Ab ins Wasser!

Bei der derzeitigen Hitzewelle kann ich eigentlich nur eines tun: Ins Wasser springen und mich abkühlen. Damit ich weiss, welche Temperaturen mich erwarten, strecke ich entweder den Fuss ins Wasser oder installiere eine App.

Die Website von aare.guru redet Berndeutsch.

Schwimmen in Bärn …

Wer in Bern wohnt und gerne in der Aare schwimmt, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit Aare Guru auf seinem Handy installiert. Die App und die dazugehörige Website sind äusserst liebevoll gestaltet. Die Infos sind – natürlich – in Berndeutsch verfasst: Derzeit ist die Wassermenge der Aare „ganz gäbig“, und die Frage „lohnt sech e Aareschwumm?“ kann bei den derzeit vorherrschenden 21.1 Grad Wassertemperatur locker mit „Ja, eh!“ beantwortet werden. Die Infos sind aktuell, das letzte „Öpdeit“ gabs laut Website vor 15 Minuten. Die App ist für Android und iOS verfügbar.

… in Züri …

Etwas seriöser kommt die Züribad-App daher. Wie es der Name sagt, zeigt sie die Wassertemperaturen aller Freibäder sowie des Zürichsees und der Limmat an. Zu jeder Badi gibt es ein Bild, eine Wegbeschreibung und die Öffnungszeiten. Auf einer Übersichtsliste sieht man alle Temperaturen auf einen Blick und kann je nach Belieben ins geheizte Becken oder die kühlere Limmat springen. Die „kälteste“ Temperatur liegt derzeit bei 24 Grad Celsius. Leider ist diese App nur für Android erhältlich.

… oder anderswo

Wer weder in Bern noch in Zürich wohnt, kann Splash installieren. Die App ist sehr schön gestaltet und ermöglicht es dem Nutzer, die eigenen Favoriten nach Belieben zu setzen. Die App ist sowohl für Android und iOS erhältlich, wird aber scheinbar nicht weiterentwickelt. Das letzte Update stammt von 2013 und iOS 10.3.2 meldet, dass die App mit neueren iOS-Versionen nicht mehr funktionieren wird, sofern der Entwickler sie nicht aktualisiert.

Na dann – guet Schwumm!

 

Video-Player: Feindliche Übernahme durch Untertitel

Wie schon mal hier festgehalten, handelt es sich bei der Sicherheit in der Informatik um ein Katz und Maus Spiel. Wird ein Loch in der Software geschlossen, findet sich über Kurz oder Lang ein Weiteres an einem anderen Ort. Software ist so lange sicher, bis sie von der Öffentlichkeit verwendet wird. In dem Moment fangen die Bösewichte die Suche nach dem schwächsten Glied an. Und, da muss man jede Hoffnung fahren lassen, sie werden sie finden. Solange es sich nur irgendwie lohnt. So auch zuletzt bei einigen Videoplayern.

Screenshot des "Über"-Fensters des VLC-Players.

Erst mit der Version 2.2.6 Umbrelle ist die Sicherheitslücke bei den Untertiteln behoben. Falls das Update noch nicht von selbst gekommen ist, muss in der Rubrik Hilfe manuell nach Updates gesucht werden.

Unbegrenzte Kreativität der Bösewichte
Seit ich die Neuigkeiten im Bereich der Informatik-Sicherheit verfolge, bin ich immer wieder überrascht und beeindruckt, auf welche Ideen Hacker kommen, um sich in unsere Computer einzuschleichen. Aber das ist auch ihr Job. Das bekannte IT-Sicherheitsunternehmen Checkpoint Security Research hingegen gab vor kurzem bekannt, dass nun sogar einige Videoplayer bzw. die für die Untertitel verantwortlichen Teile eine Sicherheitslücke aufweisen. Durch einen Fehler im Code könnten mit Schadsoftware infizierte Untertiteldateien geladen werden. Die Folge wäre dann der Verlust der Kontrolle über den Computer.

Drei Monate Reaktionszeit üblich
Unter den betroffenen Playern sind auch sehr bekannte Namen wie VLC und Kodi. Alles in allem wären damit 200 Millionen Computer in Gefahr. So wie es die Gepflogenheiten in diesen Fällen verlangen, benachrichtigten die Entdecker die betroffenen Unternehmen und geben ihnen drei Monate Zeit auf das Problem zu reagieren. Reagieren die Schöpfer dieser Software nicht wird das Sicherheitsloch nach Ablauf dieser Frist veröffentlicht. Mit dem Schritt in die Öffentlichkeit wird die Sicherheitslücke zum allgemein verwertbaren Gut für Bösewichte.

VLC-Update schon bereit
Zum Glück reagierten in diesem Fall mindestens ein Hersteller schon auf die erste Benachrichtigung. So war zur Zeit der Veröffentlichung beim VLC Mediaplayer (170 Millionen Downloads!)  auch ein Update vorhanden. Das heisst: Alle die VLC oder andere betroffene Player verwenden, müssen nach einem Update Ausschau halten. Und diejenigen Hersteller, die kein Update anbieten, sollten gemieden werden.  Nicht zuletzt damit haben die Macher des VLC-Players wieder einmal ihre Klasse bewiesen. Das ist ein Stück Software, dass ich nur empfehlen kann. Das Ding kommt wohl mit fast jedem frei verfügbaren Format zurecht und kann selbst Videos abspielen, die als Dateien nicht komplett sind (z.B. beim Abbruch des Downloads).

Abbruchstimmung

Noch vor einem Monat schien die Welt des journalistischen Online-Magazins Coup zumindest äusserlich gesehen mehr oder weniger in Ordnung. Jetzt ist die Schweizer Publikation, die sich nur durch ihre Leser finanziert und keine Werbung schaltet, finanziell am Ende.

Coup steht kurz vor dem Abbruch des Projekts. Bild: Screenshot von http://www.coup-magazin.ch/rette-coup

Man kann dem Magazin nicht vorwerfen, dass seine Geschichten schlecht sind. Denn das sind sie nicht, im Gegenteil. Einmal im Monat findet man dort eine gut geschriebene und gut recherchierte Geschichte über ein bestimmtes Thema. Das Credo des Magazins lautet weniger, aber dafür sorgfältiger recherchierte Geschichten zu publizieren. Das ist an und für sich ein guter Ansatz. Aber das Team hinter Coup vermarktet sich schlecht. Das hat es inzwischen selbst erkann, wie es auf der eigenen Website schreibt:

„Man kann Millionen von Zeichen schreiben, ohne damit einen Franken zu verdienen. Umgekehrt kann man Millionen Franken einnehmen, ohne auch nur ein einziges Zeichen geschrieben zu haben. Um dereinst selbsttragend zu sein, braucht es dieselbe Akribie nicht nur im Journalismus, sondern auch in allen anderen Bereichen. Wir müssen ebenso seriös Mitglieder werben, eine Community aufbauen, Events veranstalten oder Budgetanträge schreiben.“

40’000 Franken fehlen

Nun haben die fünf Initianten von Coup, Joel Bedetti, Pascal Sigg, Andres Eberhard, Konrad Mazanowski und Anna Miller, einen Aufruf gestartet. Dieser läuft bis Ende Juni. Wer das Magazin unterstützen will, kann ein Versprechen abgeben, bis im Juli entweder Abonnent, Mitglied oder Investor zu werden. Je nachdem zahlt man 50, 150 oder 3’000 Franken. Oder man kann auch einfach Geld spenden. Falls es den fünf Initianten gelingt, mindestens 40’000 Franken zu beschaffen, wird die Stiftung für Medienvielfalt weitere 40‘000 Franken beisteuern.

Auf Twitter finden sich unter dem Hashtag #RetteCoup erst fünf Beiträge. Hoffen wir, das sich das noch ändert. Unter anderem mit diesem Beitrag hier.

P.S. Das geplante Food-Magazin „gut“, das sich ebenfalls über ein Crowdfunding vorfinanzieren wollte, hat sein finanzielles Ziel von 360’000 Franken nicht erreicht. Die Frist für das Crowdfunding ist am 1. Juni abgelaufen.

Cyberboxen: Facebook scheut die schlagende Realität

Es ist schon einige Wochen her, da präsentierten das Team von Facebook an seiner jährlichen Entwicklerkonferenz unter anderem dessen neue Vision, wie die zwischenmenschliche Kommunikation sich in Zukunft abspielen soll. Natürlich stand da die virtuelle Realität im Mittelpunkt. Es lohnt sich, kurz in die Videos der Konferenz reinzusehen. Man gewinnt schnell einen Eindruck, wie die Damen und Herren des grossen blauen F funktionieren.

Eine junge Frau schlägt einen Mann und hat dabei Boxhandschuhe an.

Auf Facebook könnte es interessante Boxergebnisse geben. Die Kraft spielt keine Rolle mehr.

Der virtuelle Kaffeeklatsch im Cyberspace
Das Auffallendste war die neue Version von Facebook „Spaces„. Das sind virtuelle Räume, die einem ermöglichen endlich mal mit seinen Freunden in Ruhe einen dampfenden digitalen Kaffee zu trinken oder an jedem anderen Ort zu sein, von dem es eine 360-Grad-Fotoaufnahme gibt. Man kann man sich aber dort auch alleine aufhalten. Damit einem die deprimierende Wahrheit alleine im Cyberspace zu sein, nicht gleich vollends ins Gesicht schlägt, kann man diesen virtuellen Raum mit virtuellem Dekoplunder volladen oder mit eigenen Zeichnung der eigenen Stimmung anpassen. Ist das nicht eine kuschelige Vorstellung?

Ablenkungsmanöver vom akuten Problem
Als ob das alleine nicht schon genug verrrückt wäre, versucht das Unternehmen mit solchen Motivationsgedudel bestückten Verkaufspräsentationen auch davon abzulenken, dass aufseiner Plattform eigentlich ein anderes Problem grassiert: die Hassrede. Statt freundschaftlicher Atmosphäre gibt es viel Anspannung, Wut und Beleidigungen. Facebook versucht das Problem mit mehr Kontrolleuren zu lösen. Bei der Anzahl der User (über eine Milliarde) erscheint mir das eher wie eine Beruhigungspille für aktivistische Politiker. Schade, denn damit hat Facebook eine Chance verpasst. Stattdessen hätte ich eine revolutionäre und kreativere Möglichkeiten diesem Problem zu begegnen.

Bewährte Lösungsmechanismen
Die Wurzel für die Konflikte in Facebook sind vielfach angestaute Aggressionen. Aus den Hollywoodfilmen wissen wir, dass die US-amerikanische Kultur für Konflikte ein geläufiges und bewährtes Lösungsmuster bereit hält: den Gang vor die Tür. Damit ist die gepflegte Prügelei vor und nicht in der Kneipe gemeint. Die Aggressionen bauen sich ab, das Eigentum anderer Menschen bleibt verschont, man hat einen Sieger und das Abo fürs Fitnesscenter kann man sich auch sparen.

Konfliktbewältigung mit virtuellem Boxen
Folglich müsste Facebook statt virtuellen Kaffeeklatsch virtuelle Boxringe als Orte der Konfliktbewältigung anbieten. Da würden die gehässigen Streitereien gleich an Ort und Stelle bewältigt. Und wenn wir Glück haben, hat das Ganze noch einen präventiven Charakter, weil Boxen schon seit Jahren erfolgreich in der Gewaltprävention eingesetzt wird. Nicht zuletzt wäre auch noch der Wunsch nach Gamification gestillt. Eine perfekte Lösung.

Phishing – Katze und Maus im Aufrüstungswettlauf

Viele Hackerangriffe, die in den Medien bekannt werden, beginnen mit einem Vorgang, der in der Informatik Phishing heisst. Bei Phishing versucht der Angreifer mit einer scheinbar echten, aber gefälschten Website an persönliche Daten wie z.B. Anmeldedaten usw. zu kommen. Jeder von uns hat schon mal ein solches E-Mail im Posteingang gehabt. Viele Menschen fallen immer noch auf diesen Trick rein. Blöd nur, wenn man so heikle Inhalte preisgibt. So zum Beispiel auch John Podesta, Wahlkampfleiter der US-demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton wurde Opfer einer Spear-Phishing-Attacke (gezielte Methode mit mehr spezifischen Informationen über das Opfer).

Screenshot aus dem eigenen Postfach

Hier ist eindeutig nicht die Eidgenössische Steuerverwaltung der Absender: Die E-Mail-Absenderadresse stimmt nicht, es gibt keinen Text, der irgendetwas erklärt und das E-Mail enthält eine unbekannte ZIP-Datei. Alles zusammen ein klarer Fall!

Ruhe und kühlen Kopf bewahren
Um solche (Spear)-Phishing-Angriffe zu erkennen braucht es eigentlich nicht viel. Das Wichtigste ist ein gesundes Mass an Misstrauen und ein wenig Geduld. Man muss sich die Zeit nehmen, das erhaltene E-Mail zu begutachten und die wichtigsten Erkennungsmerkmale abzuklappern. Manchmal ist es aber auch klar: Banken werden ihre Kunden nie zur Eingabe der Anmeldedaten auffordern. Ebenso schickt einem die Steuerverwaltung keine unaufgeforderte E-Mail mit Anhängen …

Innerlich mit ein paar Vorstellungen aufräumen
Nicht zuletzt sollte man sich klar machen: Es gibt keine Geschenke, die man einfach so aus dem Internet erhält und man erhält keine Post von Fremden, die einem einfach so helfen wollen. Für die Sicherheit des eigenen Computers interessiert sich niemand ausserhalb des eigenen Freundeskreises.

Sichere Hinweise und Verhaltensweisen
Abgesehen von diesen Verdachtsmomenten gibt es verschiedene sichere Anzeichen für einen Betrug: Die Sprache in den E-Mails ist meist schlecht und die Ziel-URL stimmt nicht mit dem Absender überein (eine gute Übersicht hier). Wann immer ich ein E-Mail mit unbekanntem Absender erhalte, lösche ich es, ohne auf etwas zu klicken oder den Anhang zu öffnen. Sollte es ein wichtiges E-Mail gewesen sein, wird mich die andere Person mit Sicherheit nochmals kontaktieren. Und sollte mich mal eine Anfrage halbwegs überzeugen, dann folge ich nie dem mitgeschicktem Link zu einer scheinbaren Anmeldeseite, sondern öffne den Browser und gehe von selbst auf die betreffende Anmeldeseite.

Es ist ein Katz- und Maus-Spiel
In der Zwischenzeit versuchen die Betrüger, uns Stück für Stück die Erkennungsmerkmale wegzunehmen. Das zeigte letzthin das Google-Drive-Phishing mit einer echten Google-Anmeldeseite. In diesem Fall konnte man den Betrug nur noch anhand eines seltsamen E-Mail-Namens erkennen. Mittlerweile ist auch auf die URL im Browserfenster nicht mehr auf den ersten Blick Verlass. Verwendet der Angreifer bei der Registrierung der falschen Website einen anderen Schriftsatz, kann aus www.xn--80ak6aa92e.com einfach www.apple.com werden (erst wenn man es ausprobiert, kann man es glauben). Nur wenn man sich das Verschlüsselungszertifikat genauer ansieht, kann man feststellen, dass es auf www.xn--80ak6aa92e.com ausgestellt wurde.

Firefox kann helfen, auf die anderen Browser kann man nur hoffen
Auf dieses Phänomen machte vor ein paar Tagen Xudong Zheng einem Blogpost aufmerksam. Was dagegen tun? In erster Linie hoffen, dass man nie davon überrumpelt wird und dass die Browser-Hersteller möglichst schnell etwas dagegen unternehmen. Bis dahin können Nutzer des Firefox-Browsers eine Änderung an den Einstellungen machen, um den richtigen Domain-Namen angezeigt zu bekommen. Die Anleitung dazu findet sich im unteren Drittel von Xudong Zhengs Blogpost.

Aufbruchstimmung

Die Schweizer Medienszene bewegt sich. Zwar nur ein bisschen, aber das reicht für einen Anfang: Ab 2018 soll das digitale Magazin „Republik“ qualitativ hochwertigen Online-Journalismus ohne Werbung anbieten. Hinter dem Projekt, das derzeit erst in den Köpfen seiner Macher existiert, stehen die beiden Journalisten Constantin Seibt und Christof Moser sowie derzeit acht weitere Mitarbeiter.

Bild: www.republik.ch

Um das nötige Geld für das Magazin aufzubringen, hat die Crew ein Crowdfunding gestartet, mit dem Ziel, mindestens 3’000 neue Mitglieder zu gewinnen. Dieses Ziel hat sie am 26. April geknackt, dem ersten Tag des Crowdfundings. Das wiederum bedeutet, dass die versprochenen Investorengelder von 3,5 Millionen fliessen werden. 22’000 Abonnenten muss das Magazin gemäss eigenen Aussagen in den nächsten fünf Jahren erreichen, um selbsttragend zu sein. Den zehntausendsten Leser hat die Republik am vierten Tag des Crowdfundings gewonnen.

Wer die Republik mit 240 Franken unterstützt, erhält dafür ein Jahresabo für das digitale Magazin. Zudem wird man damit Mitglied der Project-R-Genossenschaft und zu einem kleinen Teil auch Verleger des Online-Magazins. Seibt und seine Crew wollen mit diesem Projekt ein Geschäftsmodell für den Journalismus des 21. jahrhunderts schaffen – unabhängig von Grossverlagen und von Werbung. Dafür nutzen sie unter anderem das Internet als Plattform und Social Media als Beschleuniger.

Kritik lässt nicht auf sich warten

Nicht alle finden diese Idee gut. Michael Furger von der NZZ am Sonntag beispielsweise spricht von einer Werbelüge: Erstens werde in der Schweiz schon heute hervorragender Journalismus gemacht. Zweitens sei eine Bezahlzeitung heute im Gegensatz zu früher weniger abhängig von Werbung, da sie sich bereits zu zwei Dritteln durch Abonnenten finanziere. Und: Dieser Anteil werde weiter wachsen. Woher Furger diese Gewissheit nimmt, weiss vermutlich nur er selbst. Zudem wirft er mit „Bezahlzeitung“ alle Nicht-Gratiszeitungen in einen Topf – von der kleinen Lokalzeitung wie dem Reussboten bis hin zu grossen Zeitungen wie der NZZ.

Fest steht: Wer Werbung schaltet, ist letztlich auf die eine oder andere Weise erpressbar. Oder zumindest abhängig von Geldgebern, die nicht an den journalistischen Inhalten selbst, sondern nur an deren Lesern interessiert sind. Und selbst wenn eine Zeitung „nur“ zu einem Drittel durch Werbung finanziert ist, ist das eigentlich immer noch zu viel.

Die Republik hat zudem nie behauptet, dass es heute keinen guten Journalismus mehr gebe. Sie hat lediglich darauf hingeweisen, dass das Geschäftsmodell der traditionellen Medien heute nicht mehr existiert. Also das klassische Zusammenspiel zwischen journalistischen Inhalten, den Werbeinseraten und den Lesern, die die Inhalte und somit auch die Werbung lesen sollen. Stattdessen hätten Google und Co. übernommen, erklärt die Republik. Der Versuch der Verlage, ebenfalls ein Stück vom Onlinegeschäft zu ergattern, führe letztlich dazu, dass die Schweizer Medienlandschaft aus Spargründen immer mehr fusioniere und so tendenziell zu einem grossen Ganzen verschmelze, in dem der Einzelne untergehe. Anders gesagt: Das Eis für guten Journalismus ist dünner geworden.

Furgers an den Haaren herbeigezogene Kritik lässt nur einen Schluss zu: Er ist neidisch. Dabei sollte er sich eigentlich für die Republik freuen: Die Crew hat bewiesen, dass in einer Branche, die sich seit Jahren auf dem absteigenden Ast befindet, neue Ideen eine Chance haben. Und dass man als reines Online-Medienunternehmen auch ohne Werbung Geld verdienen kann. Denn es gibt nach wie vor Menschen, die für gut recherchierte Geschichten und Informationen gerne etwas zahlen, grössere Zusammenhänge verstehen und sich eine eigene Meinung bilden wollen.

Andere versuchen es auch

Die Republik ist nicht das erste Magazin, das nur von seinen Abonnenten finanziert werden will. Auch das digitale Coup-Magazin bietet werbefreie und gut recherchierte Geschichten an. Es ist ist vor einem Jahr ebenfalls mit einem Crowdfunding gestartet. 50’000 Franken sammelte die Redaktion damals. Nun liefert sie einmal im Monat eine grosse Geschichte aus der Schweiz. 20’000 bis 40’000 Zeichen sind die Artikel lang, wie Mitinitiant Joel Bedetti kürzlich gegenüber der Quartierzeitung „Quartierecho“ sagte. Je nach Layout entspräche das etwa 6 bis 8 Seiten Text mit Bildern in einem Printmagazin. Ein Abo kostet 5 Franken im Monat oder 50 Franken im Jahr. Die Redaktion richtet sich explizit an Leser, „die sich lieber tiefgründig und umfassend als oberflächlich und beschränkt informieren“.

Das Ergebnis kann sich zwar sehen lassen, selbsttragend ist das Magazin damit aber noch lange nicht. Derzeit haben rund 500 Leser das Magazin abonniert, zudem wird das Start-up noch von der Stiftung für Medienvielfalt unterstützt. 1000 oder gar 2000 zahlende Leser wären laut Bedetti anzustreben. Er selbst arbeitet nebenbei als freier Journalist und verdient nach eigenen Angaben rund 3’000 bis 4’000 Franken pro Monat. Damit komme er im Moment klar, weil er ein Studentenleben führe.

Hintergründe und Zusammenhänge

In Deutschland bietet Krautreporter Zugang zu Reportagen, Recherchen und Analysen. Krautreporter schreibt auf seiner Website: „Du verstehst besser, wie alles zusammenhängt, und vielleicht am wichtigsten: Du zeigst deine Unterstützung für unabhängigen, werbefreien Journalismus.“ Um Zugang zu den Online-Artikeln zu erhalten, zahlt man 60 Euro im Jahr und kann dafür täglich einen Artikel zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft lesen. Weiter kann man der Genossenschaft beitreten und in das Unternehmen investieren. Die Genossenschaft zählt derzeit 371 Mitglieder.

Noch nicht gestartet hingegen ist das Food-Magazin namens „gut“, das derzeit auf wemakeit.com Geld sammelt. Auch hier gilt: „Keine Publireportagen, kein Native Advertisement: ‚gut‘ ist unabhängig und werbefrei.“

Ich wünsche allen Menschen, die hinter diesen Projekten stehen, viel Erfolg und vor allem viel Mut.

P.S. Dank der neuen Idee von Hansi Voigt könnte es für Online-Journalismus-Plattformen in Zukunft einfacher werden, ihre Inhalte anzubieten. Voigt will sicherstellen, dass den entsprechenden Redaktionen die nötige Infrastruktur zur Verfügung steht und dass sie selbst bestimmen können, wie sie sich finanzieren wollen. Wer allerdings diese Infrastruktur zahlen soll, steht derzeit noch nicht fest. Wir dürfen aber gespannt sein.

Das Gesundheitskartell hat neue Partner

Man lernt jeden Tag was Neues. Die Erkenntnis von letztem Samstag war: Die „Quantified Self“-Bewegung  ist nun definitiv dem Kommerz anheim gefallen. Nachdem zuerst die Elektronikhersteller abkassiert haben, treten nicht überraschend neue Player auf die Bühne. Die Krankenkasse im Plakat verspricht Prämiensenkungen für alle, die die Anzahl der eigenen Schritte durch eine App und das Smartphone überwachen  lassen.

Foto eines Plakates der Krankenkasse CSS.

Die Zukunft ist schon da. Mit jedem Schritt zur kostengünstigen Gesundheit.

Die freundliche Interpretation
Es wäre zwar interessant zu sehen, wie sich die Krankenkasse das so vorgestellt hat, doch die Abscheu ist in diesem Fall grösser als die Neugierde. Ja, natürlich, es gibt verschiedene Sichtweisen: Man kann das als Versuch verstehen, die Prävention attraktiver zu gestalten. Nebenbei versucht die Krankenkasse eine neue, spezifische Zielgruppe (wohl gute Risiken aka gesunde Versicherte) anzuziehen. So weit, so nett.

Mehr Daten. MEHR!!!
Ich sehe das hingegen als den Versuch, so viel Informationen/Daten aus dem Leben der Kunden zu quetschen, damit man sie dann für vermeintlich gutes oder schlechtes Verhalten belohnen oder bestrafen kann. Es geht selbstverständlich auch darum, den Kunden komplett die Verantwortung für die eigenen Krankheiten anzuhängen und so letztlich Geld zu sparen. Über kurz oder lang werden die Krankenkassen bestimmen, welches eine gesunde Lebensweise ist (X Schritte, Y Lebensmittel, Z Stunden Schlaf) und alles andere wird dann zum selbst gewählten Gesundheitsrisiko, welches man mit höheren Prämien bezahlen muss.

Zukunft absehbar – keine Sache für Erbsenzähler
Wer eins und eins zusammenzählen kann, der kann in die Zukunft sehen. Als nächster Schritt steht schon die Gamifizierung dieser App ins Haus. Wettbewerbe um die Anzahl Schritte, die Zahl der Schlafstunden oder den maximalen Ruhepuls ist die logische Weiterentwicklung dieses Konzeptes. Mir ist jeder letzte Rest an Neugier an dieser Art der Motivation zur Bewegung vergangen. Die Gesundheit ist mir zu wichtig, um sie den Erbsenzählern zu überlassen.

Eine Plattform für Neugierige

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es ist, bei Google zu arbeiten? Oder wie man das beste Rührei zubereitet? Oder warum manche Menschen nicht für monogame Beziehungen geschaffen sind?

Es gibt viele Menschen, die solche und noch viele andere Fragen beantworten können. Doch wo findet man diese Menschen? Auf der Wissensplattform Quora. Sie liefert Antworten zu Fragen jeglicher Art.

Quelle: quora.com

Der Autor Evan Bailyn ist der Meinung, dass Facebook der grösste Konkurrent von Google ist. Quelle: quora.com

Wer die Plattform nutzen will, muss sich registrieren. Die Community von Quora erwartet dabei, dass sich jeder mit seinem richtigen Namen registriert. Wer eine Frage beantwortet, sollte sich selbst kurz beschreiben oder begründen, warum er auf die Frage antworten will. Verpflichtet ist dazu aber niemand. Jeder Nutzer kann auch anonym fragen oder antworten, was vor allem bei schwierigen oder sensiblen Themen passiert.

Bewertete Antworten

Nutzer können Antworten als gut oder schlecht bewerten und sorgen so dafür, dass gute Antworten prominenter angezeigt werden als schlechte. Nutzer können auch Fragen melden, die beleidigend oder rassistisch sind.

Auf Quora antworten oft Menschen, die Ahnung haben, wovon sie sprechen. Auf die Frage „Who’s Google’s main competitor?“ schrieb beispielsweise ein Autor, der zwei Bücher über Google und Facebook veröffentlich hat, dass Facebook der grösste Konkurrent von Google sei. Er erklärt es damit, dass Facebook sehr viele persönliche Informationen von seinen Nutzern hat, über die Google nicht (unbedingt) verfügt – wie der Freundeskreis oder das eigene Geburtstagsdatum.

Keine doppelten Fragen

Gibt man eine Frage ein, sieht man anhand eines Drop-Down-Menüs sofort, ob diese ein anderer Nutzer bereits gestellt hat. Findet man seine Frage nicht, kann man sie der Community stellen.

Jeder Nutzer kann bestimmten Themen folgen. Die Funktion „Daily Digest“ versorgt ihn dann täglich mit den am besten bewerteten Antworten zu den ausgewählten Themen.

Quora wurde gemäss Wikipedia 2009 von zwei ehemaligen Facebook-Mitarbeitern gegründet, weil sie eine gute Frage-und-Antwort-Plattform bauen wollten. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Kalifornien.

Mit Googles Chromecast einfach auf Sendung

Seit das lichtschnelle Internet in Form einer kleinen, unscheinbaren Steckdose an der Wand in unserem Heim Einzug gehalten hat, stellen sich plötzlich neue Fragen. Das gewohnte Setup von Internet, Telefon und TV/Radio steht auf einmal zur Disposition. Ausserdem gehöre ich bei Glasfasern zur Risikogruppe derer, die alleine nur deswegen schon alles umstellen, damit sie die OTO-Box in Betrieb nehmen können.

Screenshot SRF-Play-App

Auch in der SRF-Play-App erscheint nach der Installation von Chromecast das Chromecast-Symbol in der rechten oberen Ecke. Damit wird das Streaming ausgelöst.

Bis jetzt konnte ich dieser Versuchung widerstehen, aber das wird sich ändern. Im Verlaufe des Planungsprozesses zum neuen Setup stellt sich die Frage, wie man die Bewegtbilder auf den noch nicht smarten Zweitfernseher bringen kann.  Minicomputer hinten am Bildschirm anschrauben, Streaming Box einstöpseln oder gleich einen Receiver von einem TV-Streaming-Service anschliessen?

Es braucht nur einen HDMI-Anschluss
Eine in der Schweiz weniger bekannte Variante ist ein kleines Gerät von Google mit dem Namen Chromecast.  Damit lassen sich Inhalte vom Android Smartphone oder aus jeglichem Chrome-Browser-Fenster auf einen Fernseher/Beamer streamen. Voraussetzung ist: Das Gerät muss einen HDMI-Anschluss haben und das Smartphone  bzw. das Gerät auf dem der Chrome-Browser läuft, muss sich im gleichen Netz befinden. So weit so einfach.

Hardware und Software sehr einfach zu installieren
Die etwa 8 Millimeter dicke, runde Scheibe hat zwei Anschlüsse: Einen HDMI- und einen USB-Anschluss. Der HDMI-Anschluss wird im Fernseher eingesteckt und der USB-Anschluss dient der Stromzufuhr. Dies kann entweder durchs Einstecken in einen USB-Anschluss am Fernseher oder mit einem Stromadapter erledigt werden.  Hardwareseitig ist die Installation dann auch schon beendet.

Auch die Installation der Software mit einem Android-Smartphone ist einfach. Die Installation nur mit dem Chrome-Browser habe ich nicht durchgeführt.  Folgt man den Anweisungen genau, ist die Einrichtung inkl. automatischem Update in maximal fünf Minuten beendet. Was den Datenschutz betrifft: Die dafür nötige Google Home App verlangt zwei Berechtigungen: Kontakte (keine Ahnung wieso?) und Standort. Die Kontakte sind weder für die Installation, noch für den Betrieb nötig. Der Standort ist zumindest für die Installation von Chromecast nötig. Für die Verwendung nicht.

Praktisch und kaum merkliche Verzögerung
Chromecast ist alles in allem ein praktisches Gadget. Es ist günstig (um die 40 SFr.), funktioniert zuverlässig, reagiert auf Eingaben auf dem Smartphone ohne merkliche Verzögerung und wird von Streaming-Apps unterstützt. In der TV-Streaming-App Zattoo, in der Youtube- oder SRF-Play-App erscheint nach Installation des Chromecast das Chromecast-Symbol (siehe Beitragsbild), dass das Streaming auf den Chromecast auslöst. Auch das funktioniert reibungslos und innerhalb weniger Sekunden.

Chromecast überzeugt vollständig

So kann man im Endeffekt mit einem Android-Smartphone und dem Chromecast jeden HDMI-fähigen Fernseher zu einem Wireless-Streaming-Gerät aufrüsten. Innerhalb weniger Tage habe ich Chromecast auch auf dem Hauptfernseher schätzen gelernt. Die Youtube-App auf dem Samsung-TV ist in der Handhabung so mühsam und unzuverlässig, dass ich fast immer das Streaming mit Chromecast bevorzuge. Ausserdem denke ich schon darüber nach, ob ich Chromecast Audio ausprobieren soll…

Verschiedene Welten

pixabay.com // Rupert Kittinger-Sereinig

Ein Nerd und ein technikfremder Mensch unterhalten sich.

Du, ich habe ein Problem.

Ja, welches denn?

Ich habe mehrere Mailadressen und muss die immer einzeln aufrufen. Vor allem diejenigen meiner Arbeits-Mailadresse. Das nervt.

Verstehe ich. Das kannst du aber ganz einfach lösen.

Echt, wie denn?

Du kannst dir einfach alle Mails auf ein einziges Mailkonto umleiten lassen. Dann musst du sie nur auf einem Konto aufrufen.

Oh, das wäre genial.

Ok, auf welche Adresse möchstes du denn deine Mails umleiten lassen?

Auf meine private Adresse.

Bei welchem Anbieter ist die?

Es ist eine gmail.com-Adresse.

Also eine Google-Adresse.

Wie?

Gmail ist der Mailservice von Google.

Ah … ja. Genau.

Ich schicke dir einen Link für eine Anleitung, ok? Ist ganz einfach.

Hmm … ja … ok.

(Zwei Wochen später)

Und, hast du dein Mailproblem lösen können?

Mmm … ich muss deine Anleitung noch lesen. Bin noch nicht dazu gekommen.

Es wirklich ganz einfach, du wist sehen. Du musst nur den Instruktionen folgen.

Ok.

Und wenn es wirklich nicht geht, rufst du mich an. Dann machen wir es auf meinem Notebook.

Auf deinem Notebook?!

Ja. Gibt es damit ein Problem?

Dann hast du aber Zugriff auf meine Mails. Das will ich nicht.

Nein, nein, du loggst dich einfach ein, wir machen das zusammen auf deinem Gmail-Konto und dann loggst du dich wieder aus. Ich werde danach keinen Zugriff auf deine Mails haben, weil du dich ja ausgeloggt hast. Und wenn du ganz sicher sein willst, löschen wir noch alle Cookies und den Browserverlauf und die Sache ist gebongt.

Ich verstehe kein Wort.

(Seufzt) Ich mag dir das jetzt nicht im Detail erklären. Aber du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Ich werde keinen Zugriff auf dein Mailkonto haben.

Ok. Ich versuchs jetzt mal noch mit der Anleitung, sonst rufe ich dich an.

Wir könnten es sonst auch noch anders machen.

Wie denn?

Du kannst alle deine Mails auf deinem Handy einrichten.

Ich möchte aber mein Arbeitsmail nicht auf meinem Handy bekommen.

Aber deine Mails von Gmail bekommst du auf deinem Handy?

Ja, die natürlich schon.

Wenn du aber deine Arbeitsmails auf deine Gmail-Adresse umleitest, wirst du sie dann auch auf deinem Handy haben.

Das verstehe ich jetzt nicht.

(Atmet tief ein und aus). Ich zeichne es dir auf. (Zeichnet eine Skizze) Siehst du, deine Arbeitsmails werden auf deinem Handy landen.

Das möchte ich nicht.

Dann kannst du sie aber nicht auf deine Gmail-Adresse umleiten lassen.

Das möchte ich aber.

(Rauft sich die Haare) Also, nochmal von vorn: Du willst deine Arbeitsmails in deinem Gmail-Konto erhalten, willst aber nicht das Mail deines Arbeitgebers auf deinem Handy einrichten?

Ja, genau.

(Der Nerd murmelt etwas Unverständliches)

Was hast du gesagt?

Nichts Wichtiges. Du, ich muss jetzt los. Du versuchst das mit der Anleitung und wenn es nicht geht, rufst du mich an. Ok?

Perfekt.

(Drei Wochen später)

Und?

Es funktioniert nicht. Ich bekomme irgendwie gar keine Mails mehr seit ein paar Tagen.

Hast du alles genauso gemacht, wie es in der Anleitung steht?

Wort für Wort. Ich schwöre.

Ok, wir schauen uns das jetzt zusammen an.

(30 Minuten später)

Ich weiss nicht genau, was du gemacht hast. Aber jetzt funktioniert es auf jeden Fall. Wir machen jetzt einen Test. Ich schreibe dir auf deine Arbeitsadresse ein Mail und dann sehen wir, ob du sie auf deinem Handy auf deiner Gmail-Adresse bekommst.

(Schickt das Mail)

Und?

Ja. Es funktioniert!

Na siehst du.

Und wie hast du das jetzt genau gemacht?

Ich zeigs dir.

(Zeigt den Ablauf)

Das war so einfach? Das hätte ich ja selbst auch gekonnt.

Das sage ich dir ja die ganze Zeit!