Involuntary Social Network Disorder – die Social-Media-Krankheit

Drei Jugendliche stehen beieiander und halten ihr iPhone in der Hand.

Involuntary Social Network Disorder (ISND): ein Krankheitsbild, das man sich merken sollte.

Krankheiten oder pathologische Muster sind eine Frage der Perspektive. Je mehr Menschen dieselben Anzeichen für schadhaftes Verhalten zeigen, desto anerkannter ist das Muster in der Gesellschaft. Das muss zwangsläufig so sein. Wie könnte man sonst z. B. die breite Akzeptanz von bestimmten Berufsgruppen wie den Bankstern erklären.

Es soll sich nachher niemand beschweren
Es gibt auch andere Beispiele. Als jemand, der  sich tagtäglich an dem PR-Märchen von der für alle erreichbaren Viralität ständig messen lassen muss (Ich meine das ganze „man muss nur schlau und authentisch sein“-Blabla), bin ich dem Thema Social Media sensibler gegenüber eingestellt.  Darum  möchte ich wieder einmal kurz etwas in die Runde werfen, damit nachher niemand sagen kann, dass er nicht gewarnt wurde: Die Nutzung von Sozialen Netzwerken kann krank machen.

Der Name ist da. Let the healing begin!
Erfahrungsgemäss reagiert an Social-Media-Veranstaltungen das Gegenüber auf solche Befunde für gewöhnlich mit blanken Entsetzen (Du alter Kulturpessimist!!) oder ich erwische es wie das Reh im Scheinwerferlicht.  Ich habe mich entschieden, von jetzt an von Involuntary Social Network Disorder (ISND) zu sprechen, wenn ich von dieser Deformation spreche. Der Krankheit einen Namen zu geben kann, so zeigt die Geschichte der Medizin, für Kranke sehr erleichternd sein. Der Name ist neu und wurde vor kurzer Zeit von den Medienkritikern Adam Curry und John C. Dvorak geprägt.

Mit einer Hand voll Fragen zur Erkenntnis
Nun, was ist ISND? ISND ist eine Krankheit, für die es zwar noch keine klare Beschreibung gibt, doch für die Diagnose sind nur eine Hand voll Fragen nötig, zum Beispiel:  Wie viele Male pro Stunde hat er sein Smartphone in der Hand und wie lange kann er ohne sein Handy leben, bevor die psychischen Schmerzen einsetzen?  Oder: Wie nimmt sie ihre Umwelt wahr? Empfindet sie das Gelabere auf Facebook gleich wie die Realität, in die sie nur noch abtaucht wenn Schulnoten drohen?

Ich bin sicher, auch Sie kennen jemanden, der an ISND erkrankt ist. Nein? Dann sehen sie sich doch einmal dieses Video an und überlegen sie nochmals. Mir kommt das bekannt vor. Als Profi, der sein Brötchen mit Social Media verdient, gehöre ich zu einer Risikogruppe.

Update: Beispiel für die Folgen von ISDN auf 20 Minuten. Und dass sind nur die offensichtlichen.