Die Fakebusters – im Kampf gegen die Fake News!

Man soll ja auch mal loben, wenn es was zu loben gibt. So dürfen wir uns für das nächste Jahr mit gutem Gewissen grosse Hoffnungen machen. Die breit angelegte Missinformation der Bevölkerung wird ein Ende nehmen: Facebook hat sich zum Wohle der Community entschieden, Fake News zu bekämpfen. Und das ist gut so, denn wer möchte schon die Menschen dazu zwingen, dass sie selbst nachdenken müssen. Schon meine Grossmutter sagte immer: „Man soll nie selbst denken, wenn es auch ein anderer übernehmen kann!“

Testbild aus dem Fernsehen

Ein Bild für Insider: Als man dieses Bild im Fernsehen antraf, wusste man, dass es Zeit war, abzuschalten.

Denken beeinträchtigt die Gesundheit
Wir wissen es alle: Unzählige Aspirin-Studien belegen, dass ständiges Denken Kopfschmerzen bereitet. Und da wir diesem biologischem Zwang des Denkens sowieso schon andauernd ausgesetzt sind, müssen wir uns dem nicht auch noch in der Freizeit aussetzen. Das wäre ja, wie wenn man hauptberuflicher Jogger wäre (schon schlimm genug) und sich in der Freizeit auch noch zum Spass Waterboarding aussetzen würde. Das muss doch nicht sein. Darum hat sich Facebook entschieden, wie Mitte Dezember 2016 bekannt gegeben wurde, uns dabei zu helfen, den Newsfeed anzupassen und mit Warnungen zu versehen, damit wir nicht mal auf die Idee kommen selbst zu denken.

Ein rigoroser Prozess
Entsprechende Warnungen erhalten alle Links und Posts, die zuerst angezweifelt, überprüft und als „nicht wahrheitsgemäss“ eingestuft wurden. Da Facebook die ganze Arbeit nicht selbst erledigen kann (ist halt nur ein kleines Milliarden-Unternehmen), gibt es mehrere solcher Organisationen, die nun für uns nachdenken. Sie alle haben einen ausführlichen und streng überwachten Codex von beinah unzähligen fünf Punkten unterzeichnet! Von drakonischen Strafen bei Missachtung des Codexes wird bisher nicht gesprochen. Es bleibt uns also im Moment nur auf die weltberühmte Berufsehre der Fakebusters zu setzen.

Mehr Fake News, mehr Klicks für die Schiedsrichter
Die Liste aller Organisationen, die sich dem International Fact Checkers Network Code of Principles unterzogen haben, ist vorläufig übersichtlich. Von den 43 Namen fallen da aber einige sofort dadurch auf, weil sie Medienunternehmen sind oder dazu gehören. Wie beruhigend für uns alle, weil sich der Bock ja schliesslich am besten im Garten auskennt. Das Gute an der Sache ist: Die Fake Busters werden für ihre kritische Haltung mit Klicks belohnt (mehr Besuche der eigenen Website).

Alte Weisheit: einfach abschalten!
Jetzt da wir diese Fake Busters haben, können wir uns mit gutem Gewissen zurücklehnen. Vorbei sind die Tage, an denen wir uns mit überfordernden Fragen beschäftigen mussten und uns dies davon abhielt, ein Konsument zu sein. Am Ende des Tages bleibt uns nur noch, uns an Peter Lustig in der Kindersendung  Löwenzahn zu erinnern: „Also. Versucht’s doch auch mal. Es ist doch ganz einfach. Aber vorher abschalten!

App statt Einkaufszettel

Ich habe früher nie verstanden, wieso andere ihre Einkaufslisten in einer App speichern. Ich hatte meinen Einkaufszettel aus Papier und war damit sehr zufrieden. Die Lebensmittel listete ich jeweils anhand der Reihenfolge der Regale auf, damit ich möglichst zügig durch den Laden laufen konnte. Ich genoss es, den Zettel in der Mitte durchzureissen, wenn ich alles eingekauft hatte. Und das Beste daran: Er war nicht abhängig vom Akku meines Handys.

Bild: flickr.com // Olli Henze // CC BY-ND 2.0

Mein Papierzettel hatte aber auch seine Nachteile: Oft reizte ich die Papierfläche bis auf die letzte Ecke aus. Schräg geschriebene und verkehrte Wörter inklusive. Und wenn das Papier zu klein war, musste die Rückseite auch noch dran glauben. Zudem hatte ich immer öfters zwei, ja sogar drei Einkaufszettel. Bei der Arbeit kam mir vielleicht etwas in den Sinn, das ich dann nicht auf dem Zettel notieren konnte, der daheim auf dem Tisch lag. Manchmal notierte ich auch unterwegs etwas auf einem dritten Zettel, den ich in mein Portemonnaie steckte. Und natürlich gingen diverse Zettel auch immer wieder verloren.

Schliesslich beschränkte ich mich auf eine einzige Einkaufsliste, die ich in meinem Portemonnaie aufbewahrte. Das führte allerdings dazu, dass sie meist arg zerfleddert war, wenn sie endlich zum Einsatz kam. Manchmal vergass ich sie auch schlichtweg.

Einkaufen in Echtzeit

Irgendwann riss mir der Geduldsfaden und ich lud mir versuchsweise eine einfache Einkaufsapp aufs Handy. Fortan notierte ich alle meine Einkäufe in dieser App und checkte die Batterie meines Handys, bevor ich einkaufen ging. Die Liste war zwar nicht schlecht, aber ausbaufähig. Wollte ich beispielsweise ein Produkt in der Liste löschen, musste ich den entsprechenden Knopf genügend lange drücken, weil ich sonst nur im Bearbeitungsmodus landete. Durchstreichen auf einem Papier war immer noch einfacher. Also wechselte ich nach ein paar Wochen auf eine andere App.

Inzwischen würde ich meinen digitalen Einkaufszettel nicht mehr missen wollen. Gerade wenn ich mit meinem Freund einkaufe, ist es unheimlich praktisch, wenn ich die Einkaufsliste mit ihm teilen und sie in Echtzeit synchronisieren kann. Das hilft sogar, wenn wir einander im Supermarkt verlieren: Denn anhand des letzten Lebensmittels, das gelöscht wurde, können wir erraten, wo sich der andere befindet. Und wir müssen uns nicht mal gross absprechen, wer was holen geht.

Eine einmal geteilte Liste kann ich natürlich immer wieder aktualisieren und ergänzen. Das ist perfekt für WGs oder Paare, die zwei Haushalte führen. Nicht zuletzt muss ich meine Liste nicht immer wieder komplett neu erstellen, sondern kann auf bereits eingetragene Produkte zurückgreifen und sie mit einem Klick wieder aktivieren.

Hoffentlich verliere ich mein Handy vor dem nächsten Einkauf nicht.

„Fake News“: Ein Sündenbock à la carte

Mal schauen, ob es der Ausdruck „Fake News“ zum Wort des Jahres 2017 schafft. Das Zeug dazu hätte er jedenfalls. Er bringt einen Missstand zum Ausdruck und ist herrlich ungenau, sodass jeder ihn verwenden kann, ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen, was es damit wirklich auf sich hat. Der aktuelle Sprachgebrauch dieses Ausdruckes allerdings zielt darauf ab, falsche und stark überdehnte Darstellungen der Geschehnisse aus dem Sichtfeld der Menschen zu filtern. Und wenn von „Fake News“ die Rede ist, dann sind die grossen Medienorganisationen nie gemeint. Obwohl man ihnen genauso vorwerfen kann, „Fake News“ zu produzieren.

Auch bei den etablierten Medien findet man Fake-News.

Pure Angstmacherei mit erfundenen Quellen?
Ein Beispiel ist der Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit dem Titel „Berlin fürchtet Cyber-Angriffe und Propaganda aus Russland„. Über den Inhalt muss man nichts sagen, denn der Titel ist klar. Der kurze Text verweist dann auf ungenannte Quellen aus dem Kanzleramt, dem Innenministerium und den Sicherheitsbehörden.

Auf den Artikel angesprochen, verweist der Regierungssprecher Steffen Seibert den Artikel ins Land der Märchen (Bundespressekonferenz vom 9.12.16). Das sind „Fake News“  und reine Angstpropaganda eines renommierten Blattes. Natürlich, Seibert könnte auch lügen, aber wenn er nicht dazu befragt wurde und wir nicht wissen, was er dazu gesagt hätte, dann sind das reine Meldungen aus der Gerüchteküche.

Wahrheitssucher Opfer eigener Scheuklappen
Politifact.com, ein in der linken Szene angesehenes Portal, prüft als Faktenkontrolleur Aussagen von Politikern auf deren Wahrheitsgehalt.  Bis vor Kurzem taxierte einer der Redakteure die Behauptung eines US-amerikanischen Politikers, dass der zukünftige Vize-Präsident Mike Pence Geld von der AIDS-Prävention zur Conversion-Therapy umleiten wolle, als wahr. Als Beleg wurde eine alte Website von Pence auf archive.org  ausgegraben, auf der rein gar nichts davon stand. Es dauerte rund vier Monate bis zum 02. Dezember 2016, bis sich der Autor der Realität stellte und seine Einschätzung teilweise revidierte. Und das auch nur aufgrund Hinweisen von Dritten. Wenn das mal keine „Fake News“ sind.

Nur wir machen die richtigen News
Der Ausdruck „Fake News“ wird uns wohl noch eine Weile erhalten bleiben. Nicht nur aus oben genannten Gründen, sondern auch, weil er sehr nützlich ist. Deswegen, weil der Ausdruck unter dem Deckmantel der Aufklärungen zielgerichtet und brandmarkend eingesetzt werden kann. Damit versuchen die etablierten Medien, die zunehmend funktional und wirtschaflich versagen, die Deutungshoheit über die Interpretation der Geschehnisse zurück zu gewinnen. Ausserdem nützen „Fake-News“ den Verlagshäusern im Verhandlungspoker gegen die sozialen Netzwerke. „Fake News“ ist sozusagen ein Kampfbegriff der etablierten Medien, um ihr darbendes Geschäftsmodell noch ein wenig länger zu erhalten.

Idealismus allein reicht nicht

Die Schweizer Suchmaschine Swisscows braucht Geld. Denn anders als Google finanziert sie sich nicht mit Nutzerdaten und personalisierter Werbung, sondern verspricht eine anonyme Suche. Weder IP-Adressen noch Suchbegriffe der Nutzer würden gespeichert, zudem würden die Nutzer nicht getrackt, heisst es auf der firmeneigenen Website.

„Gemeinsam für mehr Datenschutz und ein sicheres Internet: Es klingt schon fast unrealistisch, aber wir glauben daran und folgen dieser Vision.“ (Bild: Screenshot von swisscows.ch)

Im Rahmen einer Spendenaktion sind bisher erst 170’000 der erforderlichen 500’00 Franken zusammengekommen. Andreas Wiebe, CEO von Hulbee, dem Unternehmen, das hinter Swisscows steht, lässt sich davon nicht beirren: Der Spendenaufruf verlaufe positiv, zwar nicht wie bei Wikipedia oder Mozilla, „aber wir sind zufrieden“. Allerdings wird er mit dem Erlös nicht alle Kosten für Technik, Infrastruktur und Entwicklung decken können, wie er sagt.

Immerhin erhält er nach eigenen Aussagen „Tausende Briefe von Nutzern, die sich bei uns bedanken und uns weiterhin Ausdauer und Glück wünschen.“ Sie wüssten, dass man eine Suchmaschine „nicht aus purem Eifer am Leben erhalten kann“.

Lösung für Unternehmen

Neben Einnahmen aus Spenden finanziert sich Swisscows unter anderem mit einer semantischen Suchlösung für Unternehmen, mit der man unstrukturierte Daten finden kann. Beispielsweise Office-Dateien, die unter Umständen neu erstellt werden müssten, weil man sie nicht mehr findet. Die Lösung namens „Hulbee Entreprise Search“ besteht entweder aus der Suchsoftware allein oder einem Paket bestehend aus Software- und Hardware (Server). Google hatte ein ähnliches Produkt, Google Search Appliance, im Februar dieses Jahres nach 14 Jahren Laufzeit beerdigt. Bleibt also zu hoffen, dass Swisscows mit der eigenen Lösung erfolgreicher sein wird.

Natürlich können Unternehmen bei Swisscows auch Werbung schalten, müssen aber akzeptieren, dass die Suchmaschine nicht die gleiche Reichweite bietet wie Google und keine auf den Nutzer zugeschnittene Werbung möglich ist.

Umkämpfter Markt

Die Zeit wird zeigen, ob sich Wiebes Unternehmen am Markt behaupten kann. Derzeit verarbeitet Swisscows 17 Millionen Suchanfragen pro Monat. Das klingt nicht schlecht. Nur: Google verarbeitet 3,5 Milliarden Suchanfragen pro Tag. Auch sind die Suchergebnisse von Swisscows nicht so gut wie bei Google. Das liegt allerdings auch daran, dass Swisscows erst seit 2,5 Jahren existiert und noch am eigenen Index arbeitet. Ursprünglich setzte das Unternehmen überall den Index von Bing ein, inzwischen kommt dieser laut Wiebe nur noch in den USA und anderen weit entfernten Ländern zum Einsatz.

Letztlich ist Wiebe darauf angewiesen, dass Menschen sein Unternehmen unterstützen, weil sie dessen Konzept gut finden und mithelfen wollen, eine Alternative zum Datensammler Google zu entwickeln. Wer so etwas durchziehen will, braucht eine gehörige Portion Idealismus. Wiebe scheint diese zu haben: Er hofft, Swisscows zur „datensichersten Suchmaschine der Welt“ aufzubauen und es in den nächsten fünf Jahren auf den dritten Platz hinter Google und Bing zu schaffen. Zudem will Wiebe seine Suchmaschine in eine Stiftung integrieren. Auch dafür braucht er Menschen, die bereit sind, in seine Geschäftsidee zu investieren.

Weiter will er künftig eine sichere E-Mail- und Messaginglösung anbieten und sich vermehrt im Bildungssektor und in Schulen engagieren. Schon heute bietet Swisscows einen Ratgeber für digitale Medienerziehung an. Dazu passt auch, dass pornographische und gewaltorientierte Inhalte gesperrt werden, um Kinder zu schützen. Damit kann sich die Suchmaschine „familienfreundlich“ nennen. Dies erhöht vermutlich ihren Sympathiebonus und somit ihre Lebenschancen.

Licht im Tunnel – Ausgang oder Gegenzug?

Eigentlich leben wir Menschen in der wohlbehüteten westlichen Welt in interessanten Zeiten. Überall geht die Post ab. Ein Umwälzungsprozess nach dem anderen kündigt sich an.  So türmen sich die Themen, die eigentlich einer ausführlichen Diskussion bedürfen würden, doch sie finden einfach zu selten statt. Das Resultat davon: Mit Sorge, berechtigterweise, blicken wir in die Zukunft, da sie so volatil wie noch nie scheint.

Zwei Strassen die um einen Berg führen treffen sich vor dem nächsten Berg.

Stehen wir schon am Scheideweg? Wäre schön und es gibt durchaus Gründe zur Hoffnung.

Mit Vollgas in den Untergang
Es sind auch schizophrene Zeiten. Die etablierten Medien versagen immer häufiger darin, uns die Welt zu erklären (zuletzt bei der Wahl von Donald Trump). Zudem müssen sie zusehen, dass ihr Geschäftsmodell ihnen wie Sand zwischen den Fingern verrinnt. Nun versuchen sie, mit täglichen Meldungen über neue Gerüchte und Vermutungen über Trump rauszuholen, was an Klicks noch zu holen ist. Das Orchester auf der Titanic hat die Lautstärke nochmals aufgedreht.

Aufrührerische Gedanken
Man kann über die Wahl von Trump denken, was man will. Er scheint mir ein hässliches Symptom unserer Zeit. Doch zum Glück gibt es auch Anzeichen der Hoffnung. Da und dort geistert der Gedanke umher, ob es angesichts der zukünftigen US-amerikanischen Regierung vielleicht doch angebracht wäre, sich in der Datensammelei zurückzuhalten oder mit Verschlüsselung besser die Privatsphäre zu schützen? Hört hört!

Am historischen Scheideweg?
Natürlich gefährden solche Ideen, die im Silicon Valley an Blasphemie grenzen, echte und imaginäre Geschäftsmodelle. Die (Möchtegern-)Goldgräber werden sich das nicht so einfach nehmen lassen. Wie auch immer: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ausserdem hege ich im Gegensatz zu manchen Untergangspropheten immer noch die Hoffnung, dass sich diese US-Wahl vielleicht noch als Beginn der Katharsis entpuppen wird. Denn das gesamte Ausmass unserer politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Probleme wird zunehmend sichtbar.

Tag eins nach dem Weltuntergang

Egal ob man sich dafür interessiert hat oder nicht: In der westlichen Hemisphäre ist niemand an den US-amerikanischen Wahlen vorbeigekommen. Ein Skandal jagte den anderen. Die beiden Bewerber ums Weisse Haus schenkten sich nichts. Nun hat das Präsidenten-Casting ein Ende gefunden und das ist gut so. Die Zerrissenheit der US-amerikanischen Bevölkerung breitete sich zunehmend aus. Auch bis in die Schweiz. Vom Spektakel gleichermassen angeekelt und fasziniert schmökerte auch ich in der Nacht streckenweise auf Twitter und konnte wie immer das ganze Spektrum menschlicher Emotionen in Satz-Häppchen aufnehmen.

Trump schielt beim Wählen auf den Wahlzettel seiner Frau Melania.

Hey Schatz, wo genau muss ich ankreuzen?

Masochistische Verzweiflung bis Galgenhumor
Twitter ist diesbezüglich ein wunderbares Medium für Erwachsene. Erwachsene deswegen, weil es schon ein wenig Reife braucht, um mit dem umzugehen, was einem da um die Ohren fliegt. Von Neo-Apologeten Jeff Jarvis, die heute die Welt brennen sehen und ihr eigenes Geschlecht verdammen, weil es den sexistischen Trump gewählt hat. Über Uber, die damit werben, ihren Kunden zu helfen, einfacher das richtige Wahllokal zu finden. Bis hin zu Leuten, die wirklich glauben, dass nun der Messias zurückgekommen ist. Am liebsten ist mir, wenn man solche Situationen mit Humor nimmt wie Victor Giacobbo: „Zwar nicht die erste Frau im Weissen Haus, aber immerhin der erste Troll.“

Welchen Teil der Verantwortung trägt Social Media?
Da der Wahlkampf nun zu Ende ist, beginnt die Zeit des Zurückblickens und der Analyse. In diesem unglücklichen Ende stecken viele Lektionen drin. Eine Lektion ist schon jetzt mal klar: Wer mit Social Media einen weltweiten Marktplatz anbietet und jedem ein Megaphon in die Hand drückt, muss eine Strategie für den Fall auf Lager haben, wenn das Ganze ausufert. Zu behaupten, dass man nur den Marktplatz anbietet und für das, was dort passiert nicht verantwortlich ist, geht in dieser Grössenordnung nicht mehr.

Das Silicon Valley und seine Fanboys haben sich bisher gern mit Revolutionen in anderen Ländern geschmückt und so getan, als hätten sie massgeblich zum Weltfrieden beigetragen. Jetzt ist die Revolution in die USA zurückgekehrt. Was jetzt, Mark Zuckerberg und wie ihr alle heisst?

Daten teilen

Es ist gar noch nicht so lange her, dass den Begriff „Open Government Data“ nur ein paar Visionäre benutzten. Manch einer lachte sie wohl damals aus, nannte sie verrückt und dachte, sie würden bald wieder von der Bildfläche verschwinden. Die Visionäre aber liessen sich nicht beirren. Sie gründeten den Verein opendata.ch, organisierten regelmässig Hackathons und Open Data Hackdays und klopften an unzählige Türen, in der Hoffnung, dass diese sich öffnen würden. Denn sie träumten von einem Land, dessen Regierung (nicht sensible) Daten zur Verfügung stellt, damit die Bevölkerung diese für sich nutzen kann.

Quelle: flickr.com // velkr0 // CC BY 2.0

Quelle: flickr.com // velkr0 // CC BY 2.0

Inzwischen ist Open Government Data vermutlich das, was man „salonfähig“ nennen könnte: Das Behördenportal opendata.swiss ist kürzlich neben fünf anderen Gewinnern mit dem CH Open Source Award 2016 ausgezeichnet worden. Es ist aus der Open-Government-Data-Strategie Schweiz 2014-2018 des Bundes entstanden. Bisher stehen auf opendata.swiss neun Anwendungen zur Verfügung: unter anderem das Meteodaten-Portal windundwetter.ch für Segel- und Naturfreunde oder der „Dichtestressomat, der zeigt, was Dichtestress wirklich bedeutet. Diese Anwendungen sind aber nur ein Bruchteil dessen, was in den letzten Jahren auf der Basis von offenen Behördendaten an Applikationen und Visualisierungen entwickelt wurde.

Das Prinzip hinter Open Government Data ist einfach: Teilen statt nur im eigenen Gärtli denken. Indem man andere einlädt, bisher unter Verschluss gehaltene Daten zu nutzen, können neue Anwendungen entstehen. So entwickelte das Zürcher Softwareunternehmen Ubique beispielsweise auf Basis der Rohdaten des Bundesamtes für Verkehr (fahrplanfelder.ch) die Fahrplan-App Viadi und den dazugehörigen Online-Fahrplan vbot.ch. Als Viadi auf den Markt kam, schlug sie die damalige SBB-App in der Schnelligkeit der Fahrplanabfrage um Längen. Dafür bietet sie im Gegensatz zur SBB-App keine In-App-Ticketkäufe und keine Verspätungsmeldungen.

Statt sich zu bekämpfen, haben die beiden Unternehmen ihre Kräfte gebündelt und die neue Version der SBB-App, die ab heute für iOS und Android erhältlich ist, zusammen entwickelt. User konnten die Preview-Version der App zudem über Monate hinweg testen und Verbesserungsvorschläge anbringen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die App „SBB Mobile“ kommt um einiges sexier und benutzerfreundlicher daher als ihre Vorgängerversion. Teilen lohnt sich manchmal eben schon.

Checkst Du schon oder rätselst Du noch?

Google, der Filterblasen-Lieferant unseres Vertrauens, hat sich letzte Woche entschieden, in der U.S.-Version seines News-Services eine weitere „Info“-Rubrik einzufügen: Fact Check. Wenn eine News zu einem bestimmten Thema auftaucht, wird (sofern vorhanden) auch ein Artikel hinzugefügt, der die in der News beschriebenen Fakten überprüft.

Screenshot aus Google News

Fact Check: Das Einfallstor in die neue Wahrheit. Nur eine Rubrik von vielen. Das kann sich aber auch jederzeit ändern.

Die Qualität wird von Google beurteilt
Welche Texte als Fakten-Checker-Texte taugen, entscheidet Google anhand des Inhalts und anhand von Kennzeichnungen im Quelltext der Seite. Google nennt als gutes Beispiel das International Fact-Checking Network. Gemäss NZZ behält sich Google auch das Recht vor, Inhalte von Websites in News und der Suche herabzustufen, wenn missbräuchlich behauptet wird, auf Fact Checking zu setzen. Dies wird aber im Blogpost von Richard Gingras, Head von Google News, nicht erwähnt.

Mit Faktenkontrolle gegen den Beelzebub-Kandidaten im Wahlkampf
Fact Checking ist das Hysterie-Wort des Jahres in den USA. Ausgelöst durch die zahlreichen falschen und bis zur Unkenntlichkeit übertriebenen Behauptungen im U.S.-amerikanischen Wahlkampf schreien die Demokraten danach, um Donald Trump den Saft abzudrehen. Und die Medienhäuser versuchen damit wieder zu kitten, dass sie Donald Trump so viel Sendezeit gegeben und zu diesem Schlamassel beigetragen haben.

Wieder mal eine technische Lösung für ein gesellschaftliches Problem
Nun ging Google, noch vor den Wahlen, noch einen Schritt weiter. Was wie eine hilfreiche Funktion im Dickicht des Internet-Dschungels klingt, stellt eher eine potenzielle Gefahr für die Demokratie dar. Und das gleich aus mehreren Gründen:

  • Nur einfache Behauptungen (z.B. „die meisten Ausländer sind kriminell“) können eindeutig widerlegt werden. Alles andere sind Interpretationen von Informationen. Und Menschen interpretieren nie ausgewogen.
  • Wer entscheidet, wann ein Fakt in den Texten geklärt ist? Und wie gründlich hat dies zu geschehen? Google hat darauf zwar keinen Einfluss, aber wählt die Kontrollorgane aus. Diese erhalten damit sehr viel Macht.
  • Google entscheidet nun nicht nur, was wir sehen (Filterblase), sondern auch noch, was wahr ist. Google bestimmt, welche Organisationen vertrauenswürdig sind und verleiht ihnen somit zusätzliche Glaubwürdigkeit.
  • Wenn uns ständig jemand vorgibt, was stimmt und was nicht, wird unsere Medienkompetenz noch weiter sinken.

Man kann mir gerne vorwerfen hier „Technopanik“ zu verbreiten. Das mag zwar sein, doch ist bei Google immer grosse Vorsicht geboten. Nicht nur, weil die Jungs aus dem Silicon Valley in einem Verzerrungsfeld leben, sondern weil sie auch noch verdammt viel Macht haben.

Konfliktmanagement

Lassen Sie mich nochmals auf die selbstfahrenden Autos zurückkommen. Also, erstens habe ich unterdessen erfahren, dass diese lustigen Spielzeuge doch mehr Mist bauen, als ich eigentlich erwartet hatte. Wer’s nicht glaubt, darf sich auf Youtube gerne selbst ein Bild davon machen.

Rajiv im Knast

Das Leben als Programmierer hatte sich Rajif auch anders vorgestellt. (Bild: Mohanatnow via Wiki Commons)

Zweitens hat die Sache bei näherem Hinsehen ungeahnt verzwickte Seiten: Nehmen wir an, eine selbstfahrende Karosse zieht innerorts ein wenig um die Häuser – brav im Rahmen des Tempolimits. Nehmen wir weiter an, ihr kommt einer dieser riesigen, gelben Bagger entgegen, die jeden, der nicht selbst drauf sitzt, in tiefste Minderwertigkeitsdepressionen stürzen. Wie auch immer: Kurz bevor sich die beiden kreuzen, schert hinter dem Bagger in ein Motorrad zum Überholen aus. Der Autopilot rechnet kurz nach und kommt zum Ergebnis: Bremsen wird wohl nicht reichen.

Wenn er das Zweirad samt Fahrer verschonen will, bleiben ihm zwei Optionen: a) Er reisst das Auto nach links vor den Bagger oder b), er weicht rechts übers Trottoir aus. Mit a) gefährdet er seinen eigenen Passagier. Mit b) riskiert er Leib und Leben zweier Rentnerinnen, die vor dem Gartentürchen gerade munter schwatzen.

Was tut ein guter Roboter in solch einem Fall? Schiesst er das Motorrad ab, weil dessen Pilot ja schliesslich Schuld am ganzen Schlamassel ist? Wirft er sich vor den Bagger, weil sein Fahrer von allen Gefährdeten die besten Knautschzonen drumrum hat (den Baggerfahrer darf er aufgrund der herrschenden Massenverhältnisse ja vernachlässigen)? Fährt er die Rentnerinnen platt, weil er die verbleibende Lebenserwartung der Beteiligten gegeneinander aufrechnet? Egal was – jemand wird zu Schaden kommen, soviel ist klar.

Unklar hingegen ist, wer im folgenden Gerichtsverfahren für die Entscheidung des Roboters gerade stehen muss. Naheliegend wäre ja der Autohersteller. Dessen Anwälte werden aber bestimmt mit dem Finger auf den Hersteller des Autopiloten zeigen. Jener wiederum wird die Klage flugs an den Unterlieferanten weiterreichen, der für Softwaremodul 22b „Konfliktmanagement“ zuständig ist. Der findet nach eingehender Prüfung des Codes in Zeile 52 596 der Subroutine AFS/32-5 einen Hack, der nicht konform mit Chapter 3.5 der Programming Guidelines ist. Besagte Subroutine behandelt zwar bloss den Defekt eines der beiden Aussentemperatursensoren, aber immerhin, da hätten wir schon mal was Gerichtsverwertbares. Und weil sich der Unfall in Oracle, Arizona (USA), zugetragen hat, die Subroutine aber in Indien geschrieben wurde, hat Programmierer Rajif aus Mubai nun Klagen am Hals, dass ihm die Ohren schlackern.

Pokémon Go: Die Lemminge geraten ins Jagdfieber

Seit dem letzten Wochenende ist es offiziell: Die neue Pokémon-Welle hat auch die Schweiz erreicht. Jetzt laufen sie auch bei uns wie die ferngesteuerten Drohnen durch die Gegend auf der Suche nach den seltsamen Viechern aus der virtuellen Welt. Mal schauen, wie stark die Schweizer Bevölkerung ihrem inneren Lemming wiederstehen kann.

Eine virtuelle Krabbe auf der Strasse.

In diesem Spiel begegnen einem die seltsamsten Wesen an den unpassendsten Orten. Kein Wunder, gibt es so viele Unfälle.

Installieren und loslegen – zumindest fast
Die Hürden vor dem Spielbeginn sind tief: App installieren, anmelden und loslegen. Obwohl: So einfach das klingt, so frustrierend war es für mich zu Beginn. Auf der Suche nach einem Spielernamen brauchte ich aufgrund der hohen Nutzerzahlen neun Anläufe. Dem Abbruch der Übung nahe, gelang es mir doch noch, das Spiel zu beginnen. 

Hektische Angelegenheit
Zuerst einmal wirkt die App nicht sehr aufregend. Die eigne Spielfigur bewegt sich auf einer Strassenkarte. Kommt man dann aber den digitalen Wesen näher, schaltet die App in den Kamera-Modus. Einem Jäger mit Zielfernrohr nicht unähnlich, muss man dann mit roten Bällen Viecher einfangen. Wobei manche recht beweglich durch die Szenerie und aus dem Sucher rausspringen. Es braucht ein wenig Geschick und Übung, um sie zu treffen.

Unfälle gemeldet
Und das ist es dann auch schon mehrheitlich gewesen. Eine Geschichte rund um die Suche haben sich die Programmierer so gut wie gespart. Das wäre auch reine Zeitverschwendung. Das Spiel lebt von der augmented reality (dt. „erweiterte Realität„). Das virtuelle Jagdfieber verspricht viel Spielspass und Bewegung im Freien. Ausserdem sind beim Programmieren keine Tiere zu Schaden gekommen. Gewisse Rindviecher auf der anderen Seite des Bildschirms hingegen schon. Ich freue mich schon auf die zukünftigen Mobiliar-Schadensskizzen.

Nicht gratis
Abgesehen davon, dass man das eigene gedachte Brett vor dem Kopf durch ein Smartphone ersetzt und nicht mehr viel von der Gegend mitbekommt, möchte ich noch mit einer falschen Vorstellung aufräumen: Dieses Spiel ist nicht gratis. Es erfordert den Zugriff auf die Kamera, den Speicher und den eigenen Standort. Die Berechtigung zum Lesen der Kontakte wünscht es zwar auch, aber es funktioniert auch ohne. Das sind keine kleinen Kosten für den trendigen Zeitvertreib. Das sind nämlich die leckeren Zutaten für ein saftiges Nutzer- und Bewegungsprofil.