Um ehrlich zu sein ist das Schrott!

Hätte sich letzten Monat Zucki, der Chef von Facebook, nicht entschieden, diese App zu kaufen, hätte ich vielleicht nie von ihr erfahren. Aber es war eine Schlagzeile wert, dass Facebook für unter 100 Millionen US-Dollar eine Firma mit dem Namen Midnight Labs, ein Start-up mit vier Nasen, aufgeschnupft hat.

Eine junge Frau in Tanzpose auf einer Strasse.

Tanke Lebensfreude! Lade noch heute tbh runter.

Ein positives Lebensgefühl für Jugendliche
Das Corpus Delicti ist eine App fürs iPhone, die den Namen „to be honest“ (um ehrlich zu sein – tbh) trägt. Was in Gesprächen wie der Auftakt zu einer unangenehmen Wahrheit klingt, soll sowas wie ein soziales Netzwerk sein. Gemäss einem Bericht auf der Website von Der Bund  soll es darum gehen, Jugendlichen ein positives Lebensgefühl zu vermitteln. Ist das nicht toll? Ein soziales Netz, das glücklich macht und die Menschen nicht isoliert. Das klingt doch mal nach einem innovativen Ansatz.

Wer am meisten Edelsteine hat ist DER Hecht
Nun ja, die Freude ist dann doch ein wenig getrübt. Der „psychologisch wertvolle Ansatz“ (klingt schon ein wenig nach PR-Geschwafel) wird dadurch umgesetzt, dass man einen Beliebtheitswettbewerb nach dem anderen durchführt. Die Fragen können lauten: Wer ist der lustigste Junge? Wer hat die längste Nase? Oder was auch immer. Die anderen Teilnehmer dürfen dann mit virtuellen Edelsteinen den oder die Siegerin bestimmen. Mit dieser Grundidee hat es die App im App-Store von Apple eine gewisse Zeit zur Nummer eins gebracht.

Die Sache stinkt
Es wäre Zeitverschwendung, die Funktionalitäten der App noch näher zu beschreiben, denn diese App stinkt von der ersten Idee an. Ein positives Lebens- oder Selbstwertgefühl durch die Bewertung von Anderen entwickeln? Das ist schlichtweg absurd. Nein, „to be honest“ ist eine weitere Plattform, die Psychometrie und Gamification in ein Werbe-Geschäftsmodell packt.

Hot or not?
In der Ankündigung von tbh stand, beim Zusammentreffen mit den Facebook-Leuten hätten sie Ähnlichkeiten in den Kernwerten festgestellt. Ich glaube ja auch, dass Zucki sich durch diese Abstimmungen an die Anfänge von Facebook erinnert fühlt: Damals hat er Fotos von College-Kolleginnen und Kollegen nebeneinander gelegt und darüber abstimmen lassen…