Party-Überdosis

Der Morgen nach der Party. Chaos in der Küche.

Wenn die Gäste abgezogen (worden) sind: Der Morgen nach der Party-Überdosis.

Die Anfänge des Internets reichen in die frühen 1970er Jahre (zumindest der nicht-militärische Teil). So alt ist in etwa auch die leicht naive Vorstellung, dass das World Wide Web eine friedensfördernde, weil verbindende, Wirkung hat.  Seit wir jetzt auch noch diese sozialen Netzwerke haben, ist dieses  Gerücht nicht mehr tot zu kriegen. Die Bezeichnung „Social Media“ bzw. soziale Netzwerke wäre übrigens mein Kandidat für die Wahl des grössten PR-Geniestreichs der letzten 20 Jahre.

Aber wollen wir mal nicht so sein. Ja, das Internet verbindet – zumindest manchmal. Nein, damit sind nicht die Zillionen von Katzenbildern oder die üblichen „Wie riecht denn dein Atem nach der Pizza vom türkischen Italiener von gegenüber?“-Statusmeldungen aus Facebook gemeint.  Am liebsten sind mir ja die automatisierten Meldungen von den Sport-Apps, die mir immer wieder zeigen müssen, was für ein fauler Hund ich doch bin. Aber verzeihen sie, ich schweife ab.

Wenn sie dann mal kommen, die Internet-Freunde
Sicher haben Sie auch schon von diesen leicht überbordenden Facebook-Parties gehört, an denen alle 5000 Facebook-Freunde und Freundes-Freunde von Lieschen Müller gekommen sind. Lieschen war damit verständlicherweise doch ein wenig überfordert. So muss es dann auch vor kurzem der Firma Sophidea aus dem beschaulichen Cheyenne (Bundesstaat Wyoming, USA) gegangen sein.  Am 22. Januar hatte sie nämlich so gegen 500 Millionen Internetbesucher aus China zu Gast. Die Internet-Abschottungsmechanismen der chinesischen Regierung legten für einmal den Rückwärtsgang ein: Sie leiteten während ungefähr acht Stunden drei Viertel des Internetverkehrs, der aus Chinas raus geht, an einige Server weiter, die normalerweise zu denen gehören, die geblockt werden. Unter anderem eben an Sophidea in Cheyenne.

Acht Stunden Party-Horror
Es kam so wie es immer kommt, wenn die Partygäste wie Heuschrecken über den Gastgeber herfallen: Alles wird ruck-zuck ausgetrunken und der Spass ist ziemlich schnell vorbei. Die Party-Überdosis stellte sich nach weniger als einer Millisekunde ein und der Gastgeber verzog sich wimmernd ins letzte unbesetzte Kämmerlein. Der Server stellte sich in der Hoffnung tot, der Sturm würde bald vorübergehen. Was er dann auch tat. Die chinesischen Behörden legten den Hebel einfach wieder um, die Partygäste verzogen sich und die Dinge nahmen wieder ihren gewohnten Lauf.