Bibliothek 2.0

Als Kind liebte ich Bibliotheken über alles. Insbesondere die Bibliothek meiner Stadt. Ich verbrachte ganze Nachmittage dort und lieh im Wochentakt fünf bis zehn Bücher aus. Die Bibliothek war mein zweites Zuhause, die Mitarbeiter kannten mich und lächelten, wenn sie mich sahen.

Eine moderne Bibliothek bietet heutzutage mehr als nur Bücherregale. Quelle: Bild aus der Vancouver Public Library auf flickr.com // GoToVan // CC by 2.0

Als ich älter wurde, gewannen andere Dinge an Bedeutung. Trotzdem ging ich noch etwa einmal im Monat in die Bibliothek. Sie wurde mit der Zeit moderner und hatte irgendwann Musik-CDs und Audiobücher auf CD im Angebot. Als ich später begann, vermehrt Bücher an Flohmärkten oder in Büchereien zu kaufen, war ich noch seltener dort.

Irgendwann merkte ich, dass sich vieles verändert hatte: Die Ausleihe und die Rückgabe funktionierten neuerdings über Automaten. Das gefiel mir, obwohl ich mir etwas Sorgen um die Jobs der Mitarbeiter machte. Doch die waren alle noch da und schienen so beschäftigt und zufrieden wie eh und je.

Neue Stadt, neue Möglichkeiten

Vor einiger Zeit bin ich in eine grössere Stadt gezogen. Seither habe ich mehrere Bibliotheken zur Auswahl. Eine davon ist praktisch bei mir um die Ecke. Also beschloss ich, eine Jahreskarte zu lösen. Vor Ort erklärte mir ein hilfsbereiter Mitarbeiter, wie ich Bücher ausleihen und zurückgeben kann. Die Ausleihe funktioniert über einen Automaten, wie ich ihn schon kenne. Die Rückgabe hingegen ist noch nicht automatisiert. Der Mitarbeiter erklärte mir noch, was ich wo finden würde und händigte mir schliesslich die Kundenkarte aus.

Ich wollte mich schon bedanken, da zückte er noch einen unscheinbaren Zettel mit einer aufgedruckten URL. „Fast hätte ich es vergessen: Wenn Sie bei uns Kundin sind, haben Sie Zugang zu unserem Online-Portal“, erklärte er mir. Was dieses denn umfasse, wollte ich wissen. „Nun … Audiobücher, E-Books, E-Papers … sowas halt“, meinte er achselzuckend. Für ihn die normalste Sache der Welt. Ich hingegen lebte zu diesem Zeitpunkt immer noch in einer Welt, in der man in einer Bibliothek ein Audiobuch auf CD ausleiht.

Elektronisch und in verschiedenen Sprachen

An diesem Tag ging ich mit einem grossen Bücherstapel und einem Lächeln auf dem Gesicht nach Hause. Daheim loggte ich mich auf dem Online-Portal ein: Von Literaturwerken über Romane bis hin zu Kurzgeschichten konnte ich alles ausleihen. Als Audiobücher sowie E-Books. Auf Knopfdruck. Und das alles erst noch in verschiedenen Sprachen.

Ich schätze, ich bin der Welt der Bibliothek 2.0 angekommen.

Psychologische Tricks

Sie hat mir in den letzten Minuten mindestens fünfmal versichert, dass ich den besten Preis herausgeholt habe. Und dass ich unwahrscheinliches Glück habe, einen Platz zum Schlafen gefunden zu haben.

Hotel

Ein Hotelzimmer zu finden ist manchmal gar nicht so einfach. Bild: flickr.com // FFCU // CC BY-SA 2.0

Bis zum unwahrscheinlichen Glück fehlt aber noch ein Schritt: Meine Mailadresse und ein Passwort muss ich noch eingeben. Und dann, vielleicht, kann ich die vier Tage im Hotel buchen. Doch die Website streikt. Erst stürzt sie ab, dann bin ich zu langsam und sie ermahnt mich, meine Buchung doch endlich zu Ende zu führen, bevor sie wieder abstürzt. Beim dritten Mal verliere ich aus unerfindlichen Gründen alle meine Daten und kann wieder von vorne anfangen. Beim vierten Mal schaffen wir es.

Nicht nutzerfreundlich

Nun gratuliert sie mir und macht schon fast Luftsprünge vor Freude. Ich auch, aber aus anderen Gründen. Doch die Odyssee ist noch nicht abgeschlossen. Denn die Website will jetzt noch ganz viele Dinge von mir wissen: Wann ich denn anzukommen gedenke? Ob ich mit dem Auto oder mit dem Zug anreise? Ob ich irgendwelche Sonderwünsche habe? Als ich die Buchung endlich abschliessen kann, bin ich erschöpft.

Dabei wollte ich eigentlich direkt beim Hotel buchen. Doch das gibt weder eine Telefonnummer noch eine Website bekannt. Stattdessen landete ich auf dieser Website, die immer wieder abstürzt.

Nicht alle Portale dieser Art funktionieren so schlecht. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie wollen einen mit psychologischen Tricks zu einer schnellen Entscheidung zwingen. „Buchen Sie schnell, es hat nur noch ein Zimmer zu diesem Preis!“ Oder: „Drei andere Personen schauen sich in diesem Moment genau dieses Hotelzimmer auch an!“ Oder, in roter Schrift: „Sie sind leider zu spät, alle Zimmer sind schon belegt.“

Kontingent ausgeschöpft

Und selbst wenn ein Hotel eine eigene Website hat, kann es sein, dass man trotzdem nicht direkt buchen kann: Ein Freund von mir musste in einer Hotellobby auf Bitte des Hotelpersonals sein Zimmer über eine externe Plattform buchen. Das Hotel hatte zwar noch freie Zimmer, konnte ihm aber über das interne Buchungssystem keins mehr vergeben, weil das interne Kontingent ausgeschöpft war. Immerhin stürzte dabei die Buchungswebsite nicht dreimal ab.

Virtual Reality am Strand

„Wir fliegen einen Looping über den oberen Zürichsee bei Rapperswil. Der beginnt bei rund 300 Meter und am oberen Kulminationspunkt sind wir etwa 3000 Meter hoch.“ Das ist die Stimme von Gunnar Jansen, einem Piloten der Patrouille Suisse. Ich sitze mit ihm in seinem Tiger F-5-Kampfjet und sehe den ganzen Zürichsee über meinem Kopf.

Die Fliehkräfte, die bei dem Manöver an der F5 zerren, spüre ich aber nicht. Denn in Wirklichkeit sitze ich am Boden unter freiem Himmel und schaue mir den Flug von Jansen als Film durch eine Virtual-Reality-Brille an.

Besucher der Web-2.0-Konferenz re:publica von 2016 in Berlin testen VR-Brillen aus. Quelle: flickr.com // re:publica/Jan Michalko // CC BY 2.0

Der Film über Jansen war Teil des Virtual Reality Openair Cinemas, das Ende August im Zürcher Strandbad Mythenquai stattfand. Eine Vorstellung beinhaltete mehrere Kurzfilme, die ich mir durch eine VR-Brille ansehen konnte. Die Brille erhielt ich vor Ort, und nach einer kurzen Einführung begann das 360-Grad-Kinoerlebnis.

Unausgereift und improvisiert

Was gut klingt, wirkte in der Realität leider sehr improvisiert: Wir sassen auf Bänken an den Tischen, die den Besuchern des Badirestaurant üblicherweise als Sitzplatz dienen. Das Platzangebot war klein. Was eher schwierig ist, wenn man sich einen 360-Grad-Film anschaut. Denn wenn ich mich drehte, um eine andere Perspektive des Films zu sehen, stiess ich immer wieder mit dem Kopf beziehungsweise der Brille meines Sitznachbarn zusammen. Glücklicherweise kannte ich ihn.

Eigentlich hätte es anders laufen sollen. Denn die Veranstalter hatten das virtuelle Kinoerlebnis im Vorfeld mit Drehsesseln beworben. Was für einen solchen Event perfekt gewesen wäre. Hinzu kam, dass die Auflösung der Videos schlecht war, die besagten Sitzbänke hart und der Akku der VR-Brille meines Sitznachbarn nach drei Minuten leer. Glücklicherweise konnte er eine andere Brille aufsetzen, die noch auf dem Tisch lag.

Zudem kosteten die Tickets pro Person 19 Franken, also gleich viel wie ein regulärer Kinoeintritt. Dort sitzt man aber in Polstersesseln und sieht sich einen Film in erstklassiger Qualität an. Immerhin beinhaltete das Gesamtprogramm des Virtual Reality Openair Cinemas eine gute Mischung: Von der Geschichte eines syrischen Flüchtlings über die Besteigung des Eigers bis hin zu einer Reise durchs Weltall war alles dabei. Einzig die drei Filme über Pancho, den Chihuahua aus Los Angeles, hätten die Veranstalter getrost weglassen können.

Bei unserer Vorstellung bekamen wir insgesamt drei vom „Blick“ produzierte Filme zu sehen, die man allesamt schon seit längerer Zeit auf Youtube findet: Neben dem Flug mit Gunnar Jansen gab es eine Kurzreportage über die Bergretter der Air Zermatt zu sehen, bei der man im Helikopter mitfliegt. In einer weiteren Kurzreportage erzählen Patent Ochsner von ihrem Leben als Band. Zuletzt gab es noch einen Werbefilm zum Volvo XC90 zu sehen. Auch diesen findet man auf Youtube. Dass das entsprechende Volvo-Modell nach dem Filmende gut sichtbar beim Ausgang stand, versteht sich von selbst.

Acht, nicht drei

Organisiert hatten den Event der Gastrobetrieb Hiltl und We Are Cinema, hinter dem das Unternehmens Vertical Ventures steht. Hiltl führt das vegetarische Restaurant im Mythenquai – daher auch die Location beim Badirestaurant. We Are Cinema startete hinterher via E-Mail eine Umfrage, um herauszufinden, ob den Besuchern das Kinoerlebnis gefallen hatte. Wer mitmachte, nahm automatisch an der Verlosung einer „Spectacles“- Sonnenbrille mit integrierter Kamera von Snapchat teil.

Die Umfrage hätte gemäss den Angaben von We Are Cinema maximal drei Minuten in Anspruch nehmen sollen. Ich habe dafür acht Minuten benötigt. Zwölf Fragen mit Unterfragen, bei denen ich mich teilweise fragte, was sie damit bezwecken wollten: das Setting des Festivals, die Dekoration vor Ort oder die Freundlichkeit der Hosts. Mit jeweils fünf Abstufungen von miserabel bis sehr gut. Abkürzungen waren unmöglich. Ich. Musste. Jede. Frage. Einzeln. Ausfüllen. Ich wüsste gerne, ob sie selbst versucht haben, ihre Umfrage unter drei Minuten sorgfältig auszufüllen.

Sollte es in in Zukunft also mehr VR-Kinoanlässe in der Schweiz geben, müssen sich die jeweiligen Veranstalter meiner Meinung nach ein besseres Konzept ausdenken. Bequeme Drehsessel mit genügend Abstand zum Sitznachbarn und Filme in HD-Qualität würden helfen.

Alles nur heisse Luft?

PR-Botschaften oder Medienmitteilungen, die etwas  schönreden wollen, haben eines gemeinsam: Sie sind oft nur schwer verständlich. Entweder sind sie mit Fremdwörten gespickt oder quälen den Leser mit Bandwurmsätzen und verschwurbelten Formulierungen.

Ein Index von 0.65 wie hier deutet auf inhaltsleere Sätze hin. (Quelle: http://www.blablameter.de/index.php)

 

Das Online-Tool „BlaBlaMeter“ entlarvt solche Texte. Es testet sie auf ihren Gehalt an heisser Luft und vergibt anschliessend einen Index zwischen 0 und 1. Je höher dieser Index ist, desto unverständlicher dürfte der Text sein.

Schonungslos

Dabei ist das Tool schonungslos ehrlich: Will die Schweizerische Post beispielsweise Filialen schliessen und gleichzeitig dem Leser in langfädigen Ausführungen das Postnetz der Zukunft schmackhaft machen, resultiert dies in einem Bullshit-Index von 0.41: „Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft – Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Für wissenschaftliche Arbeiten wäre dies aber noch ein akzeptabler Wert (leider).“ Kein Wunder, wenn die Post von einem „ergebnisoffenen Dialog“ oder von „überaus hochwertigen Dienstleistungen“, spricht, die sie langfristig und flächendeckend anbieten will.

Ein Text der Steuerverwaltung Bern, mit dem sie ihre Aufgaben beschreibt, kommt noch schlechter weg. Und zwar mit einem Bullshit-Index von 0.65: „Sie müssen PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sein! Sollten Sie eine echte Botschaft transportieren wollen, so erscheint es fraglich, ob diese Ihre Leser auch erreicht.“ Der im Text enthaltene Satz „Als Amt der Finanzdirektion ist die Steuerverwaltung insbesondere für die richtige und gleichmässige Veranlagung sowie den einheitlichen Bezug der periodischen und aperiodischen Steuern verantwortlich“  ist tatsächlich sehr unglücklich formuliert und klingt dadurch unnötig kompliziert.

Ein SBB-Text zum barrierefreien Reisen, verfasst in „leichter Sprache, erhält hingegen nur einen Bullshit-Index  von 0.07: „Ihr Text zeigt keine oder nur sehr geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.“ Der Text enthält dementsprechend auch keine komplizierten Wörter und die Sätze sind kurz und prägnant gehalten.

Allerdings kann das BlaBlaMeter nicht zwischen inhaltlich sinnvollen und sinnlosen Texten unterscheiden, da es nicht intelligent ist. Es analysiert einen Text einfach nach bestimmten Kriterien, wie beispielsweise übermässigem Nominalstil oder Bandwurmsätzen. Entwickelt hat das Tool der Deutsche Bernd Wurm.

Schlange stehen

Seit Mai gibt es auch in Zürich eine Gelateria die Berna. Am Brupbacherplatz, in Sichtweite zum Lochergut. Seither stehen Glaceliebhaber dort an schönen Abenden Schlange. Bis auf die Strasse. Und das, obwohl der Platz nicht gerade klein ist.

Quelle: flickr.com // Abi Porter // CC BY 2.0

Diese lange Schlange hat mich bisher davon abgehalten, dort Glace essen zu gehen. Doch eines Abends wage ich es. Es ist eher bewölkt und nicht übermässig warm. Dementsprechend stehen die Chancen gut, dass ich nicht allzu lange warten muss.
Während ich anstehe, überlege ich mir, dass es eigentlich gut wäre, wenn die Betreiber der Gelateria eine Webcam installieren würden. Dann könnte ich schon von zu Hause aus abschätzen, wie lange ich etwa anstehen müsste. Allerdings würde das Datenschützer auf den Plan rufen und vermutlich auch die Glaceliebhaber betrüben. Beispielsweise solche, die offiziell gerade auf Diät sind und ihre Glace deswegen heimlich essen müssen. Oder die Mitarbeiter, die sich von einem Arbeitsapéro davongestohlen haben, um sich ihre Lieblingsglace zu genehmigen. Klar könnte man die Aufnahmen stark verpixeln oder die Webcam so installieren, dass Gesichter nicht mehr klar erkennbar sind. Aber das würde vermutlich wenig helfen. Kameras im öffentlichen Raum sind nun mal ein heikles Thema.

Jemand tippt mir auf die Schulter. Vor mir ist eine Lücke entstanden und ich habe nicht bemerkt, dass ich aufschliessen müsste.

Ich grüble weiter: Wie wäre es mit Gewichtssensoren, die die Bodenbelastung des Platzes messen? Dafür müsste man den Platz aufreissen und danach die Fläche kennzeichnen, auf der die Kunden sich anstellen müssten. Die Betreiber der Gelateria dürften wohl schon bei der Baubewilligung scheitern. Zumal die Gelateria mitten in einem Wohnquartier steht.

Ein Hund läuft schnüffelt an meinem Bein. Er ist wohl der Einzige hier weit und breit, der sich mehr für die Schlange als für Glace interessiert.

Vielleicht könnten die Glacemeister einen Mitarbeiter anstellen, der die Kunden in der Schlange zählt. Ihn könnte man anrufen und fragen, wies aussieht. Fragt sich nur, ob man jemanden findet, der diesen Job übernehmen will.

Ok. Ich hab’s. Ein Ticketsystem, wie man es von der Post her kennt. Damit könnte man direkt die Wartezeit abschätzen. Allerdings würde die Elektronik nasses Wetter nicht so gut vertragen und von zu Hause aus geht das auch nicht. Ich kann wieder ein paar Meter aufrücken und bin schon fast in der Gelateria! Eigentlich sollte ich nun schon mal die Glacekarte studieren, damit ich nachher schneller bestellen kann.

Stattdessen grüble ich weiter. Die Betreiber könnten einen wasserfesten Buzzer installieren, den jeder drücken müsste, wenn er kommt und sobald er geht, müsste er … „Was möchten Sie?“ Die Stimme des Glaceverkäufers reisst mich aus meinen Gedanken. Ich bestelle und denke bei mir, dass es vielleicht doch besser ist, wenn alles beim Alten bleibt. Sonst hat man ja gar keine Überraschung mehr, wenn man zur Gelateria läuft.

Ab ins Wasser!

Bei der derzeitigen Hitzewelle kann ich eigentlich nur eines tun: Ins Wasser springen und mich abkühlen. Damit ich weiss, welche Temperaturen mich erwarten, strecke ich entweder den Fuss ins Wasser, frage andere Schwimmer oder installiere eine App.

Die Website von aare.guru redet Berndeutsch.

Schwimmen in Bärn …

Wer in Bern wohnt und gerne in der Aare schwimmt, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit „aare.guru“ auf seinem Handy installiert. Die App und die dazugehörige Website sind äusserst liebevoll gestaltet. Die Infos sind – natürlich – in Berndeutsch verfasst: Derzeit ist die Wassermenge der Aare „ganz gäbig“, und die Frage „lohnt sech e Aareschwumm?“ kann bei den derzeit vorherrschenden 21.1 Grad Wassertemperatur locker mit „ja, eh!“ beantwortet werden. Die Infos sind aktuell, das letzte „Öpdeit“ gabs laut Website vor 15 Minuten. Die App ist für Android und iOS verfügbar.

… in Züri …

Etwas seriöser kommt die Züribad-App daher. Wie es der Name sagt, zeigt sie die Wassertemperaturen aller Freibäder sowie des Zürichsees und der Limmat an. Zu jeder Badi gibt es ein Bild, eine Wegbeschreibung und die Öffnungszeiten. Auf einer Übersichtsliste sieht man alle Wassertemperaturen auf einen Blick und kann dann entscheiden, ob man lieber ins geheizte Becken oder die kühlere Limmat springt. Die „kälteste“ Temperatur liegt derzeit bei 24 Grad Celsius. Diese App ist leider nur für Android erhältlich.

… oder anderswo

Wer weder in Bern noch in Zürich wohnt, kann Splash installieren. Die App ist sehr schön gestaltet und ermöglicht es dem Nutzer, mehrere eigene Favoriten zu setzen – beispielsweise die Badi vor der eigenen Haustür, den Lieblingssee und einen Fluss. Will man einen gesetzten Favoriten löschen, tippt man ihn auf der Übersichtsliste an und wischt nach links. Dann erscheint ein „Löschen“-Button. Die App ist sowohl für Android und iOS erhältlich, wird aber scheinbar nicht weiterentwickelt. Das letzte Update stammt von 2013 und iOS 10.3.2 meldet, dass die App mit neueren iOS-Versionen nicht mehr funktionieren wird, sofern der Entwickler sie nicht aktualisiert. Schade, aber brauchbar ist die App trotzdem (noch).

In dem Fall – guet Schwumm!

Abbruchstimmung

Noch vor einem Monat schien die Welt des journalistischen Online-Magazins Coup zumindest äusserlich gesehen mehr oder weniger in Ordnung. Jetzt ist die Schweizer Publikation, die sich nur durch ihre Leser finanziert und keine Werbung schaltet, finanziell am Ende.

Coup steht kurz vor dem Abbruch des Projekts. Bild: Screenshot von http://www.coup-magazin.ch/rette-coup

Man kann dem Magazin nicht vorwerfen, dass seine Geschichten schlecht sind. Denn das sind sie nicht, im Gegenteil. Einmal im Monat findet man dort eine gut geschriebene und gut recherchierte Geschichte über ein bestimmtes Thema. Das Credo des Magazins lautet weniger, aber dafür sorgfältiger recherchierte Geschichten zu publizieren. Das ist an und für sich ein guter Ansatz. Aber das Team hinter Coup vermarktet sich schlecht. Das hat es inzwischen selbst erkann, wie es auf der eigenen Website schreibt:

„Man kann Millionen von Zeichen schreiben, ohne damit einen Franken zu verdienen. Umgekehrt kann man Millionen Franken einnehmen, ohne auch nur ein einziges Zeichen geschrieben zu haben. Um dereinst selbsttragend zu sein, braucht es dieselbe Akribie nicht nur im Journalismus, sondern auch in allen anderen Bereichen. Wir müssen ebenso seriös Mitglieder werben, eine Community aufbauen, Events veranstalten oder Budgetanträge schreiben.“

40’000 Franken fehlen

Nun haben die fünf Initianten von Coup, Joel Bedetti, Pascal Sigg, Andres Eberhard, Konrad Mazanowski und Anna Miller, einen Aufruf gestartet. Dieser läuft bis Ende Juni. Wer das Magazin unterstützen will, kann ein Versprechen abgeben, bis im Juli entweder Abonnent, Mitglied oder Investor zu werden. Je nachdem zahlt man 50, 150 oder 3’000 Franken. Oder man kann auch einfach Geld spenden. Falls es den fünf Initianten gelingt, mindestens 40’000 Franken zu beschaffen, wird die Stiftung für Medienvielfalt weitere 40‘000 Franken beisteuern.

Auf Twitter finden sich unter dem Hashtag #RetteCoup erst fünf Beiträge. Hoffen wir, das sich das noch ändert. Unter anderem mit diesem Beitrag hier.

P.S. Das geplante Food-Magazin „gut“, das sich ebenfalls über ein Crowdfunding vorfinanzieren wollte, hat sein finanzielles Ziel von 360’000 Franken nicht erreicht. Die Frist für das Crowdfunding ist am 1. Juni abgelaufen.

Aufbruchstimmung

Die Schweizer Medienszene bewegt sich. Zwar nur ein bisschen, aber das reicht für einen Anfang: Ab 2018 soll das digitale Magazin „Republik“ qualitativ hochwertigen Online-Journalismus ohne Werbung anbieten. Hinter dem Projekt, das derzeit erst in den Köpfen seiner Macher existiert, stehen die beiden Journalisten Constantin Seibt und Christof Moser sowie derzeit acht weitere Mitarbeiter.

Bild: www.republik.ch

Um das nötige Geld für das Magazin aufzubringen, hat die Crew ein Crowdfunding gestartet, mit dem Ziel, mindestens 3’000 neue Mitglieder zu gewinnen. Dieses Ziel hat sie am 26. April geknackt, dem ersten Tag des Crowdfundings. Das wiederum bedeutet, dass die versprochenen Investorengelder von 3,5 Millionen fliessen werden. 22’000 Abonnenten muss das Magazin gemäss eigenen Aussagen in den nächsten fünf Jahren erreichen, um selbsttragend zu sein. Den zehntausendsten Leser hat die Republik am vierten Tag des Crowdfundings gewonnen.

Wer die Republik mit 240 Franken unterstützt, erhält dafür ein Jahresabo für das digitale Magazin. Zudem wird man damit Mitglied der Project-R-Genossenschaft und zu einem kleinen Teil auch Verleger des Online-Magazins. Seibt und seine Crew wollen mit diesem Projekt ein Geschäftsmodell für den Journalismus des 21. jahrhunderts schaffen – unabhängig von Grossverlagen und von Werbung. Dafür nutzen sie unter anderem das Internet als Plattform und Social Media als Beschleuniger.

Kritik lässt nicht auf sich warten

Nicht alle finden diese Idee gut. Michael Furger von der NZZ am Sonntag beispielsweise spricht von einer Werbelüge: Erstens werde in der Schweiz schon heute hervorragender Journalismus gemacht. Zweitens sei eine Bezahlzeitung heute im Gegensatz zu früher weniger abhängig von Werbung, da sie sich bereits zu zwei Dritteln durch Abonnenten finanziere. Und: Dieser Anteil werde weiter wachsen. Woher Furger diese Gewissheit nimmt, weiss vermutlich nur er selbst. Zudem wirft er mit „Bezahlzeitung“ alle Nicht-Gratiszeitungen in einen Topf – von der kleinen Lokalzeitung wie dem Reussboten bis hin zu grossen Zeitungen wie der NZZ.

Fest steht: Wer Werbung schaltet, ist letztlich auf die eine oder andere Weise erpressbar. Oder zumindest abhängig von Geldgebern, die nicht an den journalistischen Inhalten selbst, sondern nur an deren Lesern interessiert sind. Und selbst wenn eine Zeitung „nur“ zu einem Drittel durch Werbung finanziert ist, ist das eigentlich immer noch zu viel.

Die Republik hat zudem nie behauptet, dass es heute keinen guten Journalismus mehr gebe. Sie hat lediglich darauf hingeweisen, dass das Geschäftsmodell der traditionellen Medien heute nicht mehr existiert. Also das klassische Zusammenspiel zwischen journalistischen Inhalten, den Werbeinseraten und den Lesern, die die Inhalte und somit auch die Werbung lesen sollen. Stattdessen hätten Google und Co. übernommen, erklärt die Republik. Der Versuch der Verlage, ebenfalls ein Stück vom Onlinegeschäft zu ergattern, führe letztlich dazu, dass die Schweizer Medienlandschaft aus Spargründen immer mehr fusioniere und so tendenziell zu einem grossen Ganzen verschmelze, in dem der Einzelne untergehe. Anders gesagt: Das Eis für guten Journalismus ist dünner geworden.

Furgers an den Haaren herbeigezogene Kritik lässt nur einen Schluss zu: Er ist neidisch. Dabei sollte er sich eigentlich für die Republik freuen: Die Crew hat bewiesen, dass in einer Branche, die sich seit Jahren auf dem absteigenden Ast befindet, neue Ideen eine Chance haben. Und dass man als reines Online-Medienunternehmen auch ohne Werbung Geld verdienen kann. Denn es gibt nach wie vor Menschen, die für gut recherchierte Geschichten und Informationen gerne etwas zahlen, grössere Zusammenhänge verstehen und sich eine eigene Meinung bilden wollen.

Andere versuchen es auch

Die Republik ist nicht das erste Magazin, das nur von seinen Abonnenten finanziert werden will. Auch das digitale Coup-Magazin bietet werbefreie und gut recherchierte Geschichten an. Es ist ist vor einem Jahr ebenfalls mit einem Crowdfunding gestartet. 50’000 Franken sammelte die Redaktion damals. Nun liefert sie einmal im Monat eine grosse Geschichte aus der Schweiz. 20’000 bis 40’000 Zeichen sind die Artikel lang, wie Mitinitiant Joel Bedetti kürzlich gegenüber der Quartierzeitung „Quartierecho“ sagte. Je nach Layout entspräche das etwa 6 bis 8 Seiten Text mit Bildern in einem Printmagazin. Ein Abo kostet 5 Franken im Monat oder 50 Franken im Jahr. Die Redaktion richtet sich explizit an Leser, „die sich lieber tiefgründig und umfassend als oberflächlich und beschränkt informieren“.

Das Ergebnis kann sich zwar sehen lassen, selbsttragend ist das Magazin damit aber noch lange nicht. Derzeit haben rund 500 Leser das Magazin abonniert, zudem wird das Start-up noch von der Stiftung für Medienvielfalt unterstützt. 1000 oder gar 2000 zahlende Leser wären laut Bedetti anzustreben. Er selbst arbeitet nebenbei als freier Journalist und verdient nach eigenen Angaben rund 3’000 bis 4’000 Franken pro Monat. Damit komme er im Moment klar, weil er ein Studentenleben führe.

Hintergründe und Zusammenhänge

In Deutschland bietet Krautreporter Zugang zu Reportagen, Recherchen und Analysen. Krautreporter schreibt auf seiner Website: „Du verstehst besser, wie alles zusammenhängt, und vielleicht am wichtigsten: Du zeigst deine Unterstützung für unabhängigen, werbefreien Journalismus.“ Um Zugang zu den Online-Artikeln zu erhalten, zahlt man 60 Euro im Jahr und kann dafür täglich einen Artikel zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft lesen. Weiter kann man der Genossenschaft beitreten und in das Unternehmen investieren. Die Genossenschaft zählt derzeit 371 Mitglieder.

Noch nicht gestartet hingegen ist das Food-Magazin namens „gut“, das derzeit auf wemakeit.com Geld sammelt. Auch hier gilt: „Keine Publireportagen, kein Native Advertisement: ‚gut‘ ist unabhängig und werbefrei.“

Ich wünsche allen Menschen, die hinter diesen Projekten stehen, viel Erfolg und vor allem viel Mut.

P.S. Dank der neuen Idee von Hansi Voigt könnte es für Online-Journalismus-Plattformen in Zukunft einfacher werden, ihre Inhalte anzubieten. Voigt will sicherstellen, dass den entsprechenden Redaktionen die nötige Infrastruktur zur Verfügung steht und dass sie selbst bestimmen können, wie sie sich finanzieren wollen. Wer allerdings diese Infrastruktur zahlen soll, steht derzeit noch nicht fest. Wir dürfen aber gespannt sein.

Eine Plattform für Neugierige

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es ist, bei Google zu arbeiten? Oder wie man das beste Rührei zubereitet? Oder warum manche Menschen nicht für monogame Beziehungen geschaffen sind?

Es gibt viele Menschen, die solche und noch viele andere Fragen beantworten können. Doch wo findet man diese Menschen? Auf der Wissensplattform Quora. Sie liefert Antworten zu Fragen jeglicher Art.

Quelle: quora.com

Der Autor Evan Bailyn ist der Meinung, dass Facebook der grösste Konkurrent von Google ist. Quelle: quora.com

Wer die Plattform nutzen will, muss sich registrieren. Die Community von Quora erwartet dabei, dass sich jeder mit seinem richtigen Namen registriert. Wer eine Frage beantwortet, sollte sich selbst kurz beschreiben oder begründen, warum er auf die Frage antworten will. Verpflichtet ist dazu aber niemand. Jeder Nutzer kann auch anonym fragen oder antworten, was vor allem bei schwierigen oder sensiblen Themen passiert.

Bewertete Antworten

Nutzer können Antworten als gut oder schlecht bewerten und sorgen so dafür, dass gute Antworten prominenter angezeigt werden als schlechte. Nutzer können auch Fragen melden, die beleidigend oder rassistisch sind.

Auf Quora antworten oft Menschen, die Ahnung haben, wovon sie sprechen. Auf die Frage „Who’s Google’s main competitor?“ schrieb beispielsweise ein Autor, der zwei Bücher über Google und Facebook veröffentlich hat, dass Facebook der grösste Konkurrent von Google sei. Er erklärt es damit, dass Facebook sehr viele persönliche Informationen von seinen Nutzern hat, über die Google nicht (unbedingt) verfügt – wie der Freundeskreis oder das eigene Geburtstagsdatum.

Keine doppelten Fragen

Gibt man eine Frage ein, sieht man anhand eines Drop-Down-Menüs sofort, ob diese ein anderer Nutzer bereits gestellt hat. Findet man seine Frage nicht, kann man sie der Community stellen.

Jeder Nutzer kann bestimmten Themen folgen. Die Funktion „Daily Digest“ versorgt ihn dann täglich mit den am besten bewerteten Antworten zu den ausgewählten Themen.

Quora wurde gemäss Wikipedia 2009 von zwei ehemaligen Facebook-Mitarbeitern gegründet, weil sie eine gute Frage-und-Antwort-Plattform bauen wollten. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Kalifornien.

Verschiedene Welten

pixabay.com // Rupert Kittinger-Sereinig

Ein Nerd und ein technikfremder Mensch unterhalten sich.

Du, ich habe ein Problem.

Ja, welches denn?

Ich habe mehrere Mailadressen und muss die immer einzeln aufrufen. Vor allem diejenigen meiner Arbeits-Mailadresse. Das nervt.

Verstehe ich. Das kannst du aber ganz einfach lösen.

Echt, wie denn?

Du kannst dir einfach alle Mails auf ein einziges Mailkonto umleiten lassen. Dann musst du sie nur auf einem Konto aufrufen.

Oh, das wäre genial.

Ok, auf welche Adresse möchstes du denn deine Mails umleiten lassen?

Auf meine private Adresse.

Bei welchem Anbieter ist die?

Es ist eine gmail.com-Adresse.

Also eine Google-Adresse.

Wie?

Gmail ist der Mailservice von Google.

Ah … ja. Genau.

Ich schicke dir einen Link für eine Anleitung, ok? Ist ganz einfach.

Hmm … ja … ok.

(Zwei Wochen später)

Und, hast du dein Mailproblem lösen können?

Mmm … ich muss deine Anleitung noch lesen. Bin noch nicht dazu gekommen.

Es wirklich ganz einfach, du wist sehen. Du musst nur den Instruktionen folgen.

Ok.

Und wenn es wirklich nicht geht, rufst du mich an. Dann machen wir es auf meinem Notebook.

Auf deinem Notebook?!

Ja. Gibt es damit ein Problem?

Dann hast du aber Zugriff auf meine Mails. Das will ich nicht.

Nein, nein, du loggst dich einfach ein, wir machen das zusammen auf deinem Gmail-Konto und dann loggst du dich wieder aus. Ich werde danach keinen Zugriff auf deine Mails haben, weil du dich ja ausgeloggt hast. Und wenn du ganz sicher sein willst, löschen wir noch alle Cookies und den Browserverlauf und die Sache ist gebongt.

Ich verstehe kein Wort.

(Seufzt) Ich mag dir das jetzt nicht im Detail erklären. Aber du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Ich werde keinen Zugriff auf dein Mailkonto haben.

Ok. Ich versuchs jetzt mal noch mit der Anleitung, sonst rufe ich dich an.

Wir könnten es sonst auch noch anders machen.

Wie denn?

Du kannst alle deine Mails auf deinem Handy einrichten.

Ich möchte aber mein Arbeitsmail nicht auf meinem Handy bekommen.

Aber deine Mails von Gmail bekommst du auf deinem Handy?

Ja, die natürlich schon.

Wenn du aber deine Arbeitsmails auf deine Gmail-Adresse umleitest, wirst du sie dann auch auf deinem Handy haben.

Das verstehe ich jetzt nicht.

(Atmet tief ein und aus). Ich zeichne es dir auf. (Zeichnet eine Skizze) Siehst du, deine Arbeitsmails werden auf deinem Handy landen.

Das möchte ich nicht.

Dann kannst du sie aber nicht auf deine Gmail-Adresse umleiten lassen.

Das möchte ich aber.

(Rauft sich die Haare) Also, nochmal von vorn: Du willst deine Arbeitsmails in deinem Gmail-Konto erhalten, willst aber nicht das Mail deines Arbeitgebers auf deinem Handy einrichten?

Ja, genau.

(Der Nerd murmelt etwas Unverständliches)

Was hast du gesagt?

Nichts Wichtiges. Du, ich muss jetzt los. Du versuchst das mit der Anleitung und wenn es nicht geht, rufst du mich an. Ok?

Perfekt.

(Drei Wochen später)

Und?

Es funktioniert nicht. Ich bekomme irgendwie gar keine Mails mehr seit ein paar Tagen.

Hast du alles genauso gemacht, wie es in der Anleitung steht?

Wort für Wort. Ich schwöre.

Ok, wir schauen uns das jetzt zusammen an.

(30 Minuten später)

Ich weiss nicht genau, was du gemacht hast. Aber jetzt funktioniert es auf jeden Fall. Wir machen jetzt einen Test. Ich schreibe dir auf deine Arbeitsadresse ein Mail und dann sehen wir, ob du sie auf deinem Handy auf deiner Gmail-Adresse bekommst.

(Schickt das Mail)

Und?

Ja. Es funktioniert!

Na siehst du.

Und wie hast du das jetzt genau gemacht?

Ich zeigs dir.

(Zeigt den Ablauf)

Das war so einfach? Das hätte ich ja selbst auch gekonnt.

Das sage ich dir ja die ganze Zeit!