Künstliche Intelligenz – auf der Überholspur zur eigenen Obsoleszenz

Neben einer Walnuss liegt ein Zettel mit der Aufschrift Use your brain.

Haltung gesucht! Benutzen wir unseren Kopf, solange es ihn noch braucht.

Es hat nicht viel gebraucht. Der Aufruf von zahlreichen Wissenschaftlern, über die Zukunft und Sinnhaftigkeit von künstlicher Intelligenz nachzudenken, musste schnell dem nächsten seichten Trendthema weichen. Keine Ahnung was den Aufruf verdrängt hat, aber ich tippe mal auf irgendeine belanglose Unterhosen-Geschichte…

Es ist an uns, die Spielregeln zu setzen
Dabei sollten wir uns das Thema künstliche Intelligenz unbedingt mit einem fetten Edding 500 in die Agenda schreiben. Im Moment gleicht die Mehrheit der Bevölkerung dem Publikum eines Pferderennens. Auf der überdachten Tribüne stehend, schauen wir den Unternehmensgäulen zu, wie sie von Rendite-gesteuerten Investoren auf die Ziellinie zu gepeitscht werden. Problematisch an der Situationist ist, dass es keine Rolle spielen wird, auf welchen Gaul jeder von uns gesetzt hat, solange wir nicht die Position der Rennleitung übernehmen und eigene Spielregeln setzen.

Die Zeit läuft
Es geht nicht darum, das Terminator- oder Matrix-Szenario heraufzubeschwören. Auch liegt mir nicht daran, die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz in Abrede zu stellen. Das wäre auch aussichtslos, denn die PR-Durchlauferhitzer (aka. Medien) sind voll von den Segnungen dieser neuen Technik. Es wäre nur an der Zeit, sich, fernab von Hochglanzprospekten und netten Gadgets, langsam eine überlegte Haltung zuzulegen. Die Entwicklung schreitet rasend schnell voran.

Welche Rolle weisen wir Maschinen zu?
Wie wir Künstliche Intelligenz entwickeln können ohne uns damit selbst zu schaden kann ich nicht beurteilen. Ich stehe zuerst einmal noch vor der grundsätzlichen Frage: Kann ich Maschinen mit künstlicher Intelligenz als gleichberechtigten Partner in unserer Gesellschaft akzeptieren? Denn darauf läuft es grundsätzlich hinaus. Nein, mit dieser Frage übertreibe ich nicht. Was glauben Sie denn, wie lange sich Maschinen mit der Fähigkeit intelligent zu denken von uns Menschen noch rumschubsen lassen? Es gäbe so viele Fragen zu beantworten. Wenn wir das nicht bald schaffen, dann wird es jemand anderes gegen uns tun.

Zusätzliches Material (nicht so optimistische Stimmen):

Videogespräch mit James Barrat, Autor von „Our Final Invention: Artificial Intelligence and the End of the Human Era“

Videogespräch mit Nick Bostrom, Philosoph am St. Cross College, University of Oxford