Verschiedene Welten

pixabay.com // Rupert Kittinger-Sereinig

Ein Nerd und ein technikfremder Mensch unterhalten sich.

Du, ich habe ein Problem.

Ja, welches denn?

Ich habe mehrere Mailadressen und muss die immer einzeln aufrufen. Vor allem diejenigen meiner Arbeits-Mailadresse. Das nervt.

Verstehe ich. Das kannst du aber ganz einfach lösen.

Echt, wie denn?

Du kannst dir einfach alle Mails auf ein einziges Mailkonto umleiten lassen. Dann musst du sie nur auf einem Konto aufrufen.

Oh, das wäre genial.

Ok, auf welche Adresse möchstes du denn deine Mails umleiten lassen?

Auf meine private Adresse.

Bei welchem Anbieter ist die?

Es ist eine gmail.com-Adresse.

Also eine Google-Adresse.

Wie?

Gmail ist der Mailservice von Google.

Ah … ja. Genau.

Ich schicke dir einen Link für eine Anleitung, ok? Ist ganz einfach.

Hmm … ja … ok.

(Zwei Wochen später)

Und, hast du dein Mailproblem lösen können?

Mmm … ich muss deine Anleitung noch lesen. Bin noch nicht dazu gekommen.

Es wirklich ganz einfach, du wist sehen. Du musst nur den Instruktionen folgen.

Ok.

Und wenn es wirklich nicht geht, rufst du mich an. Dann machen wir es auf meinem Notebook.

Auf deinem Notebook?!

Ja. Gibt es damit ein Problem?

Dann hast du aber Zugriff auf meine Mails. Das will ich nicht.

Nein, nein, du loggst dich einfach ein, wir machen das zusammen auf deinem Gmail-Konto und dann loggst du dich wieder aus. Ich werde danach keinen Zugriff auf deine Mails haben, weil du dich ja ausgeloggt hast. Und wenn du ganz sicher sein willst, löschen wir noch alle Cookies und den Browserverlauf und die Sache ist gebongt.

Ich verstehe kein Wort.

(Seufzt) Ich mag dir das jetzt nicht im Detail erklären. Aber du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Ich werde keinen Zugriff auf dein Mailkonto haben.

Ok. Ich versuchs jetzt mal noch mit der Anleitung, sonst rufe ich dich an.

Wir könnten es sonst auch noch anders machen.

Wie denn?

Du kannst alle deine Mails auf deinem Handy einrichten.

Ich möchte aber mein Arbeitsmail nicht auf meinem Handy bekommen.

Aber deine Mails von Gmail bekommst du auf deinem Handy?

Ja, die natürlich schon.

Wenn du aber deine Arbeitsmails auf deine Gmail-Adresse umleitest, wirst du sie dann auch auf deinem Handy haben.

Das verstehe ich jetzt nicht.

(Atmet tief ein und aus). Ich zeichne es dir auf. (Zeichnet eine Skizze) Siehst du, deine Arbeitsmails werden auf deinem Handy landen.

Das möchte ich nicht.

Dann kannst du sie aber nicht auf deine Gmail-Adresse umleiten lassen.

Das möchte ich aber.

(Rauft sich die Haare) Also, nochmal von vorn: Du willst deine Arbeitsmails in deinem Gmail-Konto erhalten, willst aber nicht das Mail deines Arbeitgebers auf deinem Handy einrichten?

Ja, genau.

(Der Nerd murmelt etwas Unverständliches)

Was hast du gesagt?

Nichts Wichtiges. Du, ich muss jetzt los. Du versuchst das mit der Anleitung und wenn es nicht geht, rufst du mich an. Ok?

Perfekt.

(Drei Wochen später)

Und?

Es funktioniert nicht. Ich bekomme irgendwie gar keine Mails mehr seit ein paar Tagen.

Hast du alles genauso gemacht, wie es in der Anleitung steht?

Wort für Wort. Ich schwöre.

Ok, wir schauen uns das jetzt zusammen an.

(30 Minuten später)

Ich weiss nicht genau, was du gemacht hast. Aber jetzt funktioniert es auf jeden Fall. Wir machen jetzt einen Test. Ich schreibe dir auf deine Arbeitsadresse ein Mail und dann sehen wir, ob du sie auf deinem Handy auf deiner Gmail-Adresse bekommst.

(Schickt das Mail)

Und?

Ja. Es funktioniert!

Na siehst du.

Und wie hast du das jetzt genau gemacht?

Ich zeigs dir.

(Zeigt den Ablauf)

Das war so einfach? Das hätte ich ja selbst auch gekonnt.

Das sage ich dir ja die ganze Zeit!

Zuckerberg ist der Hammer – das Evangelium in Blau

Also ich weiss nicht, ob es sich bei allen rumgesprochen hat: Vor rund zwei Wochen haben wir Normalsterblichen wieder einmal direkte Order von oben bekommen. Mark Zuckerberg hat uns erklärt, was zu tun ist, damit die Zukunft (natürlich mit gütiger Hilfe von Facebook) ein besserer Ort wird. Wenn ich nur schon daran denke, kommen mir die Tränen vor Freude. Endlich gehts los mit der tollen Zukunft.

Hammer mit Oberteil eines Nagels

Zucki ist ein Hammer: Alle Probleme lassen sich mit Facebook lösen.

Prophet Mark kommt zu Wort
Ich hoffe sehr für uns, dass dieser Teil des Zuckerberg’schen Evangeliums auch so gut für die Nachwelt erhalten bleibt wie die Bibel. Ich als Mitglied des Fussvolkes würde mich nie trauen, an seinen Worten zu zweifeln und so zu tun, als ob ich alles verstehe, was er sagt. Darum schlägt jetzt die Stunde der Prediger, die sich mächtig ins Zeug gelegt haben, um uns zu erklären, was uns der Prophet Mark wohl zwischen den Zeilen sagen wollte. Und wahrlich, ich sage euch, die Interpretationen (z.B. die von Netzpolitik.org) sind zahlreich.

Schweissausbrüche heiligen die Mittel
Spass beiseite. Dieser an die „Community“ gerichtete Appell, doch bitte in Zukunft mehr Facebook zu nutzen, kommt nicht von ungefähr. Es mag ja sein, dass der Mark sein eigenes Süssholzgeraspel glaubt und seine Website als Werkzeug des Guten sieht. Es kommen mir aber Zweifel, wenn ich berücksichtige, wie es um den Ruf seiner Bude als Fake-News-Schleuder steht. Dazu kommt noch, dass eine Auswertung von 25 Millionen Facebook-Posts durch MAVRCK (eine Marketingbude) ergeben hat, dass im Jahr 2016 z.B. die Nutzer gut 30 Prozent weniger Inhalte geteilt haben … (und nicht nur das). Da kann der Chef schon mal ins Schwitzen kommen.

Stoff für Ferndiagnosen
Meistens lohnt es sich, solche Kommunikationsauswüchse von CEOs zu ignorieren. Sie tragen selten zur Aufklärung bei und sind als Meinung so gut wie die eines jeden anderen. Und glücklicherweise gerät dieses Vorurteil heute nicht ins Wanken. Sollte man allerdings das Interesse haben, für kurze Zeit die verdrehte Denkblase von Mark Zuckerberg zu besuchen, dann ist für erschreckende Unterhaltung gesorgt. Eigentlich ist das ein gefundenes Fressen für eine psychologische Ferndiagnose. Wer will als Erster?

Zuckerberg, ein Mann mit Scheuklappen
Und zum Schluss noch eine kurze Bemerkung zum Inhalt. Es soll in diesem Blog ja auch was für die Bildung getan werden. Zucki gedenkt die Probleme der Welt, wer ist überrascht, mit mehr Facebook zu lösen. Gemeinsinn, so glaubt er, lässt sich mit mehr Facebook-Gruppen herstellen. (Und da nennt man Trump einen grössenwahnsinnigen Egomanen?) Mark Zuckerberg ist das, was man einen Hammer nennt. Und für einen Hammer sehen alle Probleme aus wie Nägel. Man hat das Gefühl, seine Vorstellungskraft endet am Logout-Button.

Eingeschlossen

Vor kurzem habe ich einen Artikel über die Plagen des Alltags gelesen. Da ging es unter anderem um schreiende Kleinkinder, aggressive Autofahrer, Platznot und den Hochnebel. Das war ganz lustig zu lesen.

flickr.com // Wasile // CC BY-NC 2.0

Allerdings fehlte etwas in dieser Aufzählung. Eingeschlossene Handys. Genauer gesagt Handys, die in einem Spind, zum Beispiel in einem Hallenbad, eingeschlossen sind. Beziehungsweise: Handys, die dort eingeschlossen sind und Geräusche von sich geben. Einen Weckruf beispielsweise. Typ Atomreaktoralarm, Stufe 3. Und zwar im Endlosmodus. Falls Sie dummerweise Ihren Spind gleich daneben haben, sind Sie danach sicher wach. Nur leider ist das nicht der Zweck der Übung.

Endlosanrufe

Es gibt natürlich auch immer wieder Handys, die im Spind klingeln. Das ist ja normalerweise auch kein Problem. Normalerweise. Eine Weile lang habe ich jeden Morgen um die gleiche Zeit das Handy einer Frau gehört. Vermutlich hatte sie mit ihrem Freund Schluss gemacht und der Arme hatte riesigen Liebeskummer. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass das immer gleiche Handy mit dem immer gleichen Klingelton jeden Morgen um ca. 6:30h im immer gleichen Spind in meinem Hallenbad endlos klingelte. Und sobald der Klingelton abriss, ein paar Sekunden verstummte, um dann wieder von vorne zu beginnen.
Ich meine, wenn die beiden damals wirklich miteinander geredet hätten – also die Besitzerin des Handys und der Anrufer – hätten sie schnell herausgefunden, dass Anrufe zwischen 6h und 7h morgens vermutlich ins Leere laufen, weil die Besitzerin des Handys dann im Bassin ihre Runden dreht. Inzwischen hat sich der Mann vermutlich von seinem Liebeskummer erholt. Oder die Frau kommt nicht mehr schwimmen. Zumindest ihr Handy ist verstummt.

Alltagsgeräusch – und doch …

Ich weiss. Handys klingeln überall. Im Kino, im Tram, im Zug oder bei der Arbeit. Auf die verschiedenen Melodien, die man dabei zu hören bekommt, will ich gar nicht eingehen. Aber normalerweise klingeln sie nicht lange. Andernfalls, wenn der Arbeitskollege mit der telefonsüchtigen Freundin mal wieder sein Handy auf dem Tisch liegengelassen hat, kann man es unter ein Kleidungsstück stecken, dann ist der Ton wenigstens gedämpft (man darf einfach nicht vergessen, ihm hinterher Bescheid zu sagen). Oder man kann den Handybesitzer auch direkt ansprechen und ihn freundlich darauf hinweisen, dass sein Handygeklingel nervt. Bei eingeschlossenen Handys hingegen kann man nichts machen. Ausser zu verschwinden oder den Ton schlichtweg zu ignorieren.
Dabei wäre es so einfach: Der Vibrationsmodus funktioniert im Alltag perfekt. Das surrende Geräusch stört kaum jemanden. Und ein Alarm, der ins Leere klingelt, ist nun mal ein schlechter Alarm. Besonders dann, wenn er aus einem geschlossenen Spind kommt.

Ein Klick und der Russe vor der Tür ist weg

Wer die letzten eineinhalb Jahre nicht in einem Loch in der Erde verbracht hat, wird wohl davon gehört haben, dass die Russen wieder kurz davor stehen, den Weltfrieden zu vernichten. Sie expandieren an allen Ecken und Enden (Ukraine), klüngeln mit widerlichen Diktatoren (Syrien) und verwandeln mit Fake-News bzw. Cyber-Attacken gestandene Demokratien in Bananenrepubliken (USA). So plärrt es zumindest aus den (Medien)-Lautsprechern.

Zwei Screenshot zur Google Suche mit den Begriffen BND Russland und Wahlen.

Mit einem Klick auf die Rubrik News verändert sich der Blick auf die Realität drastisch. Wer von uns macht diesen Klick? (Stand 13.02.2017)

Der rote Bär geht um
Und welches Land wird das nächste sein? Welches Land wird als nächstes von den mächtigen Fängen des russischen Bären aus seiner liberalen, demokratischen Umlaufbahn geworfen? Man munkelt, er werde dieses Jahr seine Pranken in die Bundestagswahlen von Deutschland schlagen. Seit Monaten warnen deutsche Politiker, unter anderem angestachelt vom Chef des Bundesnachrichtedienst (BND), vor den Einmischungsversuchen der Russen. Uns wurde ein heisser Wahlherbst angekündigt…

Ничего (nichts)
Mit Enttäuschung muss ich jetzt feststellen, dass die Versprechungen wohl ein wenig zu hoch gegriffen waren. Die deutschen Wahlen könnten doch langweiliger werden als versprochen. Die Zeit.de titelt nämlich: „Keine Beweise für russische Desinformationskampagne“. Nach einer einjährigen Untersuchung fand der BND keine Belege dafür, dass Russland die deutsche Öffentlichkeit zu manipulieren versucht.

Das Gesicht wahren?
Trotz des eindeutigen Ergebnisses lassen sich sowohl die Zeit.de als auch der BND eine Hintertür offen. Es gäbe Grund zur Sorge, denn Russland sei (hört, hört!) auf einem „konfrontativen“ Kurs gegenüber Deutschland, sagen sie. Ausserdem bedeutet die Formulierung „keine Belege“ etwas anderes, als zu schreiben, sie hätten nichts gemacht.

Mit einem Klick die Welt verändern
Die Spitze dieser Realsatire ist aber der eigentliche Auslöser für diesen Post: Meine neueste Google-Suche zum Thema (s. Bild). Links sind die Resultate der allgemeinen Suche zu sehen und rechts diejenigen in der Rubrik News (13.02.2017). Mit nur einem Klick löst sich das russische Schreckgespenst in Luft auf und die Demokratie ist gerettet. Endlich können wir alle wieder beruhigt schlafen.

Einkauf mit Hindernissen

Es ist Abend und die Warteschlange vor den vier Self-Checkout-Automaten im Coop ist lang. Als ich an der Reihe bin, gehe ich zum leeren Checkout, um meine Einkäufe einzuscannen. Doch da sehe ich, dass dort eine Flasche Eistee liegt, zusammen mit einer Packung Kaugummis. Der Bildschirm meldet, dass noch 40 Rappen fehlen, um den Einkauf abzuschliessen.

flickr.com / slgckgc / CC BY 2.0

Ich versuche den verlorenen Käufer ausfindig zu machen. Da kommt er schon um die Ecke: ein Junge, etwa sieben Jahre alt. Ihm fehlen nicht 40, sondern nur 5 Rappen, denn 35 Rappen hält er in seiner Hand. Bis ich das aber verstehe, vergeht eine Weile. Schliesslich zahle ich ihm den fehlenden Betrag und er bedankt sich überschwänglich und geht. An der Kasse hätte man ihm die 5 Rappen wahrscheinlich durchgehen lassen. Oder einer der Kunden hätte sie ihm gezahlt. Aber ein Checkout-Automat versteht da keinen Spass.

Die Warteschlange ist inzwischen um einiges länger geworden.

Zwei von vier stehen still

Nach etwa fünf Minuten fällt mir auf, dass der Checkout-Automat rechts neben mir frei ist. Eine Frau steht zuvorderst in der Warteschlange und starrt gedankenverloren ins Leere. Ich winke ihr zu, um sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie eigentlich an der Reihe wäre. Doch sie schüttelt nur den Kopf und erklärt, der Checkout-Automat funktioniere nicht.

Ich beuge mich zum Bildschirm des Automaten hinüber. Dort steht „Papierrolle leer“. Die gedankenverlorene Frau macht mich darauf aufmerksam, dass ein zweiter Checkout-Automat hinter mir ebenfalls eine Fehlermeldung anzeigt und nicht mehr funktioniert. „Ich habe schon nach Hilfe gerufen, aber niemand kommt“, meint sie schulterzuckend.

Zwei von vier Checkout-Automaten sind also ausser Betrieb. Etwa zehn Menschen stehen stoisch in der Warteschlange und niemand regt sich.

Ich erkläre der nächstbesten Kassiererin die Situation. Welcher der vier Automaten denn kaputt sei, will sie wissen. Ich verstehe nicht, wieso das relevant sein soll und mache eine vage Handbewegung zur Seite: „Na, die beiden dort drüben halt“, antworte ich, inzwischen leicht genervt.

Sie bittet eine Kollegin um Hilfe und ich fahre fort, meine Einkäufe zu scannen.

Keine zweite Runde mehr

Als ich meine drei Avocados einpacken will, merke ich, dass eine davon faul ist. Neben mir steht inzwischen eine Coop-Mitarbeiterin und wechselt die Papierrolle. Ich mache sie auf mein Avocado-Problem aufmerksam und frage sie höflich, ob ich ihr die faule Avocado geben könne und mir stattdessen nach dem Zahlvorgang im Früchteregal eine neue holen könne. Sie schüttelt den Kopf und erklärt mir, ich solle die Avocado einfach löschen, mir dann eine neue holen und erneut anstehen, um diese zu zahlen. Wie zur Bestätigung löscht sie mir ungefragt die dritte Avocado auf meinem Bildschirm.

Da reisst mir der Geduldsfaden. „Hören Sie, ich zahle jetzt drei Avocados, packe zwei davon ein und hole mir nachher eine dritte. Ich stehe hier nicht noch einmal an. Und diese hier nehmen Sie bitte mit.“ Ich drücke ihr die faule Avocado in die Hand, sie starrt mich wortlos an und sagt nichts mehr. Vermutlich fragt sie sich, was mit mir los ist. Sie weiss nicht, dass ich seit einer gefühlten halben Stunde an diesem Checkout stehe und versuche, meinen Einkauf zu Ende zu bringen.

Als ich endlich zahlen könnte, erscheint eine Meldung auf meinem Bildschirm: „Altersüberprüfung“. Ich stöhne innerlich auf. Ich habe zwei Flaschen Bier gekauft. Natürlich. Glücklicherweise steht die Verkäuferin immer noch neben mir und bringt die Sache wortlos in Ordnung. Sie vermeidet es, mich dabei anzusehen und ich fühle mich schlecht, weil ich sie vorhin so angefahren habe.

Endlich kann ich zahlen, packe meine Einkaufstüten und gehe zurück zum Früchteregal. Dort hole ich mir die schönste Avocado, die ich finden kann. Als ich zum Ausgang laufe, erwarte ich halbwegs, dass mich ein Mitarbeiter stoppt und mich fragt, ob ich die Avocado nicht zahlen will. Aber niemand beachtet mich und ich verlasse den Laden.

Bis zu diesem Tag habe ich Self-Checkout-Automaten gemocht.

FTC mit einem Schuss vor den Bug von D-Link

Jeder kennt diesen Moment, wenn man voller Bestätigung zu sich selbst sagt: „Endlich! War aber auch schon höchste Zeit!“. So einen angenehmen Moment durfte ich vor zwei Wochen erleben, als ich auf dem Weg ins Training war. In einem meiner Podcasts hörte ich, wie die Federal Trade Commission  (FTC) in den USA ihre eigene Subline „Protecting America’s Consumers“ auch mal in einem neuen Bereich der Konsumentenwelt ernst genommen hatte: Sie klagte den taiwanesischen Hersteller D-Link wegen mangelnder IT-Sicherheit bei mehreren seiner Produkte an.

Webkamera auf einem Flachbildschirm

D-Link ist hoffentlich nur der erste Hersteller, der von einer Klage betroffen sein wird.

Schludriger Umgang mit der Sicherheit
Unter den von der FTC aufgelisteten Verfehlungen fanden sich z.B. das „harte codieren“ von Passwörtern in Hardware, sodass die Passwörter nicht geändert werden können (so ist der Zugang von Fremden auf die Life-Feeds von Webcams im eigenen Haus möglich). Ausserdem speichern die Apps von D-Link die Login-Daten auf dem Smartphones unverschlüsselt. Dies ermöglicht es anderen Apps diese auszulesen und Fremden zur Verfügung zu stellen. Nicht zuletzt hatte der falsche Umgang mit dem geheimen Sicherheitsschlüssel von D-Link zur Folge, dass der Sicherheitsschlüssel sechs Monate lang online der Öffentlichkeit zugänglich war…

D-Link meiden
Gemäss diesen Erkenntnissen argumentiert die FTC in der Klage, dass D-Link irreführende (Sicherheits)-Versprechen gegenüber den Kunden gemacht und dadurch die Privatsphäre der Nutzer riskiert habe, indem minimale IT-Sicherheitsstandards nicht eingehalten worden seien. Diese Klage erstreckt sich über verschiedene Produkte und sollte allen Nutzern ernsthaft zu denken geben. Sogar ich, wahrlich kein Experte für IT-Sicherheit, weiss, dass es sich hier um Anfängerfehler handelt. Ich werde D-Link von meiner Einkaufsliste streichen.

Wo kein Schaden, da kein Kläger?
Interessant war dann noch die Reaktion des angeklagten Unternehmens. Gemäss eines Artikels von PCWorld reagierte D-Link mit dem Argument, dass die FTC keinen Schaden nachweisen könne. Es bleibt abzuwarten, ob die FTC noch mit Fällen von Geschädigten aufwarten kann. Auf jeden Fall lohnt es sich, diesen Fall weiter zu beobachten, denn hier wird indirekt über den Wert von Privatsphäre im digitalen Raum verhandelt.

Traraaaa! Die Schlacht ist eröffnet!
Wie auch immer dieser Gerichtsfall ausgeht: Ich sehe diese Anklage als ersten Wink mit dem Zaunpfahl an die Hersteller der Internet-of-Things-Produkte, sich in Sachen Sicherheit mehr anzustrengen. Endlich! War aber auch schon höchste Zeit!

Überflutet

Es gibt sie noch. Die Menschen, die weder ein Handy noch einen Internetanschluss besitzen. Die keine Ahnung haben, was ein „Like“ oder ein Hashtag ist und wofür Xing gut sein soll. Beziehungsweise, dass Xing überhaupt existiert. Oder Whatsapp.

Bild: Janine Aegerter

Ich kenne einen von ihnen. Er nutzt das Internet etwa einmal im Monat, um auf Youtube Musikvideos zu hören. Von den Stones. Oder Chuck Berry. Das macht er aber nicht daheim. Denn er hat zu Hause keinen Internetanschluss. Hätte er einen, würde es ihm „den Ärmel reinziehen“, wie er selbst sagt. Er würde Stunden damit verbraten, sich Videos anzusehen. Er fürchtet sich davor, sich in den unzähligen Verweislinks auf Youtube zu verlieren.

Geniessen, aber nicht zu lange
So lässt er sich lieber ein, zwei oder drei Stunden berieseln, bis er merkt, dass er aufhören muss. Dann reisst er sich los und geht heim. Meistens kocht er dann oder spielt auf seiner Gitarre, um wieder zurück auf den Boden zu kommen. Das braucht er auch. Denn diese Ausflüge in die Tiefen des mächtigen Videoportals sind für ihn sehr gefährlich. Sagt er.
Ich habe ihm das lange nicht geglaubt. Bis ich ihn einmal während einer seiner Youtube-Sessions getroffen habe. Seine Augen strahlten, waren aber gleichzeitig seltsam starr, als wäre er auf einem Drogentrip. Er wirkte nicht wie er selbst, sprach viel schneller als sonst. Er schwärmte von der Musik, sagte, sie transportiere ihn in seine Jugendzeit zurück.
Seine alten Erinnerungen wurden wieder wach, er sah wieder die Mädchen vor sich, für die er damals geschwärmt hatte und fühlte sich, als wäre er wieder 15. Sein Hirn, von Glückshormonen überflutet, versetzte ihn in eine Art Trance. Die Informationsflut, die ihm entgegenfloss, hielt ihn gefangen. Er hat nie gelernt, mit den Reizen des Internets umzugehen. Oder sie zu ignorieren. Als wäre er aus den Fünfzigerjahren in die Zukunft gereist.
Sind wir alle überflutet?
Auch ich bin manchmal gefangen vom Bildschirm meines Handys. Wenn ich es bemerke, schaue ich mich um und sehe dann oft ganz viele Menschen um mich herum, die auch von ihren Handys gefesselt sind. Dann verstehe ich ein bisschen besser, was er meint, wenn er sagt, dass das Internet für ihn gefährlich ist. Es ist für uns alle gefährlich, bis zu einem gewissen Grad. Das Internet ist zu einer Art Droge für die Massen geworden.
Aber pragmatisch betrachtet ist es wie mit Schoggi: Jeden Tag ein bisschen ist kein Problem. Solange wir noch miteinander reden und lachen, Flausen im Kopf haben, füreinander kochen und die Natur geniessen, haben wir nichts zu befürchten.

Mit Karton in die virtuelle Unterhaltung

Jetzt ist es schon bald drei Jahre her, dass Jungs von Google an der jährlichen Entwicklerkonferenz I/O ihr Google Cardboard vorgestellt haben. Zu Recht erregten sie damit einiges Aufsehen. Ziel von Google Cardboard war es, für wenig Geld den Menschen (und Entwicklern) einen Einblick in die virtuelle 3D-Welt zu ermöglichen. Und das mit Erfolg.

Mit dieses Video zeigt die Gipfelbesteigung des Eiger. Mit einem Klick auf das Cardboard-Symbol unten rechts teilt sich der Bildschirm in zwei Teile.

Restliche Welt ausblenden
Google Cardboard ist ein Karton-Gestell, in das man sein Smartphone einspannen und mit einem Gummiband am Kopf befestigen kann. Die zwei darin enthaltenen Linsen ermöglichen dem Benutzer stereoskopisches Sehen und blenden mit den seitlichen Wänden die restliche Umwelt aus. Es ist das, was man als Virtual-Reality-Brille bezeichnet. Recht rudimentär und nicht besonders bequem, aber dafür auch für nur schlappe 20 Franken erhältlich.

Inhalte vervielfacht
Obwohl Cardboard nicht neu ist, lohnt sich ein Kauf jetzt immer noch. Denn inzwischen haben sich die konsumierbaren Inhalte vervielfacht. Man findet auf Youtube eine Menge davon. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass die für die Aufnahme nötigen speziellen Kameras deutlich günstiger geworden sind. Ausserdem haben sich endgültig die Smartphones mit der nötigen Bildschirmgrösse etabliert. Nicht zuletzt ist Cardboard jetzt sehr einfach zu kaufen.

Gipfelbesteigung im Wohnzimmer
Für den Einstieg lohnt es sich, die Google Cardboard App zu installieren. Damit bekommt man ein paar einfache Anwendungen vorgeführt wie beispielsweise Flüge durch virtuelle Welten oder Google Earth. Daneben kann ich nur empfehlen, in Youtube nach „Cardboard video 360“ zu suchen. Da sind ein paar interessante Filme zu finden. Unter anderem auch eine spektakuläre Gipfelbesteigung des Eigers, bei der man sich in alle Richtungen umsehen kann.

Erstaunlicher Erstkontakt
Es ist ziemlich erstaunlich, wie weit man mit einem Stück Karton und zwei Linsen in die virtuelle Realität eintauchen kann. Wenn man ein Smartphone mit der Bildschirmgrösse von fünf bis sechs Zoll hat und sich noch wenig mit den Möglichkeiten der virtuellen Realität beschäftigt hat, lohnt sich der Kauf auf jeden Fall.

Ticketkauf auf Italienisch

Ich war kürzlich am Bahnhof Milano Centrale und wollte ein Metro-Tagesticket für die Innenstadt lösen. Vor dem Eingang zur Metro standen ein paar Ticketautomaten, die Bargeld sowie EC- oder Kreditkarten akzeptierten. Vor einigen Automaten hatten sich Warteschlangen gebildet.

Ein leeres Perron des Bahnhofs Milano Centrale (Bild: flickr.com // Nathan Guy // CC BY-SA 2.0).

Ich ging zu einem freien Automaten, klickte mich durch das Menü, schob die Karte in den Schlitz und tippte meinen Code ein. „Vorgang nicht ausgeführt“, hiess es auf Italienisch auf dem Display. Da ich wusste, dass mit der Karte alles in Ordnung war, versuchte ich es ein zweites Mal an einem anderen Automaten. Fehlanzeige.

Keine grossen Noten

Ich versuchte es ein drittes Mal, diesmal mit Bargeld. Münzen hatte ich keine, nur eine 50-Euro-Note. Leider wollte der Automat partout keine grosse Note schlucken. Als ich mich umsah, fiel mir auf, dass die Personen an den anderen Automaten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen schienen. Die Warteschlangen waren auch länger geworden. Eine Frau, möglicherweise eine Angestellte der Metro, wuselte zudem zwischen den Menschen hin und her und versuchte hektisch ihnen zu erklären, wie sie den Automaten bedienen sollten. Ihre Erklärungen schienen allerdings nicht zu fruchten.

Ich beschloss, meine Geldnote am nahen Kiosk zu wechseln. Also schnappte ich mir einen Kaugummi und streckte ihn dem Kioskverkäufer zusammen mit dem Geld entgegen. Statt die Note zu nehmen, hielt er mir ein Bündel Tickets unter die Nase. „Brauchen Sie noch Metrotickets?“ Und ob ich die brauchte.

Einsame Ticketautomaten

Gleicher Bahnhof, ein paar Stunden später. Mein Zug würde in einer halben Stunde fahren und ich musste noch ein Ticket für die Rückreise in die Schweiz besorgen. Vor den Ticketschaltern stand eine lange Warteschlange. Falls ich mich in die Schlange einreihte, würde ich es nicht schaffen, bis zur Abfahrt meines Zuges ein Ticket zu kaufen.

Etwas weiter hinten in der Halle standen einsam ein paar Ticketautomaten. Entweder funktionierten sie ähnliche schlecht wie ihre Cousins in der Metrohalle oder die Italiener mochten es, mit einem Menschen hinter dem Schalter zu plaudern. Ich musste mein Glück versuchen. Es blieb mir eh nichts anderes übrig. Und siehe da. Der Automat funktionierte problemlos. Und er bot obendrein alle Optionen, die sich ein Reisender nur wünschen konnte. Fünf Minuten später hatte ich mein Ticket und erwischte meinen Zug problemlos.

Auf der Heimreise fragte ich mich, warum all die Menschen wohl in der Schlange gewartet hatten. Sie hätten doch einfach ein Ticket am Automaten lösen können. Es wäre sogar möglich, online im Browser oder mit der Trenitalia-App Tickets zu kaufen (allerdings sind die  Bewertungen der App nur mittelmässig und scheinen nicht für alle Strecken zu funktionieren). Leider habe ich die Wartenden nicht gefragt.

Die Fakebusters – im Kampf gegen die Fake News!

Man soll ja auch mal loben, wenn es was zu loben gibt. So dürfen wir uns für das nächste Jahr mit gutem Gewissen grosse Hoffnungen machen. Die breit angelegte Missinformation der Bevölkerung wird ein Ende nehmen: Facebook hat sich zum Wohle der Community entschieden, Fake News zu bekämpfen. Und das ist gut so, denn wer möchte schon die Menschen dazu zwingen, dass sie selbst nachdenken müssen. Schon meine Grossmutter sagte immer: „Man soll nie selbst denken, wenn es auch ein anderer übernehmen kann!“

Testbild aus dem Fernsehen

Ein Bild für Insider: Als man dieses Bild im Fernsehen antraf, wusste man, dass es Zeit war, abzuschalten.

Denken beeinträchtigt die Gesundheit
Wir wissen es alle: Unzählige Aspirin-Studien belegen, dass ständiges Denken Kopfschmerzen bereitet. Und da wir diesem biologischem Zwang des Denkens sowieso schon andauernd ausgesetzt sind, müssen wir uns dem nicht auch noch in der Freizeit aussetzen. Das wäre ja, wie wenn man hauptberuflicher Jogger wäre (schon schlimm genug) und sich in der Freizeit auch noch zum Spass Waterboarding aussetzen würde. Das muss doch nicht sein. Darum hat sich Facebook entschieden, wie Mitte Dezember 2016 bekannt gegeben wurde, uns dabei zu helfen, den Newsfeed anzupassen und mit Warnungen zu versehen, damit wir nicht mal auf die Idee kommen selbst zu denken.

Ein rigoroser Prozess
Entsprechende Warnungen erhalten alle Links und Posts, die zuerst angezweifelt, überprüft und als „nicht wahrheitsgemäss“ eingestuft wurden. Da Facebook die ganze Arbeit nicht selbst erledigen kann (ist halt nur ein kleines Milliarden-Unternehmen), gibt es mehrere solcher Organisationen, die nun für uns nachdenken. Sie alle haben einen ausführlichen und streng überwachten Codex von beinah unzähligen fünf Punkten unterzeichnet! Von drakonischen Strafen bei Missachtung des Codexes wird bisher nicht gesprochen. Es bleibt uns also im Moment nur auf die weltberühmte Berufsehre der Fakebusters zu setzen.

Mehr Fake News, mehr Klicks für die Schiedsrichter
Die Liste aller Organisationen, die sich dem International Fact Checkers Network Code of Principles unterzogen haben, ist vorläufig übersichtlich. Von den 43 Namen fallen da aber einige sofort dadurch auf, weil sie Medienunternehmen sind oder dazu gehören. Wie beruhigend für uns alle, weil sich der Bock ja schliesslich am besten im Garten auskennt. Das Gute an der Sache ist: Die Fake Busters werden für ihre kritische Haltung mit Klicks belohnt (mehr Besuche der eigenen Website).

Alte Weisheit: einfach abschalten!
Jetzt da wir diese Fake Busters haben, können wir uns mit gutem Gewissen zurücklehnen. Vorbei sind die Tage, an denen wir uns mit überfordernden Fragen beschäftigen mussten und uns dies davon abhielt, ein Konsument zu sein. Am Ende des Tages bleibt uns nur noch, uns an Peter Lustig in der Kindersendung  Löwenzahn zu erinnern: „Also. Versucht’s doch auch mal. Es ist doch ganz einfach. Aber vorher abschalten!