Apokalypse XP

Auf einem Grabstein steht: Grave of XP

Windows ist noch nicht geschichte, aber Panik ist gut fürs Sicherheits-Geschäft.

Angst, so lehren uns die Verhaltensbiologen, ist durchaus gesund: Geschärfte Wahrnehmung, erhöhter Puls, Adrenalin und daraus folgt eine Risiko-averse Verhaltensweise. Panik hingegen ist kein guter Ratgeber. Oft ist aber der schmale Grat zwischen Angst und Panik sehr schnell überschritten. Vor allem, wenn damit Geld zu verdienen ist.

Man konnte ihre Angst riechen
So schien doch noch vor kurzem jeder zweite Feld, Wald- und Wiesen-Experte für Informatik-Sicherheit die Abnabelung von Windows XP vom Migrosoft-Update-Tropf für ein massives Sicherheitsproblem mit epischen Ausmassen zu halten. Vordergründig gaben sich die Experten bei Medienanfragen cool, doch der innere Zustand liess sich nicht verstecken: Die Paranoia quetschte sich zwischen den Zeilen durch und fand in einer unheilschwangeren Tonalität einen dankbaren Resonanzkörper.

Das Ende stand bevor
Es schien, als ob nun der Tag der Abrechnung gekommen sei. Pünktlich am 9. April, ein Tag nach dem letzten Patch-Thuesday, würde sich die dunkle Armee der Script-Kiddies mit den apokalyptischen Reitern der digitalen Trickbetrüger zusammenschliessen, einen massiven Angriff auf alle XP-getriebenen Maschinen lancieren und nur verbrannte Erde hinterlassen. Wir würden nun für den jahrelangen Frevel zahlen müssen, die Windows-Upgrade-Angebote aus Redmond aus Naivität oder Geiz ausgeschlagen zu haben… Tick-tack – das Ende nahte unausweichlich.

Geldautomaten gehen im Netz nicht fremd
Nun ja, was soll man dazu noch sagen. Haben Sie das Jüngste Gericht auch überlebt? Nicht so schlimm? Sie denken ich übertreibe? Wie viele Artikel über die Anfälligkeit von Geldautomaten haben sie denn gesehen? Nach dem fünften habe ich aufgehört zu zählen. Dabei ist das das Dümmste überhaupt. Risiken entstehen aus falschem Verhalten des Benutzers. Er oder sie geht oder klickt beispielsweise auf Seiten, Links oder Dateien, die er nicht kennt. Was denken sie? Surft der Geldautomat im Internet und besucht Pornoseiten, wenn er nicht gerade Geld ausspuckt?
Und wenn sie glauben, die Panikprofiteure hätten für diesen Einwand nichst auf Lager, dann kennen sie die Firma Symantec noch nicht. Dieser Text auf deren Website ist nur noch peinlich.