Eingeschlossen

Vor kurzem habe ich einen Artikel über die Plagen des Alltags gelesen. Da ging es unter anderem um schreiende Kleinkinder, aggressive Autofahrer, Platznot und den Hochnebel. Das war ganz lustig zu lesen.

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Allerdings fehlte etwas in dieser Aufzählung. Eingeschlossene Handys. Genauer gesagt Handys, die in einem Spind, zum Beispiel in einem Hallenbad, eingeschlossen sind. Beziehungsweise: Handys, die dort eingeschlossen sind und Geräusche von sich geben. Einen Weckruf beispielsweise. Typ Atomreaktoralarm, Stufe 3. Und zwar im Endlosmodus. Falls Sie dummerweise Ihren Spind gleich daneben haben, sind Sie danach sicher wach. Nur leider ist das nicht der Zweck der Übung.

Endlosanrufe

Es gibt natürlich auch immer wieder Handys, die im Spind klingeln. Das ist ja normalerweise auch kein Problem. Normalerweise. Eine Weile lang habe ich jeden Morgen um die gleiche Zeit das Handy einer Frau gehört. Vermutlich hatte sie mit ihrem Freund Schluss gemacht und der Arme hatte riesigen Liebeskummer. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass das immer gleiche Handy mit dem immer gleichen Klingelton jeden Morgen um ca. 6:30h im immer gleichen Spind in meinem Hallenbad endlos klingelte. Und sobald der Klingelton abriss, ein paar Sekunden verstummte, um dann wieder von vorne zu beginnen.
Ich meine, wenn die beiden damals wirklich miteinander geredet hätten – also die Besitzerin des Handys und der Anrufer – hätten sie schnell herausgefunden, dass Anrufe zwischen 6h und 7h morgens vermutlich ins Leere laufen, weil die Besitzerin des Handys dann im Bassin ihre Runden dreht. Inzwischen hat sich der Mann vermutlich von seinem Liebeskummer erholt. Oder die Frau kommt nicht mehr schwimmen. Zumindest ihr Handy ist verstummt.

Alltagsgeräusch – und doch …

Ich weiss. Handys klingeln überall. Im Kino, im Tram, im Zug oder bei der Arbeit. Auf die verschiedenen Melodien, die man dabei zu hören bekommt, will ich gar nicht eingehen. Aber normalerweise klingeln sie nicht lange. Andernfalls, wenn der Arbeitskollege mit der telefonsüchtigen Freundin mal wieder sein Handy auf dem Tisch liegengelassen hat, kann man es unter ein Kleidungsstück stecken, dann ist der Ton wenigstens gedämpft (man darf einfach nicht vergessen, ihm hinterher Bescheid zu sagen). Oder man kann den Handybesitzer auch direkt ansprechen und ihn freundlich darauf hinweisen, dass sein Handygeklingel nervt. Bei eingeschlossenen Handys hingegen kann man nichts machen. Ausser zu verschwinden oder den Ton schlichtweg zu ignorieren.
Dabei wäre es so einfach: Der Vibrationsmodus funktioniert im Alltag perfekt. Das surrende Geräusch stört kaum jemanden. Und ein Alarm, der ins Leere klingelt, ist nun mal ein schlechter Alarm. Besonders dann, wenn er aus einem geschlossenen Spind kommt.