Das vergiftete Informationshäppchen für Zwischendurch

Vier gefaltete Zeitungen liegen übereinander. Auf einer steht Dont't Miss! in roten Buchstaben.

„News are bad for you – and giving up reading it will make you happier“ – die Argumentation von Rolf Dobelli ist es wert, darüber nachzudenken.

War es Absicht? Stand er unter Einfluss von Medikamenten? War er depressiv? Was wussten seine Vorgesetzten? Und löst die neue Vorschrift, Piloten im Cockpit nicht mehr alleine zu lassen, das Problem? Mit vielen Fragen konfrontiert, die wir nicht beantworten können, vielleicht nie beantworten werden können,  wurde uns die Tragödie um den abgestürzten Germanwings-Flug aufgetischt. Verpackt in vielen kleinen Häppchen, von Bildstrecken bis zu Live-Tickern, die alle auch noch mit denselben Bildern dekoriert waren, verkauften uns vor allem die Online-Medien die immer gleichen inhaltsleeren „News“.

Vermittlung von Information ist nicht nur Dienstleistung
Und was bleibt nach der medialen Hysterie? Wenig. Zwar können wir immer noch nicht genau sagen was passiert ist, doch mit dem hilflosen Platttreten der Psyche des Co-Piloten ist der Zweifel gesät: Auch Flugzeugpiloten ist nicht mehr zu trauen. Ob dieser Zweifel berechtigt ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber das ist den Medien egal. Bei der Jagd nach der Sensation berufen sie sich immer gerne auf den Wettbewerb. Da ist dann nur noch wenig Platz für die Verantwortung, die sie als Informationsvermittler gleichzeitig tragen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Wie wirken die Informationshäppchen auf uns?
Was wir hier beobachten konnten, ist nur ein aktuelles und offensichtliches Beispiel für ein wiederkehrendes Muster. Die Frage, die ich mir dabei stelle: Welche Wirkung hat unser Konsum von Informationshäppchen auf uns? Rolf Dobelli, Schriftsteller und Unternehmer, hat da eine unmissverständliche Meinung dazu: „News are bad for you – and giving up reading it will make you happier“.

Abschied vom Informationshäppchen
Was er vor zwei Jahren in seinem Guardian-Artikel geschrieben hat klingt im ersten Moment provokant. Trotzdem sind seine Argumente nicht einfach so von der Hand zu weisen und sie sind es wert, darüber nachzudenken. Er stellt neun Behauptungen auf, die ihn am Schluss dazu führen, dass es gesünder ist, sich vom Konsum von Informationshäppchen zu verabschieden:

  1. News (bzw. deren Konsum) sind für die Beurteilung von wichtigen Belangen irrelevant.
  2. News haben bieten keine oder kaum Erklärung.
  3. News sind Gift, weil sie ständig Körperreaktionen auslösen, die das Immunsystem des Menschen stören.
  4. News fördern kognitive Fehlschlüsse.
  5. News behindern das Denken.
  6. News wirken wie Drogen und schaden dem konzentrierten Denken.
  7. News sind Zeitverschwendung und lenken ab.
  8. News machen uns passiv.
  9. News zerstören die Kreativität.

Totalitäre Gefahren? WTF?
Um seine Argumentation besser zu verstehen, empfehle ich den ganzen Artikel zu lesen. Keine Sorge, er ist nicht so lang. Aber immer noch länger, als der Kommentar der Guardian-Redaktorin: „Rolf Dobelli’s ideas about not needing news are dangerous.“ Sie faselt in der langen Fassung ihres Kommentars von irgendwelchen totalitären Gefahren. Ja, da stimme ich ihr zu, seine Gedanken sind gefährlich. Sie sind aber nicht gefährlich für unsere Gesellschaft, sondern für bestimmte Geschäftsmodelle der Medienhäuser.