil die drei Geräte Schaden erlitten.

Quelle: flickr.com //  Willi Heidelbach // CC BY 2.0

Quelle: flickr.com // Willi Heidelbach // CC BY 2.0

Angefangen hat es letzten Frühling, als ich mein damaliges Smartphone zum wiederholten Male fallen liess. Wie es sich herausstellte, war das einmal zu viel. Der Bildschirm brach innerlich und färbte sich innerhalb weniger Stunden pink – Flüssigkristalle ade. Glücklicherweise war das Gerät schon mehr als zwei Jahre alt, sodass ich nur meinen Vertrag verlängern musste, um gratis ein neues und erst noch gutes Smartphone zu bekommen.

Zu viel Wasser

Dieses hielt immerhin fast ein Jahr und überlebte wie schon sein Vorgänger etliche Stürze schadlos. Bis zum ersten schönen Tag des Jahres, als ich es auf eine Rennvelotour mitnahm und es danach mit den Velohosen in die Waschmaschine steckte. Alle Notfallmassnahmen wie Trocknen und In-Reis-Einlegen brachten nichts. Das arme Ding war nicht mehr zu retten (an dieser Stelle möchte ich allerdings noch erwähnen, dass der Akku mit dem Restmaterial verklebt war, weswegen ich das Gerät nicht in seine Einzelteile zerlegen konnte. Auch wenn dies vermutlich nicht viel geholfen hätte.)

Den Handyvertrag konnte ich nicht schon wieder erneuern, musste mir also ein neues Gerät kaufen. Ich entschied mich für eine günstige Variante – leider eine schlechte Wahl. Dieses Gerät überlebte gerade einmal drei Tage schadlos. Danach rutschte es mir aus der Hand und landete unsanft auf der Strasse. Seither ist sein Display zwar noch brauchbar, aber zersplittert. Reparieren kann ich es bei den üblichen Smartphone-Doktoren leider nicht, weil diese nicht über die nötigen Ersatzteile verfügen (das Handy ist französischen Fabrikats und noch nicht so etabliert am Markt). Ich müsste es nach Frankreich schicken. Und eine Reparatur würde in etwa gleich viel kosten wie das Handy selbst.

Robust und stark muss es sein

Die Suche nach einem Nachfolger läuft. Eins steht zumindest fest: Mein künftiges Gerät muss Stürze aushalten können. Ein Rugged Smartphone wäre sicher nicht schlecht. Oder ein Fairphone. Dann könnte ich zumindest das Display eigenhändig auswechseln. Und zusammengeklebt wäre es erst recht nicht.

Zu fehleranfällig

Nun gut, seit letzter Woche ist es amtlich: Die Briten sind schwach im Rechnen. Ein Fünftel der Erwachsenen dort kann weder Bruch- noch Prozentrechnen. Ein gutes Viertel ist ausserstande, die Fläche eines Kreises oder einen Durchschnitt zu berechnen, von Trigonometrie oder Statistik ganz zu schweigen.

Rechnen-mit-Briten

Schöner rechnen mit Briten (Bild: Dree’Ja via Wikicommons)

Überraschen sollte uns das eigentlich nicht. Wer wollte, konnte ja schon Ende der 1970er-Jahre vermuten, dass man auf der Insel 1 und 1 nicht zusammenzählen kann. Wie sonst liess sich erklären, dass man ein gewisse Frau Thatcher zur Premierministerin wählte und so ein ganzes Königreich dem neoliberalen Mob zum Frass vorwarf?

Das war in der Tat fatal. Aber heute? Mal ehrlich, ist Rechnen gesellschaftlich überhaupt noch relevant? Mittlerweile trägt doch jeder Brite rund 1,23 Smartphones herum, auf denen eine bestens ausgestattete Rechner-App nur darauf wartet, genutzt zu werden. Kommt dazu, dass heute jeder ein paar Hundert Facebook-Freunde hat, die ihm allzeit bei kleinen Rechenproblemen gerne aus der Patsche helfen. Also nochmal: Spielt Rechenschwäche noch irgendeine Rolle?

Aber sicher! Doch anders als Sie nun denken mögen: Wer nicht rechnen kann, wird im Pub beschissen. Das ist gerade bei den Briten, mit ihrer Vorliebe für vergorene Getreideprodukte besonders heikel. Und weil die Rechenleistung menschlicher Gehirne mit steigendem Alkoholspiegel noch weiter sinkt, wird der Anteil an Beschissenen bald die kritische Grenze von 50 Prozent überschreiten. Dann wird sich also die Mehrheit der Briten beschissen vorkommen – entweder vom Pub oder vom Alkohol. Das Resultat davon dürften allerlei Facebook-Initiativen für die Schliessung der Pubs und das Verbot von Alkohol sein. Und wie man die Angelsachsen so kennt, werden sie auf die eine oder andere Art Erfolg haben.

Was dann folgt, lässt sich in Geschichtsbüchern nachlesen: Prohibition, Mafia, Mord und Totschlag. In Nordirland werden sich Katholiken und Protestanten mit alter Verve und neuem Elan die Birnen einhauen. Die Schotten werden die Gelegenheit nutzen und sich aus dem Reich verdrücken. Das wird gewiss den Geheimdienst auf den Plan rufen. Der wird das Volk dank umfassender Schnüffellizenz nach allen Regeln der Kunst schikanieren. Letzteres wird sich endlich auch vom Staat beschissen fühlen. Ein Shitstorm biblischen Ausmasses wird sich übers Land ergiessen, ein Aufstand wird folgen, dann eine Revolution. Die wird gelingen und es der dannzumal meistgeliketen Community ermöglichen, die Regierungsarbeit durch Menschen zu verbieten (zu fehleranfällig, zu korrumpierbar). Daraufhin wird sie die Geschäfte der Exekutive einer gigantischen Cloud übertragen. Die wird von drei autonomen Megarechnern bestellt, die auf die Namen Peace, Happiness und Pancake hören. Der erste steht bei Google, der zweite bei Facebook und der dritte bei Amazon. Well, well, well: wilkommen im Staat 3.0!

Unverständliche Umlaute

Aufmerksamen Lesern unseres Blogs dürfte in den letzten zwei, drei Wochen aufgefallen sein, dass unsere Texte verunstaltet waren. Statt Umlauten waren nur unverständliche Zeichenfolgen zu sehen. Statt einem „ü“ wurde beispielsweise nur ein „ü“ angezeigt.

Tastatur

Quelle: flickr.com // Mike Powell // CC BY 2.0

Grund dafür war ein PHP-Update unseres Providers. Er hatte es schon lange angekündigt, wohlverstanden. Aber wir drei dachten nicht mehr an daran, als unsere Website über Nacht nicht mehr so aussah wie zuvor.

Da ich für die technischen Fragen unseres Blogs zuständig bin, versuchte ich das Problem zu lösen. Wie man es so macht, wenn man keine Ahnung hat, wo das Problem liegt, surfte ich auf verschiedenen Foren. Und siehe da: Das Problem war altbekannt. Ein Plugin und ein kleiner Codeschnipsel lösten das Problem. Zumindest für die neuen Beiträge. Die alten waren nach wie vor verunstaltet.

Hilfe in der Not

Nach erfolglosen Stunden des Herumpröbelns und Diskutierens fragten wir schliesslich unseren Provider um Rat. Dieser wusste sofort, was zu tun war und lieferte uns die Lösung: Neue Beiträge löschen, Plugin löschen, Codeschnipsel ersetzen und gelöschte Beiträge neu erstellen. Fünf Minuten Arbeit und alles war wieder in Butter.

Allerdings haben wir nach wie vor ein Problem, das uns verfolgt: Nach jedem Update von WordPress werden unsere CSS-Definitionen überschrieben. Wir müssen also jedes Mal unsere Schriftfarbe und die Farbe unserer Links neu definieren. Aber auch an diesem Problem arbeiten wir. Womöglich haben wir die Lösung auch schon gefunden. Aber wir sind auch dankbar für jeden Hinweis Ihrerseits.

P.S. Für diejenigen unter Ihnen, die sich ebenfalls seit einem PHP-Update mit fehlerhaften Umlauten herumschlagen, könnte dieser Beitrag hier eventuell hilfreich sein.

Rechner, zum Diktat!

Hallo, liebe Leser. Heute will ich euch wieder eine spannende Geschichte aus meinem digitalen Leben erzählen. Und die geht so: An einem trüben Sonntagmorgen wachte ich auf und hatte eine supertolle Idee: „Sapperlot!“ dachte ich mir, „Wäre es nicht fabelhaft, wenn ich fortan meine Posts diktieren statt tippen könnte?“ Es geht ja schon ein Weilchen die Sage um, den Rechenknechten seien inzwischen Ohren gewachsen.

Spracherkennung

Artig, doch schwer von Begriff – der Rechenknecht mit Öhrchen.

Doch, wie bringt man einem selbigen bei, dass er zuhören und das, was er hört, auch mitschreiben soll? Ich wende mich an die Hilfefunktion, bin danach aber auch nicht schlauer. Also frage ich etwas im Netz herum, und finde in einer nerdigen Plauderecke prompt Beistand. Aha! Man muss die Spracherkennung in den Einstellungen erst aktivieren und dann das Mikrofon einpegeln. Dabei stellt einem das Betriebssystem einen freundlichen Gehilfen zur Seite, der munter Tipps verteilt. Und tatsächlich, nach einer Dreiviertelstunde klebt ganz oben am Bildschirm das Fensterchen der Spracherkennung, knapp erkennbar am grauen Knopf mit hellgrauem Mikrofon.

Doch ich kann plappern wie ich will, es passiert ziemlich gar nichts. Ich versuche dann, was ich immer tue, wenn ich nicht weiterkomme: Ich klicke mit der rechten Maustaste hinein. Und siehe da, es klappt ein Dropdownmenü herunter. Dort finde ich den Befehl „Zuhören starten“, den ich dankbar anklicke. Wenn ich jetzt ins Mikro brabble, verfärbt sich der Knopf manchmal gelb und das Fensterchen fragt artig: „Wie bitte?“. Ferner finde ich im besagten Menü den Befehl „Sprachlernprogramm starten“. Ja klar, dem armen Kerlchen muss erstmal beigebracht werden, wie sein Meister klingt, und was er meint, wenn er spricht. Das tue ich gewissenhaft und eine gute halbe Stunde lang. Dabei beherzige den Rat der Maschine, setze mich anständig hin, forme meine Wörter mit dem Mund, wie kleine Perlen zu einer Kette und intoniere klar wie ein Wiener Sängerknabe.

Inzwischen habe ich auch gelernt, dass man dem Rechner zuerst sagen muss, in welches Büchlein er schreiben soll. Sonst fuchtelt der mit seinem Bleistift bloss fruchtlos in der Luft herum – virtuell, Sie verstehen? Doch nun kann es beginnen. „Word öffnen!“, befehle ich, und Word geht auf.

„Computer, zum Diktat!“ sage ich.

Er notiert: „Somit zum Diktator“.

Ich: „Rechner, zum Diktat!“

Er: „Wenn man zum Diktat“.

Ich: „Hast du Tomaten auf den Ohren?“

Er: „Kostprobe Tomaten auf dem Roten“.

Ich: „Ich bin enttäuscht!“

Er: „Ich bin enttäuscht“.

Ich: „Geht doch!“

Er: „Geht’s noch“.

Fortsetzung folgt.

Datenexzess

Gib‘ jemanden den kleinen Finger und er nimmt die ganze Hand. Dieses Sprichwort hat sich in den letzten Monaten für Microsoft schmerzlich bewahrheitet. Das Angebot für unlimiertem Speicherplatz bei Onedrive haben manche User etwas gar zu ernst genommen: Bis zu 75 TB an Daten haben sie auf dem Cloud-Speicher hinterlegt, wie Microsoft im Unternehmensblog schreibt. Man stelle sich das mal vor: Das ist die gesamte Musik-, Video- und Bildersammlung von mir, von Ihnen und unseren engsten Freunden zusammen. Und das mal zehn. Oder so ungefähr. Wie kann man so viele Daten akkumulieren?

Tablet

Je mehr desto besser? (Quelle: flickr.com // CC BY-NC-ND 2.0 // Gregor Gruber)

Ein Jahr Zeit

Dieser Daten-Exzess hat nun ein Ende: Alle Nutzer, bei denen sich mehr als 1 TB häuft, haben ein Jahr Zeit, ihre Daten anderswo unterzubringen. Wer nur ein paar TB gespeichert hat (was ja auch schon viel ist), dürfte damit kein allzu grosses Problem haben – mal abgesehen davon, dass ein Umzug, egal welcher Art, immer mit Aufwand verbunden ist.

Aber man versetze sich mal in die erwähnten Datenhamsterer: Um 75 TB innerhalb eines Jahres umzuziehen, müssten sie jeden Tag durchschnittlich 210 GB an Daten downloaden. Und sie natürlich sonstwo unterbringen. Das dürfte teuer und sehr aufwendig werden.

Abgespeckte Angebote

Das ist aber noch nicht alles: Microsoft limitiert auch die bisherigen Speicherangebote von Onedrive. Das neue Datenlimit liegt bei 1TB. Künftig wird der kostenlose Speicher für neue und bisherige Nutzer von 15 GB auf 5 GB reduziert, ab 2016 kosten 50 GB knapp zwei US-Dollar pro Monat. Die bisherigen 100-GB- und 200-GB-Angebote wird es für neue Nutzer nicht mehr geben.

Mit dieser Aktion dürfte sich das Unternehmen arg in die Nesseln gesetzt haben, wie die Nutzerkommentare auf dem Unternehmensblog zeigen. Von „Microsoft hat mein Vertrauen missbraucht“ über „Ich ziehe zu Google Drive um“ bis hin zu „Onedrive is für mich tot“, kann man alles finden.

Nun, Google, Dropbox und Co. wirds freuen. Zumindest solange sie sich nicht erfrechen, ihre Datenspeicher-Angebote ebenfalls zu reduzieren.

Neues Familienmitglied?

Am 9. September wird Apple in San Francisco einer seiner berühmten Produkte-Launch-Veranstaltungen durchführen. Eingefleischte Apple-Fans werden sich diesen Abend reservieren und via Live-Stream (falls es denn einen gibt) verfolgen, was ihnen als nächstes beschert wird. Im Gespräch sind zwei neue Generationen der iPhones 6s und 6s Plus, aber auch die nächste Generation von Apple TV gilt als vielversprechender Kandidat.

Apfel

Noch ist der Apfel nicht angebissen. Wir dürfen gespannt sein. (Quelle: Flickr.com // PeterFranz // CC BY 2.0))

Medien werden versuchen, sich in der Berichterstattung zu übertrumpfen, die Gerüchteküche wird brodeln (noch mehr als jetzt schon) und sobald klar wird, welches Gadget zu welchem Zeitpunkt wo verfügbar sein wird, wird man sich in den Apple Stores weltweit (unter anderem demjenigen an der Zürcher Bahnhofstrasse) die Hände reiben. Neben einem verstärkten Zulauf können die sich dort schon jetzt auf eine Invasion von Campern freuen, die bereits Tage vor dem Produkt-Launch vor dem Shop übernachten, um sicher sein zu können, das neue Teil möglichst bald ihr eigen nennen zu können.

Faszination über alles

Doch was macht sie aus, diese Faszination für Apple? Ok, es gibt auch andere Unternehmen mit einer ähnlich treuen Fangemeinde – Asics beispielsweise. Aber die Fans von „Koi“, dem Schuh von Asics, sind immerhin Sammler. iPhone- und iPad-Sammler gibt es hingegen nicht sehr viele auf dieser Welt. Schliesslich kann man jeweils nur ein Gerät auf einmal bedienen und sobald das neue draussen ist, gilt das alte tendenziell als uninteressant.

Was ist es also? Ist es das Gemeinschaftsgefühl, das die Fans zusammenhält? Eine Art Kult oder Glaube? Eine Art Schwarmintelligenz? Wir werden es vermutlich nie erfahren. Und klar: Nicht alle Fans sind gleichermassen vom Apple-Virus befallen. Manche nutzen die Produkte einfach, weil sie beispielsweise Grafiker sind und ihnen iOS diesbezüglich schlichtweg mehr bietet als irgendein anderes Betriebssystem. Oder sie finden die Apfel-Produkte schöner als die von Samsung (wobei es rein äusserlich immer schwieriger wird, diese beiden Marken zu unterscheiden, aber das ist ein anderes Thema, mit dem sich Juristen sehr gerne auseinandersetzen).

Campen? Ja, aber bitte nicht auf der Strasse

So oder so dürfen wir gespannt sein, welche Pläne Apple schmiedet und mit welchen Innovationen das Unternehmen mit dem angebissenen Apfel diesmal aufwartet. Aber campieren sollten wir dennoch besser in den Bergen. Ist eh viel schöner dort.

Von eigenen Sachen und schwelenden Konfliktherden

Ich hole jetzt gerne nach, was eigentlich vor einer Woche schon hätte getan werden müssen: Ich begrüsse aufs Freundlichste unsere neue Mitstreiterin Janine Aegerter!

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Hurra, Frau an Bord! (Schackmonster von Silje Bergum Kinsten via Wiki Commons)

Nachdem wir uns als Altherrenduo nun eineinhalb Jahre durch die digitale Wildnis geschrieben und gekalauert haben, ist das schon ein ausserordentliches Ereignis. Weil: Erstens fühlen wir uns nun nicht mehr gar so alleine in den dunklen, beklemmenden Niederungen des Bloggerreichs. Zweitens schreiten wir nun noch kompetenter in die Zukunft, weil Janine wirklich weiss, was sie meint, wenn sie über Digitales schreibt. Drittens gewinnen wir mit ihr an Sozialkompetenz und Optimismus.
Ihre ersten Spuren hat sie jedenfalls schon hinterlassen, im Blog wie im Team. An den Redaktionskonferenzen beispielsweise wird (pro Kopf) nun deutlich weniger Alkohol konsumiert. Wir üben uns in gendergerechtem Verhalten und kommunizieren Unternehmenskritisches neuerdings über Threema:
Janine: Stimmt dieser Satz? „Dieser zuckt nicht einmal mit der Wimper, zieht sein Android-Handy hervor und scannt via NFC lässig die kreditkartengrosse Fahrkarte, der Stolz der SBB und die Zukunft aller Zugreisenden.“ Irgendwie klingt er komisch, finde ich.
Filip: Jep, ein Fallfehler. Ausser, du hättest da einen Gedankenstrich eingefügt. Für solche Fragen ist die Sprachpolizei besser. Ich bin da mehr der intuitive Typ, korrigiere dann, wenn es auffällig klingt…
Janine: Ok *grins*, danke!
Ich: Auch wenn ich bei Filip ein leichtes Frotzeln in meine Richtung herauszuhören glaube: Das mit dem Gedankenstrich klingt vernünftig.
Filip: Was heisst hier frotzeln? Ich beantrage für René eine Sprachpolizeimarke, zur Stärkung seiner Autorität. Aus welchem Budget finanzieren wir das?
Ich: Ich sag’s ja: Wer sich heute für eine anständige Ausdrucksweise im Netz einsetzt, wird auch noch verhöhnt.
Janine: Ich lasse den Gedankenstrich doch lieber weg.
Filip: Ich bin erschüttert!
Janine: Sollten wir mal über schwelende Konfliktherde reden? Ich stelle mich gern als Mediator zur Verfügung.
Ich: Mediatorin, heisst das bitteschön! Und Konfliktherde gibt’s hier nicht, nur vernachlässigte Satzzeichen.
Filip: Ich freue mich schon auf die Workshops. Baue doch bitte Bongos und Triangel ein. Da stehe ich drauf. @René: Steh doch zu unseren Problemen!
Ich: (stumm, weil in einer Sitzung)
Janine: Bongos und Triangel – klingt schauderhaft nach „hebsch mi, gschpürsch mi“.
Filip: ÖFFNE DICH!

Aufkaufen und abschalten

Drei Gläser Bier auf einer WOZ-Rückseite.

Bier, Essen und Musik: Das Jubiläum wurde standesgemäss in der Esse-Bar begossen, wo das Elend auch seinen Anfang genommen hat.

Falls Sie es nicht bemerkt haben sollten: Genau heute vor einem Jahr ging dieser unser Blog auf Sendung. Zeit also, zu feiern und uns für den Moment analogen Dingen wie Bier, Brezeln und Blechmusik zu widmen. Zeit auch, um Bilanz zu ziehen.

54 Post, 2 Logos, ungezählte durchschriebene Nächte und Tage aufwendiger Recherchen sind ins Land gegangen. Ein paar Dutzend treue Leser haben sich gefunden, eine geschätzte Gönnerin, zwei Follower und acht Kommentare – man kann also sagen, die Welt ist nicht ganz genau dieselbe wie zuvor. Und weil sich noch niemand bei uns beschwert hat, nehmen wir gut schweizerisch mal an, es sei ziemlich in Ordnung, was wir hier so treiben – danke!

Mit den Millionen hat es allerdings noch nicht so geklappt. Deshalb haben wir am letzten Board Meeting eine duale Strategie beschlossen. Auf der einen Seite wollen wir noch dreister auf die Büsche klopfen. Damit werden wir dem einen Konzern oder der anderen Commuity über kurz oder lang derart auf die Nerven gehen, dass sie uns aufkaufen und abschalten wird. Auf der anderen Seite wollen wir mit verstärktem sozialen Engagement unser Image schärfen. Davon profitieren soll an erster Stelle der notleidende Qualitätsjournalismus in diesem Lande. Also haben wir der WOZ ein Inserat spendiert.

Wie mit Gesundheitsschuhen

Birkenstoecke

Charmant wie Gesundheitslatschen: ergonomische Tastaturen (Grey_Geezer über Wiki Commons)

Seit den 1990er-Jahren laboriert die Industrie nun an ergonomischen Tastaturen herum. Entgegen meinen Erwartungen sind diese bedauernswert hässlichen und teuren Accessoires noch nicht ausgestorben. Hübscher sind sie zwar nicht geworden, aber billiger – Zeit also für einen Selbstversuch.
Mein Onlinehändler des Vertrauens führt unter 220 Tastaturen immerhin 15 ergonomische. Ich entscheide mich für ein Mittelklassemodell, das kostet knapp 60 Franken. Zwei Tage später liegt sie auf meinem Tisch und macht sich mit ihren rund 50 mal 26 cm dort ziemlich selbstbewusst breit.
Die ersten Tage wäre ich froh gewesen, ein Einzelbüro zu haben. Ich fluche viel, treffe T statt R und Z statt U. Ich suche oft und verzweifelt nach der Lösch- und Feststelltaste. Es ist mir peinlich, wenn man mich beim Schreiben sieht. Und überhaupt, meine Haltung – ich sitze da, gorillagleich, mit weit abgespreizten Unterarmen, und rede ständig auf meine linkischen Finger ein, als seien sie ungezogene Haustiere.
Nach zwei Wochen schreibe ich auf der Neuen fast so schnell wie auf der Alten. Nach drei Wochen beginne ich zu ahnen, wie bequem mein Stuhl wäre, wenn ich richtig drin sässe. Nach vier Wochen bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ich nun zu der kosmischen Flunder stehen soll. Ich bin auch nicht mehr nennenswert schneller geworden, dafür scheint mir, das Schnöden aus meinem näheren Arbeitsumfeld habe etwas nachgelassen.
Erkenntnis 1: Ergonomisch schreibt’s sich zwar nicht schneller, aber entspannter. Erkenntnis 2: Gut für die Haltung, schlecht fürs Gehör – gesunde Tastaturen sollen scheint’s ein akustisches Feedback geben. Letzteres erledigt meine durch herzhaftes Klackern. Erkenntnis 3: Mit ergonomischen Tastaturen ist es wie mit Gesundheitsschuhen: Man fühlt sich zwar besser, schämt sich aber dauernd.

Weder klein noch sympathisch

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Taxi? Very cheap! („KolkataRickshaw“ von Arne Hückelheim, über Wikimedia Commons)

Deutschland hat es gerade wieder schwer. Östlich von Hameln sammelt die gut getarnte Filiale einer bekannten Schweizer Spiesserpartei Wähler engros und besetzt mit den falschen Absichten die richtigen Themen. Westlich von Hameln betätigen sich kostümierte Ratten als Menschenfänger, und bundesweit muss man nun feststellen, dass Geiz nicht immer geil und Start-ups nicht immer lustig sind. Das ist eine harte Lektion für ein Volk, das hippe Jungunternehmen stets mit Internet und Internet immer mit gratis oder mindestens billig gleichsetzt.

Angestossen hat den Lernprozess Uber, diese Pseudotaxizentrale aus dem sonnigen Kalifornien. Sie gehört zu den Klitschen, die fröhlich „Nutzen ist besser als besitzen!“ singen und sich damit eine rasch wachsende Gemeinde auf den einschlägigen sozialen Rummelplätzen geschaffen haben. Sie hat sich der Share-Ökonomie verschrieben, was nach öko klingt und gerade ungemein zieht. Ihr Produkt ist eine App, über die sich Privatwagen bestellen lassen, die einen um rund ein Drittel billiger von hier nach dort karren als ein Taxi.

Sowas gefällt natürlich Schnäppchenjägern genauso wie Schwarzarbeitern und Steueroptimierern. Nur die Taxifahrer fingen an zu nörgeln. „Warum brauchen die keine Genehmigung und wir schon? Wieso dürfen die ohne Taxiprüfung? Wie sieht es mit Gesundheitschecks aus, mit Fahrzeugkontrollen? Versicherungen?“ Da haben sie allerdings recht, all das soll ja dem Wohl des Passagiers dienen, ist aber nicht gratis zu haben. So sah es dann auch das Landgericht Frankfurt. Es verbot Uber bis auf Weiteres die Vermittlung von Fahrten, und zwar bundesweit. Die Taxeler nahmen das Urteil dankend entgegen. Uber hingegen liess umgehend ausrichten, man scheisse auf den deutschen Rechtsstaat und werde „seine Tätigkeit in ganz Deutschland fortführen. Der Fortschritt lässt sich nicht ausbremsen.“

Und warum meint sich ein Start-up so etwas leisten zu können? Weil es eben weder klein noch sympathisch ist und dazu noch ein paar finstere Mächte samt zugehörigen Milliarden im Rücken hat. Dabei sind etwa Goldmann Sachs, Jeff Bezos (Amazon) und – Sie erraten es nicht! – mein immerwährender Liebling Google natürlich. Den Freunden von Verschwörungstheorien sei hier auch noch verraten, dass Uber ein Liebling der amerikanischen Tea Party ist. Grover Norquist, eines ihrer übelsten Mitglieder, soll letzthin gesagt haben: „Heute gibt es zwei politische Bewegungen in Amerika. Die eine steht auf der Seite von Uber, die andere auf der Seite der Steuerbehörden. Entscheide dich.“

Also, Deutschland, so schwer kann diese Entscheidung ja nicht sein, nicht wahr?