Virtual Reality am Strand

„Wir fliegen einen Looping über den oberen Zürichsee bei Rapperswil. Der beginnt bei rund 300 Meter und am oberen Kulminationspunkt sind wir etwa 3000 Meter hoch.“ Das ist die Stimme von Gunnar Jansen, einem Piloten der Patrouille Suisse. Ich sitze mit ihm in seinem Tiger F-5-Kampfjet und sehe den ganzen Zürichsee über meinem Kopf.

Die Fliehkräfte, die bei dem Manöver an der F5 zerren, spüre ich aber nicht. Denn in Wirklichkeit sitze ich am Boden unter freiem Himmel und schaue mir den Flug von Jansen als Film durch eine Virtual-Reality-Brille an.

Besucher der Web-2.0-Konferenz re:publica von 2016 in Berlin testen VR-Brillen aus. Quelle: flickr.com // re:publica/Jan Michalko // CC BY 2.0

Der Film über Jansen war Teil des Virtual Reality Openair Cinemas, das Ende August im Zürcher Strandbad Mythenquai stattfand. Eine Vorstellung beinhaltete mehrere Kurzfilme, die ich mir durch eine VR-Brille ansehen konnte. Die Brille erhielt ich vor Ort, und nach einer kurzen Einführung begann das 360-Grad-Kinoerlebnis.

Unausgereift und improvisiert

Was gut klingt, wirkte in der Realität leider sehr improvisiert: Wir sassen auf Bänken an den Tischen, die den Besuchern des Badirestaurant üblicherweise als Sitzplatz dienen. Das Platzangebot war klein. Was eher schwierig ist, wenn man sich einen 360-Grad-Film anschaut. Denn wenn ich mich drehte, um eine andere Perspektive des Films zu sehen, stiess ich immer wieder mit dem Kopf beziehungsweise der Brille meines Sitznachbarn zusammen. Glücklicherweise kannte ich ihn.

Eigentlich hätte es anders laufen sollen. Denn die Veranstalter hatten das virtuelle Kinoerlebnis im Vorfeld mit Drehsesseln beworben. Was für einen solchen Event perfekt gewesen wäre. Hinzu kam, dass die Auflösung der Videos schlecht war, die besagten Sitzbänke hart und der Akku der VR-Brille meines Sitznachbarn nach drei Minuten leer. Glücklicherweise konnte er eine andere Brille aufsetzen, die noch auf dem Tisch lag.

Zudem kosteten die Tickets pro Person 19 Franken, also gleich viel wie ein regulärer Kinoeintritt. Dort sitzt man aber in Polstersesseln und sieht sich einen Film in erstklassiger Qualität an. Immerhin beinhaltete das Gesamtprogramm des Virtual Reality Openair Cinemas eine gute Mischung: Von der Geschichte eines syrischen Flüchtlings über die Besteigung des Eigers bis hin zu einer Reise durchs Weltall war alles dabei. Einzig die drei Filme über Pancho, den Chihuahua aus Los Angeles, hätten die Veranstalter getrost weglassen können.

Bei unserer Vorstellung bekamen wir insgesamt drei vom „Blick“ produzierte Filme zu sehen, die man allesamt schon seit längerer Zeit auf Youtube findet: Neben dem Flug mit Gunnar Jansen gab es eine Kurzreportage über die Bergretter der Air Zermatt zu sehen, bei der man im Helikopter mitfliegt. In einer weiteren Kurzreportage erzählen Patent Ochsner von ihrem Leben als Band. Zuletzt gab es noch einen Werbefilm zum Volvo XC90 zu sehen. Auch diesen findet man auf Youtube. Dass das entsprechende Volvo-Modell nach dem Filmende gut sichtbar beim Ausgang stand, versteht sich von selbst.

Acht, nicht drei

Organisiert hatten den Event der Gastrobetrieb Hiltl und We Are Cinema, hinter dem das Unternehmens Vertical Ventures steht. Hiltl führt das vegetarische Restaurant im Mythenquai – daher auch die Location beim Badirestaurant. We Are Cinema startete hinterher via E-Mail eine Umfrage, um herauszufinden, ob den Besuchern das Kinoerlebnis gefallen hatte. Wer mitmachte, nahm automatisch an der Verlosung einer „Spectacles“- Sonnenbrille mit integrierter Kamera von Snapchat teil.

Die Umfrage hätte gemäss den Angaben von We Are Cinema maximal drei Minuten in Anspruch nehmen sollen. Ich habe dafür acht Minuten benötigt. Zwölf Fragen mit Unterfragen, bei denen ich mich teilweise fragte, was sie damit bezwecken wollten: das Setting des Festivals, die Dekoration vor Ort oder die Freundlichkeit der Hosts. Mit jeweils fünf Abstufungen von miserabel bis sehr gut. Abkürzungen waren unmöglich. Ich. Musste. Jede. Frage. Einzeln. Ausfüllen. Ich wüsste gerne, ob sie selbst versucht haben, ihre Umfrage unter drei Minuten sorgfältig auszufüllen.

Sollte es in in Zukunft also mehr VR-Kinoanlässe in der Schweiz geben, müssen sich die jeweiligen Veranstalter meiner Meinung nach ein besseres Konzept ausdenken. Bequeme Drehsessel mit genügend Abstand zum Sitznachbarn und Filme in HD-Qualität würden helfen.

Alles nur heisse Luft?

PR-Botschaften oder Medienmitteilungen, die etwas  schönreden wollen, haben eines gemeinsam: Sie sind oft nur schwer verständlich. Entweder sind sie mit Fremdwörten gespickt oder quälen den Leser mit Bandwurmsätzen und verschwurbelten Formulierungen.

Ein Index von 0.65 wie hier deutet auf inhaltsleere Sätze hin. (Quelle: http://www.blablameter.de/index.php)

 

Das Online-Tool „BlaBlaMeter“ entlarvt solche Texte. Es testet sie auf ihren Gehalt an heisser Luft und vergibt anschliessend einen Index zwischen 0 und 1. Je höher dieser Index ist, desto unverständlicher dürfte der Text sein.

Schonungslos

Dabei ist das Tool schonungslos ehrlich: Will die Schweizerische Post beispielsweise Filialen schliessen und gleichzeitig dem Leser in langfädigen Ausführungen das Postnetz der Zukunft schmackhaft machen, resultiert dies in einem Bullshit-Index von 0.41: „Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft – Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Für wissenschaftliche Arbeiten wäre dies aber noch ein akzeptabler Wert (leider).“ Kein Wunder, wenn die Post von einem „ergebnisoffenen Dialog“ oder von „überaus hochwertigen Dienstleistungen“, spricht, die sie langfristig und flächendeckend anbieten will.

Ein Text der Steuerverwaltung Bern, mit dem sie ihre Aufgaben beschreibt, kommt noch schlechter weg. Und zwar mit einem Bullshit-Index von 0.65: „Sie müssen PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sein! Sollten Sie eine echte Botschaft transportieren wollen, so erscheint es fraglich, ob diese Ihre Leser auch erreicht.“ Der im Text enthaltene Satz „Als Amt der Finanzdirektion ist die Steuerverwaltung insbesondere für die richtige und gleichmässige Veranlagung sowie den einheitlichen Bezug der periodischen und aperiodischen Steuern verantwortlich“  ist tatsächlich sehr unglücklich formuliert und klingt dadurch unnötig kompliziert.

Ein SBB-Text zum barrierefreien Reisen, verfasst in „leichter Sprache, erhält hingegen nur einen Bullshit-Index  von 0.07: „Ihr Text zeigt keine oder nur sehr geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.“ Der Text enthält dementsprechend auch keine komplizierten Wörter und die Sätze sind kurz und prägnant gehalten.

Allerdings kann das BlaBlaMeter nicht zwischen inhaltlich sinnvollen und sinnlosen Texten unterscheiden, da es nicht intelligent ist. Es analysiert einen Text einfach nach bestimmten Kriterien, wie beispielsweise übermässigem Nominalstil oder Bandwurmsätzen. Entwickelt hat das Tool der Deutsche Bernd Wurm.

Die Odysee im Kürzungsdienst

Bis vor kurzem war ich Benutzer eines kleinen, unbekannten und in der Schweiz gehosteten URL-Kürzungsdienstes. Er trug den Namen 3cm.ch. Die Begründung für diesen Namen, sofern ich mich noch richtig erinnere, lag in der Behauptung, mit diesem Kürzungsdienst könne man die URLs im Schnitt um drei Zentimeter kürzen.

 

Das Matterhorn im Hintergrund, ein Kürzungsdienst mit Eingabefeld.

In einer früheren Version gabs noch mehr Buchstabensalat für eine URL: 30 Zeichen!

Neuer Dienst – Unterhaltung garantiert

Von der Witzigkeit des Namens und von der Einfachheit der Bedienung überzeugt, nutzte ich zufrieden den Dienst über mehrere Jahre. Doch vor kurzer Zeit musste ich mit Überraschung feststellen, dass die 3cm-URL auf einen anderen Kürzungsdienst weitergeleitet wird. Neugierig ging ich daran diesen neuen Dienst auszuprobieren und kam dann aus dem Lachen nicht mehr heraus!

Im Hürdenlauf zur „kurzen“ URL

Aus http://www.sbb.ch wurde, bitte den Trommelwirbel nicht vergessen, http://urly.ch/yHZxBDKVdsBnp6b. Also ob das noch nicht genug absurd wäre. Folgt man dem „gekürzten“ Link, führt die Software den Nutzer nicht direkt auf die Seite der SBB, sondern auf eine Zwischenseite, auf der man nochmals ein ReCaptcha eingeben musste, um auf die SBB-Site zu gelangen. Und weil es sonst immer noch zu einfach wäre, muss man nach der erfolgreichen Eingabe des ReCaptcha fünf Sekunden warten, „bis die Seite ready“ ist.

 

Absurd bis ins letzte Detail

Dieses Prozedere ist mühsamer, als ein Schwein ins Schlachthaus zu tragen. Von Sinnhaftigkeit keine Spur. Ausser es handelt sich um eine Betrugsmasche, um ReCaptchas zu lösen. Das Tüpfelchen auf dem i ist die Tatsache, dass man nach der erwähnten Wartezeit nochmals auf einen Button klicken muss, um zum endgültigen Ziel zu gelangen! Wenn man dann schon glaubt, diese Odyssee hinter sich zu haben, wird man mit einem neu geöffneten Browserfenster mit der Startseite des Kürzungsdienstes daran erinnert, dass man sich dieses Prozedere jederzeit nochmals antun darf.

Alles in allem Masochismus pur, aber man muss es fast selbst ausprobieren, damit man es glauben kann.

Ab ins Wasser!

Bei der derzeitigen Hitzewelle kann ich eigentlich nur eines tun: Ins Wasser springen und mich abkühlen. Damit ich weiss, welche Temperaturen mich erwarten, strecke ich entweder den Fuss ins Wasser, frage andere Schwimmer oder installiere eine App.

Die Website von aare.guru redet Berndeutsch.

Schwimmen in Bärn …

Wer in Bern wohnt und gerne in der Aare schwimmt, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit „aare.guru“ auf seinem Handy installiert. Die App und die dazugehörige Website sind äusserst liebevoll gestaltet. Die Infos sind – natürlich – in Berndeutsch verfasst: Derzeit ist die Wassermenge der Aare „ganz gäbig“, und die Frage „lohnt sech e Aareschwumm?“ kann bei den derzeit vorherrschenden 21.1 Grad Wassertemperatur locker mit „ja, eh!“ beantwortet werden. Die Infos sind aktuell, das letzte „Öpdeit“ gabs laut Website vor 15 Minuten. Die App ist für Android und iOS verfügbar.

… in Züri …

Etwas seriöser kommt die Züribad-App daher. Wie es der Name sagt, zeigt sie die Wassertemperaturen aller Freibäder sowie des Zürichsees und der Limmat an. Zu jeder Badi gibt es ein Bild, eine Wegbeschreibung und die Öffnungszeiten. Auf einer Übersichtsliste sieht man alle Wassertemperaturen auf einen Blick und kann dann entscheiden, ob man lieber ins geheizte Becken oder die kühlere Limmat springt. Die „kälteste“ Temperatur liegt derzeit bei 24 Grad Celsius. Diese App ist leider nur für Android erhältlich.

… oder anderswo

Wer weder in Bern noch in Zürich wohnt, kann Splash installieren. Die App ist sehr schön gestaltet und ermöglicht es dem Nutzer, mehrere eigene Favoriten zu setzen – beispielsweise die Badi vor der eigenen Haustür, den Lieblingssee und einen Fluss. Will man einen gesetzten Favoriten löschen, tippt man ihn auf der Übersichtsliste an und wischt nach links. Dann erscheint ein „Löschen“-Button. Die App ist sowohl für Android und iOS erhältlich, wird aber scheinbar nicht weiterentwickelt. Das letzte Update stammt von 2013 und iOS 10.3.2 meldet, dass die App mit neueren iOS-Versionen nicht mehr funktionieren wird, sofern der Entwickler sie nicht aktualisiert. Schade, aber brauchbar ist die App trotzdem (noch).

In dem Fall – guet Schwumm!

Video-Player: Feindliche Übernahme durch Untertitel

Wie schon mal hier festgehalten, handelt es sich bei der Sicherheit in der Informatik um ein Katz und Maus Spiel. Wird ein Loch in der Software geschlossen, findet sich über Kurz oder Lang ein Weiteres an einem anderen Ort. Software ist so lange sicher, bis sie von der Öffentlichkeit verwendet wird. In dem Moment fangen die Bösewichte die Suche nach dem schwächsten Glied an. Und, da muss man jede Hoffnung fahren lassen, sie werden sie finden. Solange es sich nur irgendwie lohnt. So auch zuletzt bei einigen Videoplayern.

Screenshot des "Über"-Fensters des VLC-Players.

Erst mit der Version 2.2.6 Umbrelle ist die Sicherheitslücke bei den Untertiteln behoben. Falls das Update noch nicht von selbst gekommen ist, muss in der Rubrik Hilfe manuell nach Updates gesucht werden.

Unbegrenzte Kreativität der Bösewichte
Seit ich die Neuigkeiten im Bereich der Informatik-Sicherheit verfolge, bin ich immer wieder überrascht und beeindruckt, auf welche Ideen Hacker kommen, um sich in unsere Computer einzuschleichen. Aber das ist auch ihr Job. Das bekannte IT-Sicherheitsunternehmen Checkpoint Security Research hingegen gab vor kurzem bekannt, dass nun sogar einige Videoplayer bzw. die für die Untertitel verantwortlichen Teile eine Sicherheitslücke aufweisen. Durch einen Fehler im Code könnten mit Schadsoftware infizierte Untertiteldateien geladen werden. Die Folge wäre dann der Verlust der Kontrolle über den Computer.

Drei Monate Reaktionszeit üblich
Unter den betroffenen Playern sind auch sehr bekannte Namen wie VLC und Kodi. Alles in allem wären damit 200 Millionen Computer in Gefahr. So wie es die Gepflogenheiten in diesen Fällen verlangen, benachrichtigten die Entdecker die betroffenen Unternehmen und geben ihnen drei Monate Zeit auf das Problem zu reagieren. Reagieren die Schöpfer dieser Software nicht wird das Sicherheitsloch nach Ablauf dieser Frist veröffentlicht. Mit dem Schritt in die Öffentlichkeit wird die Sicherheitslücke zum allgemein verwertbaren Gut für Bösewichte.

VLC-Update schon bereit
Zum Glück reagierten in diesem Fall mindestens ein Hersteller schon auf die erste Benachrichtigung. So war zur Zeit der Veröffentlichung beim VLC Mediaplayer (170 Millionen Downloads!)  auch ein Update vorhanden. Das heisst: Alle die VLC oder andere betroffene Player verwenden, müssen nach einem Update Ausschau halten. Und diejenigen Hersteller, die kein Update anbieten, sollten gemieden werden.  Nicht zuletzt damit haben die Macher des VLC-Players wieder einmal ihre Klasse bewiesen. Das ist ein Stück Software, dass ich nur empfehlen kann. Das Ding kommt wohl mit fast jedem frei verfügbaren Format zurecht und kann selbst Videos abspielen, die als Dateien nicht komplett sind (z.B. beim Abbruch des Downloads).

Phishing – Katze und Maus im Aufrüstungswettlauf

Viele Hackerangriffe, die in den Medien bekannt werden, beginnen mit einem Vorgang, der in der Informatik Phishing heisst. Bei Phishing versucht der Angreifer mit einer scheinbar echten, aber gefälschten Website an persönliche Daten wie z.B. Anmeldedaten usw. zu kommen. Jeder von uns hat schon mal ein solches E-Mail im Posteingang gehabt. Viele Menschen fallen immer noch auf diesen Trick rein. Blöd nur, wenn man so heikle Inhalte preisgibt. So zum Beispiel auch John Podesta, Wahlkampfleiter der US-demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton wurde Opfer einer Spear-Phishing-Attacke (gezielte Methode mit mehr spezifischen Informationen über das Opfer).

Screenshot aus dem eigenen Postfach

Hier ist eindeutig nicht die Eidgenössische Steuerverwaltung der Absender: Die E-Mail-Absenderadresse stimmt nicht, es gibt keinen Text, der irgendetwas erklärt und das E-Mail enthält eine unbekannte ZIP-Datei. Alles zusammen ein klarer Fall!

Ruhe und kühlen Kopf bewahren
Um solche (Spear)-Phishing-Angriffe zu erkennen braucht es eigentlich nicht viel. Das Wichtigste ist ein gesundes Mass an Misstrauen und ein wenig Geduld. Man muss sich die Zeit nehmen, das erhaltene E-Mail zu begutachten und die wichtigsten Erkennungsmerkmale abzuklappern. Manchmal ist es aber auch klar: Banken werden ihre Kunden nie zur Eingabe der Anmeldedaten auffordern. Ebenso schickt einem die Steuerverwaltung keine unaufgeforderte E-Mail mit Anhängen …

Innerlich mit ein paar Vorstellungen aufräumen
Nicht zuletzt sollte man sich klar machen: Es gibt keine Geschenke, die man einfach so aus dem Internet erhält und man erhält keine Post von Fremden, die einem einfach so helfen wollen. Für die Sicherheit des eigenen Computers interessiert sich niemand ausserhalb des eigenen Freundeskreises.

Sichere Hinweise und Verhaltensweisen
Abgesehen von diesen Verdachtsmomenten gibt es verschiedene sichere Anzeichen für einen Betrug: Die Sprache in den E-Mails ist meist schlecht und die Ziel-URL stimmt nicht mit dem Absender überein (eine gute Übersicht hier). Wann immer ich ein E-Mail mit unbekanntem Absender erhalte, lösche ich es, ohne auf etwas zu klicken oder den Anhang zu öffnen. Sollte es ein wichtiges E-Mail gewesen sein, wird mich die andere Person mit Sicherheit nochmals kontaktieren. Und sollte mich mal eine Anfrage halbwegs überzeugen, dann folge ich nie dem mitgeschicktem Link zu einer scheinbaren Anmeldeseite, sondern öffne den Browser und gehe von selbst auf die betreffende Anmeldeseite.

Es ist ein Katz- und Maus-Spiel
In der Zwischenzeit versuchen die Betrüger, uns Stück für Stück die Erkennungsmerkmale wegzunehmen. Das zeigte letzthin das Google-Drive-Phishing mit einer echten Google-Anmeldeseite. In diesem Fall konnte man den Betrug nur noch anhand eines seltsamen E-Mail-Namens erkennen. Mittlerweile ist auch auf die URL im Browserfenster nicht mehr auf den ersten Blick Verlass. Verwendet der Angreifer bei der Registrierung der falschen Website einen anderen Schriftsatz, kann aus www.xn--80ak6aa92e.com einfach www.apple.com werden (erst wenn man es ausprobiert, kann man es glauben). Nur wenn man sich das Verschlüsselungszertifikat genauer ansieht, kann man feststellen, dass es auf www.xn--80ak6aa92e.com ausgestellt wurde.

Firefox kann helfen, auf die anderen Browser kann man nur hoffen
Auf dieses Phänomen machte vor ein paar Tagen Xudong Zheng einem Blogpost aufmerksam. Was dagegen tun? In erster Linie hoffen, dass man nie davon überrumpelt wird und dass die Browser-Hersteller möglichst schnell etwas dagegen unternehmen. Bis dahin können Nutzer des Firefox-Browsers eine Änderung an den Einstellungen machen, um den richtigen Domain-Namen angezeigt zu bekommen. Die Anleitung dazu findet sich im unteren Drittel von Xudong Zhengs Blogpost.

Das Gesundheitskartell hat neue Partner

Man lernt jeden Tag was Neues. Die Erkenntnis von letztem Samstag war: Die „Quantified Self“-Bewegung  ist nun definitiv dem Kommerz anheim gefallen. Nachdem zuerst die Elektronikhersteller abkassiert haben, treten nicht überraschend neue Player auf die Bühne. Die Krankenkasse im Plakat verspricht Prämiensenkungen für alle, die die Anzahl der eigenen Schritte durch eine App und das Smartphone überwachen  lassen.

Foto eines Plakates der Krankenkasse CSS.

Die Zukunft ist schon da. Mit jedem Schritt zur kostengünstigen Gesundheit.

Die freundliche Interpretation
Es wäre zwar interessant zu sehen, wie sich die Krankenkasse das so vorgestellt hat, doch die Abscheu ist in diesem Fall grösser als die Neugierde. Ja, natürlich, es gibt verschiedene Sichtweisen: Man kann das als Versuch verstehen, die Prävention attraktiver zu gestalten. Nebenbei versucht die Krankenkasse eine neue, spezifische Zielgruppe (wohl gute Risiken aka gesunde Versicherte) anzuziehen. So weit, so nett.

Mehr Daten. MEHR!!!
Ich sehe das hingegen als den Versuch, so viel Informationen/Daten aus dem Leben der Kunden zu quetschen, damit man sie dann für vermeintlich gutes oder schlechtes Verhalten belohnen oder bestrafen kann. Es geht selbstverständlich auch darum, den Kunden komplett die Verantwortung für die eigenen Krankheiten anzuhängen und so letztlich Geld zu sparen. Über kurz oder lang werden die Krankenkassen bestimmen, welches eine gesunde Lebensweise ist (X Schritte, Y Lebensmittel, Z Stunden Schlaf) und alles andere wird dann zum selbst gewählten Gesundheitsrisiko, welches man mit höheren Prämien bezahlen muss.

Zukunft absehbar – keine Sache für Erbsenzähler
Wer eins und eins zusammenzählen kann, der kann in die Zukunft sehen. Als nächster Schritt steht schon die Gamifizierung dieser App ins Haus. Wettbewerbe um die Anzahl Schritte, die Zahl der Schlafstunden oder den maximalen Ruhepuls ist die logische Weiterentwicklung dieses Konzeptes. Mir ist jeder letzte Rest an Neugier an dieser Art der Motivation zur Bewegung vergangen. Die Gesundheit ist mir zu wichtig, um sie den Erbsenzählern zu überlassen.

Eine Plattform für Neugierige

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es ist, bei Google zu arbeiten? Oder wie man das beste Rührei zubereitet? Oder warum manche Menschen nicht für monogame Beziehungen geschaffen sind?

Es gibt viele Menschen, die solche und noch viele andere Fragen beantworten können. Doch wo findet man diese Menschen? Auf der Wissensplattform Quora. Sie liefert Antworten zu Fragen jeglicher Art.

Quelle: quora.com

Der Autor Evan Bailyn ist der Meinung, dass Facebook der grösste Konkurrent von Google ist. Quelle: quora.com

Wer die Plattform nutzen will, muss sich registrieren. Die Community von Quora erwartet dabei, dass sich jeder mit seinem richtigen Namen registriert. Wer eine Frage beantwortet, sollte sich selbst kurz beschreiben oder begründen, warum er auf die Frage antworten will. Verpflichtet ist dazu aber niemand. Jeder Nutzer kann auch anonym fragen oder antworten, was vor allem bei schwierigen oder sensiblen Themen passiert.

Bewertete Antworten

Nutzer können Antworten als gut oder schlecht bewerten und sorgen so dafür, dass gute Antworten prominenter angezeigt werden als schlechte. Nutzer können auch Fragen melden, die beleidigend oder rassistisch sind.

Auf Quora antworten oft Menschen, die Ahnung haben, wovon sie sprechen. Auf die Frage „Who’s Google’s main competitor?“ schrieb beispielsweise ein Autor, der zwei Bücher über Google und Facebook veröffentlich hat, dass Facebook der grösste Konkurrent von Google sei. Er erklärt es damit, dass Facebook sehr viele persönliche Informationen von seinen Nutzern hat, über die Google nicht (unbedingt) verfügt – wie der Freundeskreis oder das eigene Geburtstagsdatum.

Keine doppelten Fragen

Gibt man eine Frage ein, sieht man anhand eines Drop-Down-Menüs sofort, ob diese ein anderer Nutzer bereits gestellt hat. Findet man seine Frage nicht, kann man sie der Community stellen.

Jeder Nutzer kann bestimmten Themen folgen. Die Funktion „Daily Digest“ versorgt ihn dann täglich mit den am besten bewerteten Antworten zu den ausgewählten Themen.

Quora wurde gemäss Wikipedia 2009 von zwei ehemaligen Facebook-Mitarbeitern gegründet, weil sie eine gute Frage-und-Antwort-Plattform bauen wollten. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Kalifornien.

Mit Googles Chromecast einfach auf Sendung

Seit das lichtschnelle Internet in Form einer kleinen, unscheinbaren Steckdose an der Wand in unserem Heim Einzug gehalten hat, stellen sich plötzlich neue Fragen. Das gewohnte Setup von Internet, Telefon und TV/Radio steht auf einmal zur Disposition. Ausserdem gehöre ich bei Glasfasern zur Risikogruppe derer, die alleine nur deswegen schon alles umstellen, damit sie die OTO-Box in Betrieb nehmen können.

Screenshot SRF-Play-App

Auch in der SRF-Play-App erscheint nach der Installation von Chromecast das Chromecast-Symbol in der rechten oberen Ecke. Damit wird das Streaming ausgelöst.

Bis jetzt konnte ich dieser Versuchung widerstehen, aber das wird sich ändern. Im Verlaufe des Planungsprozesses zum neuen Setup stellt sich die Frage, wie man die Bewegtbilder auf den noch nicht smarten Zweitfernseher bringen kann.  Minicomputer hinten am Bildschirm anschrauben, Streaming Box einstöpseln oder gleich einen Receiver von einem TV-Streaming-Service anschliessen?

Es braucht nur einen HDMI-Anschluss
Eine in der Schweiz weniger bekannte Variante ist ein kleines Gerät von Google mit dem Namen Chromecast.  Damit lassen sich Inhalte vom Android Smartphone oder aus jeglichem Chrome-Browser-Fenster auf einen Fernseher/Beamer streamen. Voraussetzung ist: Das Gerät muss einen HDMI-Anschluss haben und das Smartphone  bzw. das Gerät auf dem der Chrome-Browser läuft, muss sich im gleichen Netz befinden. So weit so einfach.

Hardware und Software sehr einfach zu installieren
Die etwa 8 Millimeter dicke, runde Scheibe hat zwei Anschlüsse: Einen HDMI- und einen USB-Anschluss. Der HDMI-Anschluss wird im Fernseher eingesteckt und der USB-Anschluss dient der Stromzufuhr. Dies kann entweder durchs Einstecken in einen USB-Anschluss am Fernseher oder mit einem Stromadapter erledigt werden.  Hardwareseitig ist die Installation dann auch schon beendet.

Auch die Installation der Software mit einem Android-Smartphone ist einfach. Die Installation nur mit dem Chrome-Browser habe ich nicht durchgeführt.  Folgt man den Anweisungen genau, ist die Einrichtung inkl. automatischem Update in maximal fünf Minuten beendet. Was den Datenschutz betrifft: Die dafür nötige Google Home App verlangt zwei Berechtigungen: Kontakte (keine Ahnung wieso?) und Standort. Die Kontakte sind weder für die Installation, noch für den Betrieb nötig. Der Standort ist zumindest für die Installation von Chromecast nötig. Für die Verwendung nicht.

Praktisch und kaum merkliche Verzögerung
Chromecast ist alles in allem ein praktisches Gadget. Es ist günstig (um die 40 SFr.), funktioniert zuverlässig, reagiert auf Eingaben auf dem Smartphone ohne merkliche Verzögerung und wird von Streaming-Apps unterstützt. In der TV-Streaming-App Zattoo, in der Youtube- oder SRF-Play-App erscheint nach Installation des Chromecast das Chromecast-Symbol (siehe Beitragsbild), dass das Streaming auf den Chromecast auslöst. Auch das funktioniert reibungslos und innerhalb weniger Sekunden.

Chromecast überzeugt vollständig

So kann man im Endeffekt mit einem Android-Smartphone und dem Chromecast jeden HDMI-fähigen Fernseher zu einem Wireless-Streaming-Gerät aufrüsten. Innerhalb weniger Tage habe ich Chromecast auch auf dem Hauptfernseher schätzen gelernt. Die Youtube-App auf dem Samsung-TV ist in der Handhabung so mühsam und unzuverlässig, dass ich fast immer das Streaming mit Chromecast bevorzuge. Ausserdem denke ich schon darüber nach, ob ich Chromecast Audio ausprobieren soll…

Ein Klick und der Russe vor der Tür ist weg

Wer die letzten eineinhalb Jahre nicht in einem Loch in der Erde verbracht hat, wird wohl davon gehört haben, dass die Russen wieder kurz davor stehen, den Weltfrieden zu vernichten. Sie expandieren an allen Ecken und Enden (Ukraine), klüngeln mit widerlichen Diktatoren (Syrien) und verwandeln mit Fake-News bzw. Cyber-Attacken gestandene Demokratien in Bananenrepubliken (USA). So plärrt es zumindest aus den (Medien)-Lautsprechern.

Zwei Screenshot zur Google Suche mit den Begriffen BND Russland und Wahlen.

Mit einem Klick auf die Rubrik News verändert sich der Blick auf die Realität drastisch. Wer von uns macht diesen Klick? (Stand 13.02.2017)

Der rote Bär geht um
Und welches Land wird das nächste sein? Welches Land wird als nächstes von den mächtigen Fängen des russischen Bären aus seiner liberalen, demokratischen Umlaufbahn geworfen? Man munkelt, er werde dieses Jahr seine Pranken in die Bundestagswahlen von Deutschland schlagen. Seit Monaten warnen deutsche Politiker, unter anderem angestachelt vom Chef des Bundesnachrichtedienst (BND), vor den Einmischungsversuchen der Russen. Uns wurde ein heisser Wahlherbst angekündigt…

Ничего (nichts)
Mit Enttäuschung muss ich jetzt feststellen, dass die Versprechungen wohl ein wenig zu hoch gegriffen waren. Die deutschen Wahlen könnten doch langweiliger werden als versprochen. Die Zeit.de titelt nämlich: „Keine Beweise für russische Desinformationskampagne“. Nach einer einjährigen Untersuchung fand der BND keine Belege dafür, dass Russland die deutsche Öffentlichkeit zu manipulieren versucht.

Das Gesicht wahren?
Trotz des eindeutigen Ergebnisses lassen sich sowohl die Zeit.de als auch der BND eine Hintertür offen. Es gäbe Grund zur Sorge, denn Russland sei (hört, hört!) auf einem „konfrontativen“ Kurs gegenüber Deutschland, sagen sie. Ausserdem bedeutet die Formulierung „keine Belege“ etwas anderes, als zu schreiben, sie hätten nichts gemacht.

Mit einem Klick die Welt verändern
Die Spitze dieser Realsatire ist aber der eigentliche Auslöser für diesen Post: Meine neueste Google-Suche zum Thema (s. Bild). Links sind die Resultate der allgemeinen Suche zu sehen und rechts diejenigen in der Rubrik News (13.02.2017). Mit nur einem Klick löst sich das russische Schreckgespenst in Luft auf und die Demokratie ist gerettet. Endlich können wir alle wieder beruhigt schlafen.