Swisspass hinter Sichtfenster? Schwierig.

Seit Kurzem besitze ich einen Swisspass. Da ich schon im Vorfeld beobachtet habe, dass der Scan mit dem Handy seine Tücken hat, bin ich bei der ersten Kontrolle auf Probleme vorbereitet. Also klappe ich mein Portemonnaie auf, sodass der Swisspass mit meinem Bild durch das Sichtfenster gut zu sehen ist und warte, was passiert. Der Kontrolleur hält sein Handy direkt ans Sichtfenster, scannt die Karte, bedankt sich und geht weiter. Na also. Geht doch.

Quelle: SBB

So richtig angekommen ist er noch nicht, der Swisspass. Quelle: SBB

Bei der zweiten Kontrolle wird es schon schwieriger. Der Zugbegleiterin gefällt mein Swisspass hinter dem Sichtfenster nicht. Sie bittet mich, ihn ihr direkt auszuhändigen. Ich bin erstaunt, tue aber wie geheissen.

Bei der dritten Kontrolle genau das Gleiche. Ich händige meinen Swisspass zähneknirschend aus, frage aber diesmal nach dem Grund. „Das funktioniert nicht“, lautet der Kommentar. Ich wende ein, dass ich gesehen habe, wie ein anderer Kontrolleur meine Karte durch das Sichtfenster hindurch gescannt hat. Die Zugbegleiterin reagiert genervt, schluckt aber eine unfreundliche Antwort hinunter. Sie dürfe die Karte nicht durch das Sichtfenster hindurch scannen, sagt sie knapp. Das sei Vorschrift.

Das erscheint mir reichlich unlogisch und ich frage bei den SBB nach. Und siehe da: SBB-Mediensprecher Reto Schärli sagt etwas anderes: „Es ist dem Zugbegleiter überlassen, ob der den Scan versucht oder den Kunden bittet, die Karte aus dem Sichtfenster zu nehmen.“ Es habe sich allerdings bewährt, dass die Reisenden den Swisspass aushändigten.

Wieso also einfach, wenn es auch kompliziert geht? Nein, danke.

Bei der nächsten Kontrolle ändere ich meine Taktik und halte dem Zugbegleiter demonstrativ mein Portemonnaie unter die Nase. Er versucht die Karte mit einem Abstand von ca. fünf Zentimetern zu scannen. Was nicht funktioniert. „Und wenn Sie das Portemonnaie direkt ans Gerät halten?“, frage ich hoffnungsvoll und drücke es ihm praktisch in die Hand. Er nimmt es und scannt die Karte ohne Abstand. Das funktioniert. Auch bei der nächsten und übernächsten Kontrolle gehe ich so vor – und bin erfolgreich.

Ich weiss nun: Scannen durchs Sichtfenster klappt problemlos, sofern man es richtig macht. Leider wissen das nicht alle SBB-Kontrolleure. Oder es interessiert sie schlichtweg nicht. Aber manche lassen sich immerhin davon überzeugen, dass es funktioniert.

Nachtrag: In den AGBs zur Nutzung des Swisspass steht, dass der Swisspass bei einer Kontrolle immer im Originalzustand vorzuweisen sei (bspw. ohne Hülle, nicht im Portemonnaie). Und weiter: „Der Swisspass ist dem Kontrollpersonal in jedem Fall auszuhändigen.“ Schade. Sehr schade.