Soziale Propaganda: Wenn Köpfe in die gute Stube rollen

Totenschädel-Gesichter, die wie Al-Kaida oder Taliban aussehen.

Propaganda hat viele Gesichter und Eltern. Hier ein Flyer der US-amerikanischen psychologischen Operationseinheit im Afghanistankrieg. (Quelle: WikiCommons)

Gestern bin ich über ein Zitat gestolpert und es blieb an mir haften. Dan Rather, ein in den USA sehr bekannter und geschätzter Journalist, hat sich in einer CNN-Gesprächsrunde zum Thema ISIS folgendermassen geäussert:

„In the way the Vietnam War was the first television war, this is the first social media war […] ISIS has proved to be very adept, very talented — you always hope that evil won’t be — in ratcheting up their hysteria, ratcheting up the image of their influence, far beyond what their actual military capabilities are.“

Goldgrube für die Marketingabteilung
Ich stimme Dan Rather in diesem Punkt beinahe vollständig zu. Er irrt nur darin, dass es sich hier um den ersten Social Media-Krieg handeln soll. Die Ausweitung der Schlachtfelder auf die Zone der ach so freundlichen „sozialen Medien“ findet schon seit einigen Jahren statt. Erinnern wir uns doch zurück an den „arabischen Frühling“, der (so verkaufen es uns gerne die Marketingabteilungen von Milliardenkonzernen aus dem Silicon Valley) ohne die Hilfe von bunten Software-Plattformen aus dem Internet nie so hätte stattfinden können.

Branding ist alles – Menschen wollen Geschichten erzählt bekommen
Aber so weit müssen wir nicht einmal zurückgehen. Hat nicht vor kurzem eine Revolte in der Ukraine stattgefunden und einen demokratisch gewählten Präsidenten aus dem Land gejagt? Dieser Umsturz bekam in den (sozialen) Medien einen netten Titel und schon lief das Ganze wie geschmiert. Zuerst nannte man  das Spektakel „Euro-Maidan“ (nach dem Maidan-Platz, an dem sich das ganze abspielte) und dann nur noch „Maidan“. Immerhin war man dann in der Namensgebung nur konsequent: Nach einer gewissen Zeit ging es nicht mehr um den Wunsch der Menschen mehr in Europa integriert zu sein. Aber das ist eine andere Geschichte…

Die scheinbare Glaubwürdigkeit von sozialen Medien
Nun, da der Terror unsere Klicki-Bunti-Welt in den sozialen Medien erreicht hat und uns abgetrennte Köpfe präsentiert werden, sollten wir uns eine Sache vor Augen führen: Wenn Regierungen anfangen Youtube-Filme als Beweismittel für Kriege einzuführen, dann müssen wir ihnen vertrauen, weil wir aus eigener Erfahrung wissen, dass das Internet zwangsläufig eine vertrauenswürdige Quelle ist. Schliesslich war der Film, in dem Chuck Norris im Fluge auf zwei Flügelspitzen balancierte, garantiert auch echt!