Harmonisch, global und keimfrei

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Widerstand zwecklos: Kleiderladen auf Mafia Island, Tansania. (Kevin Andrew / Frontier Gap via Wiki Commons)

Kennen Sie Kim Kardashian? Nein? Na da haben Sie aber gewaltig was verpasst. Ich will das mal für Sie zusammenfassen: Die Dame ist 34, halb armenisch, halb amerikanisch. Sie trägt einen intergalaktischen Nuttenlook, den sie auch noch selbst entwirft. Sie hat als Leistungsausweis ferner etwa eine millionenschwere (Ex-?)Freundin aufzuweisen, 1 geleaktes Sexvideo (da kann ich leider nicht mit einem Link dienen), 1 Folge in CSI NY, eine viel beachtete Family Soap, mehrere Auftritte in diesen aufregenden US-amerikanischen Talkshows. Sie soll 700 000 Dollar täglich mit ihrem tollen Handyspiel verdienen (das leider auf meinem alten Knochen nicht läuft). Und neulich durfte sie gar an der Re/code-Konferenz für eine aussterbende Handy-Marke werben und ein paar ganz heisse Tipps abgeben für alle, die ihr nacheifern und berühmt und reich werden wollen.

Das alles finden immerhin 25 Millionen Twitter-Follower, 24 Millionen Facebook-Fans und 20 Millionen Instagram-Fans ganz supi. Und ich, als eher mässig erfolgreicher Blogger, habe mich natürlich flugs auf die Socken gemacht, um hinter alle ihre Erfolgsgeheimnissen zu kommen. Ich muss gestehen, das Konzept ist bestechend. Es fusst auf dieser äusserst gepflegten Belanglosigkeit, deren wohl nur Menschen fähig sind, die im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sozialisiert wurden. Kim plaudert hier ganz authentisch aus, dass sie gerade zu viel um die Hüften hat und ergo total vernarrt in ihr Bauchwegtraining ist. Sie referiert munter die Nichtigkeiten des Lebens und sie findet sich dabei extrem okee. Das zeigen auch die vielen, vielen Bildli von sich und ihren nicht minder entzückenden Schwestern, von ihren Partys, Plüschtierchen, Feriendestinationen und immer wieder von ihrem gigantischen Dekolleté. KK auf dem Roten Teppich, KK vor dem Flieger, KK nach dem Einkauf, KK mit Kind, KK mit Lagerfeld, KK mit den Produkten, für die sie wirbt.

Ist das nicht aufregend? Und Frau Kardashian kriegt alles auch so wunderbar harmonisch, global und keimfrei hin, dass es dem Geschäftsbericht eines multinationalen Ölkonzerns gut zu Gesicht stünde. Man sieht ihr gar nicht an, dass sie hierfür täglich geschlagene 12 Stunden hart arbeitet und das 6 Tage die Woche. Was für ein Einsatz als Frau, als Mutter, als Unternehmerin, als Vorbild für eine Generation digitaler Weltenbürger/-innen, die alle auch gern und rasch mal Promis würden.

Da kann ich wirklich nicht mithalten, und mir wird klar, warum ich nie 25 Millionen Klicks auf meinen Posts haben werde. Aber: Danke Kim!

One thought on “Harmonisch, global und keimfrei

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