Sprint versilbert sich seine Schnüffeldienste

US-Silber-Dollar

Loyalität kostet. Der Staat zahlt zuverlässiger als die Kundschaft.

Letzte Woche stand es in den Zeitungen: Der Ständerat hat sich entschieden die Überwachungsmöglichkeiten im Internet zu erweitern. Der Tagesanzeiger titelte: „Der Ständerat will Staatstrojaner„. Jetzt ist es also da, das Gesetz (Revision ÜPF und BÜPF), das den staatlich geprüften Online-Schnüfflern die gleichen netten Spielzeuge gibt, wie den Kollegen in den USA.

Alles eine Frage der Abfindung
Und was machen die schweizerischen Unternehmen und Interessenverbände, die das Gesetz schon seit vier Jahren auf sich zukommen sehen? Die Internetprovider und Hoster wehren sich zwar noch, dass sie in Zukunft Überwachungsfunktionen für die behördlichen Schlapphüte  übernehmen müssen. Doch den „Kann doch nicht sein, dass wir unsere Kunden überwachen“-Gestus haben sie sich schon längst abgeschminkt. Es stört sie vor allem die Vorratsdatenspeicherung. Wieso? Weil es dabei ums Eingemachte geht: die Kohle.

Nehmen Sie es nicht persönlich – sie werden lediglich Verkauft
Über diesen Punkt sind die US-amerikanischen Provider schon weit hinaus. Die Kosten für gerichtlich angeordnete Schnüffel- und Auskunftsdienste werden zumindest teilweise von den Behörden übernommen. Der Verkauf der Privatsphäre und die Loyalität gegenüber den eigenen Kunden hat ein staatlich definiertes Preisschild. Hach wie sozialistisch von den Amis! (Sorry, der Seitenhieb musste raus…)

Hey, hier gelten Tarifpreise!
Dabei scheint die Menge der Silberlinge in den USA weder verhandel- noch dehnbar zu sein. Das musste der Mobilfunk-Anbieter Sprint jüngst feststellen. Gemäss verschiedenen Quellen (z.B. von cnet.com) hat die Regierung gegen Sprint Klage eingereicht. Der Grund: Sprint habe die Rechnungen für gerichtlich angeordnete „Abhörmassnahmen“ (zwischen 2007 und 2010) um 58 Prozent aufgebläht. So habe die Regierung 21 Millionen US-Dollar über Tarif bezahlt. Sprint sieht das natürlich anders. John B. Taylor, Sprecher von Sprint, verteidigte sein Unternehmen in trockenem PR-Sprech: „The invoices Sprint has submitted to the government fully comply with the law.“ Ach so, gut das er hier Licht in diese Frage gebracht hat.

Verflixt schade, dass nicht bekannt wurde, wie viele Leute davon betroffen waren. Dann könnten wir ausrechnen, was auf dem Preisschild für einen US-Kunden steht.