Den Sumida runter

Kurs-BC

Mt. Gox geht baden und der Bitcoin kriegt die nächste Krise. (Quelle: NZZ)

Jetzt kullern sie schon wieder, die Tränen der Investoren. Das wäre an sich nichts Neues, das tun die ja alle paar Jahre. Nur diesmal hat es nicht die Private Banker, die Hedgefonds-Betreiber und die Trader erwischt. Nein, es sind die Hoffnungsträger der Menschheit, also die Nerds, die Digitallibertären, die Anarchokapitalisten. Denen geht mit dem Bitcoin gerade ein ganz reizender finanztechnischer Gegenentwurf den Sumida runter.

Und jetzt hat die ganze Misere rührenderweise auch ein Gesicht bekommen. Kolin Burges soll der Herr heissen, der sich von der konkursiten Handelsplattform Mt. Gox um 311 Bitcoins geprellt fühlt. Dem Vernehmen nach soll er vor deren verrammelten Büros im verregneten Tokio drei Wochen lange ein Plakat gen Himmel gehalten haben. „MTGOX where is our Money?“ stand da drauf.

„Welches Geld genau?“ habe ich mich in einem Anfall von Unreflektiertheit zuerst gefragt, ich geb’s zu. Dann beisse ich mir aber gleich innerlich auf meine spitze Zunge. So empathielos mag ich dann doch nicht sein, angesichts der menschlichen Dramen, die sich hier auftun. Immerhin droht sich alles, was Scharen hoffnungsfroher „Miners“ seit 2009 an virtuellem Vermögen zusammengeschürft haben, in Luft aufzulösen. Das ist doch traurig jetzt, oder?

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle gleich eine Online-Kollekte für die 127 000 Opfer aufsetzen, die ihren Enthusiasmus nun mit einem ruinösen Abschreiber gedankt bekommen. Nein, angesichts ihres Aussmasses ist diese Katastrophe eigentlich eher ein Fall für die Glückskette. Jedenfall muss jemand dafür sorgen, dass diese neuen Armen während des Winters zu ihrer warmen Suppe kommen und zu Wolldecken.

Im Prinzip könnte man sich gar fragen, ob hier nicht Sammelklagen angebracht wären gegen all die verschnarchten Finanzmarktaufseher in der Welt. Die hätten doch die Pflicht gehabt, arglose Mitmenschen vor einem derartigen Debakel zu bewahren. Aber es ist ja wie immer, da zahlt man die ganze Zeit Steuern, und wenn der Staat einmal zu einem schauen sollte, dann pennt er.