Zu Hause im Netz

Die kennen jetzt aber auch gar nichts mehr, diese Hacker. Jetzt haben die doch grad die Daten von 36 Millionen Kunden des Seitensprungportals Ashley Madison ins (Dark-)Netz gestellt – samt Bedienungsanleitung. So eine Kacke aber auch! Ich hoffe jetzt, Sie sind dort nicht auch dabei…

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Das mit der Diskretion versuchen wir noch mal von vorn, gell Ashley?

Mal ganz unsentimental: Solche Dienste erleichtern es einem Viertel oder – je nach Studie – einem Drittel der Menschheit, einem Bedürfnis nachzukommen, das zwar moralisch zweifelhaft, aber offensichtlich angeboren ist. Niemand braucht sich mehr hormongetrieben in viel zu lauten Clubs und Bars um Schlaf und Gesundheit zu bringen. Ein kurzer Besuch bei Ashley genügt – vorzugsweise via Handy, in der Strassenbahn zum Beispiel, unterwegs vom Büro ins traute Heim. Rasch Geschlecht, Zivilstand und sexuelle Ausrichtung eingegeben, und schon gibt’s ein paar Leckerli zum Gucken. Freilich, bevor das Abenteuer in Reichweite kommt, gilt es noch das üppige Registrierformular zu meistern, aber das sind wir uns ja gewohnt.

Solche Techtelmechtelmärkte ersparen einem allerlei ungelenken Smalltalk und Peinlichkeiten. Sie sind billig und vergleichsweise gesund, weil niemand dauernd Drinks spendieren und in sich hineinzuschütten braucht. Sie schonen die Nerven, weil sich keiner 10 mal blamieren muss, um 1 mal zu landen. Sie sind diskret, weil die Chance, beim Baggern vom Schwager ertappt zu werden, gegen null tendiert. Und so weiter. Sie sind also alles in allem eine saubere Lösung für eine schmuddelige Angelegenheit. Effizient, zielführend, zeitnah – wie der Manager zu sagen pflegt.

Und warum hackt man nun ausgerechnet diese Plattform? Wohl kaum aus moralischem Antrieb, wie die Jungs vorzuschieben versuchen. Wahrscheinlich einfach, weil sich die Gelegenheit bot und weil sie berühmt oder reich werden wollen oder beides. So läuft das, hier zu Hause im Netz.