Hassparolen im Web: Enttäuschung vorprogrammiert

Die deutsche Regierung hat so lange gedrängelt, bis Facebook ihr einen Gefallen erwiesen hat: Das soziale Netzwerk wird sich am deutschen Recht orientieren, wenn es um Hassparolen geht. Um der Verbreitung von fremdenfeindlichen und rassistischen Botschaften im Web zu begegnen, werden rechtswidrige Inhalte innert 24 Stunden gelöscht. Klingt doch super: Endlich wird etwas gegen diese Hassparolen (engl. hatespeech) gemacht.

Eric Schmidt (rechts) im Interview mit Nik Gowing

Offenes Web mit Mauern drum herum. Quo vadis „Ausbilder“ Eric Schmidt? Bild: Chatham House [CC BY 2.0] via Wiki Commons

Mit der Technik-Krücke gegen menschliches Versagen
Erfreut von diesem Schritt will der deutsche Justizminister Maas dem Unternehmen trotzdem auf die Finger kucken, um zu sehen, ob es sein Versprechen einhalten wird. Das wird es nicht. Darauf würde ich eine Wette abschliessen. Wenn Facebook nicht gerade eine Armee von trainierten Zensuräffchen im Wandschrank sitzen hat – das neue Hauptquartier wäre dafür gross genug – ist eine Säuberung von Facebook kaum möglich … ausser das Netzwerk setzt hierbei auf Algorithmen.

Automatisierte Prüfung auf Hassparolen
Genauso wie Eric Schmidt (Vorstandsvorsitzender von Google) in seinem Beitrag auf der New York Times-Website. Er macht sich üble Sorgen um das offene Web und was damit passiert, wenn es denjenigen überlassen wird, die Hassparolen verbreiten. Wir alle seien gefordert, dies zu verhindern, sagt er. Auch die schlauen Köpfe aus dem Silicon Valley. Schmidt könnte sich eine Art automatische Sprachkorrektur vorstellen: „We should build tools to help de-escalate tensions on social media – sort of like spell-checkers, but for hate and harassment.“

Nutzlos und gefährlich
Man muss nicht Gandalf der Graue sein, um zu erkennen, dass es sich hier um ein nutzloses, ja sogar gefährliches Unterfangen handelt. Nutzlos, weil wir keine Meinungen ändern, indem wir kommunikative Ausscheidungen löschen. Gefährlich, weil das offene Web mit Zensurmaschinen übersäht wird. Beides ist auch Eric Schmidt bewusst. Leider zieht er es wieder einmal vor, den Ausbilder Schmidt rauszuhängen und die Richtung vorzugeben. Nur: Wo soll das Ganze hinführen?