Wenn Hass hilft

Bisher glaubte ich, Hass habe nur eine destruktive Seite und sonst nichts. Darum war es mir eine umso grössere Freude vor einigen Wochen dem Vortrag von Fabian Wichmann gespannt zu lauschen. Er stellte das Projekt „Rechts gegen Rechts“ vor. Darin geht’s um die Fragestellung, wie man aus Scheisse Süssigkeiten macht. Und das haben die Leute um Fabian Wichmann genial geschafft!

Hassen für den rechten Zweck steht auf dem Bild

Jeder Hass-Kommentar wird mit einer kleinen Mitteilung, einem Bild wie diesem und einem Euro verdankt. Bild: www.hasshilft.de

Mit jedem Meter weiter gegen Rechts
Mit dem „unfreiwilligsten Spendenmarsch Deutschlands“ machte sich das Projekt weltweit einen Namen. Unfreiwillig war der Spendenmarsch, weil es die Leute um Fabian Wichmann schafften einen Naziaufmarsch zu einem Fundraising-Event für eine Organisation zu machen, die Nazis hilft auszusteigen. Das Video „Mein Mampf“ dazu ist sehenswert: Die Gesichter der Spendenläufer einfach unbezahlbar. Obwohl die Aktion medial bekannt geworden war, konnte sie anschliessend häufig kopiert werden.

Facebook: Dorthin gehen, wo sich die Nazis rumtreiben
Um dem Ganzen noch einen drauf zu setzen, wurde die Idee verfeinert und weiterentwickelt. Die neue Aktion heisst ganz einfach „Hass hilft“ und spielt sich auf Facebook ab . An dem Ort, wo Nazis sich so unbelästigt tummeln können wie Vogelscheuchen an der Fasnacht. Die Aktion verläuft in drei Schritten: 1. Jemand schreibt einen Hass-Kommentar auf Facebook, der durch das „Hass hilft“-Team oder eine aussenstehende Person gefunden wird. 2. Eine Person des Teams antwortet auf den Kommentar in einer freundlich-ironischen Art inklusive einem Bild wie hier im Text abgebildet. 3. Durch die Antwort wird der Kommentar gezählt und dafür wird ein Euro gespendet.

Siegen durch Nachgeben
Die Aktion erinnert mich an eine dieser asiatischen Kampfsportarten, bei der man die Energie bzw. den Schwung des Gegners für den eigenen Angriff nützt. Naja, der Vergleich passt nicht ganz auf „Hass hilft“ , da für die Spenden SponsorInnen gebraucht werden. Am Besten wäre es, wenn die Nazis gleich selbst dafür zahlen müssten. (Wo bleiben die Ideologen, die von der verursachergerechten Finanzierung schwafeln, wenn man sie braucht…) Aber man kann nicht alles haben. Trotzdem bin ich davon begeistert.