Zuckerberg ist der Hammer – das Evangelium in Blau

Also ich weiss nicht, ob es sich bei allen rumgesprochen hat: Vor rund zwei Wochen haben wir Normalsterblichen wieder einmal direkte Order von oben bekommen. Mark Zuckerberg hat uns erklärt, was zu tun ist, damit die Zukunft (natürlich mit gütiger Hilfe von Facebook) ein besserer Ort wird. Wenn ich nur schon daran denke, kommen mir die Tränen vor Freude. Endlich gehts los mit der tollen Zukunft.

Hammer mit Oberteil eines Nagels

Zucki ist ein Hammer: Alle Probleme lassen sich mit Facebook lösen.

Prophet Mark kommt zu Wort
Ich hoffe sehr für uns, dass dieser Teil des Zuckerberg’schen Evangeliums auch so gut für die Nachwelt erhalten bleibt wie die Bibel. Ich als Mitglied des Fussvolkes würde mich nie trauen, an seinen Worten zu zweifeln und so zu tun, als ob ich alles verstehe, was er sagt. Darum schlägt jetzt die Stunde der Prediger, die sich mächtig ins Zeug gelegt haben, um uns zu erklären, was uns der Prophet Mark wohl zwischen den Zeilen sagen wollte. Und wahrlich, ich sage euch, die Interpretationen (z.B. die von Netzpolitik.org) sind zahlreich.

Schweissausbrüche heiligen die Mittel
Spass beiseite. Dieser an die „Community“ gerichtete Appell, doch bitte in Zukunft mehr Facebook zu nutzen, kommt nicht von ungefähr. Es mag ja sein, dass der Mark sein eigenes Süssholzgeraspel glaubt und seine Website als Werkzeug des Guten sieht. Es kommen mir aber Zweifel, wenn ich berücksichtige, wie es um den Ruf seiner Bude als Fake-News-Schleuder steht. Dazu kommt noch, dass eine Auswertung von 25 Millionen Facebook-Posts durch MAVRCK (eine Marketingbude) ergeben hat, dass im Jahr 2016 z.B. die Nutzer gut 30 Prozent weniger Inhalte geteilt haben … (und nicht nur das). Da kann der Chef schon mal ins Schwitzen kommen.

Stoff für Ferndiagnosen
Meistens lohnt es sich, solche Kommunikationsauswüchse von CEOs zu ignorieren. Sie tragen selten zur Aufklärung bei und sind als Meinung so gut wie die eines jeden anderen. Und glücklicherweise gerät dieses Vorurteil heute nicht ins Wanken. Sollte man allerdings das Interesse haben, für kurze Zeit die verdrehte Denkblase von Mark Zuckerberg zu besuchen, dann ist für erschreckende Unterhaltung gesorgt. Eigentlich ist das ein gefundenes Fressen für eine psychologische Ferndiagnose. Wer will als Erster?

Zuckerberg, ein Mann mit Scheuklappen
Und zum Schluss noch eine kurze Bemerkung zum Inhalt. Es soll in diesem Blog ja auch was für die Bildung getan werden. Zucki gedenkt die Probleme der Welt, wer ist überrascht, mit mehr Facebook zu lösen. Gemeinsinn, so glaubt er, lässt sich mit mehr Facebook-Gruppen herstellen. (Und da nennt man Trump einen grössenwahnsinnigen Egomanen?) Mark Zuckerberg ist das, was man einen Hammer nennt. Und für einen Hammer sehen alle Probleme aus wie Nägel. Man hat das Gefühl, seine Vorstellungskraft endet am Logout-Button.